Der Rattenfänger

Martin Fröst Foto: Mats Bäcker

Der schwedische  Klarinettist Martin Fröst and friends mit B-A-C-H: Beyond All Clarinet History in München

(München, 14. März 2009) Dass er ein begnadeter Klarinettist ist, wussten Fans seines Mozart-, Weber- oder Brahms-Spiels schon lange. Doch Martin Fröst zeigte beim Programm im Prinzregententheater mit dem schönen, doppelsinnigen Motto B-A-C-H: Beyond All Clarinet History, dass der Auftritt mit 22 Jahren in der Titelrolle von Wilfried Hillers "Der Rattenfänger" schöne Früchte trägt: Denn der hochgewachsene, schlanke, blonde 38-jährige Schwede ist ein Multitalent, das nicht nur auf seinem Instrument singen und zärtlich parlieren kann wie kaum ein anderer, sondern sogar zu tanzen vermag.

So war das 70-minütige pausenlose Programm die Performance eines wahren Rattenfängers, der mit seinem Instrument verführen und verzaubern kann, egal ob er mit seinen kongenialen Kollegen Roland Pöntinen am Flügel und dem Cellisten Svante Henryson kühne, aber feine Metamorphosen auf verschiedenste Werke Bachs spielt oder durch die Musikgeschichte wandelt. "Invisible Duet" nennt sich die audiovisuelle narzisstische Spiegelung seines real tanzenden Körpers und Klarinettenspiels in der Vervielfachung durch sich verwandelnde Vexierbilder auf dem eisernen Vorhang. "Peacock Tales" dagegen ist das wunderbare Solo eines musikalischen Pfaus mit entsprechender Bewegung und Maske: dargeboten mit ebensoviel Selbstbewußtsein wie ironischer Distanz zum eigenen Tun.

Auch Roland Pöntinen brilliert mit zwei Soli, der sanften Instrumentalversion der Arie "Schafe müssen sicher weiden" und einer virtuosen Rachmaninoff-Bearbeitung der Bachschen E-Dur-Partita, ebenso Svante Henryson, der sein Cello mal süß wie eine Geige spielt, mal herb wie einen E-Bass zupft. Aber das eigentliche Ereignis des Abends ist das subtile Zusammenspiel der drei Musiker: wie sie Bach in Jazz verfließen lassen, zu Countrymusic oder Klezmer verfestigen und sich dabei auf wundersame Weise wie ein musikalischer Körper bewegen. Wenn am Ende nach einem frechen Medley nach Bachs "Jesu bleibet meine Freude" immer wieder anders getönt auf die drei Instrumente verteilt erklingt, ist das Glück über die vergangene Stunde ebenso groß wie der Beifall dafür.

Klaus Kalchschmid