Theater der Liebe

CD: Teatro d'amore Monteverdi Christina Pluhar, L'Arpeggiata Virgin Classics

Als barocke Jam-Sessions wurden Auftritte von Christina Pluhar und ihrem Ensemble L'Arpeggiata auch schon bezeichnet. Seit den 90ger Jahren ist die österreichische Harfenistin in der Alten Musik Szene bekannt für ihre schlanken, ja geradezu tänzerischen Interpretationen, in denen instrumentaler Groove mit lustvollem Gesang verschmilzt. Bisher wurden ihre CDs bei ihrem eigenen Label Naive veröffentlicht, das neueste Album Teatro d'Amore mit einem ebenso ausführlichen wie liebevoll gestalteten Booklet ziert nun den aktuellen Katalog von Virgin Classics. Wer sich in Monteverdis musikalischen Minidramen und Pluhars temperamentvollem Spiel glücklich verlieren mag, der ist hier genau richtig.

Wo andere vorsichtig andeuten, macht Claudio Monteverdi zärtliche Worte erotisch greifbar: Im Liebesduett der Oper "L'Incoronazione di Poppea" schlingen sich selig zwei Stimmen ineinander und vereinen sich in grenzenloser Harmonie.  Das ist bis heute in seiner Wirkung betörend und unwiderstehlich. Monteverdi, der Meister subtiler Beobachtungsgabe, zoomte in seinen bahnbrechenden Vokalwerken ganz nah heran an die Empfindungen des Menschen und entwickelte zwischen Renaissance und Barock einen einzigartigen dramatischen Stil, der Hell und Dunkel der menschlichen Seele zwingend beschwört. Mit spielerischer Freiheit inszenieren Christina Pluhar und die rund 30 Musiker und Sänger ihres Ensembles rund ein Dutzend hochexpressive Arien und Szenen aus Madrigalen und der "Poppea" von Monteverdi, die den Taumel von Glückseligkeit und Einsamkeit, lustvoller Begierde und frustrierenden Missverständnissen beeindruckend realitätsnah widerspiegeln, zu einem klingenden "Liebestheater". Improvisationen und unkonventionelle Arrangements geben den alten Partituren eine unbedingt individuelle Note. Das brillant abgestimmte Sängerensemble, vorneweg die Sopranistin Nuria Rial und der Countertenor Philippe Jaroussky, kostet die Liebesszenen aus, vom dräuend Dämonischen bis zum süß Schwelgenden. Dazwischen duftet eine bestechende instrumentale Leichtigkeit, Pluhars Markenzeichen, die einem raffiniert den Boden unter Füßen wegzieht - der Himmel über einem, der Abgrund unter einem, und eine swingende Theorbe: Buena Vista Social Club meets Monteverdi. Die Liebe in Pluhars Teatro d'amore bleibt bis zum letzten Arpeggio rätselhaft, impulsiv, schmachtend und unberechenbar. Wie wahr!

Julia Schölzel

 

 

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