Mit "Körpersprachen" stellt Ballettchef des Gärtnerplatz-Theaters Paar drei neue Produktionen vor
(München, 14. Februar 2008) Auch die Ballettsparte des Münchner Gärtnerplatztheaters hatte mit dem Intendantenwechsel von Klaus Schultz zu Ulrich Peters im vergangenen Sommer einen Neuanfang zu gewärtigen. Mit dem knapp über 40jährigen Choreographen Hans Henning Paar, der von der Münchner Bosl-Stiftung aus seine Karriere startete und zuletzt als Ballettchef in Kassel und Braunschweig tätig war, wagte das Theater im vergangenen Herbst einen Neuanfang. Im Oktober erlebte "Les Autres", basierend auf der Biographie des Schriftstellers Jean Genet, seine Uraufführung. "Körpersprachen" ist ein neuer dreiteiliger Abend sinnfällig überschrieben, der zwei Choreographen der jüngeren bis jüngsten Generation Stephan Thoss und Marco Goecke mit einer kleineren Arbeit des Altmeisters William Forsythe kombiniert.
"Visions fugitives" von Stephan Thoss, der aus der Dresdner Palucca-Schule stammt und u.a. von Jiri Kilian beeinflusst wurde, ist ein ebenso orignielles wie virtuoses Spiel mit sich begegnenden Traumgestalten, die wie seltsame Nachtvögel über die Bühne flattern, sich umkreisen, umklammern und dabei jede Menge eigentümliche Paarbildungen vollziehen und letztlich so unfassbar bleiben wie eben Träume.
In sinnlich-eleganten Kostümen (Katharina Meintke) und mit sparsamer, aber sehr wirkungsvoller Beleuchtung (der Choreograph derselbst) offenbart die neue Compagnie ein hohes technisches und künstlerisches Niveau. Auch "Trio" von Forsythe - eine witzige Miniatur über den Tanz und die Formfragmentierung - mit Mauro de Candia, Lieke Vanbiervliet und Raffaele Irace gelingt souverän und ansprechend mit Humor und Charme.
"Sweet Sweet Sweet" von Marco Goecke nach der Pause dagegen ist zwar tänzerisch ebenfalls ohne Tadel als Stück jedoch ein Fehlgriff. Goeckes Körpersprache wirkt banal und uninspiriert. Hier scheint gar nichts zu stimmen einschließlich der "Musik": Grunzgesang von besoffenen Walen. Man kann getrost in der Pause gehen.
Robert Jungwirth