Meldungen

Ruhrtriennale sucht 80 StatistInnen für Filmdreh

Für die Ruhrtriennale-Produktion „Die Fremden“, die am 02.09.16 in der Kohlenmischhalle der Zeche Auguste Victoria in Marl Weltpremiere feiert, kreiert der niederländische Filmkünstler Aernout Mik ein filmisches Szenenbild. Hierfür sucht die Ruhrtriennale 80 StatistInnen aus dem gesamten...

Große Abwanderung beim Bayerischen Staatsballett

Nach dem Ende der Spielzeit 2015/2016 wird Ivan Liška nach 18 Jahren sein Amt als Direktor des Bayerischen Staatsballetts an Igor Zelensky übergeben. Mit Liška werden sich einige bekannte Gesichter von der Bühne des Nationaltheaters und vom Münchner Publikum verabschieden. Veränderungen wird es...

Symphonieorchester und Chor des BR protestieren mit Simon Rattle gegen die Schließung des European Union Youth Orchestra (EUYO)

Als Zeichen des Protests gegen die drohende Schließung des European Union Youth Orchestra (EUYO) wollen Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunk bei einem Konzert unter der Leitung von Sir Simon Rattle am 24. Mai im Herkulessaal der Münchner Residenz die Europahymne spielen. Die Hymne...

Martha Argerich feiert ihren 75. Geburtstag mit Daniel Barenboim und einem Benefizkonzert in Berlin

Am Sonntag, dem 5. Juni gibt es Grund zu feiern: Martha Argerich, eine der bedeutendsten Künstlerinnen der klassischen Musikwelt, begeht ihren 75. Geburtstag! Dieses runde Jubiläum feiert sie mit einem Benefizkonzert zugunsten der Sanierung der Staatsoper Unter den Linden – gemeinsam mit ihrem...

Waltraud Meier erhält Richard-Wagner-Preis der Stadt Leipzig 2016

Die Mezzosopranistin Waltraud Meier wird mit dem diesjährigen Richard-Wagner-Preis der Stadt Leipzig geehrt. "Wir sind glücklich, mit der Kammersängerin Waltraud Meier eine der international bedeutendsten Wagnerinterpretinnen auszeichnen zu können", so Thomas Krakow, Vorsitzender der...

Stefanie Carp und Christoph Marthaler übernehmen Leitung der Ruhrtriennale

Die Dramaturgin und Festival-Direktorin Stefanie Carp übernimmt ab 2018 für drei Jahre die Leitung des Theater- und Musikfestivals Ruhrtriennale. Gemeinsam mit dem derzeitigen Intendanten Johan Simons gab die Kulturministerin von NRW Christina Kampmann bekannt, dass Stefanie Carp diese Aufgabe mit...

Ehemaliger Rektor der Münchner Musikhochschule Siegfried Mauser wegen sexueller Nötigung verurteilt

Der ehemaliger Rektor der Münchner Musikhochschule Siegfried Mauser ist wegen sexueller Nötigung vom Münchner Amtsgericht zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung und 25.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Mauser eine...

Münchner Rundfunkorchester stellt Konzertsaison 2016 /2017 vor

Das Münchner Rundfunkorchester setzt auch in der Spielzeit 2016/2017 auf Vielseitigkeit und innovative Programme, auf die Zusammenarbeit mit renommierten Gastkünstlerinnen und -künstlern und intensiviert das Ausloten neuer medialer Möglichkeiten. In München stellte es heute das Programm der...

Repušić wird Chef des Münchner Rundfunkorchesters

Der kroatische Dirigent Ivan Repušić übernimmt 2017 die Leitung des Münchner Rundfunkorchesters. Er löst damit Ulf Schirmer ab, der das Orchester seit 2006 leitet. Daneben wird Repušić in der kommenden Saison Generalmusikdirektors an der Staatsoper Hannover. Ivan Repušićs war sechs Jahre lang...

Elbphilharmonie verlost 1000 Freikarten für Eröffnung

Am kommenden Montag, den 9. Mai 2016, beginnt die Verlosung von insgesamt 1.000 Freikarten für die beiden Eröffnungskonzerte der Elbphilharmonie Hamburg am 11. und 12. Januar 2017 mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester unter seinem Chefdirigenten Thomas Hengelbrock. Das Programm wird noch nicht...

Bamberger Symphoniker starten 5. Dirigentenwettbewerb

Vom 6. bis 13. Mai 2016 veranstalten die Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie zum 5. Mal ihren Dirigentenwettbewerb The Mahler Competition. Der Wettbewerb ist ab der Hauptrunde am 9. Mai öffentlich. Der Eintritt zu den öffentlichen Runden in der Konzerthalle Bamberg ist frei. Der...

Opernbus der Komischen Oper auf der "Gastarbeiterroute"

Vom 29. Mai bis zum 9. Juni 2016 fährt der Opern-Kleinbus der Komischen Oper Berlin von Berlin aus nach Istanbul und legt über die vier Stationen München, Wien, Belgrad und Sofia eine musikalische Spur entlang der sogenann­ten "Gastar­beiterroute". Dass Musiktheater keine abgehobene...

