CD der Woche

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Meldungen

Sopranistin Anna Voshege gewinnt Richard-Strauss-Wettbewerb 2017

Die Sopranistin Anna Voshege ist die Gewinnerin des diesjährigen Richard-Strauss-Gesangswettbewerb in München. Von 78 jungen Sängerinnen und Sängern wurden 16 zum Vorsingen eingeladen, sieben kamen ins Finale. Die 27jährige australisch-deutsche Sängerin überzeugte die Jury mit ihren...

Salam Syria - Festival in Elbphilharmonie widmet sich der Musikkultur Syriens

Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges gab es in Syrien – von jeher Schmelztiegel unterschiedlicher Religionen und Kulturen – eine lebendige und vielfältige Musikszene. Inzwischen haben über vier Millionen Menschen das Land auf der Flucht vor Terror und Zerstörung verlassen. Das...

Juilliard School mit Online-Kursen

Eine der berühmtesten Musikakademien der Welt, die New Yorker Juilliard School, bietet wieder Online-Kurse für ein weltweites Publikum an. Die Kurse, die in der Rubrik "Open Classroom" gebucht werden können und im Mai und Juni beginnen, stehen jedermann offen, sind aber kostenpflichtig....

Kurt Moll gestorben

Der große Sänger Kurt Moll ist im Alter von 78 Jahren am vergangenen Sonntag gestorben, wie seine Familie mitteilt. Geboren in Buir bei Köln studierte Moll an der Kölner Musikhochschule bevor er seine ersten Engagements in Aachen, Mainz und Wuppertal erhielt. Der internationale Durchbruch gelang...

Chick Corea zu Gast in München

Jazzlegende Chick Corea (75) - einer der bedeutendsten zeitgenössischen Jazz-Pianisten und Komponisten – kommt für einen seiner seltenen Soloabende nach München. Schon in seinen Zwanzigern spielte er in der Band der Jazz-Ikone Miles Davis und wirkte auf dessen Alben "Filles de...

Mehr Menschen in Konzerten als in Fußballstadien

Konzerte und klassische Live-Musik im Theater oder auf Musikfestivals haben vierzig Prozent mehr Besucher als die 1. Bundesliga im Fußballstadion. Das gab die Deutschen Orchestervereinigung (DOV) bekannt. „Ich bin überzeugt, dass wir gerade den Beginn einer Trendwende im Klassikbereich erleben“,...

Präsident des Dt. Bühnenvereins Khuon kritisiert Opernkritik in der "Zeit" als schwulenfeindlich

In einem offenen Brief kritisiert der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon, eine Kritik der Oper "Edward II" von Christine Lemke-Matwey in der "Zeit" als diskriminierend und schwulenfeindlich. Hier der Brief im Wortlaut: "Verblüfft und erschrocken lese ich...

Publikumsmagnet Elbphilharmonie: 1 Million Besucher auf der Plaza

Die Elbphilharmonie hat sich in weniger als vier Monaten zu einer der Sehenswürdigkeiten Deutschlands entwickelt. Alle Konzerte der laufenden Spielzeit sind ausverkauft, und auf der Plaza wurde heute die millionste Besucherin begrüßt. 111 Tage sind vergangen, seit am 5. November 2016 – gut zwei...

Das 360-Grad-Orchester - Münchner Philharmoniker präsentieren kommende Saison

Noch dezentraler wolle man agieren, noch mehr Publikum auch jenseits der Abonnenten ansprechen, die internationale Präsenz verstetigen. Das ist die Zielrichtung, die Intendant Paul Müller zusammen mit dem Chefidirigenten Valery Gergiev auch für die nächste und die weiteren Saisons ausgegeben haben....

Bayreuther Festspiele starten Online-Verkauf

Am 12. Februar 2017, 14 Uhr, starten die Bayreuther Festspiele ihren Verkauf von Eintrittskarten für die Bayreuther Festspiele 2017 im Online-Soforterwerbs-Verfahren. Wie schon 2016 werden auch in diesem Jahr für sämtliche Aufführungen der diesjährigen Festspiele Eintrittskarten online...

Musikfest Wien 2017 präsentiert Gesamtwerk von Pierre Boulez

Alle Jahre gibt es zum Abschluss der Wiener Musiksaison im Frühsommer ein Musikfest, das zum ersten Mal 1947 abgehalten wurde. Es findet alternierend im Musikverein und im Konzerthaus statt. In diesem Jahr wurde die Ankündigung getrübt durch die Mitteilung, dass die Wiener Festwochen ihre seit 1953...

Leipziger Bach-Archiv erwirbt Autograph einer Bach-Kantate

Das Leipziger Bach-Archiv hat eine wertvolle Original-Handschrift von Johann Sebastian Bach erworben. Das teilte das Archiv mit. Bei der Handschrift handelt es sich um die Partitur der Kantate "O Ewigkeit, du Donnerwort", mit der Bach am 11. Juni 1724 seinen zweiten Leipziger Jahrgang von...

Liebreich wird Leiter des Richard-Strauss-Festivals in Garmisch-Partenkirchen

Mit großer Mehrheit bekannte sich der Gemeinderat der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen in der Sitzung vom 25. Januar klar zur Fortführung des Richard-Strauss-Festivals und zur Erhöhung des Etats. Dirigent Alexander Liebreich wurde zum künstlerischen Leiter des Festivals und Nachfolger von Ks....

Pierre-Laurent Aimard erhält Siemens Musikpreis 2017

Der internationale Ernst von Siemens Musikpreis geht 2017 an den französischen Pianisten Pierre-Laurent Aimard. Die Auszeichnung für ein Leben im Dienste der Musik ist mit 250.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 2. Juni 2017 im Münchner Prinzregententheater statt. Insgesamt vergibt die...

Komponisten protestieren gegen Arte wegen Streichung der Rihm-Uraufführung aus dem Konzert der Eröffnung der Elbphilarmonie

In einem offenen Brief der Bayerischen Akademie der Schönen Künste protestieren zahlreiche Musiker, Komponisten und andere Personen des Kulturlebens dagegen, dass das Werk „Reminiszenz“ von Wolfgang Rihm, das dieser für die Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie komponiert hat, bei der...

Umfrage zu den wichtigsten Komponisten des 21. Jahrhunderts - Georg Friedrich Haas am häufigsten genannt

Das italienische Magazin Classic Voice hat mehr als 100 Experten aus ganz Europa zu den wichtigsten Kompositionen des 21. Jahrhunderts befragt. Bei der Umfrage unter Dirigenten, Journalisten, Programmmachern und Musikwissenschaftlern wurden die Werke von Georg Friedrich Haas am häufigsten genannt,...

Eröffnung der Elbphillharmonie live auf Arte

Die Elbphilharmonie wird am 11. Januar als hochmodernes Konzerthaus in der Hamburger HafenCity eröffnet. Das NDR Elbphilharmonie Orchester und sein Chefdirigent Thomas Hengelbrock gestalten am Mittwoch, den 11. Januar 2017 ab 18.30 Uhr das erste Konzert im großen Saal des architektonischen...

Eröffnung der Elbphilharmonie - Übertragungen im Fernsehen, Radio und Internet

Am 11. und 12. Januar 2017 wird die Elbphilharmonie Hamburg eröffnet. Zu den Eröffnungskonzerten werden neben zahlreichen Gästen aus Kultur und Politik 1000 Gewinner einer internationalen Kartenverlosung erwartet. Wer nicht im Saal sitzt, kann die Veranstaltung im Fernsehen, Radio oder online live...

