Meldungen

15. UniCredit Festspiel-Nacht

Sängerinnen und Sänger der Bayerischen Staatsoper mitten in der Stadt – das bietet die UniCredit Festspiel-Nacht am Freitag, 24. Juni, ab 20 Uhr. Zum bereits 15. Mal präsentieren zum Auftakt der Münchner Opernfestspiele Künstler auf mehreren Bühnen und an verschiedenen Spielstätten Höhepunkte aus...

Interpretationen im Vergleich: "L'Orfeo" von Monteverdi

Die Sendung "Interpretationen im Vergleich" auf BR-Klassik widmet sich am 21. Juni, 20.03 Uhr, Claudio Monteverdis Oper "Orfeo".
Im Jahr 1607 komponierte Monteverdi seinen "Orfeo", der bis heute vielen als das erste vollgültige Beispiel der Gattung gilt. Der...

Gewinner des Robert-Schumann-Wettbewerbs stehen fest

Die Preisträger des 17. Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerbs für Klavier und Gesang stehen fest: Mit Goldmedaillen ausgezeichnet werden die 30-jährige Mezzosopranistin Henriette Gödde (Deutschland) und der 27-jährige Bariton André Baleiro (Portugal). In der Kategorie Klavier wurde kein...

Großzügiger Mäzen für Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen

Mit einer großen, dankbar und freudig aufgenommenen Überraschung wartete der Unternehmer und Mäzen Peter E. Eckes zur Halbzeit des derzeit stattfindenden Richard-Strauss-Festivals in Garmisch-Partenkirchen auf: Für das Festival 2017, das die Intendanz von Ks. Brigitte Fassbaender beenden wird,...

Alessandro De Marchi verlängert bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

Wie Land Tirol und Stadt Innsbruck heute Dienstag bekanntgegeben haben, wird der Vertrag von Alessandro De Marchi als Intendant der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik für weitere vier Jahre bis 2021 verlängert. „Das erneute Vertrauen ehrt mich und erfüllt mich mit großer Freude. Mit der...

Richard-Strauss-Festival eröffnet

Mit einem Festakt und der Verleihung der "Strauss-Plakette" an die Sopranistin Edita Gruberova wurde gestern, Samstag, 11. Juni, das Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen, dem langjährigen Wohnsitz des Komponisten, eröffnet. Bayern Kunstminister Ludwig Spaenle würdigte das...

Erstes Bartók for Europe Festival in München

Das neu gegründete Festival „Bartók for Europe“, das durch eine Initiative des Symphonieorchesters Concerto Budapest in Zusammenarbeit mit dem London Philharmonic Orchestra entstanden ist, wird Ende September 2016 mit seiner ersten Ausgabe in München stattfinden. In den Jahren 2017 und 2018 sollen...

Finalisten des Internationalen MUT-Autorenwettbewerbs des Münchner Gärtnerplatztheaters

Nachdem 2015 Künstlerinnen und Künstler die Chance bekommen haben, ihr Talent in Gesang und Darstellung zu zeigen, waren 2016 Komponisten, Liedtexter und Buchautoren jedweder Nationalität mit der Affinität zum musikalischen Unterhaltungstheater aufgerufen, beim MUT-Wettbewerb des Münchner...

Usedomer Musikfestival feiert Schwedens Kultur

Das Usedomer Musikfestival - kulturelles Highlight der Insel Usedom - bringt vom 24.9. bis 14.10. Schweden ganz nah an die südliche Ostseeküste: Die traditionsreiche Veranstaltungsreihe feiert für drei Wochen in Schlössern, Kirchen, Hotels und Mecklenburg-Vorpommerns größtem Industriedenkmal in...

Hauptsponsorin kehrt Bayerischem Staatsballett aus Protest gegen den neuen Ballettchef den Rücken

Weil sie den neuen Leiter des Bayerischen Staatsballetts Igor Zelensky ablehnt, streicht die langjährige Sponsorin Irène Lejeune dem Ensemble künftig ihre Zuwendungen, die bislang immerhin 1,3 Millionen Euro betragen. Zelensky habe sich Lejeune gegenüber negativ über die Compagnie geäußert,...

