Maria João Pires's Chopin: Unaufdringlicher Genuss

CD: Frederic Chopin: Späte Werke (inkl. Klaviersonate Nr.3 und Cellosonate). Maria João Pires (Klavier), Pavel Gomziakov (Cello). Deutsche Grammophon, 2 CDs

Es gibt nicht allzu viele Pianisten, deren neue CD Veröffentlichungen, unabhängig vom Repertoire, neugierig machen. Maurizio Pollini, Krystian Zimerman, Grigory Sokolov, Alexei Lubimov, und vielleicht Martha Argerich gehören dazu. Auch Maria João Pires und erst recht, wenn sie ein Chopin-Album heraubringt: Ihre Nocturnes sind immer noch eine gültige Reverenz für romantischen, aber nie überbordenden Chopin.

Pires' letzte Aufnahme liegt schon einige Jahre zurück: Schubert zu vier und zwei Händen zusammen mit Ricardo Castro. Eine wunderbare Einspielung, die den unlesbarsten Begleithefttext und die mit Abstand musikalischste Fantasie in f-moll beinhaltet. Die jetzt vorliegende Chopin-CD ist, was den Begleittext betrifft, ein großer Fortschritt: Ein lesbares Interview mit Pires, in dem wir unter anderem erfahren, dass die Pianistin Pavel Gomziakov, Ihren Partner in der Cello-Sonate, unter anderem wegen der "Würde seines Stils und der gewissen Strenge seines Tons... ,die perfekt zu dieser Musik passen", gewählt hat. Und dass das Album mit Kompositionen aus Chopins letzten fünf Jahren "eine Art Spaziergang durch die späte Phase Chopins" darstellt - ein Stil, den Pires gar mit Beethovens Spätstil vergleicht.

Die dritte Klaviersonate, die Polonaise-Fantaisie und die Cellosonate sind die drei großen Werke, um die Pires neun Mazurken (opp. 59, 63, 67/2, 68/4 und 68/4), zwei Nocturnes (op.62), und drei Walzer (op. 64) gruppiert. Jede Phrase strahlt eine reife Selbstsicherheit aus und Pires' sehr bestimmtes, ja forsches Feingefühl ist keineswegs mit übermäßiger Romantisierung zu verwechseln. Sie spielt enorm einfühlsam, aber nie schwelgend.

Die Nocturnes spielt sie bedächtig-zögerlich. Die Mazurken weniger sehnsüchtig und mit weniger Kaffeehausatmosphäre als Rubinstein, dafür eher mit nobler Zurückhaltung. Nie verliert sie sich trotz Detailliebe im "Kleingedruckten". Die Walzer zeichnen sich mal durch flinke Schlankheit, mal durch knapp-klares Rubato aus. Gomziakovs sehniger, trockener Ton passt da genau in das Bild eines Chopins, der nie zu einer rührseligen Karikatur seiner selbst verkommt. Schönheit und Sachlichkeit verbinden sich in seinem und Pires' Spiel.

Die Auswahl der Stücke und ihre überlegt-überlegene Umsetzung machen diese Aufnahme zu einer ganz besonderen. Unter den Chopin-CDs, die mir in den letzten zwei Jahren aufgefallen sind - nicht zuletzt Demidenkos, Sokolovs, Blechaczs, und Tharauds Präludien - ist es Pires, die meine Aufmerksamkeit am meisten, und am dauerhaftesten, erregt hat...ein unaufdringlicher Genuss.

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