Das Münchner Kammerorchester mit einem ausgefallenen Programm und einer Uraufführung von Thomas Larcher
(München, 18. Juni 2009) Fünf Werke von vier Komponisten an einem Abend - ein Sammelsurium? Wer das befürchtet hatte, erlebte im 8. Abo-Konzert des Münchner Kammerorchesters im Prinzregententheater eine angenehme Überraschung. Denn die unterschiedlichen Kompositionen fügten sich nicht nur unter einen großen Spannungsbogen, sondern zuletzt schloss sich sogar der Kreis: Hans Stadlmairs eröffnendes Adagietto "Ecce homo" korrespondierte wunderbar mit dem abschließenden Adagio aus Mahlers Zehnter, das Stadlmair für 15 Streicher gesetzt hat.
Höchste Konzentration, erlesene Soli (Bratsche!) meditative Versunkenheit oder rhythmisches Aufbäumen wurden den Streichern abverlangt. Alexander Liebreich leitete sie sensibel und zielbewusst und schaffte es sogar, das in dieser Version gewissermaßen zum Skelett abgemagerte, strukturhelle Mahler-Adagio mit weichem Legato zu umschmeicheln.
Im Zentrum des Abends brillierte die Geigerin Lisa Batiashvili, denn Magnus Lindbergs Violinkonzert aus dem Jahr 2006 bietet dazu alle Gelegenheit. Traumwandlerisch sicher in der Intonation, virtuos in der Technik und mit klangfeinem Ton fächerte sie Farb- und Licht-Spiele auf. Unterstützt von den MKO-Streicherkollegen und einem klanglich apart eingesetzten Bläser-"Sextett". Danach wirkte Schönbergs spätromantisches Nocturno wie eine leichtfüßige Zugabe.
Einen ganz eigenen, authentischen Ton schlägt Thomas Larcher, der 46jährige Innsbrucker, in seinem Auftragswerk "L'homme au chapeau mou" (Mann mit Kappe) an. Inspiriert von Jean Dubuffets gleichnamigem Bild, lässt er die Streicher zu Schlagzeugern werden - an mit Papier bespannten Gefäßen oder auf ungestrichenen Saiten. Überdies steuert das Akkordeon Farbe bei und Beethoven lugt, keck ironisiert, unterm Hut hervor.
Zum Schluss gab es großen Jubel für ein Konzert, mit dem das MKO seinem langjährigen Chef, Hans Stadlmair, zum 80. Geburtstag gratulierte.
Gabriele Luster