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Make Ithaka great again

René Jacobs Foto: harmonia mundi

René Jacobs dirigiert Monteverdis „Ulisse“ mit dem Ensemble B’Rock in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 19. März 2017) Mit schöner Regelmäßigkeit führt René Jacobs (auch) in der Kölner Philharmonie komplette Opern auf. Die aktuelle Wahl galt Claudio Monteverdis „Il ritorno d’Ulisse in patria“. Wie immer ist die Präsentationsform eine halbszenische, ohne Kulissen, aber mit Kostümen, welche einen Charakter andeuten; dazu sparsame Gesten und Gänge. [Kritik lesen]

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Diktatorenbetrachtungen mit Orgelbegleitung

John Malkovich Foto: Lalo Jodlbauer

John Malkovich spielt in Michael Sturmingers "Just Call Me God" einen irren Diktator 
Von Derek Weber

(Wien, Mitte März 2017) John Malkovich und der österreichische Regisseur Michael Sturminger mögen sich offensichtlich. Zum dritten Mal arbeiten sie nun auf der Bühne zusammen. Begonnen hat alles mit einem Stück über den österreichischen Sexualisten Jack Unterweger, der auf das Abmurksen von Prostituierten spezialisiert war ("The Infernal Comedy"). Es folgte ein Casanova-Projekt mit Sängern und Mozart-Musik ("The Giacomo Variations"). [Besprechung lesen]

Der Reifrock als Gefängnis

Alexandra Deshorties als Elisabetta Foto: Herwig Prammer

Amélie Niermeyer inszeniert, Jean-Christophe Spinosi inszeniert Rossinis „Elisabetta, regina d‘Inghilterra“ am Theater an der Wien
Von Georg Rudiger

(Wien, 19. März 2017) Zur Ouvertüre sitzt die Königin am Boden und betrachtet das herrschaftliche Renaissance-Kleid, das in der Mitte der Bühne ausgestellt ist. Die Distanz zur Macht hat Regisseurin Amélie Niermeyer am Theater an der Wien bewusst inszeniert. Elisabetta ist hier noch eine verletzliche Frau, bevor sie durch ihre Robe erst zur Königin wird. Der Reifrock als Gefängnis, die hochgestellten Kragen als Rüstung. [Opernkritik lesen]

Begehbare Mark-Rothko-Bilder und der Blick in die Zukunft

Foto: Opera de Lyon/Stofleth

Das Festival "Memoires" in Lyon bietet die Wiederbegegnung mit Operninszenierungen legendärer Regisseure: Heiner Müllers "Tristan", Ruth Berghaus' "Elektra" und Grübers "Poppea"
Von Robert Jungwirth

(Lyon, 16.-18. März 2017) Oper ist die Retro-Kunst schlechthin. Denn was heute in den Opernhäusern gespielt wird, stammt zu annähernd 100% aus vergangenen Jahrhunderten. Ein Opernfestival unter den Titel Retro zu stellen, ist also eigentlich hölzernes Holz. Doch verbindet der Intendant der Oper Lyon, Serge Dorny, mit diesem dreitägigen Festival, das aus den Spielplänen längst verschwundene Produktionen der Regisseure Klaus Michael Grüber, Heiner Müller und Ruth Berghaus aus den 80er und 90er Jahren zeigt, mehr als nur den Blick zurück. [Festivalbericht lesen]

Entwicklungsschritte

Mathilde Cardon und Michèle Scharapan Foto: Orff-Zentrum/Adamiak

Das Münchner Orff-Zentrum präsentierte frühe Lieder von Carl Orff
Von Robert Jungwirth

(München, 15. März 2017) Text und Musik bildeten für Carl Orff schon sehr früh eine unverbrüchliche Einheit. Bereits von dem sechzehnjährigen Schüler Orff gibt es Liedvertonungen, die neben den großen Vorbildern Schumann, Schubert und Brahms auch eine eigenständige Begabung in Richtung Musikalisierung von Texten erkennen lassen. [weiter]

Lebensfreude und tiefe Melancholie

Kent Nagano Foto: Felix Broede

Kent Nagano dirigiert Ives, Bernstein und George Benjamin bei den Münchner Philharmonikern
Von Klaus Kalchschmid

(München, 15.März 2017) – Schon deshalb fehlt Kent Nagano in München: Wer sonst vermag solche Programm nur mit Musik des 20. und 21. Jahrhunderts zu entwerfen und durchzusetzen. Fast fühlte sich das an wie ein Sonderkonzert zur Münchner Biennale für neues Musiktheater. In seinem beziehungsreichen, amerikanisch-britischen Programm, das er vor einem Jahr zu Beginn des Wahlkampfs um die amerikanische Präsidentschaft entworfen hatte, wie er selbst zu Beginn sagte, erwies Nagano sich fast als Visionär. [Kritik lesen]

Ein abendländischer Terrorist

Ein Musikkritiker auf Rachefeldzug Foto: Verleih

Interview mit Josef Hader über seinen neuen Film „Wilde Maus“, über Musikkritik und die Bedeutung der klassischen Musik in dem Film

Von Robert Jungwirth

KlassikInfo: Ein Film über einen Musikkritiker ist ja wohl ein Unikum. Warum haben Sie für die Hauptfigur Ihres Films ausgerechnet einen Musikjournalisten genommen? Es hätte ja auch ein Sportreporter sein können oder ein Wirtschaftsjournalist, der entlassen wird…

Hader: Eigentlich nur, weil ich die klassische Musik drin haben wollte als Antrieb für die Hauptfigur. Mich hat die Idee fasziniert, dass die Musik ihn dort hin treibt, dass die Wut in seinem Bauch von der klassischen Musik verstärkt wird. Ich hatte so ein bisschen die Vorstellung von einem abendländischen Terroristen. [Interview lesen]

Revolution in der Puppenstube

Anja Harteros und Jonas Kaufmann Foto: Anne Kirchbach

121 Jahre nach der Uraufführung erstmals an der Bayerischen Staatsoper: Philipp Stölzl inszeniert "Andrea Chénier" mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros
Von Klaus Kalchschmid  

(München, 12. März 2017) Das Libretto sieht vor, wie das zum Tod verurteilte Liebespaar am Ende einen Leiterwagen besteigt und im emphatischen Bekenntnis („Gemeinsam umarmen wir den Tod!“) zum Schafott fährt. Doch in Philipp Stölzls Inszenierung am Münchner Nationaltheater steht selbiges schon mitten auf der Bühne. Da sind wir dann endgültig auf dem Jahrmarkt angelangt und beim Grand Guignol, dem derben französischen Horror-Kasperle-Theater des ausgehenden 19. Jahrhundert. [Premierenkritik lesen]

Ein ungleiches Paar

Gidon Kremer und Martha Argerich Foto: Markovskis/Heitman

Martha Argerich, Gidon Kremer und die Kremerata Baltica gastierten in München
Von Robert Jungwirth

(München, 8. März 2017) Sie sind ein ungleiches Paar, Martha Argerich und Gidon Kremer, die Südamerikanerin mit der Löwenpranke und der feingeistig-skrupulöse, ja auch etwas verkopfte Lette. Und doch sind die Beiden mit ihren 75 und 70 Jahren ein unwiderstehliches Paar. Bei Beethoven sicher noch mehr als bei Schumann, dessen erste Sonate (a-moll) beim Münchner Konzert in der Philharmonie im Rahmen der aktuellen Tournee zu Kremers 70. Geburtstag auf dem Programm stand. [Konzertbesprechung lesen]

