Lustvoller Belcanto

Nino Machaidze (Adina) Foto: W. Hösl

Pavol Breslik brilliert anstelle von Rolando Villazon im "Liebestrank" an der Bayerischen Staatsoper

(München, 21. Juli 2010) Das war ein Fest! Der kredenzte Liebestrank moussierte heftig. Dabei hatte eine Absage die Bayerische Staatsoper zunächst arg in die Bredouille gebracht und die Festspielaufführung von Donizettis "L'elisir d'amore" ins Schwanken: Publikumsliebling Rolando Villazon war nach eifriger Probenarbeit akut erkrankt und fiel als Nemorino aus. Wer sollte nun "Una furtiva lacrima" trocknen?

Pavol Breslik, der heiß umschwärmte Jungspund mit dem lyrischen Strahle-Tenor und dem Filmstar-Body, war genau der richtige "Ersatzmann". Während seine angebetete Adina sich Libretto gemäß etwas zierte, eroberte er sein Publikum ohne Schwierigkeit. Breslik, mal eben von der Probenarbeit zu den Salzburger Festspielen herübergesprungen, hüpfte als reizend linkischer Liebhaber durchs buffoneske, von David Bösch locker-liebevoll und mit zarter Poesie inszenierte Geschehen. Auch wenn er nicht ganz so chaplinesk wirkt wie sein Premieren-Vorgänger, traf er den Typus doch gut und stattete ihn mit tadellosen Tönen und feiner Linienführung aus.

Nino Machaidze wandelte sich von der auch stimmlich kühl-schnippischen zur warmherzigen Adina, die ihren Liebhabern und Zuhörern mit glasklaren Koloraturen den Kopf verdrehte. Eine Wucht war wieder Ambrogio Maestris Dulcamara. Mit klangvollem Bariton und dreisten Lügen nasführte der sympathische Quacksalber die Dorfbewohner und staunte schließlich nicht schlecht über die durchschlagende Wirkung seines "Liebestranks". Sein Bordeaux kickte sogar Fabio Maria Capitanuccis stimmlich wie gestisch imponierenden Macho-Belcore ins Aus.
Juraj Valcuha sorgte am Pult des Staatsorchesters - trotz kleiner Stolperer - ebenfalls für gute Laune - kein Wunder, dass das Publikum Donizettis Elixier in vollen Zügen genoss.
Gabriele Luster