Yannik Nézet-Séguin wird neuer Musikdirektor der Met

Der 41-jährige kanadische Dirigent Yannik Nézet-Séguin wird ab 2020 neuer Musikdirektor der New Yorker Metropolitain Opera. Ein früherer Antritt sei zwar gewünscht, aber aufgrund der zahlreichen bereits bestehenden Verpflichtungen des Dirigenten nicht möglich gewesen. Nézet-Séguin tritt die...

24-Stunden-Webradio mit französischer Romantik gestartet

Das Programm des Bru Zane Classical Radio umfasst ein Angebot von etwa 2.000 Titeln, die in der Regel in voller Länge gesendet werden. Neben berühmten Meisterwerken wird bewusst ein Fokus auf die Wiederentdeckung unbekannterer Komponisten gelegt. Jeden Sonntagabend steht ab 21 Uhr eine selten...

Ruhrtriennale sucht 80 StatistInnen für Filmdreh

Für die Ruhrtriennale-Produktion „Die Fremden“, die am 02.09.16 in der Kohlenmischhalle der Zeche Auguste Victoria in Marl Weltpremiere feiert, kreiert der niederländische Filmkünstler Aernout Mik ein filmisches Szenenbild. Hierfür sucht die Ruhrtriennale 80 StatistInnen aus dem gesamten...

Große Abwanderung beim Bayerischen Staatsballett

Nach dem Ende der Spielzeit 2015/2016 wird Ivan Liška nach 18 Jahren sein Amt als Direktor des Bayerischen Staatsballetts an Igor Zelensky übergeben. Mit Liška werden sich einige bekannte Gesichter von der Bühne des Nationaltheaters und vom Münchner Publikum verabschieden. Veränderungen wird es...

Symphonieorchester und Chor des BR protestieren mit Simon Rattle gegen die Schließung des European Union Youth Orchestra (EUYO)

Als Zeichen des Protests gegen die drohende Schließung des European Union Youth Orchestra (EUYO) wollen Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunk bei einem Konzert unter der Leitung von Sir Simon Rattle am 24. Mai im Herkulessaal der Münchner Residenz die Europahymne spielen. Die Hymne...

Martha Argerich feiert ihren 75. Geburtstag mit Daniel Barenboim und einem Benefizkonzert in Berlin

Am Sonntag, dem 5. Juni gibt es Grund zu feiern: Martha Argerich, eine der bedeutendsten Künstlerinnen der klassischen Musikwelt, begeht ihren 75. Geburtstag! Dieses runde Jubiläum feiert sie mit einem Benefizkonzert zugunsten der Sanierung der Staatsoper Unter den Linden – gemeinsam mit ihrem...

Waltraud Meier erhält Richard-Wagner-Preis der Stadt Leipzig 2016

Die Mezzosopranistin Waltraud Meier wird mit dem diesjährigen Richard-Wagner-Preis der Stadt Leipzig geehrt. "Wir sind glücklich, mit der Kammersängerin Waltraud Meier eine der international bedeutendsten Wagnerinterpretinnen auszeichnen zu können", so Thomas Krakow, Vorsitzender der...

Stefanie Carp und Christoph Marthaler übernehmen Leitung der Ruhrtriennale

Die Dramaturgin und Festival-Direktorin Stefanie Carp übernimmt ab 2018 für drei Jahre die Leitung des Theater- und Musikfestivals Ruhrtriennale. Gemeinsam mit dem derzeitigen Intendanten Johan Simons gab die Kulturministerin von NRW Christina Kampmann bekannt, dass Stefanie Carp diese Aufgabe mit...

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Schäumender Prosecco statt Unterwelt

Ingolf Turban Foto: Dorothee Falke


Der Geiger Ingolf Turban hat in einer Fernsehdokumentation (ausgestrahlt in der ARD im Mai 2007) den berüchtigten "Teufelsgeiger" Niccolò Paganini nicht nur auf der Geige spielend, sondern auch als Person dargestellt. Die Werke Paganinis gehören zu Turbans Standardrepertoire. Im Interview mit KlassikInfo.de erzählt Ingolf Turban, was ihn an der Musik Paganinis fasziniert.

