"Richtig billig wird's nicht"


Der Siegerentwurf für den neuen Marstall

Wie bringt man einen Konzertsaal mit 1800 Sitzplätzen im Marstall unter? Beim Ideenwettbewerb zu diesem Projekt wurde von den Architekten einiges an
Kreativität verlangt. So entstand eine Vielzahl von Entwürfen: Konzertsäle, die quer aus dem Marstall herausragen, auf dem Dach platziert werden oder unter der Erdoberfläche verschwinden. Die Vorgabe, der Marstallplatz selbst solle von Bebauungen möglichst verschont bleiben, trug ebenfalls nicht gerade zur Erleichterung der Aufgabe bei. Und so blieb eigentlich nur eine Lösung übrig: ein neues Gebäude an der Ostseite des 1822 von Leo von Klenze gebauten Marstallgebäudes zu errichten.
Zu diesem Ergebnis kamen unter anderem die Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank aus Berlin, die am 26. September 2007 als Sieger für die "Variante Konzertsaal" aus dem Münchner Wettbewerb hervorgingen. Die Jury erklärte diese Lösung als den "einzig plausiblen Schluss". Sie lobte die Eigenständigkeit des modernen "Zwillings"-Anbaus, der mit seinem gewellten Dach ein Gegenstück zum historischen Marstallgebäude, der ehemaligen Hofreitschule, bilde. Dieser Anbau soll einen neuen Konzertsaal sowie einen kleineren Theatersaal beherbergen.
Aufgabe des Wettbewerbs war es gewesen, ein Modell für eine neue kulturelle Nutzung des Marstallgebäudes zu entwickeln. In erster Linie galt es, einen neuen
Konzertsaal zu planen, der eine mittlere Größe zwischen der Philharmonie (2400 Sitze) und dem Herkulessaal (1300) hat.
Welche Form der neue Veranstaltungsort haben sollte, wurde in der Aufgabenstellung nicht festgelegt: "Wir sind offen, ob aus dem Marstall ein Konzertsaal oder eine Multifunktionshalle werden soll", hatte der gewesene bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser gesagt, der den Wettbewerb in Auftrag gegeben hat. Dass beides - Konzertsaal und Multifunktionshalle - möglich ist, zeigen die Preisträger Schultes und Frank mit ihrem Entwurf. Neben dem neugebauten Konzertsaal kann das Marstallgebäude als Foyer und multifunktionaler Veranstaltungssaal genutzt werden.
Dementsprechend differieren die beiden Gebäude in ihrer architektonischen Struktur: der Konzertsaal soll die Form eines "Schuhkartons" bekommen, was Axel Schultes auch mit den äußeren Bedingungen begründet: "Aus den Zwängen des Grundstücks ergibt sich das von ganz allein. Außerdem ist es auch akustisch die richtige Lösung." Die räumlich interessantere Struktur der abgestuften und arenamäßig angelegten "Weinbergstruktur" soll dagegen im Altbau realisiert werden: "Der Weinberg kann zwar für vieles herhalten, ist aber nicht Multifunktion in dem Sinne, dass dort jede Art von Theater oder Oper gespielt werden kann. Er ist mehr für pomp and circumstances, zum Beispiel für die ganz großen Empfänge in München", so Schultes.

Die Jury sieht in Schultes' Entwurf nicht einfach zwei Gebäude, sondern ist von dem Einheitsgedanken überzeugt: "Obwohl beide Häuser, Marstall und Neubau, ihre eigene Kraft und Identität erhalten bzw. entwickeln, entsteht doch ein sinnvolles Ganzes." Der Vorschlag der Berliner Architekten fand bei der Jury soviel Anklang, dass sie beschloss, von der ursprünglichen Preisgeldverteilung abzuweichen. So wurden für die "Variante Konzertsaal" kein zweiter und dritter Preis vergeben, sondern nur eine Art Trostpreise. Schultes und Frank erhielten somit eine Summe von 40.000 Euro für ihren Entwurf. Eine solche Auszeichnung weckt natürlich bei den Architekten auch Hoffnungen: "Mit dieser so eindeutigen Entscheidung und mit den entsprechenden Bemerkungen, die das Preisgericht hier in der Zwischenzeit gemacht hat, sieht es jetzt so aus, als wenn man durchaus optimistisch sein könnte, dass dieses Projekt tatsächlich weiter betrieben wird", sagt Schultes.
Dennoch kann von einem Bauauftrag im Moment nicht die Rede sein. Vor einer endgültigen Entscheidung muss erst die Bedarfsanalyse abgeschlossen und ein
Finanzierungskonzept erstellt werden. Dieses soll sich auf die drei Säulen Bayerischer Rundfunk, freiwillige Spenden von Bürgern und Zuschüsse vom Freistaat Bayern stützen. Da neben dem Neubau auch die Sanierung und Umgestaltung des Marstallgebäudes finanziert werden müsste, würde die Realisierung eines solchen Projektes viel Geld kosten - oder wie Schultes es ausdrückt: "Richtig billig wird's nicht."
Auf jeden Fall müssten die Architekten ihre Pläne für den Konzertsaal dann noch konkretisieren, wobei eine enge Zusammenarbeit mit Akustikern unbedingt erforderlich wäre. Denn schließlich soll der neue Konzertsaal das bekommen, was in Münchens Herkulessaal und der Philharmonie bislang vermisst wird: eine perfekte Akustik.

Susanna Felix

Weitere Informationen zum Marstall-Projekt unter: www.konzertsaal-marstall.de