Abgründige Farbspektren

Emerson String Quartet Foto: Lisa Mazzucco

Das Emerson String Quartet mit Werken von Dvorak, Beethoven und Berg zu Gast in der Kölner Philharmonie
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 3. März 2017) „Versteht er nicht, wenn eine Sach’ ein End‘ hat?“ Diese Worte der “Rosenkavalier“-Marschallin lassen sich auch auf musikalische Karrieren anwenden. Die menschliche (Gesangs-)Stimme altert naturgemäß, und nur selten gelingt es, diesem Prozess mit besonderen Aktivitäten auszuweichen – so etwa Martha Mödl, Franz Grundheber oder Franz Mazura. Instrumentalisten sind prinzipiell besser gestellt (wie der gerade siebzig gewordene Gidon Kremer), Dirigenten nimmt sogar oft erst der Tod den Taktstock aus der Hand (wie jüngst im Falle Neville Marriners oder Stanislaw Skrowaczewskis). [Konzertkritik lesen]

Opernkampf

Sebastian Kohlhepp und Philipp Nicklaus Foto: Christoph Kalscheuer

Mit intellektuellem Spiel kommen Jossi Wieler und Sergio Morabito Händels Oper „Ariodante“ an der Oper Stuttgart nicht wirklich bei - musikalisch aber überzeugt die Aufführung durchweg
Von Laszlo Molnar

(Stuttgart, 5. März 2017) Ist das wirklich die Stuttgarter Oper? Dasselbe Haus, in dem vor nicht so langer Zeit Calixto Bieito das  Publikum ganz tief in den Zauberwald von Henry Purcells „Fairy Queen“ hineinzog, Frank Castorf es der dunklen Glut von Gounods „Faust“ ausgesetzte? Nun sitzt man reichlich ratlos und unberührt in einer schier endlosen  Aufführung von Händels Oper „Ariodante“, vier Stunden inklusive Pause, welche die Herren des Hauses, Jossi Wieler und Sergio Morabito, selbst angerichtet haben. [Premierenkritik lesen]

Aufwühlend heterogen

Foto: Andrea Huber

Fabios Luisi dirigiert Mahlers Neunte bei den Münchner Philharmonikern und kombiniert sie sinnreich mit Webern
Von Robert Jungwirth

(München, 4. März 2017) Es gibt das schöne Bonmot von Wien als der Versuchsanstalt für den Weltuntergang. Es entstand vielleicht auch deshalb, weil in dieser Künstlerstadt, die Wien zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war, von vielen Künstlern seismographische Ausschläge des nahenden Unglücks des Ersten Weltkriegs verzeichnet wurden. Gustav Mahlers Werke stehen geradezu paradigmatisch für dieses seismographische Gespür. [Konzertkritik lesen]

Poesie der Verzweiflung

Mark Stone und Jennifer Larmore Foto: GTG/Carole Parodi

Alban Bergs "Wozzeck" in Genf
Von Derek Weber

(Genf, 2. März 2017) Alban Bergs "Wozzeck" widmet man sich entweder ganz oder gar nicht. Ein Drittes gibt es nicht. Das liegt an Georg Büchners literarischer Vorlage wie an der kongenialen musikalischen Umsetzung durch den Komponisten, aber auch an den schlimmen Zeitumständen, die das Werk erschreckend klar in Noten bannte, sowohl den Kasernenhof, wie auch die Trostlosigkeit des Lebens der "armen Leut´", deren Widerhall sich als Leitmotiv durch die ganze Oper zieht. [Premierenkritik lesen]

Narkotische Liebesarie

Elina Garanca begeistert mit einem Arienabend in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 21. Februar 2017) Als „Engel mit Himmelsstimme“ bezeichnete einst der greise Arturo Toscanini die junge, aufstrebende Renata Tebaldi, überwältigt von dem üppig fraulichen Timbre ihres Soprans. „Elina Garanca, Himmelskönigin“ überschrieb wiederum der Wiener „Standard“ vor kurzem einen Wiener Auftritt der lettischen Mezzosopranistin, dem Tourneeauftritte in Deutschland folgten. Köln war jetzt die vorletzte Station. [Besprechung lesen]

Küsse im Altersheim

Ambrogio Maestri als Falstaff Foto: Teatro alla Scala

Zubin Mehta dirigiert den Salzburger „Falstaff“ an der Mailänder Scala
Von Georg Rudiger

(Mailand, 21.Februar 2017) Es ist die dritte Saison von Alexander Pereira als Intendant der Mailänder Scala. Neben guten wirtschaftlichen Zahlen – ein Drittel des 125-Millionen-Euro-Budgets wird von Sponsoren finanziert – kann der Österreicher mit Riccardo Chailly als Generalmusikdirektor einen der derzeit wichtigsten Dirigenten präsentieren. Im Jahr 2015 konnte Pereira zur Mailänder Expo mit vielen Extra-Veranstaltungen wie einem Orchesterfestival auch künstlerische Akzente setzen. Die aktuelle Saison, die am 7. Dezember 2016 mit einer von Chailly dirigierten „Madame Butterfly“ eröffnet wurde (siehe Kritik auf KlassikInfo.de), ist eine Mischung aus beliebten Opern und wenigen Raritäten. Häufig greift der Intendant dabei auf alte Produktionen zurück, insbesondere aus Zürich oder Salzburg, seinen vorhergehenden Wirkungsstätten. [Opernkritik lesen]

Der König und sein Liebhaber

Michael Nagy Foto: Monika Rittershaus

„Edward II.“ nach Marlowe erstmals als Oper von Lorenzo Scartazzini - Uraufführung an der Deutschen Oper Berlin mit Michael Nagy in der Titelpartie
Von Klaus Kalchschmid

(Berlin, 19. Februar 2017) Derek Jarman hat 1992 mit „Edward II.“ eine brillante, ausnehmend moderne und doch sehr poetische und berührende Verfilmung des Stücks von Christopher Marlowe gedreht und den Stoff ins 20. Jahrhundert ausstrahlen lassen. [Opernkritik lesen]

Schonungslos intensiv

Grande salle Pierre Boulez Philharmonie de Paris Foto: W. Beaucardet

Daniil Trifonov und die Münchner Philharmoniker unter Valery Gergiev zu Gast in der Pariser Philharmonie und zuvor in Köln
Von Robert Jungwirth und Christoph Zimmermann

(Paris, 21. Februar 2017) Wenn es schon bei der Anspielprobe vor leeren Sitzreihen so atemberaubend gut klingt, dann muss das auch am Saal liegen. Und man am liebsten gleich hier bleiben würde, um all die wunderbaren Orchester und Solisten zu hören, die in den nächsten Tagen und Wochen auftreten. [Konzertkritik lesen]

Gegen die Bürgerlichkeit

Foto: Theater an der Wien/Kmetitsch

Werner Egks Oper „Peer Gynt“ am Theater an der Wien
von Derek Weber

(Wien,  19. Februar 2017) Dass Stalin Dmitri Schostakowitsch' "Lady Macbeth von Mzensk" nicht mochte, ist bekannt. Was aber brachte wohl Hitler dazu, Werner Egks Vertonung von Ibsens tragikomischer, böser Schelmengeschichte von Peer Gynt von 1938 so umwerfend gut zu finden? [Opernkritik lesen]

Requiem für Lulu

Luftgymnastik: Barbara Hannigan, Ivan Ludlow Foto: Monika Rittershaus

Mit einer sensationellen Fassung des 3. Akts krönen Marthaler/Nagano und die fantastische Barbara Hannigan in der Titelrolle ihre Hamburger „Lulu"
Von Klaus Kalchschmid

