München - Palästina

Das gelingt wohl nur Zubin Mehta: innerhalb einer Woche gleich zwei der Münchner Spitzenorchester zu dirigieren - nach den BR-Symphonikern kam das Staatsorchester dran. Auf dem Programm: Tschaikowsky, Ben-Haim und Avner Dorman.

(München, 24. Januar 2010) Das war ein Tschaikowsky aus einem Guss. Zubin Mehta und das Bayerische Staatsorchesters bescherten den spendablen Freunden des Nationaltheaters in ihrer Sonntags-Matinee eine Fünfte, die es in sich hatte: Großbogig, klangsüffig, elegant und dramatisch aufgeladen setzte die e-Moll-Symphonie alle Kräfte des Orchesters frei, über die Zubin Mehta als langjähriger Ex-Chef des Ensembles souverän gebot. Naturgemäß bürstete er Tschaikowsky nicht gegen den Strich, aber er schöpfte alle Vitalität aus - beschleunigte, retardierte, ließ prächtig auftrumpfen oder melancholische Schatten werfen. So feierte ein Vollblutmusiker ein freudiges Wiedersehen mit dem Staatsorchester und den Zuhörern, die ihn und die Musiker kräftig feierten.

Mehta, der lange Jahre auch Chef des Israel Philharmonic Orchestra war und seit 1981 dessen Music Director auf Lebenszeit ist, hatte noch zwei Überraschungen im Gepäck: Mit Paul Ben-Haims "Psalm" schlug er eine Brücke zwischen München und Palästina. Dorthin war Ben-Haim, der als Paul Frankenburger in München geboren wurde, 1933 vor den Nazis geflohen und zu einem der maßgebendsten Komponisten Israels geworden. Mit "Spices, Perfumes, Toxins" des jungen Israeli Avner Dorman rundete sich das Konzert ins Heute.
In Ben-Haims "Psalm", dem 2. Satz seiner 1. Symphonie, verband das Staatsorchester sanften, noblen Streicherton mit exotisch angehauchten, sehr poetischen Holzbläserklängen und zuweilen auch glanzvollem Blech-Tutti.
Das israelische Schlagzeug-Duo PercaDu setzte sich in Dormans Werk, in dem das Orchester nur "Background" lieferte, aktiv in Szene. Schade, dass sein Part über Strecken etwas gleichförmig geraten ist. Dennoch entströmten dem Mittelsatz verführerische Düfte.

Gabriele Luster