Keine Idee in Mahagonny

Ann-Katrin Naidu, Cornel Frey, Stefan Sevenich, Heike Susanne Daum © Herbert Buckmiller

Thomas Schulte-Michels und Andreas Kowalewitz scheitern mit Vorsatz an Brecht/Weills "Mahagonny" am Münchner Gärtnerplatztheater

(München, 18. Juni 2010) Genau das wollte Kurt Weill nicht: große Oper. Und genau das offeriert das Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters in seiner Version von Brecht/Weills Singspiel "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny". Wenn große Oper in diesem Stück von 1930 vorkommt, dann als Zitat, als Stilelement, nicht als Dauerzustand. Ann-Katrin Naidu als Witwe Begbick und Wolfgang Schwaninger als Jim Mahoney singen aber so, als wären sie in einer Puccini-Oper. Und Andreas Kowalewitz, der für den Chefdirigenten David Stahl eingesprungen ist, peitscht das Orchester auf, als würde er "Aida" in Verona dirigieren. Vom Als-ob-Theater Brecht/Weills ist nichts zu spüren - Themaverfehlung! Auch szenisch.

Die ganze schöne kapitalismuskritische Farce, die man sich in diesen aus dem Ruder laufenden spätkapitalistischen Zeiten so schön auf der Zunge hätte zergehen lassen können, wird am Münchner Gärtnerplatztheater zu einem harmlos-langweiligen und gleichzeitig unpassend opernhaften Revuetheater verwässert. Statt Ideen gibt es eine leere Bühne mit gelben Stühlen drauf, manchmal wird sogar nur vor dem schwarzen Vorhang gesungen.
Regisseur Thomas Schulte-Michels hatte schon im Vorfeld der Produktion sein Desinteresse an dem Stück und seiner politischen Botschaft ganz offen in einem Interview bekundet. Warum erhält so jemand überhaupt den Auftrag, es zu inszenieren? Auch das quasi nicht vorhandene Bühnenbild stammt von ihm. Da kann die begabte Kostümbildnerin Tanja Liebermann nur wenig ausrichten. Und auch Sänger wie Cornel Frey als Fatty, Stefan Sevenich als Dreieinigkeitsmoses oder Heike Susanne Daum als Jenny Hill, die durchaus stimmliches und darstellerisches Talent beweisen, singen und spielen letztlich ins Leere. Eine ärgerliche und überflüssige Produktion!

Robert Jungwirth

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