Meldungen

Nelsons steigt aus Bayreuther Parsifal aus

Der Dirigent Andris Nelsons hat seinen Rückzug von der Bayreuther Neuproduktion des "Parsifal" in diesem Sommer angekündigt. Die Festspielleitung hat bestätigt, dass Nelsons um die Auflösung seines Vertrags gebeten habe. Die Umstände bei den diesjährigen Festspielen hätten nicht die...

Opernpartituren von Spontini in Belgien gefunden

Handschriftliche Partituren von vier verloren geglaubten Opern Gaspare Spontinis sind in der Bibliothek des Schlosses Ursel in Hingene in Belgien sind entdeckt worden. Es handelt sich um die frühen Opern «Il quadro parlante» (1800), «Il geloso e l’audace» (1801), «Le metamorfosi di Pasquale ossia...

427.000 Euro durch Benefizkonzert mit Lang Lang für Bamberger Klosterkirche St. Michael

Das Benefizkonzert zugunsten der Stiftung Weltkulturerbe Stadt Bamberg für die Renovierung der Klosterkirche St. Michael mit Lang Lang, Jonathan Nott und den Bamberger Symphonikern Ende März in der ausverkauften Brose Arena in Bamberg war ein voller Erfolg. Durch den Ticketverkauf und die großzügig...

Siemens Musikstiftung ließ Partituren von Luigi Nono digitalisieren

Über 1,5 Terabyte mit digitalisierten Originalpartituren, Notizen und Skizzen aus der Hand Luigi Nonos hat ein Projekt der Ernst von Siemens Musikstiftung erstellt, das jetzt kurz vor dem erfolgreichen Abschluss steht. Die Daten werden an die Paul Sacher Stiftung übergeben, das digitale Archiv soll...

15. UniCredit Festspiel-Nacht

Sängerinnen und Sänger der Bayerischen Staatsoper mitten in der Stadt – das bietet die UniCredit Festspiel-Nacht am Freitag, 24. Juni, ab 20 Uhr. Zum bereits 15. Mal präsentieren zum Auftakt der Münchner Opernfestspiele Künstler auf mehreren Bühnen und an verschiedenen Spielstätten Höhepunkte aus...

Interpretationen im Vergleich: "L'Orfeo" von Monteverdi

Die Sendung "Interpretationen im Vergleich" auf BR-Klassik widmet sich am 21. Juni, 20.03 Uhr, Claudio Monteverdis Oper "Orfeo".
Im Jahr 1607 komponierte Monteverdi seinen "Orfeo", der bis heute vielen als das erste vollgültige Beispiel der Gattung gilt. Der...

Gewinner des Robert-Schumann-Wettbewerbs stehen fest

Die Preisträger des 17. Internationalen Robert-Schumann-Wettbewerbs für Klavier und Gesang stehen fest: Mit Goldmedaillen ausgezeichnet werden die 30-jährige Mezzosopranistin Henriette Gödde (Deutschland) und der 27-jährige Bariton André Baleiro (Portugal). In der Kategorie Klavier wurde kein...

Großzügiger Mäzen für Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen

Mit einer großen, dankbar und freudig aufgenommenen Überraschung wartete der Unternehmer und Mäzen Peter E. Eckes zur Halbzeit des derzeit stattfindenden Richard-Strauss-Festivals in Garmisch-Partenkirchen auf: Für das Festival 2017, das die Intendanz von Ks. Brigitte Fassbaender beenden wird,...

Alessandro De Marchi verlängert bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

Wie Land Tirol und Stadt Innsbruck heute Dienstag bekanntgegeben haben, wird der Vertrag von Alessandro De Marchi als Intendant der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik für weitere vier Jahre bis 2021 verlängert. „Das erneute Vertrauen ehrt mich und erfüllt mich mit großer Freude. Mit der...

Richard-Strauss-Festival eröffnet

Mit einem Festakt und der Verleihung der "Strauss-Plakette" an die Sopranistin Edita Gruberova wurde gestern, Samstag, 11. Juni, das Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen, dem langjährigen Wohnsitz des Komponisten, eröffnet. Bayern Kunstminister Ludwig Spaenle würdigte das...

Erstes Bartók for Europe Festival in München

Das neu gegründete Festival „Bartók for Europe“, das durch eine Initiative des Symphonieorchesters Concerto Budapest in Zusammenarbeit mit dem London Philharmonic Orchestra entstanden ist, wird Ende September 2016 mit seiner ersten Ausgabe in München stattfinden. In den Jahren 2017 und 2018 sollen...

Finalisten des Internationalen MUT-Autorenwettbewerbs des Münchner Gärtnerplatztheaters

Nachdem 2015 Künstlerinnen und Künstler die Chance bekommen haben, ihr Talent in Gesang und Darstellung zu zeigen, waren 2016 Komponisten, Liedtexter und Buchautoren jedweder Nationalität mit der Affinität zum musikalischen Unterhaltungstheater aufgerufen, beim MUT-Wettbewerb des Münchner...

