Schriftstellermusik

Kenner wissen, dass Ernst Theodor Amadeus Hoffmann, der Verfasser der "Kreisleriana", selbst Musik geschrieben hat. Gehört haben sie sie meistens nicht. Zwar gibt es Einspielungen von Kammermusikwerken aus der Feder des Vielbegabten. Auch eine Oper, "Aurora", liegt auf CD vor. Doch verschwinden solche Produktionen in der Flut von höherrangigen Neuerscheinungen. Höherrangig? Hat Hoffmann schlechte Musik geschrieben? Das nicht gerade. Die Klang- und Formsprache ist dem Grundgerüst nach klassisch. Hoffmann sucht das Besondere im Detail. In der sofortigen Variation von frisch aufgestellten Themen, in harmonischen Keckheiten. So im Kleinen originell ist ein Quintett für Harfe und Streichquartett in c-Moll. Der Tonart also von Beethovens Fünfter - für Hoffmann das exemplarische Werk der Romantik. Der Konzentration aufs Detail kommt das Spiel des deutschen Hoffmeister-Quartetts entgegen. Die historischen Instrumente artikulieren präzise, phrasieren frisch. Die wohlklingende Harfe (Masumi Nagasawa) verdoppelt die Variationsfülle noch mit allerhand Verzierungen. Zwei Sonaten für das Fortepiano (Beni Araki) zeigen sich einerseits kleinmeisterlich (Themenaufstellung) und andererseits kühn (Kopfsatz mit Fuge). Bisweilen klingt eine Schubert'sche Melancholie an, allerdings ohne länger darauf zu beharren. Die eigentliche Sprache Hoffmanns, das zeigt auch diese CD, ist die Literatur. Nur: Welcher Schriftsteller könnte "daneben" noch so komponieren? Benjamin Herzog

E.T.A. Hoffmann: Kammermusik. Hoffmeister Quartett u.a. Edition Günter Hänssler PH 07063.

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