Meldungen

Kündigung von Serge Dorny war nicht rechtens

Die Kündigung des designierten Intendanten der Dresdner Semperoper, Serge Dorny im Jahr 2014, ist ungültig. Das hat das Oberlandesgericht Dresden jetzt in zweiter Instanz entschieden. 2013 war der Dorny, der die Oper Lyon leitet, zum Intendanten der Semperoper bestimmt worden. Doch noch vor seinen...

Bayerische Staatsoper verschiebt "Oper für alle" wegen Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufs

Die Bayerische Staatsoper sagt die Veranstaltung "Oper für alle" am kommenden Sonntag, 31. Juli 2016, aufgrund des parallel stattfindenden Gedenkgottesdienstes und des Trauerakts für die Opfer des Münchner Amoklaufs vorläufig ab. "Die Staatsoper und alle ihre Mitarbeiter, Sänger und...

Gewinner des Internationalen Mut-Autorenwettbewerbs 2016 stehen fest

Am Samstag, den 23. Juni, präsentierte das Münchner Gärtnerplatztheater im Akademietheater das Finale »Frei zur Uraufführung!« des Internationalen Mut-Autorenwettbewerbs für musikalisches Unterhaltungstheater. Mit insgesamt 40 eingereichten Stückkonzepten hatten sich Komponisten, Liedtexter und...

65. Internationaler Musikwettbewerb der ARD in den Fächern Kontrabass, Horn, Harfe und Streichquartett

Vom 29. August bis zum 16. September 2016 treffen sich Nachwuchsmusiker aus allen Teilen der Welt in München zum 65. Internationalen Musikwettbewerb der ARD. In diesem Jahr wird der Wettbewerb in den Fächern Kontrabass, Horn, Harfe und Streichquartett ausgetragen. Insgesamt gab es 345 Bewerbungen...

Polizei äußert bei einigen Beschäftigten der Bayreuther Festspiele Sicherheitsbedenken

Bei der Überprüfung des Personals der Bayreuther Festspiele hat die Polizei bei einigen Mitarbeitern Sicherheitsbedenken angemeldet. Die etwa 35 Personen sollen nicht mehr in sicherheitsrelevanten Bereichen, also im Festspielhaus eingesetzt werden, heißt es. Die polizeilichen Bedenken beziehen sich...

Der Preis ist nicht heiß: fragwürdiger Echo-Klassik 2016 vergeben

Anna Netrebko, Philippe Jaroussky, Sol Gabetta, Pinchas Zukerman, Holger Falk, Asya Fateyeva, Grigory Sokolov, Christiane Karg und Andrea Bocelli – sie alle und noch viele viele Musikerinnen und Musiker mehr, 48 um genau zu sein, gehören zu den Preisträgern des Echo-Klassik 2016; frei nach dem...

BR-Klassik-Festspielzeit bietet Festival-Highlights des Jahres 2016

An rund 70 Abenden vom 26. Juni bis 10. September bietet BR-Klassik die großen musikalischen Ereignisse dieses Sommers in Mitschnitten und Liveübertragungen. Den Auftakt machte die Eröffnung der Münchner Opernfestspiele am 26.6. mit der Neuinszenierung von Jacques Fromental Halévys Oper „La Juive“....

Münchner Philharmoniker starten eigenes Label

Am 30. September 2016 veröffentlichen die Münchner Philharmoniker und ihr Chefdirigent Valery Gergiev die ersten beiden Live-Konzertaufzeichnugen des orchestereigenen Labels MPHIL: Mahlers Symphonie Nr. 2 (Antrittskonzert) und Bruckners Symphonie Nr. 4. Die Aufnahmen erscheinen ein Jahr nach...

Bayreuther Parsifal-Premiere live auf BR-Klassik und am 30. Juli in 3sat

Die Richard-Wagner-Festspiele auf dem Grünen Hügel von Bayreuth werden in diesem Jahr mit der Premiere der „Parsifal"-Neuproduktion eröffnet. BR-Klassik überträgt am Montag, 25. Juli, ab 15.57 Uhr live aus dem Bayreuther Festspielhaus im Hörfunk und im Videostream auf br-klassik.de/concert. Am...

