Kirill Petrenko wird neuer Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper

Kirill Petrenko Foto: W. Hösl

Kirill Petrenko wird neuer Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper. Er tritt zum 1. September 2013 für zunächst fünf Jahre die Nachfolge von Kent Nagano an, der seinen Vertrag nicht über 2013 hinaus verlängern wird.

Kunstminister Wolfgang Heubisch: "Mit Kirill Petrenko konnten wir einen der weltweit gefragtesten Dirigenten für München gewinnen. Es gibt nur sehr wenige Orchesterleiter, die dem Anforderungsprofil des Generalmusikdirektors der Bayerischen Staatsoper gerecht werden. Petrenko bringt alle Voraussetzungen mit: Er ist ein schöpferisch-kreativer und hoch akkurater Maestro mit breitem Repertoire und internationaler Erfahrung. Ich bin mir sicher, dass er als musikalischer Leiter die hervorragende Tradition des Bayerischen Staatsorchesters erfolgreich fortschreiben und zugleich neue künstlerische Akzente setzen wird."

Petrenko selbst sagte, er habe bei Jenufa eine Herzenshingabe von Orchester und Chor erleben dürfen. Deshalb und auch aufgrund der großen Tradition des Hauses freue er sich sehr auf seine neue Aufgabe.

Staatsintendant Nikolaus Bachler: "Die Berufung von Kirill Petrenko zum Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper ist ein Signal für die Zukunft. Mit ihm wird ein zwar junger, aber bereits erfahrener und renommierter Dirigent an die musikalische Spitze des Hauses berufen. Mit seiner Kreativität und Persönlichkeit wird er neue Impulse setzen. Seine bisherige Arbeit an der Bayerischen Staatsoper und seine Tätigkeit als Generalmusikdirektor an anderen Spielstätten machen ihn zur idealen Besetzung für unser Haus."

Heubisch stellt den neuen Generalmusikdirektor heute um 12.30 Uhr gemeinsam mit Staatsintendant Nikolaus Bachler im Münchner Nationaltheater vor. Zuvor hatte der Minister das Kabinett über die Berufung von Petrenko informiert. 

Kirill Petrenko wurde 1972 in Omsk geboren und studierte dort an der Musikfachschule Klavier. Mit 11 Jahren trat er als Pianist zum ersten Mal mit dem dortigen Symphonieorchester öffentlich auf. 1990 übersiedelte die Familie (Vater Geiger, Mutter Musikwissenschaftlerin) nach Vorarlberg, wo der Vater eine Stelle als Orchestermusiker und Musiklehrer annahm. Petrenko studierte zuerst weiter in Feldkirch und dann Dirigieren in der Klasse von Uro? Lajovic an der Musikuniversität in Wien, wo er im Juni 1997 abschloss. Ein erstes Engagement führte ihn ab Herbst 1997 als Assistent und Kapellmeister an die Wiener Volksoper.

1999 bis 2002 war Kirill Petrenko Generalmusikdirektor am Theater in Meinigen. Er debütierte dort mit Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk und leitete Premieren von Der Rosenkavalier, Rigoletto, Die verkaufte Braut, Peter Grimes, Così fan tutte und La traviata. Vor allem aber erregte er 2001 mit dem Ring des Nibelungen in der Inszenierung von Christine Mielitz und in der Ausstattung von Alfred Hrdlicka internationales Aufsehen.

Von 2002 bis 2007 war Kirill Petrenko Generalmusikdirektor an der Komischen Oper Berlin. Zu den Produktionen in diesen fünf Jahren, die Petrenko entscheidend prägte, zählten: Die verkaufte Braut (Inszenierung: Andreas Homoki), Don Giovanni (Peter Konwitschny), Figaros Hochzeit (Barrie Kosky), Così fan tutte (Peter Konwitschny), Die Entführung aus dem Serail (Calixto Bieto), Jenůfa (Willi Decker), Der Rosenkavalier (Andreas Homoki), Peter Grimes (Katja Czellnik), Eugen Onegin (Andreas Homoki), Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (Andreas Homoki), Das Land des Lächelns (Peter Konwitschny).

Parallel zu seinen Positionen in Meiningen und Berlin entwickelte sich bereits sehr rasch seine internationale Karriere. Wichtige Debüts waren unter anderem 2000: Maggio Musicale Fiorentino (Eugen Onegin), 2001: Wiener Staatsoper (Die Zauberflöte) und Semperoper Dresden (Lady Macbeth von Mzensk); 2003: Gran Teatre de Liceu (Pique Dame), Opéra National de Paris (Don Giovanni), Royal Opera House Covent Garden (Madama Butterfly), Bayerische Staatsoper (Pique Dame) und Metropolitan Opera New York (Die lustige Witwe); 2005: Oper Frankfurt (Chowanschtschina). Von 2006 bis 2008 schuf er gemeinsam mit Peter Stein den Zyklus der Puschkin-Opern in Lyon, der im Frühjahr 2010 erneut und im Gesamten gezeigt wurde.

Seit seinem Abschied von der Komischen Oper im Juli 2007 wirkt Kirill Petrenko als Gastdirgent. Zu den wichtigsten Stationen gehörten Auftritte an der Met in New York (Zauberflöte und Ariadne auf Naxos), im Royal Opera House Covent Garden (Herzog Blaubarts Burg / Erwartung, Der Rosenkavalier), an der Wiener Staatsoper (Rigoletto, Ariadne auf Naxos, Eugen Onegin) und am Theater an der Wien, wo er 2004 mit Smetanas Dalibor erstmals auftrat, 2007 mit Janáčeks Katja Kabanova (Regie Keith Warner) zurückkehrte und zuletzt 2008 Richard Strauss' Intermezzo dirigierte. 2009: Bayerische Staatsoper (Neuproduktion Jenůfa), Oper Frankfurt (Neuproduktion Palestrina).

Zu den wichtigsten Orchestern, die Kirill Petrenko bisher leitete, gehören die Berliner Philharmoniker, die Staatskapelle Dresden, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Bayerische Staatsorchester, das Orchester des WDR Köln, die Hamburger Philharmoniker und das NDR Sinfonieorchester Hamburg, das Museum Orchester Frankfurt, das Radio-Symphonieorchester Wien, die Wiener Symphoniker, das Cleveland Orchestra, das London Philharmonic Orchestra und das Oslo Philharmonic Orchestra. Außerdem leitete Kirill Petrenko Konzerte bei den Salzburger und den Bregenzer Festspielen.

In der laufenden Saison wird Kirill Petrenko erstmals das Orchestra Santa Cecilia in Rom und das Israel Philharmonic Orchestra sowie erneut die Berliner Philharmoniker und die Wiener Symphoniker leiten.
An Opernproduktionen sind Tosca in Frankfurt, Fidelio am Royal Opera House Covent Garden und Tristan und Isolde in Lyon und bei der Ruhrtriennale vorgesehen.

Ab 1. September 2013 wird Kirill Petrenko Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper.

Hier geht es zu zwei Besprechungen von Auftritten Kirill Petrenkos an der Bayerischen Staatsoper:

http://www.klassikinfo.de/Petrenko-Akademiekonzert.729.0.html?&no_cache=1&sword_list[]=petrenko

http://www.klassikinfo.de/Jenufa.723.0.html?&no_cache=1&sword_list[]=petrenko