Usedomer Musikfestival feiert Schwedens Kultur

Das Usedomer Musikfestival - kulturelles Highlight der Insel Usedom - bringt vom 24.9. bis 14.10. Schweden ganz nah an die südliche Ostseeküste: Die traditionsreiche Veranstaltungsreihe feiert für drei Wochen in Schlössern, Kirchen, Hotels und Mecklenburg-Vorpommerns größtem Industriedenkmal in...

Hauptsponsorin kehrt Bayerischem Staatsballett aus Protest gegen den neuen Ballettchef den Rücken

Weil sie den neuen Leiter des Bayerischen Staatsballetts Igor Zelensky ablehnt, streicht die langjährige Sponsorin Irène Lejeune dem Ensemble künftig ihre Zuwendungen, die bislang immerhin 1,3 Millionen Euro betragen. Zelensky habe sich Lejeune gegenüber negativ über die Compagnie geäußert,...

Yannik Nézet-Séguin wird neuer Musikdirektor der Met

Der 41-jährige kanadische Dirigent Yannik Nézet-Séguin wird ab 2020 neuer Musikdirektor der New Yorker Metropolitain Opera. Ein früherer Antritt sei zwar gewünscht, aber aufgrund der zahlreichen bereits bestehenden Verpflichtungen des Dirigenten nicht möglich gewesen. Nézet-Séguin tritt die...

24-Stunden-Webradio mit französischer Romantik gestartet

Das Programm des Bru Zane Classical Radio umfasst ein Angebot von etwa 2.000 Titeln, die in der Regel in voller Länge gesendet werden. Neben berühmten Meisterwerken wird bewusst ein Fokus auf die Wiederentdeckung unbekannterer Komponisten gelegt. Jeden Sonntagabend steht ab 21 Uhr eine selten...

Ruhrtriennale sucht 80 StatistInnen für Filmdreh

Für die Ruhrtriennale-Produktion „Die Fremden“, die am 02.09.16 in der Kohlenmischhalle der Zeche Auguste Victoria in Marl Weltpremiere feiert, kreiert der niederländische Filmkünstler Aernout Mik ein filmisches Szenenbild. Hierfür sucht die Ruhrtriennale 80 StatistInnen aus dem gesamten...

Große Abwanderung beim Bayerischen Staatsballett

Nach dem Ende der Spielzeit 2015/2016 wird Ivan Liška nach 18 Jahren sein Amt als Direktor des Bayerischen Staatsballetts an Igor Zelensky übergeben. Mit Liška werden sich einige bekannte Gesichter von der Bühne des Nationaltheaters und vom Münchner Publikum verabschieden. Veränderungen wird es...

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Dirigenten sollen künstlerische Visionäre sein

Kristjan Järvi Foto: Peter Adamik

Kristjan Järvi leitet heute und morgen erstmals das Bayerische Staatsorchester in einem Konzert. Auf dem Programm stehen Werke von Bernstein, Milhaud, ter Veldhuis und Tschaikowsky. Als Solist ist der Jazz-Saxophonist Branford Marsalis zu hören. Im Interview erklärt Järvi, warum er nebem dem von ihm initiierten Baltic Sea Youth Orchestra nun noch ein weiteres Orchester, das Baltic Sea Philharmonic Orchestra, gegründet hat und welche Pläne er als Chef des MDR Sinfonieorchesters hat.

KlassikInfo: Herr Järvi, wie entstand die Idee zusätzlich zum Baltic Sea Youth Orchestra noch das Baltic Sea Philharmonic Orchestra zu gründen?

Järvi: Seit Jahren muss ich Musikern absagen, die im Baltic Sea Youth Orchestra gespielt haben und zurückkommen wollen, weil sie mittlerweile zu alt sind. Das Youth Philharmonic ist ein Orchester mit Musikern von 18 bis 25 Jahren. Sobald man also 26 ist, kann man da nicht mehr mitspielen. Wir müssen eine Grenze setzen, weil zu jedem Vorspiel 500 Leute kommen.
In den vergangenen neun Jahren sind wir auf viel Interesse gestoßen und haben uns einen guten Ruf erarbeitet.Wir haben viele interessante Projekte und Bildungsprogramme entwickelt, z.B. ein Programm für Dirigenten, eines für Komponisten, ein komplettes Coaching für junge Musiker. Wir haben eine ganze Generation von Musikern erschaffen, die nach der gleichen Methode und dem gleichen Ansatz arbeiten – nach der Kristjan-Järvi-Methode könnte man sagen (lacht).

Und ich denke, jetzt nach diesen 9 Jahren, kann ich ein eigenes Orchester mit diesen unglaublichen Musikern zusammenstellen, eigentlich sogar zwei oder drei. Das Baltic Sea Philharmonie wird ein Tournee-Orchester sein. Auch Musiker, die in anderen Orchestern spielen, können sich so die Zeit nehmen und für diese Projekte dazukommen. Es ist eine großartige Chance, ein immer noch junges Orchester zu gründen, das aber kein Jugendorchester mehr ist. Ein junges, motiviertes und enthusiastisches Orchester mit dem Geist eines Jugendorchesters, ohne diese „Dienst-Mentalität“. Eines, das nicht nur großartige Musik machen, sondern auch Zeit mit Freunden verbringen und zusammen unterwegs und in einer Art musikalischer Werkstatt sein will.

