
Mit Rossinis Ouvertüre zur "Diebischen Elster", Mozarts Violinkonzert A-Dur KV 219 (Hilary Hahn) und Dvoraks 7. Symphonie gastiert das Budapest Festival Orchestra unter der Leitung seines Gründers Iván Fischer am 4. Mai, 20 Uhr im Münchner Gasteig.
Im Interview Interview mit KlassikInfo erzählt der 58jährige Dirigent über sich und sein Orchester.
Herr Fischer, warum sind Sie nach Ihren frühen Erfolgen mit den großen englischen Orchestern Ende der siebziger Jahre nicht in England geblieben, sondern in Ihr Heimatland Ungarn zurückgekehrt?
Fischer: Ich hatte viel Erfolg in den ersten Jahren und es dauerte eine gewisse Zeit, bis ich mich genauer kennenlernte. Da merkte ich, dass ich lieber in kontinuierlicher Arbeit etwas aufbauen wollte, als weiterhin Gastdirigent zu sein. Ich gründete 1983 das Budapest Festival Orchestra und blieb gleichzeitig auch in England, als Chef der Kent Opera.
Warum trägt das Orchester den Begriff Festival im Namen?
Fischer: Es funktionierte zunächst ähnlich die Abbados Luzerner Festival Orchester. Die Musiker kamen nur zu einzelnen Perioden und Projekten zusammen. Das änderte sich allerdings nach der Wende. 1992 wurde das Ensemble ein ständiges Orchester, das von der Stadt Budapest subventioniert wird. Dennoch wollte ich den Namen nicht ändern. Denn jedes Konzert soll ein Fest sein.
Wie groß ist das Orchester und woher rekrutierten Sie die Musiker?
Fischer: Die rund hundert Musiker kamen aus den verschiedensten Ecken des Landes. Es waren viele junge Musiker dabei, aber auch solche aus anderen Ensembles, Kammermusiker und sogar Solisten. Sie alle einte der Enthusiasmus. Mittlerweile haben wir schon mehrere Generationswechsel hinter uns, aber fünf oder sechs Mitglieder aus der Gründungsphase sind noch dabei.
Wie entwickelte sich Ihr "Kind" weiter?
Fischer: 1992 erlebte das Orchester eigentlich seine zweite Geburt: Es wurde zum Fulltime-Orchester mit rund hundert großen Konzerten im Jahr - 50 in Ungarn und weitere 50 im Ausland. Seit 2003 fördert uns auch der ungarische Staat und das Orchester vertritt als kultureller Botschafter unser Land in der ganzen Welt.
Die Subventionen sind allerdings weit niedriger als in Westeuropa. Wir sind also immer gezwungen, zu zaubern. Dabei werden wir auch von Freundeskreisen - wir haben sogar einen in den USA -, Firmen und Privatleuten unterstützt. Es fällt auf, dass das Orchester öfter Werke zeitgenössischer ungarischer Komponisten aufführt.
Bildet die ungarische Musik überhaupt einen Schwerpunkt?
Fischer: Es ist uns ein Anliegen, moderne ungarische Komponisten auch außerhalb unseres Landes bekannt zu machen. Ansonsten ist unser Repertoire eher typisch zentraleuropäisch. Sagen wir so: Unsere Muttersprache ist die Musik der Habsburger Monarchie.
Gelegentlich tauchen in Ihren Programmen auch Opern auf...
Fischer: Wir haben einige Mozart-Opern in Las Palmas, im Brüsseler Monnaie und im Pariser Theatre des Champs Elysée aufgeführt. Ansonsten spielen wir Oper meist konzertant.
Sie sind nun seit knapp 26 Jahren Chef des Orchesters. Ist das nicht zu lange?
Fischer: Ach, mir kommt es eher noch so vor, als stünden wir in der Anfangsphase? Die musikalischen Resultate solcher langen Symbiosen sprechen für sich. Die schönsten Aufnahmen stammen doch aus langjährigen Orchester-Ehen. Ich denke an Furtwängler und die Berliner Philharmoniker, an Mengelberg und das Concertgebouw. Ich verspüre kein Bedürfnis, etwas zu ändern. Gastdirigate können sehr interessant sein, aber die richtige Tiefe erreicht man nur in einer langen Beziehung.
Sie waren in jungen Jahren Assistent von Nikolaus Harnoncourt. Hat diese Zusammenarbeit Sie geprägt?
Fischer: Ich habe sicher vieles von ihm aufgenommen und in meine Arbeit integriert. Ich schätze ihn als großen Meister, von dem ich vor allem eins gelernt habe, dass Musik eine Sprache ist. Dass sie eine Idee, ein Gefühl oder eine Aussage vermitteln muss.
Ich arbeite regelmäßig mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment zusammen und habe von der historischen Aufführungspraxis auch einiges für mein Orchester übernommen - in der Spielweise oder in der Besetzung etwa mit Naturhörnern oder Naturtrompeten.
Im Münchner Konzert ist Hilary Hahn die Solistin in Mozarts Violinkonzert. Hat sie schon öfter mit dem Orchester musiziert?
Fischer: Sie hatte als 13Jährige ihr Europa-Debüt mit uns. Ich habe in der Zwischenzeit öfter mit ihr gearbeitet, auch in Amerika. Jetzt kommen wir wieder zusammen. Uns verbindet eine schöne, lange Freundschaft.
Interview: Gabriele Luster
Karten für das Konzert in München unter:
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