Claudio Abbado-Kompositionspreis der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker geht an Vito Žuraj

Preisträger des Claudio-Abbado-Kompositionspreises 2016 ist der 1979 geborene slowenische Komponist Vito Žuraj. Claudio Abbado, von 1989 bis 2002 Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, hatte der Stiftung zur Förderung der Orchester-Akademie im Jahr 2002 das Vermögen seiner...

Musikforschung: Musikkritiker verstehen

Schön oder nicht schön – nach welchen Kriterien beurteilen Kritiker die Leistung eines Künstlers? Die Musikwissenschaftlerin Elena Alessandri nahm sich dieser Frage in ihrer Doktorarbeit an, die sie an der Hochschule Luzern erarbeitete und mit der sie einen PhD am Royal College of Music in London...

Konzerte und Sendungen zum 70-jährigen Bestehen des Chor des Bayerischen Rundfunks

Am 1. Mai 1946 trat der Chor von Radio München, dem Vorläufer des Bayerischen Rundfunks, erstmals vor die Mikrofone. Die aktuelle Spielzeit des BR-Chors steht ganz im Zeichen seines 70-jährigen Bestehens. Vor allem im April und Mai 2016 steht der Chor im Mittelpunkt zahlreicher...

Stellenstreichungen bei den BR-Orchestern?

Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge will der BR noch mehr Stellen abbauen als bisher geplant, um sein Millionendefizit auszugleichen. Dieses sei  vor allem aufgrund der gestiegenen Aufwendungen für Pensionsleistungen entstanden. Freie Stellen sollen nicht mehr besetzt werden, 150...

Jakub Hrůšas erste Saison als Chefdirigent der Bamberger Symphoniker

Die Konzertsaison 2016/2017 der Bamberger Symphoniker, die Intendant Marcus Rudolf Axt und der designierte Chefdirigent Jakub Hrůša heute vorstellten, steht unter dem Motto »Aufbrüche«: Mit dem neuen Chefdirigenten starten die Bamberger Symphoniker im September 2016 in eine neue Ära. Außerdem hat...

Aris Quartett gewinnt Joseph-Joachim-Kammermusik-Wettbewerb

Das Aris Quartett hat den ersten Preis beim 7. Internationalen Joseph Joachim Kammermusikwettbewerb gewonnen. Der Wettbewerb wird an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar durchgeführt und ist mit insgesamt 17.500 Euro dotiert, der erste Preis mit 10.000 Euro. Das Aris Quartett hat sich 2009...

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Dirigenten sollen künstlerische Visionäre sein

Kristjan Järvi Foto: Peter Adamik

Kristjan Järvi leitet heute und morgen erstmals das Bayerische Staatsorchester in einem Konzert. Auf dem Programm stehen Werke von Bernstein, Milhaud, ter Veldhuis und Tschaikowsky. Als Solist ist der Jazz-Saxophonist Branford Marsalis zu hören. Im Interview erklärt Järvi, warum er nebem dem von ihm initiierten Baltic Sea Youth Orchestra nun noch ein weiteres Orchester, das Baltic Sea Philharmonic Orchestra, gegründet hat und welche Pläne er als Chef des MDR Sinfonieorchesters hat.

KlassikInfo: Herr Järvi, wie entstand die Idee zusätzlich zum Baltic Sea Youth Orchestra noch das Baltic Sea Philharmonic Orchestra zu gründen?

Järvi: Seit Jahren muss ich Musikern absagen, die im Baltic Sea Youth Orchestra gespielt haben und zurückkommen wollen, weil sie mittlerweile zu alt sind. Das Youth Philharmonic ist ein Orchester mit Musikern von 18 bis 25 Jahren. Sobald man also 26 ist, kann man da nicht mehr mitspielen. Wir müssen eine Grenze setzen, weil zu jedem Vorspiel 500 Leute kommen.
In den vergangenen neun Jahren sind wir auf viel Interesse gestoßen und haben uns einen guten Ruf erarbeitet.Wir haben viele interessante Projekte und Bildungsprogramme entwickelt, z.B. ein Programm für Dirigenten, eines für Komponisten, ein komplettes Coaching für junge Musiker. Wir haben eine ganze Generation von Musikern erschaffen, die nach der gleichen Methode und dem gleichen Ansatz arbeiten – nach der Kristjan-Järvi-Methode könnte man sagen (lacht).

Und ich denke, jetzt nach diesen 9 Jahren, kann ich ein eigenes Orchester mit diesen unglaublichen Musikern zusammenstellen, eigentlich sogar zwei oder drei. Das Baltic Sea Philharmonie wird ein Tournee-Orchester sein. Auch Musiker, die in anderen Orchestern spielen, können sich so die Zeit nehmen und für diese Projekte dazukommen. Es ist eine großartige Chance, ein immer noch junges Orchester zu gründen, das aber kein Jugendorchester mehr ist. Ein junges, motiviertes und enthusiastisches Orchester mit dem Geist eines Jugendorchesters, ohne diese „Dienst-Mentalität“. Eines, das nicht nur großartige Musik machen, sondern auch Zeit mit Freunden verbringen und zusammen unterwegs und in einer Art musikalischer Werkstatt sein will.