(Hamburg, 18. Februar 2017) „Graziöseste Luftgymnastikerin der Jetztzeit“ wird Lulu in Alban Bergs Oper vom Athleten genannt. Und Regisseur Christoph Marthaler kann das mit der gelernten Tänzerin und famosen Sängerin Barbara Hannigan auch zeigen: Schon während des Duetts mit dem Maler rollt sie sich in Endlosschleife aus der Pose einer mit dem Rücken zum Betrachter liegenden Frau, von der man nur das hellblaue Kleid und die nackten Füße sieht... [Opernkritik lesen]

Finnische Genesis

Karita Mattila Foto: Marica Rosengard

Karita Mattila singt „Luonnotar“ von Sibelius, Jukka-Pekka Saraste leitet das WSO
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 17. Februar 2017) 2017 gedenkt man wohl primär des großen Kirchenreformers Martin Luther. Personenungebundene Jubiläen gehen da etwas unter, etwa die Unabhängigkeit Finnlands vor hundert Jahren nach langer Unterdrückung durch Russland und Schweden. In der Biografie des für dieses Land so repräsentativen Komponisten Jean Sibelius (er starb vor sechzig Jahren) hat sich diese Entwicklung niedergeschlagen. [Konzertkritik lesen]

Kunst ist der Spiegel unserer Seele

Joyce DiDonato als Semiramide Foto: W. Hösl

Die amerikanische Mezzosopranistin Joyce diDonato ist der Star in Münchens Neuinszenierung von Rossinis „Semiramide“ an der Bayerischen Staatsoper. Im Interview erzählt sie von ihrer Sicht auf diese männermordende Figur und warum Santa Fe eine ganz besondere Stadt für Oper ist.

KlassikInfo: Frau DiDonato, die Opern Rossinis bilden einen gewissen Schwerpunkt in ihrem Repertoire. Semiramide ist seine späte Oper Rossinis. Wie würden Sie die Musik dieser Oper charakterisieren?Di Donato: Mich erinnert sie ein wenig an Mozarts Idomeneo – beide Komponisten haben zunächst das Genre vorangebracht und wollten dann aber wieder zu einer klassischeren Form zurückkehren...[Interview lesen]

Verkannter Wegbereiter

Foto: Belinda Lawley

In London wurde das Gedenkjahr zum 200. Todestag des französischen Frühromantikers Étienne-Nicolas Méhul mit einem hochkarätigen Konzert der Stiftung Bru Zane eingeläutet
Von
Antje Rößler

(London, 10. Februar 2017) Abends leuchtet die würfelförmige Kirche St. John’s im Londoner Stadtteil Westminster wie eine Pralinenschachtel. Rosa und orange strahlt die Innenbeleuchtung aus dem barocken Kirchenschiff, das im Krieg bei einem Bombenangriff zerstört und dann zum Konzertsaal umgebaut wurde. Abendkasse, Garderobe und Restaurant befinden sich unterirdisch in der Krypta. [weiter]

Babylon in Nordkorea

Joyce DiDonate und Alex Esposito Foto: Anne Kirchbach

Nach 180 Jahren gibt es in München wieder eine szenische „Semiramide“, exzellent besetzt u.a. mit Joyce DiDonato und mit einem sensationellen Staatsorchester unter Michele Mariotti
Von Klaus Kalchschmid

(München, 12. Februar 2017) Man hätte es nach den doch arg zähen 110 Minuten des ersten Akts - was erzählt Wagner nicht alles im ebenso langen 1. Aufzug seiner „Götterdämmerung“! - kaum erwartet, dass nach der Pause plötzlich ein spannendes Drama beginnt, das immerhin auf einem Schauspiel Voltaires basiert: Semiramide, einst Mörderin ihres Gatten und mutmaßlich auch des verschollenen gemeinsamen Sohns, wird in ihrem Schlafzimmer bedrängt vom Mittäter Assur, der seinen Teil an Thron und Bett der Usurpatorin einfordert. [Premierenkritik lesen]

Im Trump-Tower

Joyce DiDonato Foto: Anne Kirchbach

Video-Nachtkritik zu Rossinis "Semiramide" an der Bayerischen Staatsoper:
https://www.youtube.com/watch?v=uAjkQ401-_4&t=26s

Sexuelle Raserei

Foto: Martina Mikelić, Szabolcs Brickner Foto: Volksoper Wien

Erich Wolfgang Korngolds Oper "Wunder der Heliane" konzertant an der Wiener Volksoper
Von Derek Weber

(Wien, 2. Februar 2017) Dmitri Schostakowitsch hat einmal über seine 4. Symphonie gesagt, sie leide an "Grandiosomanie". Er hat Erich Wolfgang Korngolds "Wunder der Heliane" vermutlich nicht gekannt. Sonst hätte er im Urteil über sich selbst vielleicht größere Zurückhaltung walten lassen. [Konzertkritik lesen]

Perkussiv in den Raum geschleudert

Vilde Frang Foto: Marco Borggreve

Vilde Frang zu Gast beim Gürzenich-Orchester unter Francois-Xavier Roth
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 5. Februar 2017) Wenn die Geigerin Vilde Frang das Podium betritt  erwartet man bei aller Energieausstrahlung der jungen Künstlerin nicht unbedingt eine dramatisch explosive Interpretation. Superschlank und zart in der Erscheinung, dazu wirkungsvoll umweht von den Stoffen ihrer luftigen Robe schwebt sie eher wie eine Elfe herein. [Konzertkritik lesen]

Schule der Liebenden

Foto: Opera di Roma

Mozarts "Cosi fan tutte" an der Staatsoper Rom, inszeniert von Graham Vick, dirigiert von der römischen Dirigentin Speranza Scapucci

Von Thomas Migge

(Rom, Ende Januar 2017) Eine Schultafel mit der Aufschrift „Cosi fan tutte" und der Untertitel „La scuola degli amanti". Die Tafel wird kurz nach der Ouvertüre hochgezogen und die Handlung kann beginnen. Eine Handlung, die der britische Regisseur Graham Vick in eine moderne Schule, in einen Klassenraum verlegt hat. Eine Entscheidung, die einen guten Teil des traditionellen römischen Publikums so sehr verstört hat, dass der am Ende der Premiere zahllose „Buhs" auf Vick nieder rasseln ließ. Unverdienterweise. Denn Vicks fünfte(!) Cosi-fan-tutte-Inszenierung ist sicherlich eine seiner besten. Selten passen ein Mozart-Libretto und eine zeitgenössische Inszenierung so perfekt zusammen. [Opernkritik lesen]

Jubiläumskonzert 10 Jahre KlassikInfo.de

KlassikInfo.de, das Onlinemagazin für klassische Musik, feiert 2017 sein zehnjähriges Bestehen. Im März 2007 wurde KlassikInfo.de von erfahrenen Musikjournalisten in München mit dem Ziel gegründet, anspruchsvollen und unabhängigen Musikjournalismus im Internet anzubieten – kostenlos für die Leser.
Seitdem hat sich KlassikInfo.de zu einem führenden Magazin für anspruchsvollen Musikjournalismus in Deutschland entwickelt und findet weithin Beachtung - auch im deutschsprachigen Ausland.
KlassikInfo.de feiert sein Jubiläum am 12. Mai 2017 um 20 Uhr mit einem öffentlichen Konzert mit den beiden Pianistinnen Yaara Tal und Aleksandra Mikulska und Werken von Chopin, Liszt, Satie und Rossini  im Münchner Orff-Zentrum (Kaulbachstr. 16). Kartenbestellungen und weitere Informationen...[weiter]

