Georg Friedrich Händel: Concert grossi op.3; Sonata à 5
The Academy of Ancient Music, Leitung und Cembalo: Richard Egarr
Harmonia mundi france, 1 SACD
www.harmoniamundi.com
Das Label harmonia mundi (hmf) hat in den vergangenen Jahren jede Menge Auszeichnungen und Würdigungen erhalten. Nicht nur für die Güte seiner Aufnahmen, sondern auch für die Mutigkeit seiner Programmpolitik. Dazu gehört auch, dass hmf sich zweier englischer Originalklang-Ensembles angenommen hat, die zur Avantgarde der ganzen Szene gehören und seit kurzer Zeit neue künstlerische Leiter haben: "The English Concert" und "The Acadamy of Ancient Music" (AAM). The English Concert hatte einst Trevor Pinnock gegründet und der barocken Orchestermusik energischen aber luftigen Drive verliehen. AAM war die Schöpfung von Christopher Hogwood, der mit Händel begann, Pioniertaten vollbrachte und erst bei Beethovens Sinfonien aufhörte. The English Concert wird seit vergangenem Jahr vom Geiger Andrew Manze geleitet und hat bei hmf Spektakuläres herausgebracht, darunter Mozart-Violinkonzerte, die ihresgleichen suchen. AAM hat mit Richard Egarr einen neuen Chef gefunden. Der englische Cembalist ist ständiger Musizierpartner von Manze und steht dem in puncto Einfallsreichtum in nichts nach. Seine erste CD mit der AAM bei hmf zeigt, dass das auch für das Leiten eines Orchester gilt.
Denn als Maßstab für das Können haben sich die englischen Musiker Werke gewählt, mit denen sie schon früher Interpretationsgeschichte geschrieben hatten: Händels sechs Concerti grosso op. 3. Das ist die zwar kürzere, aber dafür abwechslungsreicher instrumentierte Concerti-Sammlung Händels: zum Streicher-Orchester der sechs Konzerte kommen noch die Bläser hinzu, Oboen, Fagott, Flöte und, im Concerto Nr. 6, die Orgel als Soloinstrument. Die größere Sammlung, op.6, umfasst zwölf Konzerte, ist aber für eine reine Streicherbesetzung geschrieben.
Mit der AAM unter Egarr macht es richtig Lust, die Concerti op. 3 neu zu hören. Vom SACD-Format profitiert auch der reine CD-Hörer. Brillant, präsent baut sich das Orchester vor dem akustischen Auge auf, detalliert sind die einzelnen Instrumente und das Können ihrer Spieler zu orten. Der Einsatz von Laute und Barock-Gitarre als Continuo-Instrumente erhöht noch den Reiz des Lauschens. Die AAM hat es unter ihrem neuen Leiter sogleich geschafft, für Aufhorchen zu sorgen.
lm