 

KlassikInfo.de: Herr Turban, Sie sind für den Film "Paganinis Geheimnis" nicht nur musikalisch, sondern auch darstellerisch in die Rolle des Teufelsgeigers geschlüpft. Können Sie sich mit Paganinis dämonischer Erscheinung identifizieren?

Ingolf Turban: Mit allem, nur nicht mit seiner dämonischen Erscheinung. Schlicht und einfach, weil ich sie selbst gar nicht habe. Aber sonst wirklich mit nahezu allem. Zunächst gefällt mir einfach seine Musik in ihrer Eleganz und Leichtigkeit, vor allem aber in ihrem Belcanto - das ist mir vielleicht das Wichtigste. Der andere Punkt - dafür kann ich nichts - ich habe eine für diese Musik sehr begünstigte Hand. Während andere dafür lange arbeiten müssen, fällt es mir verhältnismäßig leicht Paganinis Kompositionen grifftechnisch auf der Geige umzusetzen. Diese Art von technischem Anspruch bei Paganini ist für mich keine Teufelei, sondern führt eigentlich auf geradem Weg zu einem hellen, fröhlichen Klangbild und einem verspielten, scherzenden Ton. Und so betone ich auch immer gerne, dass Paganinis Musik auszuführen kein düsterer Kampf sein soll, sondern ein schäumender Prosecco. Auf der anderen Seite vermittelt diese Musik aber auch erstaunlichen Tiefgang - gerade in den zweiten Sätzen der Violinkonzerte. Da wird wirklich Weltschmerz freigesetzt. Und damit kann ich mich auch identifizieren.

Sie haben jetzt vor allem über Paganinis Musik gesprochen. War denn eigentlich die Schauspielerei für Sie eine neue Erfahrung?

Ja, das war etwas komplett Neues. Ich hatte eine geniale Maskenbildnerin, die es geschafft hat, mich in einer Viertelstunde so düster aussehen zu lassen, dass ich erst einmal riesig erschrocken bin, als ich in den Spiegel geguckt habe. Aber ich muss sagen: die Rolle gefiel mir. In einer historischen schwarzen Kutsche zu fahren, vor mir die Schimmel zu sehen, das waren Momente, in denen ich Raum und Zeit vergaß. Es waren Momente einer spannenden Zeitreise. Und da ist es dann fast seltsam, sich danach wieder umzuziehen und in die nüchterne Realität zurückzukehren. Für mich haben die ganzen Dreharbeiten viel mehr bedeutet als nur zu spielen.

Paganini hatte ja angeblich eine Krankheit, die es ihm ermöglichte, seine Finger extrem weit zu dehnen. Ist Paganinis Technik erlernbar oder braucht es dafür wirklich besondere physische Voraussetzungen?

Ich denke, diese Diskussion wird nie ganz abzuschließen sein. Das zeigt auch der Film. Letzten Endes ist der Titel wohl ganz gut gewählt, denn es bleibt ein Geheimnis. Auch über Genuntersuchungen kann man nur bis zu einem gewissen Grade einiges feststellen. Ich habe im Film versucht deutlich zu machen, dass man beim Spielen eigentlich nur ein bisschen die Winkel verändern muss, damit es geht. Ich habe mir Paganinis Ölportraits angesehen und mich gefragt: warum steht der wohl so da? Beispielsweise hat Paganini den linken Unterarm eingerollt. Er hat sich einfach als totaler Autodidakt alles selber so zurecht gezimmert, wie es für seine Physis passte – und zu seinen Vorstellungen Geige zu spielen. Ich halte nicht so sehr viel von den Spekulationen um die physischen Abnormitäten und seine Krankheiten. Die können seine Fähigkeiten zwar noch befördert haben, aber ich habe kein Marfan-Syndrom und muss trotzdem nicht vor seinen Kompositionen zurückschrecken. Sogar Paganini selbst hat mal zu einem vertrauten Freund gesagt: die sprechen alle vom Teufel - was mich sehr schmerzt - und von Geheimnis, aber ich kann nur sagen: eines Tages werden noch viele Geiger dahinter kommen, wenn sie verstehen, wie man die Geige hält.