Facebook erhält Verschlossene Auster

Das amerikanische soziale Netzwerk Facebook erhält in diesem Jahr die "Verschlossene Auster", den traditionellen Preis für den Informationsblockierer des Jahres, den die Journalistenorganisation Netzwerk Recherche vergibt. Sie kritisiert damit den intransparenten Umgang von Facebook mit...

Harte Zeiten für Bayreuth-Besucher

Das Bayreuther Festspielhaus verfügt über die vermutlich unbequemsten Opernsitze der Welt. Fünf Stunden Wagner werden hier schnell zu einer Herausforderung für Rücken und Beine, selbst für ausgesprochene Fans des Meisters. Und jetzt dürfen die Besucher nicht mal mehr Sitzkissen mit ins Auditorium...

Musikpreis des VDKD geht an Alexej Gerassimez

Der mit 10.000 Euro dotierte Musikpreis des Verbandes der Deutschen Konzertdirektionen e.V. (VDKD) geht in diesem Jahr an den Percussionisten Alexej Gerassimez. Die Auszeichnung wird jährlich wechselnd an förderungswürdige junge Musiker oder Ensembles, beziehungsweise Bands, aus den Bereichen der...

Hartmut Haenchen springt für Andris Nelsons in Bayreuth ein

Hartmut Haenchen wird den Bayreuther "Parsifal" in diesem Jahr dirigieren. Nelsons hatte die Proben kurzfristig verlassen, weil es zu "atmosphärischen Störungen" gekommen war - was immer das im Detail bedeutet. Die Festspielleitung freue sich, dass es nun gelungen sei, mit...

Revolution im Münchner Nationaltheater: Dallmayr übernimmt Catering von Käfer

Es ist eine gastronomische Revolution, die sich in Münchens Musentempel, dem Nationaltheater, ereignet hat: Nach über 50 Jahren ununterbrochener Tätigkeit als Caterer für die Opernbesucher wird die Firma Käfer diesen Service nun an den Konkurrenten Dallmayr abtreten müssen. Bei einer Ausschreibung...

Nelsons steigt aus Bayreuther Parsifal aus

Der Dirigent Andris Nelsons hat seinen Rückzug von der Bayreuther Neuproduktion des "Parsifal" in diesem Sommer angekündigt. Die Festspielleitung hat bestätigt, dass Nelsons um die Auflösung seines Vertrags gebeten habe. Die Umstände bei den diesjährigen Festspielen hätten nicht die...

Opernpartituren von Spontini in Belgien gefunden

Handschriftliche Partituren von vier verloren geglaubten Opern Gaspare Spontinis sind in der Bibliothek des Schlosses Ursel in Hingene in Belgien sind entdeckt worden. Es handelt sich um die frühen Opern «Il quadro parlante» (1800), «Il geloso e l’audace» (1801), «Le metamorfosi di Pasquale ossia...

427.000 Euro durch Benefizkonzert mit Lang Lang für Bamberger Klosterkirche St. Michael

Das Benefizkonzert zugunsten der Stiftung Weltkulturerbe Stadt Bamberg für die Renovierung der Klosterkirche St. Michael mit Lang Lang, Jonathan Nott und den Bamberger Symphonikern Ende März in der ausverkauften Brose Arena in Bamberg war ein voller Erfolg. Durch den Ticketverkauf und die großzügig...

Siemens Musikstiftung ließ Partituren von Luigi Nono digitalisieren

Über 1,5 Terabyte mit digitalisierten Originalpartituren, Notizen und Skizzen aus der Hand Luigi Nonos hat ein Projekt der Ernst von Siemens Musikstiftung erstellt, das jetzt kurz vor dem erfolgreichen Abschluss steht. Die Daten werden an die Paul Sacher Stiftung übergeben, das digitale Archiv soll...