Oper wider das Vergessen

Foto: Forster

Das Musiktheater im Revier brachte Mieczyslaw Weinbergs "Die Passagierin" in einer bewegenden Inszenierung neu heraus
Von Christoph Zimmermann

(Gelsenkirchen, 28. Januar 20917) Am Tag vor der Premiere, also am 27. Januar, gedachte man in Deutschland der Befreiung der Konzentrationslager vor 72 Jahren. Es gibt Filmaufnahmen von den überlebenden Insassen, ausgemergelt, gespenstisch, die Angst über Erlebtes noch in die Gesichter geschrieben. Diese Bilder sind nur schwer auszuhalten. Das Anschauen sollte aber jedem zwangsverordnet werden, der die „braunen“ Jahre verharmlost oder gar neu herbei zu rufen sich nicht schämt. [Premierenkritik lesen]

Meryl Streep und Richard Gere bejubeln Philip Glass

Philip Glass, Dennis Russel Davies und das Bruckner Orchester Linz in der Carnegie Hall Foto: Tom Mesic

Perfekter Auftakt der dritten USA-Tournee des Bruckner Orchesters Linz. Das Debüt des Bruckner Orchesters in der New Yorker Carnegie Hall zum 80. Geburtstag von Philip Glass war ein voller Erfolg - am Ende gab es Standing Ovations.

(New York, 31. Januar 2017) Mit einem heftig bejubelten Konzert feierte Philip Glass am 31. Januar in der ausverkauften Carnegie Hall seinen 80. Geburtstag. Das Bruckner Orchester Linz spielte unter der Leitung von Dennis Russell Davies die Uraufführung von Glass‘ 11. Sinfonie. [weiter]

Hang zu Bruckner

Dennis Russel Davies und Philip Glass bei den Proben zur 11. Symphonie in Linz Foto: Reinhard Winkler

Zum 80. Geburtstag von Philip Glass wird heute seine 11. Symphonie in der New Yorker Carnegie Hall uraufgeführt – vom Bruckner Orchester Linz unter seinem Chefdirigenten Dennis Russel Davies. Bei den Proben in Linz konnte man bereits einen Eindruck von dem Werk bekommen.
Von Robert Jungwirth

(Linz, im Januar 2017) Mit der Uraufführung seiner 11. Symphonie feiert der Komponist Philip Glass heute Abend in der New Yorker Carnegie Hall seinen 80. Geburtstag. Auf dem Podium wird dabei kein amerikanisches Orchester sitzen, sondern das Bruckner Orchester aus Linz, geleitet von Dennis Russel Davies. Der amerikanische Dirigent, der seit 15 Jahren als Generalmusikdirektor in Linz amtiert, ist ein intimer Kenner von Glass' Musik und hat schon zahlreiche Symphonien von Glass aufgeführt. [weiter]

Diven-Krieg

Kristina Mkhitaryan Foto: GTG / Magali Dougados

In Genf wird aus Cavallis „Il Giasone“ ein großer Theater-Spaß auf musikalisch exzellentem Niveau
Von Klaus Kalchschmid

(Genf, 28. Januar 2017) Irgendwann musste es passieren, und in der vierten Szene des 3. Akts ist das Stück schon weit fortgeschritten: Jasons heimliche Geliebte, von der er im Zelt nie das Gesicht zu sehen bekam und die sich nun als Medea entpuppt, trifft auf Hypsipyle, seine Verflossene. Beide (!) haben ihm Zwillinge geboren. Zurecht macht Regisseurin Serena Sinigaglia in ihrer Inszenierung von Francesco Cavallis Oper „Il Giasone“, die den Medea-Mythos frech neu erzählt, daraus eine Slapstick-Szene wie in einer Soap-Opera von heute. [Opernkritik lesen]

Ebenholz und französische Eiche

Quatuor Ébène Foto: Juliien Mignot

Mit dem Quatuor Ébène trat erstmals ein Streichquartett im kleinen Saal der Elbphilharmonie auf – auch in diesem Saal überzeugt die Akustik nicht uneingeschränkt
Von Klaus Kalchschmid

(Hamburg, 26. Januar 2017) Ein kleiner Schock trifft den Neuling, wenn er die „kleine Elbphilharmonie“ in Hamburg erstmals betritt, denn die Wände aus französischer Eiche unter einer hohen schwarzen Decke sind gefräst, als wären sie ein einziger Streuselkuchen oder gelbe Schwämme, wie man sie von alten Weinkellern kennt. [Besprechung lesen]

Kulturnation Deutschland – aber bitte nicht im Fernsehen

Komponisten protestierten zurecht gegen die Streichung der Rihm-Uraufführung aus dem Programm der Übertragung des Eröffnungskonzerts der Elbphilharmonie auf Arte – man kann das Fernsehen aber auch noch aus einem anderen Grund kritisieren
Von Robert Jungwirth

(Januar, 2017) Der Protest dutzender Komponisten gegen die Streichung des Uraufführungswerks „Reminiszenz“ von Wolfgang Rihm von der Liste der Aufzeichnung des Eröffnungskonzerts der Hamburger Elbphilharmonie durch den Sender Arte (siehe Meldung auf KlassikInfo.de) ist berechtigt. [Kommentar lesen]

Graben nach Jeanne d'Arc

Audrey Bonnet als Jeanne d'Arc Foto: Stofleth

Romeo Castellucci inszeniert eigensinnig-beeindruckend in Lyon „Jeanne d’Arc au bucher“ von Arthur Honegger, am Pult ist Kazushi Ono
Von Robert Jungwirth

(Lyon, 21. November 2016) Der Anfang könnte auch von Christoph Marthaler inszeniert sein. In einem altertümlichen Klassenzimmer mit abblätternder, hässlich grüner Wandfarbe und flackernder Neonbeleuchtung ist gerade Schulschluss. Die Schüler stürmen nach draußen, während ein Hausmeister in Zeitlupentempo Ordnung macht. Das heißt, zunächst macht er Ordnung, bis er innehält und plötzlich allergrößte Unordnung verursacht, Stühle und Tische auf einen Haufen wirft, die Tafel von der Wand reißt und den Bodenbelag wegzerrt. Und dann auch noch die darunterliegenden Bodenbretter und immer weiter nach unten, bis er mit den bloßen Händen in der Erde wühlt. [Premierenkritik lesen]

Ohrenöffendes Hören

Die Braut, die sich traut: Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja und der Dirigent Teodor Currentzis Foto: Nikolaevich/Sony

Teodor Currentzis und Patricia Kopatschinskaja lassen bei Tschaikowsky in Wien aufhorchen
Von Derek Weber

(Wien, 13. Januar) Manchmal muss man mit Umwegen beginnen: Teodor Currentzis ist für viele der große Guru unter den jüngeren Dirigenten. Inzwischen ist er 44 und er leitet nicht nur, wie früher, sein eigenes Ensemble namens MusicaAeterna, das er 2004 in Novosibirsk gegründet hat. Zur Zeit dirigiert er in mehreren Konzerten in einer Reihe des Wiener Konzerthauses die Wiener Symphoniker, die noch immer mit dem Ruf zu kämpfen haben, ein Musikbeamten-Ensemble zu sein, aber unter seiner Leitung gar nicht so vergreist klingen, wie das Vorurteil es nahelegt. [Konzertkritik lesen]

Ein Saal wie ein Instrument

Foto: Michael Zapf

Die Hamburger und viele Gäste feiern mit zwei Konzerten begeistert die Einweihung der Elbphilharmonie - Eindrücke vom zweiten Konzert
Von Robert Jungwirth