Sie haben vorhin Paganinis Kompositionen als "Belcanto für die Geige" bezeichnet. Wie sehen Sie das Verhältnis von Technik und Musik in seinen Werken?

Mir kommt es auf jeden Fall auf die Musik an. Mein Ziel ist es, die technischen Besonderheiten Paganinis verhältnismäßig leicht und wie nebenbei erscheinen zu lassen. Leichtigkeit und Humor sind es, die aus seiner Musik klingen müssen. Wenn jemand nach dem Konzert nur meine Technik loben würde, dann wäre ich enttäuscht. Die Musik kommt zuerst. Leider hat man in Paganini vorwiegend den Techniker gesehen und nicht die musikalische Substanz – auch in der Musikwissenschaft! An diesem Klischee zu rütteln, macht mir unendlich Freude. Und das scheint jetzt auch zu klappen, weil die Leute feststellen, dass das "ja doch Musik" ist.

Steht die etwas spektakuläre Darstellung der Figur Paganinis im Film dann nicht im Gegensatz zu Ihrer eigenen Auffassung und Interpretation seiner Musik?

Das ist genau der Widerspruch der ganzen Figur. Paganini ist ja nicht unschuldig an der ganzen Teufelssymbolik. Er war zwar so hager und blass, hat sich aber dazu ganz schwarz angezogen und wusste auch genau Bescheid über die Lichtregie bei Konzerten. Er hat sich also sehr bewusst in Szene gesetzt. Im Grunde genommen war er der erste Popstar. Und weil die Leute dann etwas gehört haben, was sie noch nie zuvor gehört hatten, da sagten sie dann halt schnell mal: das kann kein Mensch sein! Und so hat Paganini damals die Teufelslegende eingeholt, die er natürlich mit seinem ganzen Outfit und Benehmen auch inszeniert hatte. Und dann hat er gemerkt, dass er zwar auf der einen Seite davon profitierte, auf der anderen Seite aber auch etwas opfert. Und jetzt sind wir genau bei diesem Widerspruch.

Bei Ihrem Konzert am 10. Oktober im Prinzregenentheater treten Sie mit "I Virtuosi di Paganini" auf. Sie haben dieses Streicherensemble vor wenigen Jahren selbst gegründet. Welche Idee steckt dahinter?

Die Idee des Ensembles steckt eigentlich schon in seinem Titel. Es geht darum, sich Paganinis Musik zu widmen und zu nähern, und damit letzten Endes auch das ganze Kapitel des Virtuosentums um Paganini herum zu beleuchten. Da fallen dann eben auch Namen wie Camillo Sivori, dessen Werke nicht einmal Geigern bekannt sind. Die Noten sind nicht verlegt, ich habe sie in Paris von einem Privatmann erhalten. Sie sind für Geige und Streicher geschrieben. Ungeduldig wie ich war, wollte ich nicht warten bis irgendein Kammerorchester Zeit für dieses Projekt hat und habe stattdessen mein eigenes Streichorchester gegründet. Da habe ich mir fabelhafte Leute an Land gezogen: die besten meiner Exstudenten aus meiner Stuttgarter Zeit, plus Bass- und Celloverstärkung und meine Frau an der Bratsche. Eine Klasse Truppe von zwölf Leuten! Und einer von denen, Holger Frey, ist ein richtig professioneller Arrangeur - der macht das wirklich unglaublich gut. Den hab ich dann gezielt beauftragt, Werke Paganinis und anderer Zeitgenossen in die Form für Sologeige und Streicher zu bringen.

Heißt das, dass es sich bei den meisten Werken, die Sie spielen, um Bearbeitungen handelt?

