Zur Saisoneröffnung präsentierten die Münchner Philharmoniker unter Ion Marin ein rumänisch-amerikanisch-italienisches Programm
(München, 21. September 2008) Mit einer musikalischen Reise durch drei Länder und Stücken, die die traditionelle Kunstmusik mit länderspezifischen Eigenheiten verbinden, starteten die Münchner Philharmoniker in die neue Konzertsaison. Unter der Leitung von Ion Marin begann das Orchester seine Reise in Rumänien mit George Enescus "Rumänischer Rhapsodie" op.11 Nr.1, der französische Pianist Jean-Yves Thibaudet lockte mit George Gershwins Klavierkonzert in F-Dur ins jazzige Amerika der 20er Jahre und Ottorino Respighis "Fontane di Roma" und "Pini di Roma" beendeten die Konzertreise in Italien.
George Enescus "Rumänische Rhapsodie" machte ihn 1903 zum Nationalhelden seiner Heimat und ist bis heute sein meistgespieltes Werk. Basierend auf der Melodie eines rumänischen Trinklieds entwickelt die Rhapsodie eine enorme rhythmische Vitalität. Die Münchner Philharmoniker unter dem rumänischen Dirigenten Ion Marin trafen den frischen, lebensfrohen Folkloreklang und boten fesselnde Überraschungsmomente.
In George Gershwins Klavierkonzert in F-Dur trifft Jazz auf Klassik und bildet daraus eine euphorische Mischung, die das Uraufführungspublikum in New York von den Sitzen riß. Klar, präzise, prägnant und doch den Jazz-Nerv treffend interpretierte Thibaudet das Konzert, das den amerikanischen "Ur-Klang" konzertsaalreif machte und George Gershwin zum größten Komponisten Amerikas.
Für den ersten Satz wählte Thibaudet ein ziemlich flottes Allegro-Tempo, das seine klare, perkussive Interpretation unterstrich, das Orchester jedoch auf eine harte Probe stellte. Zu klassisch-romantisch dirigierte Ion Marin den Orchesterpart, einige Einsätze kamen zu ungenau, zu schwer und zu breit gerieten an manchen Stellen die Solo-Tutti-Übergänge und bei schnellen, sehr rhythmischen Passagen konnten die Philharmoniker den Jazz-Zauber nicht ganz entfalten.
Die vor allem im zweiten Satz improvisatorisch angelegten Kantabile-Passagen, waren wiederum in eine wunderbare Klangatmosphäre eingebettet, in der das Orchester zusammen mit dem Solisten eine homogene Einheit bildete.
Thibaudet verstand es, die Leggiero-Passagen kristallklar zu präsentieren und dennoch den Flügel "singen" zu lassen. Seine Tempoauffassung vom "Allegro agitato" des dritten Satzes war leider nicht von Anfang an mit der des Orchesters kongruent. Zu langsam begannen die Philharmoniker und erst nach Thibaudet?s Soloeinsatz fand man zu einem gemeinsamen Nenner. Getrübt hat dies die Publikumswirkung nicht, im Gegenteil: Jean-Yves Thibaudet zog die Zuhörer in seinen Bann und entließ sie nach seiner wunderbar gespielten Zugabe "Clair de Lune" von Claude Debussy beglückt in die Pause.
Der zweite Teil des Saisoneröffnungskonzertes war Ottorino Respighis symphonischen Dichtungen aus der "Römischen Trilogie" gewidmet. Respighi beschrieb in den vier Dichtungen der "Fontane di Roma" vier einzelne Brunnen, die je nach Tageszeit und den Lichtverhältnissen ihre Eigen-, und Besonderheit enthüllen.
Die "Pini di Roma" schildern im Gegensatz dazu die geschichtlichen Schauplätze, an deren Seiten die Pinienbäume stehen. Komponiert für großes symphonisches Orchester, mit acht Kontrabässen, zusätzlicher Bläsergruppe, Orgel, Klavier und einer Celesta, ist der Höreindruck bei so einem Klangkörper überwältigend. Die Philharmoniker bildeten eine homogene Einheit, aus kleinen thematischen Einheiten entwickelten sie lange Spannungsbögen.
Ion Marin und die Musiker gaben jeder einzelnen Dichtung einen unverwechselbaren Charakter mit einer grandiosen Schlußsteigerung.
Oktavia Depta