(Hamburg, 12. Januar 2016) "Vollendet ist das große Werk, der Schöpfer sieht's und freuet sich." So singt der Chor in Joseph Haydns "Schöpfung", die bei der Eröffnung der Elbphilharmonie natürlich nicht zu hören war. So anmaßend wollte man trotz aller Begeisterung für das wahrlich große Werk dann doch nicht sein, sich mit dem Schöpfer zu vergleichen. Ganz im Gegenteil: Nicht Pauken und Trompeten erklangen als erstes beim Eröffnungskonzert, sondern eine einsame Oboe (Kalev Kuljus), die Benjamin Brittens sehnsüchtige "Pan"-Kantilenen von einem der Ränge aus durch den Saal schickte. [Artikel lesen]

Ein Kulturtempel von internationaler Ausstrahlung

Hamburgs neues Wahrzeichen: die Elbphilharmonie Foto: Iwan Baan

(Hamburg, 11. Januar 2016) Heute wird die Hamburger Elbphilharmonie eröffnet. An den Eröffnungskonzerten des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter seinem Chefdirigenten Thomas Hengelbrock am 11. und 12. Januar im Großen und im Kleinen Saal nehmen insgesamt über 4.500 Gäste aus dem In- und Ausland teil. Darunter auch Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und zahlreiche weitere hochrangige Gäste aus Politik und Kultur sowie 1.000 Besucher, die Karten für dieses Ereignis gewonnen haben.

Rund 220.000 Teilnehmer aus 73 Ländern hatten sich an dieser Verlosung beteiligt. An beiden Eröffnungsabenden wird die Musik auch außerhalb des Gebäudes durch eine Lichtinszenierung zu erleben sein. Der historische Kaispeicher, die gläserne Fassade und die Plaza werden zur Leinwand eines spektakulären Licht- und Farbenspiels. Die Musik, die im Großen Saal erklingt, wird in Echtzeit in Farben und Formen übersetzt, die auf das Gebäude projiziert werden und die Elbphilharmonie in ihrer einzigartigen Architektur erstrahlen lassen.
Für die Veranstaltungen im Eröffnungshalbjahr standen knapp 500.000 Karten zur Verfügung, die bereits seit Wochen vergriffen sind. KlassikInfo.de wird über das Eröffnungskonzert berichten.

Kultiviert und kontrolliert

Orpheus Chor Foto: Veranstalter

Monteverdis Marienvesper und Gloria mit dem Orpheus Chor München und „Les Cornets Noirs“ im Herkulessaal der Residenz in München
Von Laszlo Molnar

(München, 8. Januar 2017) Claudio Monteverdi im Jahr seines vierhundertfünfzigsten Geburtstags – er wurde 1567 in Cremona geboren – zu feiern, das ist gar nicht so einfach. Monteverdi gehört zwar zu den ganz Großen der westlichen Musikgeschichte. Aber sein Werk, das ausschließlich aus Vokalmusik für zum Teil sehr anspruchsvolle Besetzungen besteht, passt nicht richtig zum Musikleben unserer Zeit. Den Spezialisten der Alte-Musik-Szene ist es zu verdanken, dass Monteverdis Musik wieder bekannt und insgesamt recht präsent ist. [Konzertkritik lesen]

Sandalenballett

Stechschritttanz der Römer Foto: Wilfried Hösl

Der sozialistische Realismus feiert in München mit dem Ballett „Spartacus“ fragwürdige Urständ
Von Christian Gohlke

(München, Anfang Januar 2017) Das Beste an dieser Produktion ist das von Bettina Wagner-Bergelt verantwortete Programmbuch. Ihm ist zu entnehmen, dass Spartacus für Karl Marx „den Kampf des antiken Proletariats gegen seine römischen Unterdrücker“ symbolisierte. Das machte den antiken Sklaven, gegen den der römischen Praetor Crassus zu Felde zog, im sowjetischen Russland zu einer idealen Projektionsfläche: Rom stand gleichsam für den dekadenten Westen, Spartacus und seine Anhänger für den heldischen Kampf der unterdrückten und ausgebeuteten Unterschicht. [Ballettkritik lesen]

An der Gothic-Orgel

Cameron Carpenter Foto: Thomas Grube

Cameron Carpenters Konzert in der Kölner Philharmonie hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 22. Dezember 2016) Blick in die Runde in der Philharmonie: Nein, kein Publikum von dezidiertem Arena-Zuschnitt, es gab wie üblich auch viel Silberhaar zu sehen. Über Cameron Carpenter, den schrillen Typen der internationalen Orgelszene, wissen offenkundig auch die Älteren Bescheid. Mit seinem Programm (Bach, Carpenter) bot er nichts eigentlich aus dem Rahmen Fallendes, aber doch Individuelles. Die Serie „Orgel plus“ in der Kölner Philharmonie ist keine zopfige Veranstaltungsreihe. [Konzertkritik lesen]

Vielgestaltig

Hofkapelle München Foto: Jakob Erpf

Die Münchner Hofkapelle mit einem Barockprogramm im Kaisersaal der Münchner Residenz
Von Robert Jungwirth

(München, 29. Dezember 2016) Es hat eine Weile gedauert, bis sich in München eine Alte-Musik-Szene etabliert hat, die diesen Namen verdient. Erstaunlich lange für eine Musikstadt dieser Bedeutung. Warum das so war, darüber läßt sich nur spekulieren. Die Neue Münchner Hofkapelle brachte unter Christoph Hammers Leitung ab 1996 immerhin etliche beachtliche historisch informierte Aufführungen zustande, bis es den Dirigenten und Pianisten für eine Professur von der Isar weg in die USA zog. [Konzertkritik lesen]

Vom Leben zu viert

Quatuor Ebène Foto: Daniel Kutschinski

Daniel Kutschinskis beeindruckender Dokumentarfilm „4“ über das Quatuor Ebène ist jetzt wieder in einigen Kinos zu sehen
Von Georg Rudiger

Die erste Einstellung zeigt das Quatuor Ebène auf einem Monitor im Backstagebereich. Dann kommen die vier Musiker von der Bühne – und die Handkamera von Arnd Buss-von Kuk ist dicht dabei. Nicht mit einem Bühnenauftritt beginnt der Film, sondern mit den Momenten danach. In Daniel Kutschinskis prämiertem Dokumentarfilm „4“ (1. Preis in Los Angeles) über das 1999 gegründete französische Streichquartett geht es nicht um die glänzende Fassade eines formidablen Ensembles, sondern um die Brüche und Risse, die auf den ersten Blick nicht zu sehen sind. [weiter]

Puccinis zeitlos gültige Botschaften

Nino Machaidze (Mimì), Dmytro Popov (Rodolfo), Nino Machaidze (Mimì) und Andrè Schuen (Marcello) Foto: GTG / Carole Parodi

Matthias Hartmann inszeniert im Genfer Opernhaus-Provisorium „La Bohème“
Von Oliver Schneider

(Genf, 21. Dezember 2016) In der Theaterwelt ist Matthias Hartmann, heute Kreativdirektor beim österreichischen Privatfernsehen Servus TV, seit seinem Abgang am Wiener Burgtheater kaum mehr präsent. Neue Wege schlug er zuletzt mit einer Koproduktion von Schillers „Räubern“ durch das Salzburger Landestheater und seinem neuen Arbeitgeber ein. [Premierenkritik lesen]

