Augsbuger Puppenkiste meets Bayreuth

Foto: Karl Forster

Stefan Herheims Berliner "Lohengrin" läuft wie am Schnürchen

(Berlin, 4. April 2009) Wie auch bei seinem Bayreuther "Parsifal" im Sommer letzten Jahres inszenierte Stefan Herheim am Ort des Geschehens, jetzt also in Berlin. Der Chor tritt in Alltagskleidung auf und demonstriert für die Opern der Hauptstadt. So kann man lesen: "Komische Deutsche Staats Oper" oder während des Monologs König Heinrichs (hervorragend gesungen von Kwanchul Youn als Einspringer für René Pape): "Komische Deutsche - und das ist auch gut so." Sollte König Heinrich Klaus Wowereit darstellen? Der Heerrufer war ja schließlich der Berliner Bär.

Alle Darsteller tragen Alltagskleidung und eine kostümierte Marionette. Der Chor teils als brabantische Krieger mit Helmen oder als Wagner himself. Die Hauptfiguren tragen ihre kostümierte Puppe mit sich, gelenkt von oben. Lohengrin tritt aus einer Art überdimensionalem Gralskelch heraus, der von oben auf die Bühne schwebt. Nur er, der Retter trägt ein Kostüm, er sieht so aus, wie wir ihn aus Kindertagen kennen.
Doch kaum je erlebte man eine so heuchlerische und hinterlistige Ortrud (sensationell gespielt von Michaela Schuster). Der Kirchgang wird zum Marionettentheater auf der Bühne der Bühne. Und hier zieht Herheim alle Fäden der Theaterkunst.

Dieser Lohengrin endet wie er begann, nur der Retter von Brabant trägt sein Schwanenritter-Kostüm und nennt seinen Namen. Doch kein Gottfried kommt zurück, denn Lohengrin hat versagt: Nachdem er in den Schnürboden der Lindenoper hinaufgezogen wurde, knallt er als Puppe herunter und auf einem großen Bühnenprospekt steht in großer Handschrift Wagners Forderung: Kinder schafft Neues!

Doch leider dirigierte Daniel Barenboim unkonzentriert und wechselhaft in den Tempi. Herausragend jedoch waren Dorothea Röschmann als Elsa, die zunehmend in ihre Rolle hineinwuchs und eine erwachsene, selbstbewusste, keine scheue naive Elsa sang und spielte. Gerd Grochowski konnte als Telramund ebenso überzeugen wie Michaela Schuster als Ortrud, deren Spiel ihr Singen freilich übertraf. Klaus-Florian Vogt sprang kurz vor der Premiere für Burkhard Fritz als Titelheld ein und sang mit einer zugleich metallenen und etwas gepressten Diktion, war also nicht gerade ein strahlender Schwanenritter.

Frederic Steymann