Lang Lang spielt Beethoven: Klavierkonzerte 1 und 4
Orchestre de Paris
Dirigent: Christoph Eschenbach
DG 477 6719
Das war ja schon seit längerem überfällig: Lang Lang, der junge chinesische Wunderpianist, bannt Beethovens Klavierkonzerte auf CD. Bei seinen öffentlichen und öffentlich bewunderten Auftritten kennt der junge Mann ja keine Scheu, gleich welches Stück der Klavierliteratur in die Gehörgänge des begeisterten Publikums zu stemmen. So ähnlich läuft das bei ihm auch mit Beethoven. Ob jüngerer (Konzert Nr. 1) oder mittlerer Beethoven (Konzert Nr. 4), Lang Lang greift mit stählerner Energie zu und meißelt Töne in den Hörraum. Im ersten Moment klingt das sogar sehr brillant und spannungsvoll. Man meint, die frische virtouse Geste des ungestümen Komponisten miterleben zu dürfen. Aber beim zweiten Hören stellt sich heraus, wie sehr es Lang Lang tatsächlich an gestalterischen Mitteln mangelt, wie wenig ihn Klangfarben und deren Schattierungen interessieren und wie er die Seele der Musik für ihren Effekt opfert. Aber klar, auf der Freiluftbühne, im Fußballstadion kommen derart kräftig gestemmte Töne besser 'rüber als subtile Klangausloterei. Lang Lang lässt auch auf der CD hören, wo er, wo seine Musik hingehört. Durch die Härte seines Spiels gewinnt die Musik sogar eine Art Transparenz, weil er wirklich alle Töne zu hören gibt, deren seiner Finger mächtig werden.
In diesem Sinn leitet auch Christoph Eschenbach das Orchestre de Paris: energisch, vorwärtsgerichtet, siegesgewiss. Da gibt es keinen Zweifel: ein Beethoven für Gewinner.
Laszlo Molnar