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Schäumender Prosecco statt Unterwelt

Ingolf Turban Foto: Dorothee Falke


Der Geiger Ingolf Turban hat in einer Fernsehdokumentation (ausgestrahlt in der ARD im Mai 2007) den berüchtigten "Teufelsgeiger" Niccolò Paganini nicht nur auf der Geige spielend, sondern auch als Person dargestellt. Die Werke Paganinis gehören zu Turbans Standardrepertoire. Im Interview mit KlassikInfo.de erzählt Ingolf Turban, was ihn an der Musik Paganinis fasziniert.

 

KlassikInfo.de: Herr Turban, Sie sind für den Film "Paganinis Geheimnis" nicht nur musikalisch, sondern auch darstellerisch in die Rolle des Teufelsgeigers geschlüpft. Können Sie sich mit Paganinis dämonischer Erscheinung identifizieren?

Ingolf Turban: Mit allem, nur nicht mit seiner dämonischen Erscheinung. Schlicht und einfach, weil ich sie selbst gar nicht habe. Aber sonst wirklich mit nahezu allem. Zunächst gefällt mir einfach seine Musik in ihrer Eleganz und Leichtigkeit, vor allem aber in ihrem Belcanto - das ist mir vielleicht das Wichtigste. Der andere Punkt - dafür kann ich nichts - ich habe eine für diese Musik sehr begünstigte Hand. Während andere dafür lange arbeiten müssen, fällt es mir verhältnismäßig leicht Paganinis Kompositionen grifftechnisch auf der Geige umzusetzen. Diese Art von technischem Anspruch bei Paganini ist für mich keine Teufelei, sondern führt eigentlich auf geradem Weg zu einem hellen, fröhlichen Klangbild und einem verspielten, scherzenden Ton. Und so betone ich auch immer gerne, dass Paganinis Musik auszuführen kein düsterer Kampf sein soll, sondern ein schäumender Prosecco. Auf der anderen Seite vermittelt diese Musik aber auch erstaunlichen Tiefgang - gerade in den zweiten Sätzen der Violinkonzerte. Da wird wirklich Weltschmerz freigesetzt. Und damit kann ich mich auch identifizieren.

Sie haben jetzt vor allem über Paganinis Musik gesprochen. War denn eigentlich die Schauspielerei für Sie eine neue Erfahrung?

Ja, das war etwas komplett Neues. Ich hatte eine geniale Maskenbildnerin, die es geschafft hat, mich in einer Viertelstunde so düster aussehen zu lassen, dass ich erst einmal riesig erschrocken bin, als ich in den Spiegel geguckt habe. Aber ich muss sagen: die Rolle gefiel mir. In einer historischen schwarzen Kutsche zu fahren, vor mir die Schimmel zu sehen, das waren Momente, in denen ich Raum und Zeit vergaß. Es waren Momente einer spannenden Zeitreise. Und da ist es dann fast seltsam, sich danach wieder umzuziehen und in die nüchterne Realität zurückzukehren. Für mich haben die ganzen Dreharbeiten viel mehr bedeutet als nur zu spielen.

Paganini hatte ja angeblich eine Krankheit, die es ihm ermöglichte, seine Finger extrem weit zu dehnen. Ist Paganinis Technik erlernbar oder braucht es dafür wirklich besondere physische Voraussetzungen?

Ich denke, diese Diskussion wird nie ganz abzuschließen sein. Das zeigt auch der Film. Letzten Endes ist der Titel wohl ganz gut gewählt, denn es bleibt ein Geheimnis. Auch über Genuntersuchungen kann man nur bis zu einem gewissen Grade einiges feststellen. Ich habe im Film versucht deutlich zu machen, dass man beim Spielen eigentlich nur ein bisschen die Winkel verändern muss, damit es geht. Ich habe mir Paganinis Ölportraits angesehen und mich gefragt: warum steht der wohl so da? Beispielsweise hat Paganini den linken Unterarm eingerollt. Er hat sich einfach als totaler Autodidakt alles selber so zurecht gezimmert, wie es für seine Physis passte – und zu seinen Vorstellungen Geige zu spielen. Ich halte nicht so sehr viel von den Spekulationen um die physischen Abnormitäten und seine Krankheiten. Die können seine Fähigkeiten zwar noch befördert haben, aber ich habe kein Marfan-Syndrom und muss trotzdem nicht vor seinen Kompositionen zurückschrecken. Sogar Paganini selbst hat mal zu einem vertrauten Freund gesagt: die sprechen alle vom Teufel - was mich sehr schmerzt - und von Geheimnis, aber ich kann nur sagen: eines Tages werden noch viele Geiger dahinter kommen, wenn sie verstehen, wie man die Geige hält.

