Christof Loy inszeniert Gioachino Rossinis "Il Turco in Italia" an der Bayerischen Staatsoper
(München, 21. Juli 2007) Politisch inkorrekter kann eine Oper nicht beginnen: Da singt ein Chor von Zigeunern: "Unsere Heimat ist die Welt und dort, wo Wohlstand ist. Von der Leichtgläubigkeit der Menschen leben wir, und wir leben gut." Regisseur Christof Loy lässt den Chor aus einem winzigen uralten Wohnwagen herauskriechen. Immer noch einer schält sich aus der Tür, bepackt mit Campingstühlen und -Tischen, um vor dem Wohnwagen sogleich ein Riesenpicknick zu veranstalten. Auch Türken kommen nicht gut weg in dem Stück. Man erfährt, dass sie ihre Frauen verkaufen, wenn sie sie nicht mehr wollen. Und die Italiener? Nun, die sind haben sowieso Schlagseite. Sie schmachten ihre Geliebten mit Treueschwüren an und haben dabei schon die nächste Affäre im Blick.
Christof Loy, der die Oper nach seiner Hamburger Inszenierung für München neu erarbeitetet hat, hat gar nicht erst versucht, den schrägen Witz von Rossinis ?Il Turco in Italia? gerade zu biegen. Seit den Polenwitzen von Harald Schmidt haben die Deutschen in Sachen Humor ja glücklicherweise dazu gelernt. Loy läßt den türkischen Fürsten Selim (ansprechend: Simone Alaimo) auf einem fliegenden Teppich in Neapel landen, wo er sich sofort in die erste Frau, die ihm begegnet, verliebt. Fiorilla ist zwar mit Ehemann und Geliebtem ganz gut ausgelastet, aber neuen Abenteuern nie abgeneigt: "Es ist keine größere Torheit als nur einen Mann zu lieben. Langeweile, nicht Vergnügen füllt dann die Tage", singt sie voller Selbstbewußtsein. Dass Fiorillas Hingabe vor allem Männern mit gut gefüllten Brieftaschen gilt, ist eine weitere nette Bosheit des Librettos von Felice Romani. Als Fiorillas Gatte Geronio genug von ihr hat und sie aus dem Haus wirft, schluchzt sie voller Verzweiflung die Schrankwand mit den Schuhen an.
Nicht nur der böse Witz, sondern auch durch die Figur des Theaterdichters Prosdocimo, der die Personen der Oper als Vorlage für ein Theaterstück benutzt und teilweise sogar arrangiert, lassen Romanis Libretto reichlich unkonventionell und noch immer modern erscheinen. Schein und Sein, ohnehin die wesentlichen Parameter der Komödie, werden hier zusätzlich gebrochen. Beim Happy End nimmt sich der Librettist dann auch noch selbst auf die Schippe. Fiorilla: "Ich bin die Rebe, die auf dem Felde verdorrt, der man den Halt versagte." Geronio: "Ich bin die Ulme, der man die Rebe nahm, nackt blieb ich zurück.." Und Prosdocimo, der die Szene beobachtet schreibt eifrig mit: "Oh, welch schönes Bild!"