Durchwachsener war da schon die Leistung des jungen Sängerensembles, das nicht nur mit Verzierungen in der Wiederholung der A-Teile der Da-Capo- Arien enorm gefordert war: Vor allem die Mezzosopranistin Jana Kurucová konnte allerdings auf ganzer Linie beglücken - mit einem schillernden Timbre und Gestaltungskunst in der Hosenrolle des Megacle, der für seinen Freund Licida bei den Olympischen Spielen das geliebte Mädchen als Trophäe erringen soll und dabei unwissentlich die eigene Freundin verrät. Fast ebenso überzeugend: Rosa Dominguez als seine Aristea. Auch der - als indisponiert angesagte - Sebastian Geyer setzte seinen agilen, schönen Bariton als Clistene, dem Vater Aristeas, gut ein. Countertenor Alexander Schneider ist kein männlicher Altist der Extraklasse (den könnte sich Heidelberg auch nicht leisten), aber er besitzt eine schöne Tiefe. Allerdings singt er oftmals mit zuviel Druck, was einen runden, schönen Klang beschädigt. (Dass aber nach seiner zweiten Arie ein Zwischenrufer Schmerzensgeld einforderte, war geradezu ein Akt von Vandalismus, der zu Aufruhr im Theater, der ironisch verbitterten Antwort des Dirigenten: "Das ist interaktives Theater!" und einem umso heftigeren Einsatz des folgenden Rezitativs führte.)
Werner Pichler hatte relativ kurzfristig die Regie übernommen, sah sich mit vielen Krankenständen im Ensemble konfrontiert und konnte wohl seine Vorstellung nicht immer im Detail umsetzten. Sein Konzept war interessant, wollte er doch die antiken Kämpfer mit Sportlern im Jahr 2007 konfrontieren: Manchmal war dieser Zeitsprung schlüssig, etwa wenn Boxer von heute einen Akteur als Furien peinigen. Nicht ohne Witz wurde die Umkleide junger Muskelprotze auf offener Bühne inszeniert. Fast nackte Olympioniken erstarrten im goldenen Lendenschurz zu Statuen - und mussten sich immer mal wieder genervt die Muskeln lockerten. Lilia Milek wechselte als Amintas, dem Onkel Licidas? als Drahtzieher des Ganzen mit dem Geschlecht auch immer zwischen Antike und Neuzeit.
Spannend ist die Personenregie gleichwohl kaum zu nennen, und sie erzählte auch wenig über die Beziehung der Figuren zu einander. Nicht hilfreich war außerdem das Bühnenbild von Klaus Teepe, der zwar versuchte, barocke Muster zu adaptieren, aber mit seiner kargen "Drehprismen-Bühne" und allerlei buntem Tücher-Zauber arg belanglos blieb.
Klaus Kalchschmid
Weitere Vorstellungen: 21. Dezember 2007; 15., 25. und 27. Januar, 1., 3., 11. und 14. Februar 2008 www.winter-in-schwetzingen.de