Sie haben vorhin Paganinis Kompositionen als "Belcanto für die Geige" bezeichnet. Wie sehen Sie das Verhältnis von Technik und Musik in seinen Werken?

Mir kommt es auf jeden Fall auf die Musik an. Mein Ziel ist es, die technischen Besonderheiten Paganinis verhältnismäßig leicht und wie nebenbei erscheinen zu lassen. Leichtigkeit und Humor sind es, die aus seiner Musik klingen müssen. Wenn jemand nach dem Konzert nur meine Technik loben würde, dann wäre ich enttäuscht. Die Musik kommt zuerst. Leider hat man in Paganini vorwiegend den Techniker gesehen und nicht die musikalische Substanz – auch in der Musikwissenschaft! An diesem Klischee zu rütteln, macht mir unendlich Freude. Und das scheint jetzt auch zu klappen, weil die Leute feststellen, dass das "ja doch Musik" ist.

Steht die etwas spektakuläre Darstellung der Figur Paganinis im Film dann nicht im Gegensatz zu Ihrer eigenen Auffassung und Interpretation seiner Musik?

Das ist genau der Widerspruch der ganzen Figur. Paganini ist ja nicht unschuldig an der ganzen Teufelssymbolik. Er war zwar so hager und blass, hat sich aber dazu ganz schwarz angezogen und wusste auch genau Bescheid über die Lichtregie bei Konzerten. Er hat sich also sehr bewusst in Szene gesetzt. Im Grunde genommen war er der erste Popstar. Und weil die Leute dann etwas gehört haben, was sie noch nie zuvor gehört hatten, da sagten sie dann halt schnell mal: das kann kein Mensch sein! Und so hat Paganini damals die Teufelslegende eingeholt, die er natürlich mit seinem ganzen Outfit und Benehmen auch inszeniert hatte. Und dann hat er gemerkt, dass er zwar auf der einen Seite davon profitierte, auf der anderen Seite aber auch etwas opfert. Und jetzt sind wir genau bei diesem Widerspruch.

Bei Ihrem Konzert am 10. Oktober im Prinzregenentheater treten Sie mit "I Virtuosi di Paganini" auf. Sie haben dieses Streicherensemble vor wenigen Jahren selbst gegründet. Welche Idee steckt dahinter?

Die Idee des Ensembles steckt eigentlich schon in seinem Titel. Es geht darum, sich Paganinis Musik zu widmen und zu nähern, und damit letzten Endes auch das ganze Kapitel des Virtuosentums um Paganini herum zu beleuchten. Da fallen dann eben auch Namen wie Camillo Sivori, dessen Werke nicht einmal Geigern bekannt sind. Die Noten sind nicht verlegt, ich habe sie in Paris von einem Privatmann erhalten. Sie sind für Geige und Streicher geschrieben. Ungeduldig wie ich war, wollte ich nicht warten bis irgendein Kammerorchester Zeit für dieses Projekt hat und habe stattdessen mein eigenes Streichorchester gegründet. Da habe ich mir fabelhafte Leute an Land gezogen: die besten meiner Exstudenten aus meiner Stuttgarter Zeit, plus Bass- und Celloverstärkung und meine Frau an der Bratsche. Eine Klasse Truppe von zwölf Leuten! Und einer von denen, Holger Frey, ist ein richtig professioneller Arrangeur - der macht das wirklich unglaublich gut. Den hab ich dann gezielt beauftragt, Werke Paganinis und anderer Zeitgenossen in die Form für Sologeige und Streicher zu bringen.

Heißt das, dass es sich bei den meisten Werken, die Sie spielen, um Bearbeitungen handelt?