Das ist glaube ich der Weg, wie ein Orchester im 21. Jahrhundert sein sollte: flexibel, auf einem sehr hohen musikalischen Niveau, voller Möglichkeiten. Ein Ort des ständigen Kreierens auf verschiedenen Ebenen – dem Management, der Programmatik, dem Zusammenstellen eines neuen Repertoires. Es soll ein kultureller Botschafter der baltischen Region sein, es ist nicht nur ein Orchester, es ist eine Lebensphilosophie.

KlassikInfo: Wie viele Musiker spielen in dem neuen Orchester und gibt es da auch eine Altersbegrenzung?

Järvi: Es wird ein voll besetztes Orchester sein, die genaue Zahl der Musiker ist abhängig vom Repertoire – das können von 70 bis über 100 Musiker sein. Eine Altersbegrenzung wird es nicht geben. Ich bin mir nicht sicher, wie viele 60- oder 70jährige Mitglieder dabei sein werden, aber theoretisch ist das möglich (lacht).

KlassikInfo: Sie beginnen im April eine Tournee, die der Umwelt gewidmet ist...

Järvi: In der Welt, in der wir momentan leben, wird Russland irgendwie immer aus unserer europäischen Situation ausgeklammert. Da geht es nicht um die physische Realität, denn Russland ist ein Teil von Europa. Die Ostsee umfasst einen relativ kleinen geografischen Raum. Es sind z.B. 70 Kilometer von Tallinn bis nach Helsinki, und von Tallinn nach St. Petersburg sind es 350 Kilometer – das alles ist unser Meer, und es schließt Russland mit ein. Wie können wir unsere Bäume, unser Meer, all das, was uns das Leben gibt, schützen, wenn wir anfangen, dort Grenzen zu setzen und zu sagen: „Das ist meins, das ist deins.“? Das alles gehört uns, das ist ebenso russisch, finnisch, estnisch, lettisch, schwedisch oder dänisch. Das ist die Ebene, auf der wir zusammenkommen müssen.  

KlassikInfo: Sie möchten also das Umweltbewußtsein ins Bewusstsein der Menschen bringen oder möchten Sie politische Events organisieren?

Järvi: Es geht darum, im kulturellen Rahmen unserer Konzerte, die die baltischen Landschaften feiern, verschiedene Leute zusammenzubringen. Es geht darum, darüber zu sprechen, dass Russland, Estland, Finnland, Litauen zusammengehören in dieser kleinen Ostseeregion. Es geht darum, die Umweltminister dieser Länder zusammenzubringen. Die Ostsee war eines der schmutzigsten Meere überhaupt. Während der sozialistischen Zeit wurde alles dort entsorgt – Bomben, Schiffe. Unsere Konzerte sind ein Ort, wo solch ein Dialog gestartet und weitergeführt werden kann in andere Bereiche: soziale Bereiche oder auch Bereiche des allgemeinen politischen Interesses. Wenn einer dem anderen nur Vorwürfe macht, ist das wenig konstruktiv.

Die Situation in Russland ist meiner Meinung nach eine Realität, die wir akzeptieren müssen – ob wir das nun gern tun oder nicht. Die Geschichten einzelner Staaten sind verschieden, und die aktuelle Vorgehensweise Russlands in der Krim-Politik oder bei der Ukraine ist nicht zu akzeptieren im Europa des 21. Jahrhunderts. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Europa eine Art multikultureller Schmelztiegel ist. Und ohne Russland wäre Europa schwächer, nicht stärker. Diese Thematik zeigt unsere Angst und Schwäche, wenn es um Dinge geht, mit denen wir uns nicht auseinandersetzen wollen. Es ist, als ob man seinem Kind, das etwas falsch gemacht hat, sagen würde: „Geh in dein Zimmer!“. So können wir hier aber nicht handeln, denn Russland ist nicht unser Kind, sondern befindet sich auf Augenhöhe. Das müssen wir berücksichtigen.

KlassikInfo: Das von Valery Gergiev und Esa-Pekka Salonen geleitete Baltic Sea Festival hat ebenfalls diesen Umweltgedanken in seinem Programm. War deren Engagement für Sie ein Vorbild?

Järvi: Absolut, beide waren künstlerische Berater des Youth Philharmonic und werden das hoffentlich auch für das neue Orchester sein. Das Festival, das Esa Pekka gestartet hat, ist eine Woche voller Events in Stockholm. Das würden wir gern ausweiten und in das Bewusstsein aller Leute dieser Länder bringen, und zwar nicht nur in der einen Woche Ende im August, sondern das ganze Jahr über. Dieser Kulturraum soll als etwas fungieren, über das ständig gesprochen wird, das Teil unseres Bewusstseins ist. Nur dann kann man etwas verändern. [nächste Seite]