So ist es. Die Werke Sivoris sind zwar original für Streicher, die von Paganini haben wir aber erst in diese Form gebracht. Das basiert auch auf der historischen Tatsache, dass Paganini die Orchester eigentlich immer zu groß waren. Und ich wollte versuchen, die Leichtigkeit und Eleganz, von der ich immer spreche, mit nur zwölf Musikern umsetzen.

Nach welchen Kriterien stellen Sie ihre Konzertprogramme zusammen?

Wir verfolgen den Gedanken des geigerischen Stammbaums. In unserem Münchner Konzert steht als geistiger Lehrer zunächst Guiseppe Tartini auf dem Programm, ohne den eine Figur wie Paganini auch in rein technischer Hinsicht gar nicht denkbar gewesen wäre. Also haben wir Tartinis "Teufelstriller" für unsere Besetzung arrangiert. Da haben Sie auch schon den Teufel. Danach kommt Paganini und dann sein Schüler Sivori. Von dem geht es weiter zu dessen Schüler Henri Marteau; und auch zu Hubert Leonard, Geigenduo-Partner und begeisterter Freund von Sivori. Es ist alles ein Fadenkreuz von Einflüssen von Geigern, die sich gegenseitig die Bälle zugeschoben und voneinander gelernt haben. Daher der Titel "I Maestri e gli Scholari".
Das Konzertprogramm sieht nach einem virtuosem Abend aus, der es ja zum Teil auch ist, aber irgendwann kippt es. Dann kommt nämlich das frühe zwanzigste Jahrhundert. Das allerletzte Stück - nur soviel will ich jetzt verraten - ist ein "Lamento" von Marteau. Und das stellt wirklich genau die andere Seite dar. Und diesen Randbereich, an dem der Wendepunkt des Virtuosentums erreicht ist, wollen wir auch mit einbeziehen.

Steckt da so ein bisschen die Idee dahinter, dass die Musik nach diesem Umbruch im Kern schon in der Musik Paganinis enthalten ist?

Genau, davon gehe ich latent aus. Es ist dann nur sozusagen offensichtlicher. Ich arbeite gerade auch an einer größeren Einspielung von Werken von Eugène Ysaye. Auch bei diesem Virtuosen gibt es so einen Wendepunkt. Im Jahre 1917 entstand ein Stück mit dem Titel "Exil" für acht Solostreicher. Das ist im Grunde genommen ein Abschiednehmen von einer Ära. So weitet sich das Feld, vom Barock ausgehend bis nahezu in die Gegenwart. In dem etwas einfältigen Titel "I Virtuosi di Paganini" soll eben auch diese Bandbreite stecken. Und ich glaube an das Konzept, dass unser Kammerorchester wirklich nur für dieses Segment da ist. Wir werden nie ein Bachkonzert spielen. Ich möchte diese Orchester für ganz spezielle Programme, die es so überhaupt nicht gibt und die sozusagen konkurrenzlos dastehen.

Was reizt Sie daran, immer wieder nach eher unbekanntem Violinrepertoire zu suchen?

Mich interessiert einfach, was es alles gegeben hat und warum es nicht bekannt wurde. Und es steckt schon auch ein Stück Sinnerfüllung für mich persönlich dahinter, wenn ich Stücke ausgrabe, die vorher kein Mensch gekannt hat, die dann aber auch ins Konzertrepertoire einfließen. Und es macht wahnsinnig Spaß, da weiter zu wühlen. Es wird nie aufhören. Trotzdem kann ich auch für die Standardwerke immer wieder den gleichen Verliebtheitsgrad einbringen. Und ich möchte mir bei der Entdeckungsliteratur auch nichts vormachen. Das wäre ganz falsch. Die 1A-Literatur ist und bleibt die 1A-Literatur. Aber wir können sie noch mehr bewundern, wenn wir das Umfeld auch kennen. Heute sind die großen Genies völlig isoliert in unserem Bewusstsein, obwohl sie in ihrem Umfeld all derer standen, die wir heute so arrogant als Kleinmeister bezeichnen, die aber erstaunlich viel vorgearbeitet haben. Ich habe diese 1A-Literatur noch mehr lieben gelernt im Vergleich zu 1B.

Interview: Susanna Felix