Verzweifelte Göttin

Salome Kammer Foto: Christoph Hellhake

Salome Kammer spricht und spielt im Konzert der Münchner Symphoniker als Tragödin das „Proserpina“-Melodram von Carl Eberwein 
Von Klaus Kalchschmid

(München, 18. Dezember 2016) Auch wenn eine knackige „Egmont“-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven an Beginn dieses Sonntagnachmittags-Konzerts im Prinzregententheater mit den Münchner Symphonikern unter Kevin John Edusei stand und nach der Pause eine gelungene Aufführung der 1816 geschriebenen vierten Symphonie von Franz Schubert folgte, so zog doch vor allem ein halbszenisches, unvermittelt Bühnenluft atmendes Intermezzo besondere Aufmerksamkeit auf sich: das „Proserpina“-Melodram aus dem Jahr 1815 von Johann Wolfgang Goethe mit der Musik von Carl Eberwein (1786 – 1868). [Konzertkritik lesen]

Dem Anfang wohnt kein Zauber inne

Das fusionierte SWR-Symphonieorchester kämpft mit Problemen, während der Sender Begeisterung verbreitet
Von Georg Rudiger

(Freiburg, Stuttgart, Ende November/Anfang Dezember 2016) Das Parkett ist nicht voll bestuhlt, sondern hat einen Mittelgang. Auch die ersten vier Reihen im Freiburger Konzerthaus sind beim zweiten Abokonzert des neuen, fusionierten SWR-Symphonieorchesters weggeräumt. Hatte das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg in seiner letzten Saison in Freiburg stets vor vollen Rängen gespielt, so ist die Zuschauernachfrage für das fusionierte Orchester zurückgegangen. Abonnements wurden gekündigt. [weiter]

Utopie von Liebe und Frieden

Camille Schnoor (Cupido), Tobias Greenhalgh (Cold Genius), Ensemble Foto: Marie-Laure Briane

Am Münchner Gärtnerplatztheater erfährt „King Arthur“ von Henry Purcell eine überzeugend gegenwärtige Interpretation
Von Laszlo Molnar

(München, 8. Dezember 2016) Der Zauber wirkt also noch. Auch nach Jahrhunderten zieht die Musik von Henry Purcell ihre Zuhörer an. Bei der Premiere von „King Arthur“ des Münchner Theaters am Gärtnerplatz in der Reithalle waren alle Plätze besetzt, Hoffnungsvolle hielten noch vor Beginn die „Suche-Karte“-Schilder hoch. Am Ende enthusiastischer Beifall. [Premierenkritik lesen]

Spiel mir das Lied vom Tod des japanischen Mädchens, das aus verschmähter Liebe stirbt

Foto: Teatro alla Scala

Giacomo Puccinis "Madama Butterfly" in der Urfassung an der Mailänder Scala, bieder inszeniert von Alvis Hermanis, markant dirigiert von Riccardo Chailly
Von Derek Weber

(Mailand, 7. Dezember 2016) Die inhaltliche Vorgabe könnte düsterer nicht sein. Bei dieser Oper denkt man sofort an den "Clash of civilizations": Ein amerikanisches Kriegsschiff schießt – im 19. Jahrhundert - den USA den Weg zum Handel mit Japan frei. Und ebenso überheblich nimmt sich Herr Pinkerton eine Japanerin zur Frau. [Premierenkritik lesen]

Mahler light

Foto: Kiran West

John Neumeiers neues Ballett „Das Lied von der Erde“ bleibt in Hamburg hinter den Erwartungen zurück
Von Christian Gohlke

(Hamburg, 4. Dezember 2016) Vor über fünfzig Jahren wurde in Stuttgart Kenneth MacMillans Ballett „Das Lied von der Erde“ uraufgeführt. Damit begann John Neumeiers produktive Auseinandersetzung mit der Musik von Gustav Mahler, aus der im Laufe einer langen und fruchtbaren Karriere fünfzehn Ballette hervorgegangen sind. Mit der Premiere seiner jüngsten Choreographie rundet sich nun der Kreis: Neumeiers Beschäftigung mit Mahler führt ihn als Choreograph dorthin zurück, wo sie als Tänzer begann, zum „Lied von der Erde“. [Premierenkritik lesen]

Lost in Gasteig-Philharmonie

John Eliot Gardiner Foto: Agentur

John Eliot Gardiner, der Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists mit Werken von Bach in München
Von Robert Jungwirth

(6. Dezember 2016) Wer tatsächlich noch immer behauptet, die Münchner Gasteig-Philharmonie hätte kein Akustikproblem, der hätte nur zum Konzert von John Eliot Gardiner und seinem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists kommen brauchen, um einen Eindruck von der Ungeeignetheit dieses Saals für klein besetzte Musik zu gewinnen. Selbst in einer Entfernung von etwa 10 Metern verflüchtigten sich die feinen Stimmen- und Instrumentalgespinste dieser beiden phantastischen Klangkörper im akustischen Nirwana dieses Monstersaals. [Konzertkritik lesen]

Eine Symbiose

Daniele Gatti probt "Tristan" in Rom Foto: Yasuko Kageyama/Opera Roma

Daniele Gatti begeistert mit "Tristan und Isolde" an der Oper Rom - und gibt damit sein spätes Debüt an dem Haus
Von Thomas Migge

(Rom, Ende November 2016) Es gibt ausgezeichnete, schlechte und  mittelmäßige Orchester und es gibt Orchester, die Zuhörern und Resenzenten ein Geheimnis bleiben. Das Orchester des römischen Opernhauses ist so ein Geheimnis. Mal spielt es einfach nur gut und ein anderes Mal so hervorragend, dass man seinen Ohren nicht traut. [Opernkritik lesen]

Zur Diskussion gestellt

Krystian Zimermann Foto: Agentur

Der Pianist Krystian Zimerman beeindruckt mit Schubert und Szymanowski in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 1. Dezember 2016) Der polnische Pianist Krystian Zimerman kann ein schwieriger Mensch sein, wenn es um das (neben der Familie) Wichtigste in seinem Leben geht, die Musik nämlich. Er betrachtet sie als eine „heilige Kunst“, um eine Formulierung aus „Ariadne auf Naxos“ von Hofmannsthal/Strauss aufzugreifen. Bei ihm läuft Interpretation nicht einzig auf unanfechtbare Beherrschung seines Instruments hinaus, sondern stellt eine Art Seelensuche dar. [Konzertkritik lesen]

Komponierter Orgasmus

Foto: Anne Kirchbach

Erstmals in München: die Urfassung von Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ im russischen Original mit einer überragenden Anja Kampe in der Titelrolle - dirigiert von Kirill Petrenko, inszeniert von Altmeister Harry Kupfer
Von Klaus Kalchschmid

(München, 28. November 2016) 60 Jahre nach der Uraufführung gab es 1993 in München erstmals die Urfassung von Dmitri Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ aus dem Jahr 1932 am Nationaltheater zu sehen; in der Regie von Volker Schlöndorff mit Hildegard Behrens und auf Deutsch. Jetzt endlich kam die Oper (wieder an der Bayerischen Staatsoper) im russischen Original auf die Bühne, inszeniert von Harry Kupfer mit einer großartigen Anja Kampe in der Titelpartie. Kirill Petrenko stand am Pult des exzellenten Bayerischen Staatsorchester. [Premierenkritik lesen]

Idealbild des Künstlers

Eine Ausstellung in der Pariser Philharmonie widmet sich dem "Mythos Beethoven"
Von Elisabeth Richter

