Mirijam Contzen, Violine - Herbert Schuch, Klavier Alexander Zemlinsky: Serenade für Violine und Klavier A-Dur, Franz Schubert: Fantasie für Violine und Klavier C-Dur, D934, Johannes Brahms: Sonate Nr.3 d-Moll, op. 108
Oehms Classics OC 596
Nach vier Jahren gemeinsamer Konzerttätigkeit haben die Geigerin Mirijam Contzen und der Pianist Herbert Schuch nun endlich ihre erste gemeinsame CD aufgenommen. Ungewöhnlich ist die Zusammenstellung dreier Werke, die gänzlich unterschiedliche Facetten der Musik des 19. Jahrhunderts widerspiegeln. Mit Schubert, Brahms und dessen Schüler Zemlinsky folgt die CD zwar einem roten Faden durch das Wiener Musikleben, bietet aber dennoch drei charakterlich und vom formalen Aufbau her sehr unterschiedliche Musikstücke.
Das Herzstück der CD bildet die Fantasie in C-Dur von Schubert - ein Werk, das nicht nur aufgrund seiner ungewöhnlichen Länge, sondern auch wegen seines scheinbar formlosen Aufbaus bei der Uraufführung 1828 gnadenlos durchfiel. Dabei ersetzt die alles andere als oberflächliche Aneinanderreihung liedhafter Themenabschnitte die traditionelle Sonatensatzform. Und für die musikalisch organische Verbindung der einzelnen Episoden sorgen Contzen und Schuch mit einer in den Details genau ausgearbeiteten Interpretation, die dennoch den Blick auf die übergreifenden Zusammenhänge nie verliert. Obwohl die Fantasie beim ersten Hinhören vielleicht etwas schlicht wirken mag, stellt sie doch höchste technische Anforderungen.
Die Interpretation der Sonate Nr.3 von Brahms, ein Standardwerk im gängigen Konzertrepertoire, weist im gebremst leidenschaftlichen Spiel der beiden neben einem fein gesponnenen Ton stellenweise auch wunderbar herbe Klangfarben auf. Doch trotz nuancenreicher Tonfarben und technischer Sauberkeit fehlt der Interpretation ein wenig die individuelle Note.
Die Serenade A-Dur von Zemlinsky, uraufgeführt im Januar 1896 ist erneut eine eher formlose Aneinanderreihung ganz verschiedener musikalischer Charaktere. Zemlinsky hatte sich nach einem missglückten Versuch einer Komposition in Sonatensatzform in dieser freien Form ausgetobt. Mit musikalischen Charme und Witz tragen Mirijam Contzen und Herbert Schuch die fünf Sätze lebendig vor, wenn auch teilweise der Salon-Stil Wiens etwas unüberhörbar deutlich durchklingt.
Susanna Felix