Baiba Skride spielt alles, aber die übrigen Musiker können sich auch hören lassen - ein Besuch beim Moritzburg Festival
(Moritzburg im August 2009) Wer als Festivalleiter Baiba Skride als Einspringerin in einem Streichquintett von Mendelssohn aufbieten kann, der braucht sich um das künstlerische Profil seines Festivals keine Sorgen mehr zu machen. Zum wiederholten Mal tritt die Geigerin beim Moritzburger Kammermusikfestival des Cellisten Jan Vogler auf, ist hier in unterschiedlichen Besetzungen, vom Trio bis zum Quintett zu erleben.
Abgesehen von solchen Stars, die das Festival auch aufweist, sind es vor allem junge, weniger bekannte Talente, die Jan Vogler in Moritzburg präsentieren möchte.
Das Moritzburg Festival, seit 2001 unter der alleinigen künstlerischen Leitung von Vogler, hat sich durch seine Qualität weltweit längst als eines der angesehensten Festivals für Kammermusik etabliert. Ins Leben gerufen wurde es 1993 von dem Geiger Kai Vogler, dem Cellisten Peter Bruns und Jan Vogler. Angeregt wurden sie durch das amerikanische Marlboro-Festival, etwas Ähnliches auf Schloss Moritzburg, dem pittoresken Jagdschloss Augusts des Starken unweit von Dresden zu versuchen.
Etwa 20 Musikerinnen und Musiker, zumeist Solisten, werden seitdem alljährlich im August zum gemeinsamen Proben und Konzertieren eingeladen. Die Besonderheit des Moritzburg Festivals - außer den Auftritten in den historischen Räumen des berühmten Wasserschlosses - besteht darin, dass es keine feststehenden Ensembles gibt, die Musiker sich hier vielmehr immer wie neu zu Kammermusikgruppen formieren.
Herausragend etwa der junge russische Geiger Mikhail Simonyan, der unter anderem in der witzig-virtuosen frühen Rossini-Sonate A-Dur für zwei Violinen, Cello und Kontrabass zu hören war, oder die mit ungemein sanglichem Ton spielende amerikanische Cellistin Alisa Weilerstein. Sie trat zusammen mit Baiba Skride und der nicht minder beeindruckenden amerikanischen Bratschistin Carrie Dennis mit Bachs "Kunst der Fuge" in Quartettbesetzung auf (ebenfalls ein großes Talent: die deutsche Geigerin Sophia Jaffé).
Besonders an Moritzburg ist auch, dass man an einem Abend durchaus ganz unterschiedliche Besetzungen zu hören bekommt. Neben der Rossini-Sonate waren am 14. August auch Pablo de Sarasates Virtuosenstück "Navarra" für zwei Violinen (beeindruckend: Karen Gomyo und Mira Wang) und Klavier (Antti Siirala) John Harbisons "Fanfares and Reflection" für zwei Violinen von 1990 (mit den nämlichen Geigerinnen) und Mendelssohns B-Dur Streichquintett (Baiba Skride, Mikhail Simonyan, Maxim Rysanov, Carrie Dennis und Guy Johnston) zu erleben.
Auch konnte man in Moritzburg an einem Abend Bachs "Kunst der Fuge" und die "Goldbergvariationen", jeweils in Streicherbesetzung hören. In beiden Konzerten spielten Baiba Skride, Violine und Carrie Dennis, Viola - eine außerordentliche Leistung, nicht nur technisch-manuell, sondern auch intellektuell. Bei den "Goldbergvariationen" griff auch Jan Vogler zum Cello. Obgleich mit vielfältigen organisatorischen Aufgaben befasst, wirkt der Festivalleiter in zahlreichen Stücken selbst mit.
Und neben den Konzerten in faszinierenden Sälen des Schlosses und der evangelischen Jugendstilkirche von Moritzburg gibt es für alle Moritzburgbesucher kostenlos immer auch open-air Konzerte - auf dem See des einzigartigen Wasserschlosses. Ja, auf dem See, denn die Musiker spielen auf einem Floß, das langsam über den See schippert, während die Zuhörer an Land lauschen. Per Funk werden die Töne auf große Lautsprecher übertragen. Voraussetzung: gutes Wetter und ruhiger See...
Das Festival dauert noch bis zum 23. August - Informationen unter:
www.moritzburgfestival.de
Robert Jungwirth