Feinstofflich

Die Geigerin Hilary Hahn gastierte zusammen mit dem Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer in München

(München, 4. Mai 2009) Noch immer wirkt Hilary Hahn wie eine 20Jährige, wenn sie den Kopf leicht gesenkt, in sich gekehrt mit diesem hübschen ernsten Gesichtsausdruck ihr Instrument bearbeitet. Der äußerliche Alterungsprozess dieser jungen Frau, die in diesem Jahr dann doch mal 30 wird, scheint irgendwie langsamer zu verlaufen als bei anderen. Jedenfalls wirkt Hilary Hahn noch immer enorm jugendlich und mädchenhaft - wozu die große Ernsthaftigkeit und Konzentriertheit ihres Musizierens immer einen gewissen Kontrast bildete.

Wer dachte, in Mozarts beinahe zu Tode "genudeltem" A-Dur-Konzert würde die Amerikanerin einen anderen als den eher introvertierten Ton anklingen lassen, wurde schon in den ersten Takten eines anderen belehrt. Nach der duftig und fein gespielten Orchestereinleitung ließ Hilary Hahn einen beinahe gläsern klaren Geigenklang hören, der in seiner Zartheit ungemein anrührte. Hahn ging es nicht darum, ein Showstück abzuliefern, sondern die melodischen und harmonischen Strukturen dieses Konzerts mit geradezu feinstofflicher Intensität herauszustellen.

Iván Fischer hielt seine Budapester dementsprechend zu zart-kantablem Spiel an, was vor allem im langsamen zweiten Satz eine wunderbare Einheit zwischen Sologeige und Orchester ergab (Holzbläser). Da wäre es dann auch nicht gar nötig gewesen, das Tempo zusätzlich zu drosseln.

Noch etwas war anders als bei sonstigen Interpretationen dieses Konzerts: Hahn spielte nicht nur im ersten Satz, sondern auch in den beiden folgenden nach der Durchführung jeweils eine kleine überleitende Solokadenz, die wie improvisiert wirkte. Eine schöne Idee, die die sehr eigene und eigenwillige Note dieser Interpretation unterstrich.

Umrahmt wurde das Mozartkonzert von einer fast zu ernsthaft gespielten Ouvertüre zur "Diebischen Elster" von Gioacchino Rossini und der siebten Symphonie von Antonin Dvorak aus dem Jahr 1884.

Ein Werk mit melancholischer Grundfärbung, in dem sich aber doch immer wieder kraftvoller Elan Bahn bricht. Die Wiedergabe durch die Budapester war getragen vom Bemühen um eine geschlossene Tongebung - insgesamt aber fehlte es dem Orchester etwas an Virtuosität und Brillanz, um das Publikum wirklich mitzureißen.

Robert Jungwirth