
(April, 2008) In diesen Tagen erscheint die zweite CD des Pianisten Herbert Schuch. Auf ihr sind die beiden Schubert-Sonaten G-Dur (D 894) und a-moll (D 537) sowie zwei kurze Stücke von Helmut Lachenmann zu hören. Im Gespräch mit KlassikInfo.de erzählt Schuch, warum es Schubert sein sollte.
Für einen jungen Pianisten, der Sie ja noch immer sind, ist es eher ungewöhnlich mit einer Schubert-CD herauszukommen. Haben Sie eine besondere Beziehung zu Schubert?
"Schubert bedeutet mir sehr viel, seine Musik ist einfach großartig. Mir ist klar, dass es im Grunde zu früh ist, Schubert aufzunehmen, aber ich wollte diese Gelegenheit einfach nutzen und diese beiden Sonaten, die ich ja schon seit einigen Jahren spiele, für mich und für die Hörer festzuhalten. Dass das Momentaufnahmen sind, und ich schon jetzt weiß, dass es Stellen gibt, die ich anders haben möchte, ist mir klar."
Gerade bei Schubert teilt sich die Pianistenwelt: Die einen lieben ihn und spielen ihn, die anderen halten sich eher fern...
"Das stimmt, Schubert ist sicherlich kein Komponist wie z.B. Schumann, mit dem jeder Pianist etwas anfangen kann. Schumann ist der Schnittpunkt zwischen - wenn man so will - den russischen Virtuosen und den deutschen Denkern oder in welche Kategorien man die Pianisten auch immer einteilen möchte. Und das ist bei Schubert bestimmt nicht so. Allenfalls noch die Wandererfantasie, das ist ein Werk, mit dem auch die etwas anfangen können, die mehr aufs Virtuose Wert legen. Aber bei der G-Dur-Sonate muß man sich schon sehr auf Details, auf den Klang, auf die struktuellen Abläufe konzentrieren, und das ist etwas, was mir einfach sehr viel Spaß macht. Die Beschäftigung mit dem Klang war ja auch schon auf meiner ersten CD mit Ravel sehr wichtig. Und das ist bei Schubert, zumindest was diesen Paramenter betrifft, ähnlich."
Zu der Gefühlstiefe bei Schubert, die man ja ausloten, ja durchleiden muß, fühlen Sie da auch eine Affinität?
"Ich glaube, dass ich das Leiden sehr stark spüre. Es ist allerdings die Frage, inwieweit sich das immer gleich in Klang materialisiert. Das ist für mich die Aufgabe der nächsten 40 oder 50 Jahre, dass ich das, was ich in der Musik finde, in hörbare Prozesse umsetze. Das ist bei Schubert - das habe ich bei der Arbeit an der CD gemerkt - viel viel schwieriger als bei anderen Komponisten. Dieses Schmerzliche und doch gleichzeitig doch so Schöne erschließt sich nicht so leicht nur durch das Spielen, wie vielleicht bei anderen Komponisten. Da ist eine CD für mich auch gut um zu sehen, wie weit ich da gekommen bin, und an welchen Dingen ich noch arbeiten muß."
Sie haben diese Stücke vor einigen Monaten schon einmal aufgenommen, sie dann aber nicht verwendet, weil Sie nicht zufrieden waren. Jetzt also ein erneuter Anlauf. Warum waren Sie mit der ersten Aufnahme unzufrieden?
"Ich denke, es ist ganz normal, dass man etwas noch einmal macht, wenn man mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist. Und bei Schubert zu scheitern, ist auch nicht so schlimm, das passiert eigentlich sehr häufig. Ich finde eigentlich nur bei Brendel Schubert so toll, dass ich das Gefühl habe, da gibt es nichts Trennendes mehr zwischen der Musik und dem Interpreten. Der Unterricht bei Alfred Brendel war für mich auch mit ein Grund dafür, dass ich die CD nochmal aufgenommen habe. Ich hatte zwar davor auch schon bei ihm Unterricht, aber es ist dann so viel in Gang gekommen, was einfach Zeit brauchte, um sich zu setzen. Und es hat mich niemand dazu gezwungen, die CD herauszubringen, was ich auch sehr schön finde."
Auf der CD kontrastieren Sie die beiden Schubert-Sonaten mit zwei Stücken von Helmut Lachenmann, eine sehr interessante und ungewöhnliche Kombination. Wie kamen Sie auf diese Idee?
"Die fünf Variationen von Lachenmann über ein Thema von Schubert hatte ich beim Ruhrfestival mit dem Thema Variationen gespielt und Guero habe ich mir einfach aus Interesse an dem Komponisten ausgesucht."
Während sich die Variationen konkret auf Schubert beziehen, gibt es in Guero aber keine Bezug zu Schubert, oder doch?
"Schubert ist nicht explizit das Thema, aber ich glaube schon, dass Lachenmann ein Komponist ist, bei dem durchaus Parallelen zu Schubert vorhanden sind, in der Art zu fühlen, zu denken und zu komponieren. Das ist nicht auf klanglicher Ebene, denn Guero ist ein Stück, das ohne Klang im herkömmlichen Sinn auskommt. Aber dieses untergründig Brodelnde, das immer wieder zu Eruptionen kommt und das Rätselhafte, Enigmatische - das ohnehin Kennzeichen einer jeden guten Komposition sein sollte - das ist bei beiden vorhanden. Und ich verstehe Guero nicht besser oder schlechter als eine Sonate von Schubert, es ist für mich ein Mysterium, wie es gelingt, so etwas zu Stande zu bringen."
Der Variationenzyklus zu Beginn der CD ist ein frühes Stück von Lachenmann, durchaus virtuos und zugänglich - auch als Konzertstück sicherlich geeignet...
"Ich habe die Lachenmann-Variationen und danach die Schubert-Sonaten ein paar Mal öffentlich gespielt, und das hat auch ganz gut funktioniert. Ich versuchte auch Guero im Konzert zu spielen, mußte aber feststellen, dass es für meine Fingernägel doch eine zu große Herausforderung ist, die sehen dann etwas strapaziert aus. Und das Stück funktioniert auf CD sehr gut, weil man mit dem Mikrophon sehr nah an die Klangquelle herangehen kann. In einem großen Konzertsaal wird man von diesem Stück fast nichts hören."
Interview: Robert Jungwirth
(Am 12. März, 20 Uhr, ist Herbert Schuch zusammen mit der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Mario Venzago im Klavierkonzert Nr. 27, B-Dur, KV 595 von Mozart in der Münchner Philharmonie zu hören.)