Die Entlassung des Intendanten der Münchner Philharmoniker kostet die Steuerzahler 500.000 Euro.
(München, 1. Oktober 2007) Der ehemalige Intendant der Münchner Philharmoniker, Wouter Hoekstra, erhält für seine vorzeitige Entlassung aus seinem Sieben-Jahre-Vertrag dem Vernehmen nach 500.000 Euro. Das berichtete die "Süddeutsche Zeitung" in ihrem "München-Kultur"-Teil. Das Vertragsverhältnis mit Hoekstra war vergangenen April gelöst worden (Klassikinfo berichtete), nachdem weder das Orchester noch Chefdirigent Christian Thielemann mit Hoekstras Arbeit mehr zufrieden waren und auch persönlich keine gemeinsame Basis mehr existierte. Hoekstra war 2004 als Nachfolger von Bernd Gellermann zu den Münchner Philharmonikern gekommen und hatte, auf Betreiben der damaligen Kulturreferentin Lydia Hartl, einen Vertrag auf sieben Jahre erhalten. Dem Bericht der SZ zufolge soll Hoekstras Abfindung die restlichen "fünf Jahresgehälter" ausmachen. Allerdings ist in dem Bericht von einer Summe von 500.000 Euro die Rede, während die "Abendzeitung" im April dieses Jahres von einem Jahresgehalt von 200.000 Euro berichtet hatte. Ein solcher Betrag wäre für eine hochrangige Intendanten-Position im Musikgeschäft durchaus üblich. Im April wurde die Befürchtung geäußert, die Stadt könnte Hoekstra mit einer Abfindung von bis 1,2 Millionen Euro ziehen lassen müssen.
Als Ursache für die vorzeitige Entlassung Hoekstras anerkannte die Stadt das Zerwürfnis zwischen Orchester und Verwaltung und stellte dazu fest: "Bei einem Gespräch mit Generalmusikdirektor Christian Thielemann in Berlin stellte sich nach Ansicht des Oberbürgermeisters heraus, dass das Verhältnis zwischen GMD und Intendant als zerrüttet angesehen werden muss, ohne dass einer Seite von der Stadt rechtlich relevante Vorwürfe gemacht werden könnten. Wiederholte Gespräche mit dem Orchestervorstand haben ergeben, dass auch die gewählte Vertretung der Philharmoniker keine Basis für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit dem Intendanten sieht." Der künftige Intendant Paul Müller, bisher Intedant der Bamberger Symphoniker, soll Donnerstag dieser Woche bestellt werden. (lm)
500.000!
Dass es in der Musik auch immer wieder um Geld geht ist ja nichts neues. Schon der Bürgermeister Van Bett in Lortzings "Zar und Zimmermann" kriegt beim Gedanken an "10.000 Taler" kaum mehr Luft, und Kerkermeister Rocco in Beethovens Fidelio beschwört die Macht des Goldes. "Ohne Geld ka Musi" lautet eine bajuwarisch-österreichische Volksweisheit.
Schön ist es für den Betroffenen, wenn er ohne Musi ein schönes Geld macht, so wie jetzt der geschasste EX-Intendant der Münchner Philharmoniker, Wouter Hoekstra. Natürlich ist es keine Freude, wenn man einen Posten antritt und bald sieht, dass dort kein Weiterkommen ist. Dass sich Fronten verhärten und es statt Gespräch nur noch Streit gibt. Meist ist keiner alleine Schuld. Emotionen schaukeln sich hoch und jeder leistet seinen Beitrag zur unausweichlichen Trennung. Es ist auch Recht, dass einer, der sich auf einen gültigen Vertrag verlässt, eine Entschädigung dafür erhält, wenn dieser Vertrag nicht eingehalten wird.
Nur ist die Frage, wie hoch die sein soll. Herr Hoekstra kann sich jetzt theoretisch fünf Jahre Non-Stop Wellness auf den Bahamas leisten. Aber braucht er wirklich so lange, um sein Münchner Trauma zu überwinden. Oder ein neues Haus, um dort die Wunden zu lecken? Nein. Was ein Mann in seiner Situation braucht, ist eine substanzielle Unterstützung, um Zeit für das Finden einer neuen Aufgabe zu haben. In seiner Position dürfte das maximal ein Jahr sein, üblich ist aber eher der nahtlose Übergang. Ein oder zwei Jahresgehälter wären angemessen gewesen.
Bei der Verhandlung der Entschädigung jedoch, Vertrag hin oder her, hat die Stadt kein Maß vor Augen gehabt. Oder liegt im Rathaus das Geld so locker herum, dass man nur zugreifen muss? Jeder (!) der rund 1,2 Millionen Münchner Bürger zahlt jetzt 40 Cent, damit es sich Herr Hoekstra in nächster Zeit sehr gut gehen lassen kann. Was das heißt, kann man sich einmal überlegen, wenn man einmal wieder zu knauserig ist, einem "Biss"-Verkäufer einen Euro zu geben.
Wenn man bedenkt, wie jeder normale Arbeitslose trotz Schuldlosigkeit an seinem Zustand drangsaliert wird, eine neue Arbeit anzunehmen, dann kommt einem diese steuerfinanzierte Super-Luxus-Hängematte für einen hochqualifizierten Manager wie eine zynische Abkanzelung all jener vor, die es leider nicht geschafft haben, Intendant der Philharmoniker zu werden. Kulturschaffende aus allen Gebieten müssen betteln und zu Kreuze kriechen, damit sie vielleicht einmal 10.000 Euro für ein interessantes Projekt bekommen, um es dann doch nicht zu bekommen. Jetzt ist klar, warum: Es muss ja Geld für vielleicht noch zu entlassende Manager vorhanden sein.
Seit Jahren geht der Volkszorn hoch bei den Beträgen, mit denen Manager der Privatwirtschaft für kapitales Versagen auch noch fürstlich belohnt werden. Das ist Sache der Unternehmen, die sich das Geld dafür selbst verdient haben. Eine Stadtverwaltung aber hat sich das Geld nicht verdient, sie ist quasi Treuhänder der eingezogenen Steuern. Dass die öffentliche Hand mit "fremdem" Geld diese Praxis mitmacht, und das auch noch im Kulturressort, kann eigentlich nicht toleriert werden.
Laszlo Molnar