Neben Werken von Berg und Webern triumphiert Salome Kammer mit Schönbergs "Pierrot Lunaire" im Münchner Carl-Orff-Zentrum
(München, 21. April 2009) Trotz exzellenter Interpretationen waren Alban Bergs Klarinettenstücke op. 5 mit Bettina Faiss und Anton Weberns op. 7 für Violine und Klavier mit Peter Sheppard Skaerved - beide Male spielte Jan Philip Schulze ausgezeichnet Klavier - nach der Pause vergessen, vor allem aber Weberns eminent schweres Trio op. 20 und seine arg bemühte, um nicht zu sagen unzulängliche Aufführung. Denn mit Schönbergs "Pierrot Lunaire" wurde schon in den ersten Takten der einsame Höhepunkt des Abends errreicht - vor allem dank einer einzigartigen, virtuosen Stimme.
Sie gehört Salome Kammer, die nicht nur eine großartige Schauspielerin, Cellistin und Sängerin ist, sondern vor allem eine phänomenale Stimmakrobatin. Sie kennt keine Grenzen zwischen Sprechen und Singen, Spiel und Ernst, wie auch ihre neueste CD bei Wergo mit Musik von Mozart, Berg, Berio und schrägen Monodramen zeitgenössischer Komponisten unter dem bezeichnenden Titel "Salomix-max" schlagend und mit Humor beweist.
Damit bringt Kammer die besten Voraussetzungen mit, um Arnold Schönbergs "Pierrot Lunaire" für Sprechstimme, Klavier, Flöte, Klarinette, Geige, Bratsche und Cello in jeder Hinsicht gerecht zu werden. Im Münchner Orff-Zentrum gestaltet sie die frechen, teils makaberen oder gar blasphemischen, dann wieder kunstvoll poetischen, immer herrlich schillernden 21 Melodramen aus dem Jahr 1912 als wären sie für ihre Stimme und ihr schauspielerisches Multi-Talent komponiert.
Wie eine Diseuse der 20er Jahre zelebriert die Kammer ihren Auftritt, singt und spricht auswendig, dabei enorm präzise im Rhythmus und in den auch für das Sprechen genau vorgegebenen Tonhöhen. Hände, Arme und Gesicht aber spielen die artifiziellen, in faszinierend bleiches Mondlicht getauchten musikalischen Kabinett-Stücke als kleine Tanzszenen. Stets wandelt Salome Kammer dabei auf dem schmalen Grat zwischen expressivem Ausdruck und Übertreibung, zwischen Hysterie, Spott und mildem Lächeln. Die Musiker von TrioLog München kommunizieren dabei perfekt untereinander, aber auch mit ihrer Protagonistin, als wäre sie ein Teil von ihnen.
Klaus Kalchschmid