Die große Sopranistin Margaret Price ist tot
(29. Januar 2011) Ihr kühnster Auftritt war wohl der als Wagners Isolde - unter Carlos Kleiber, aber freilich nur für die Platte. Doch da konnte die Waliserin 1981 zeigen, wie selbstverständlich ihr die deutsche Diktion ist und welches Temperament in ihr steckt.
Wer Margret Price in den 70er und 80er Jahren an der Bayerischen Staatsoper erlebte, als Donna Anna im "Don Giovanni" oder Fiordiligi in Mozarts "Così", als Desdemona, Elisabetta im "Don Carlo" oder in der Titelpartie der nur für sie in den Spielplan aufgenommenen "Adriana Lecouvreur" von Cilea, der war von dieser Stimme hingerissen, leuchtend in allen Lagen, hell schimmernd und doch mit großer Substanz, aber auch von der enormen Musikalität und Menschlichkeit, mit der sie einen Charakter auf der Bühne ganz aus der Musik entwickelte.
Ihre erste Liedplatte - Schubert mit Wolfgang Sawallisch am Flügel - ist noch heute eine Reverenzaufnahme, bei der Melodie, Textverständlichkeit und Ausdruck in eine vollkommene Balance gebracht sind; Brahms und französisches Programm folgten, aber auch Mendelssohn und Schumann.
1962 debütierte Margaret Price an der English National Opera in Cardiff - als Cherubino im "Figaro", das Einspringen an Covent Garden in London ein Jahr später unter Georg Solti gab ihrer Karriere den entscheidenden Schub. Wie ihre walisische Kollegin Gwyneth Jones wechselte sie vom Mezzo- ins Sopranfach und sang schon bald an den großen Bühnen der Welt. Unter Solti nahm sie Verdis "Ballo in Maschera" und "Otello" auf, mit Colin Davis die "Zauberflöte". Lange Zeit lebte Margaret Price in München, bevor sie mit ihrem Abschied von der Bühne 1999 nach Wales zog und sich der Hundezucht widmete.
Gestern starb Margaret Price mit 69 Jahren in ihrem Haus in Wales an einem Herzversagen.
Klaus Kalchschmid