Orchestrale Verführungskünste

Mariss Jansons und der Chor sowie das Symphonieorchester des BR mit Debussy, Strawinsky, Mozart und Strauss

(München, 5. März 2009) Mit einem Mammutprogramm, das tiefere dramaturgische Zusammenhänge nicht offenbarte, präsentierte Mariss Jansons im ausverkauften Herkulessaal sein Münchner Orchester: Die BR-Symphoniker machten ihrem Ruf alle Ehre und das wohl nicht nur weil die BR-Kameras liefen. Sie "drehten" zu später Stunde, wenn normalerweise der Schlussapplaus aufbrandet, noch einmal richtig auf: In Richard Strauss' Effektstück "Till Eulenspiegel". So auf den Punkt und mit soviel Witz und Lust an der Bizarrerie musiziert, musste "Till" zum Höhepunkt werden.

Die Top-(Holzbläser)-Solisten des Orchesters hatten schon in der Mittagshitze von Debussys eröffnendem "L'après-midi d'un faune" ihre delikaten Verführungskünste bewiesen.
In Strawinskys Psalmensinfonie setzten sie in großer Formation Akzente, unterstützt von den tiefen Streichern, zwei Flügeln und Schlagwerk. Jansons, der die perkussiven Passagen wunderbar mit den lyrischen konfrontierte, konnte sich - wie gewohnt - auf den BR-Chor verlassen: Konzentriert, rhythmisch genau und dynamisch ausgefeilt bis in schwebende Pianissimi hinein überzeugte das von Peter Dijkstra einstudierte Ensemble. Wie ein Fremdkörper wirkte in diesem Umfeld Mozarts Klavierkonzert C-Dur KV 503. Hätte nicht Emanuel Ax sich der natürlichen Schlichtheit und reifen Schönheit des Werks so bedingungslos untergeordnet. Viel Beifall.

Gabriele Luster

Das Konzert wird heute Abend, 6. März, 20 Uhr im Herkulessaal wiederholt und gleichzeitig live auf Bayern 4 Klassik übertragen.