So ist es. Die Werke Sivoris sind zwar original für Streicher, die von Paganini haben wir aber erst in diese Form gebracht. Das basiert auch auf der historischen Tatsache, dass Paganini die Orchester eigentlich immer zu groß waren. Und ich wollte versuchen, die Leichtigkeit und Eleganz, von der ich immer spreche, mit nur zwölf Musikern umsetzen.

Nach welchen Kriterien stellen Sie ihre Konzertprogramme zusammen?

Wir verfolgen den Gedanken des geigerischen Stammbaums. In unserem Münchner Konzert steht als geistiger Lehrer zunächst Guiseppe Tartini auf dem Programm, ohne den eine Figur wie Paganini auch in rein technischer Hinsicht gar nicht denkbar gewesen wäre. Also haben wir Tartinis "Teufelstriller" für unsere Besetzung arrangiert. Da haben Sie auch schon den Teufel. Danach kommt Paganini und dann sein Schüler Sivori. Von dem geht es weiter zu dessen Schüler Henri Marteau; und auch zu Hubert Leonard, Geigenduo-Partner und begeisterter Freund von Sivori. Es ist alles ein Fadenkreuz von Einflüssen von Geigern, die sich gegenseitig die Bälle zugeschoben und voneinander gelernt haben. Daher der Titel "I Maestri e gli Scholari".
Das Konzertprogramm sieht nach einem virtuosem Abend aus, der es ja zum Teil auch ist, aber irgendwann kippt es. Dann kommt nämlich das frühe zwanzigste Jahrhundert. Das allerletzte Stück - nur soviel will ich jetzt verraten - ist ein "Lamento" von Marteau. Und das stellt wirklich genau die andere Seite dar. Und diesen Randbereich, an dem der Wendepunkt des Virtuosentums erreicht ist, wollen wir auch mit einbeziehen.

Steckt da so ein bisschen die Idee dahinter, dass die Musik nach diesem Umbruch im Kern schon in der Musik Paganinis enthalten ist?

Genau, davon gehe ich latent aus. Es ist dann nur sozusagen offensichtlicher. Ich arbeite gerade auch an einer größeren Einspielung von Werken von Eugène Ysaye. Auch bei diesem Virtuosen gibt es so einen Wendepunkt. Im Jahre 1917 entstand ein Stück mit dem Titel "Exil" für acht Solostreicher. Das ist im Grunde genommen ein Abschiednehmen von einer Ära. So weitet sich das Feld, vom Barock ausgehend bis nahezu in die Gegenwart. In dem etwas einfältigen Titel "I Virtuosi di Paganini" soll eben auch diese Bandbreite stecken. Und ich glaube an das Konzept, dass unser Kammerorchester wirklich nur für dieses Segment da ist. Wir werden nie ein Bachkonzert spielen. Ich möchte diese Orchester für ganz spezielle Programme, die es so überhaupt nicht gibt und die sozusagen konkurrenzlos dastehen.

Was reizt Sie daran, immer wieder nach eher unbekanntem Violinrepertoire zu suchen?

Mich interessiert einfach, was es alles gegeben hat und warum es nicht bekannt wurde. Und es steckt schon auch ein Stück Sinnerfüllung für mich persönlich dahinter, wenn ich Stücke ausgrabe, die vorher kein Mensch gekannt hat, die dann aber auch ins Konzertrepertoire einfließen. Und es macht wahnsinnig Spaß, da weiter zu wühlen. Es wird nie aufhören. Trotzdem kann ich auch für die Standardwerke immer wieder den gleichen Verliebtheitsgrad einbringen. Und ich möchte mir bei der Entdeckungsliteratur auch nichts vormachen. Das wäre ganz falsch. Die 1A-Literatur ist und bleibt die 1A-Literatur. Aber wir können sie noch mehr bewundern, wenn wir das Umfeld auch kennen. Heute sind die großen Genies völlig isoliert in unserem Bewusstsein, obwohl sie in ihrem Umfeld all derer standen, die wir heute so arrogant als Kleinmeister bezeichnen, die aber erstaunlich viel vorgearbeitet haben. Ich habe diese 1A-Literatur noch mehr lieben gelernt im Vergleich zu 1B.

Interview: Susanna Felix