Das ist glaube ich der Weg, wie ein Orchester im 21. Jahrhundert sein sollte: flexibel, auf einem sehr hohen musikalischen Niveau, voller Möglichkeiten. Ein Ort des ständigen Kreierens auf verschiedenen Ebenen – dem Management, der Programmatik, dem Zusammenstellen eines neuen Repertoires. Es soll ein kultureller Botschafter der baltischen Region sein, es ist nicht nur ein Orchester, es ist eine Lebensphilosophie.

KlassikInfo: Wie viele Musiker spielen in dem neuen Orchester und gibt es da auch eine Altersbegrenzung?

Järvi: Es wird ein voll besetztes Orchester sein, die genaue Zahl der Musiker ist abhängig vom Repertoire – das können von 70 bis über 100 Musiker sein. Eine Altersbegrenzung wird es nicht geben. Ich bin mir nicht sicher, wie viele 60- oder 70jährige Mitglieder dabei sein werden, aber theoretisch ist das möglich (lacht).

KlassikInfo: Sie beginnen im April eine Tournee, die der Umwelt gewidmet ist...

Järvi: In der Welt, in der wir momentan leben, wird Russland irgendwie immer aus unserer europäischen Situation ausgeklammert. Da geht es nicht um die physische Realität, denn Russland ist ein Teil von Europa. Die Ostsee umfasst einen relativ kleinen geografischen Raum. Es sind z.B. 70 Kilometer von Tallinn bis nach Helsinki, und von Tallinn nach St. Petersburg sind es 350 Kilometer – das alles ist unser Meer, und es schließt Russland mit ein. Wie können wir unsere Bäume, unser Meer, all das, was uns das Leben gibt, schützen, wenn wir anfangen, dort Grenzen zu setzen und zu sagen: „Das ist meins, das ist deins.“? Das alles gehört uns, das ist ebenso russisch, finnisch, estnisch, lettisch, schwedisch oder dänisch. Das ist die Ebene, auf der wir zusammenkommen müssen.  

KlassikInfo: Sie möchten also das Umweltbewußtsein ins Bewusstsein der Menschen bringen oder möchten Sie politische Events organisieren?

Järvi: Es geht darum, im kulturellen Rahmen unserer Konzerte, die die baltischen Landschaften feiern, verschiedene Leute zusammenzubringen. Es geht darum, darüber zu sprechen, dass Russland, Estland, Finnland, Litauen zusammengehören in dieser kleinen Ostseeregion. Es geht darum, die Umweltminister dieser Länder zusammenzubringen. Die Ostsee war eines der schmutzigsten Meere überhaupt. Während der sozialistischen Zeit wurde alles dort entsorgt – Bomben, Schiffe. Unsere Konzerte sind ein Ort, wo solch ein Dialog gestartet und weitergeführt werden kann in andere Bereiche: soziale Bereiche oder auch Bereiche des allgemeinen politischen Interesses. Wenn einer dem anderen nur Vorwürfe macht, ist das wenig konstruktiv.

Die Situation in Russland ist meiner Meinung nach eine Realität, die wir akzeptieren müssen – ob wir das nun gern tun oder nicht. Die Geschichten einzelner Staaten sind verschieden, und die aktuelle Vorgehensweise Russlands in der Krim-Politik oder bei der Ukraine ist nicht zu akzeptieren im Europa des 21. Jahrhunderts. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass Europa eine Art multikultureller Schmelztiegel ist. Und ohne Russland wäre Europa schwächer, nicht stärker. Diese Thematik zeigt unsere Angst und Schwäche, wenn es um Dinge geht, mit denen wir uns nicht auseinandersetzen wollen. Es ist, als ob man seinem Kind, das etwas falsch gemacht hat, sagen würde: „Geh in dein Zimmer!“. So können wir hier aber nicht handeln, denn Russland ist nicht unser Kind, sondern befindet sich auf Augenhöhe. Das müssen wir berücksichtigen.

KlassikInfo: Das von Valery Gergiev und Esa-Pekka Salonen geleitete Baltic Sea Festival hat ebenfalls diesen Umweltgedanken in seinem Programm. War deren Engagement für Sie ein Vorbild?

Järvi: Absolut, beide waren künstlerische Berater des Youth Philharmonic und werden das hoffentlich auch für das neue Orchester sein. Das Festival, das Esa Pekka gestartet hat, ist eine Woche voller Events in Stockholm. Das würden wir gern ausweiten und in das Bewusstsein aller Leute dieser Länder bringen, und zwar nicht nur in der einen Woche Ende im August, sondern das ganze Jahr über. Dieser Kulturraum soll als etwas fungieren, über das ständig gesprochen wird, das Teil unseres Bewusstseins ist. Nur dann kann man etwas verändern. [nächste Seite]