(Paris, im November 2016) „Freude, schöner Götterfunken“ tönt es gleich im ersten Saal der Ausstellung „Ludwig van“ in der neuen Pariser Philharmonie von mehreren Bildschirmen übereinander und nebeneinander in einem dunklen Raum. Unter dem Motto „Omnipräsenz einer Ikone - Weihe oder Auflösung“ prasselt eine Flut von Videos und akustischen Reizen auf den Besucher ein. [Artikel lesen]

Auf dem Weg

Jakub Hrusa Foto: Andreas Herzau

Das zweite Konzert des neuen Chefdirigenten der Bamberger Symphoniker, Jakub Hrusa, mit Mozart, Rachmaninow und Brahms - und dem Pianisten Rudolf Buchbinder
Von Robert Jungwirth

(Bamberg, 23. November 2016) Am Ende dieses Jahres 2016 werden wohl einige Musiker und Mitarbeiter der Administration der Bamberger Symphoniker erst einmal erleichtert durchatmen. Nicht nur brachte der 70. Geburtstag des Orchesters Sondereinsätze mit sich, außerdem verabschiedete man den langjährigen Orchesterchef Jonathan Nott und hieß dessen Nachfolger Jakub Hrusa willkommen, unternahm ausgedehnte Gastspielreisen nach Südamerika, Korea, Japan und in den Oman (siehe Artikel darüber auf KlassikInfo.de). [Konzertkritik lesen]

Händels Zauber

Julian Prégardien Foto: Agentur
Julian Prégardien Foto: Agentur

Der Tenor Julian Prégardien und die Akademie für Alte Musik Berlin beglücken im Münchner Prinzregententheater mit Händel
Von Klaus Kalchschmid

(München, 21. November 2016) Die tragische Geschichte von Jephta, der nach siegreicher Schlacht Gott gelobt, den ersten Menschen zu opfern, der ihm zuhause begegnet – wie sich herausstellt, ausgerechnet seine eigene Tochter -, schildert Georg Friedrich Händel höchst eindrucksvoll in seinem letzten Oratorium. [Besprechung lesen]

Cool am Pool

Dessert à la Don Giovanni: Frauen mit Schokosauce Foto: Lorraine Wauters – Opéra Royal de Wallonie

In Lüttich macht Filmregisseur Jaco Van Dormael aus Don Giovanni einen sexbesessenen Börsenmakler
Von Antje Rößler

(Lüttich, 20. November 2016) Er lebt im Penthouse mit Swimming Pool und arbeitet in einem Großraumbüro, aus dessen Glassfassade man auf Wolkenkratzer blickt. In der Ferne hört man den Sound von Manhattan; Gehupe und Martinshörner. Der Titelheld von Mozarts Oper „Don Giovanni“ ist hier kein Verführer auf dem absteigenden Ast, sondern ein erfolgreicher Börsenmakler. Mit all den dekadenten Annehmlichkeiten, die der Lifestyle an der Wall Street zu bieten hat: Champagner, Koks und Table Dance. [Premierenkritik lesen]

Der Zombie-Vampyr vom Genfer See

Antú Romero Nunes‘ Horror-Version von Marschners Oper „Der Vampyr“ an der Oper Genf – als Übernahme von der Komischen Oper Berlin, jedoch mit neuer Sängerbesetzung und dem exzellenten Orchestre de la Suisse Romande
Von Klaus Kalchschmid

(Genf, 19. November 2016) Der erste – und schlimmste - Mega-Schocker des Abends trifft den Zuschauer in der hölzernen Ausweichspielstätte des Grand Theâtre Genève gleich zu Beginn: Da springt ein bleicher Hüne mit behaarter Brust, halber Glatze und einem finsteren Gesicht unvermittelt aus dem Graben und greift sich eine junge Frau aus der ersten Reihe! [Opernkritik lesen]

Zwei Machtbesessene auf dem Weg zur Hölle

Davinia Rodriguez und Placido Domingo Foto: Herwig Prammer

Giuseppe Verdis "Macbeth" in gleich zwei Versionen im Theater an der Wien – eine mit Placido Domingo
Von Derek Weber

(Wien, 15. November und 17. November 2016) Was für eine monströse Oper, dieser Verdi-"Macbeth"! Das Gegenteil von harmlos - egal, ob wir die erste Fassung von 1847oder die zweite von 1865 zum Maßstab nehmen. Man möchte nicht ahnen, was da von Anfang an musikalisch eingemeindet war! Ein kräftiger Schuss Belcanto ist ebenso darin enthalten wie sozusagen das Gegenteil davon, eine Art von canto bruto, von häßlichem – oder sagen wir lieber: die Wahrheit abbildendem Gesang. [Opernkritik lesen]

Selfies von Schönberg

Arnold Schönberg, Erwin Stein und Anton Webern am Strand von Zandvoort im März 1914 - fotografiert von Alban Berg Foto: Schönberg Center

Das Arnold Schönberg Center Wien präsentiert erstmals in einer Ausstellung Fotos aus dem Nachlass Schönbergs – und bietet vielfältige Einblicke in das wechselvolle Leben des Komponisten
Von Robert Jungwirth

(Wien, im November 2016) Ist das etwa Arnold Schönbergs Herrentäschchen, das da an der Stuhllehne hängt? Oder doch eher die Handtasche seiner Frau Mathilde, die dieses Foto vermutlich geschossen hat? Auffallend an dem Bild ist auch der kleine Fußschemel, auf den der Komponist den linken Fuß abgestellt hat, während der rechte locker darübergelegt ist. [Artikel lesen]

Hohe Orchesterkunst aus dem hohen Norden

Bergen Philharmonic Foto: Oddleiv Apneseth

Das Bergen Philharmonic Orchestra auf Deutschland-Tour. Erste Station war Berlin.
Von Antje Rößler

(Berlin, 15. November 2016) Bunte Holzhäuser, der Hafen mit Fischmarkt, ringsherum Fjorde und die namensgebenden sieben Berge – die zweitgrößte Stadt Norwegens vereint kleinstädtischen Charme mit jeder Menge Kultur. Auch eines der beiden staatlich finanzierten Orchester hat hier seinen Sitz. Während die Kollegen in Oslo das 100-jährige Jubiläum ansteuern, reichen die Wurzeln des „Bergen Filharmoniske Orkester“ bis ins Zeitalter Haydns zurück. [Besprechung lesen]

Alles oder nichts

Igor Levit Foto: Felix Broede

Igor Levit glänzt mit Beethoven in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln,  14. November 2016) Bei den Programmen eines großen Konzerthauses wie der Kölner Philharmonie bilden sich automatisch Schwerpunkte heraus. Mitunter wird, etwa mit der Reihe „Piano“, gezielt auf solche hingearbeitet, entweder als Abo-Lockmittel oder zur Betonung eines besonderen künstlerischen Rahmens. Oft jedoch ergibt sich bei der Fülle des saisonalen Angebots ein eher zufälliges Nebeneinander, welches dann freilich u.U. eine reizvolle Gelegenheit zu interpretatorischen Vergleichen ermöglicht. [Konzertkritik lesen]

Marathon-Dirigent und Marathon-Publikum

Valery Gergiev Foto: Alberto Venzago

Valery Gergiev dirigierte in München an zwei Tagen alle sieben Prokofjew-Symphonien
Von Robert Jungwirth

(München, 13. November 2016) Die tun was, könnte man einen Werbespruch zitieren, wenn man das Programm der Münchner Philharmoniker bei ihrem MPHIL 360°-Festival betrachtet. Alle sieben Prokofjew-Symphonien, die fünf Mozart-Violinkonzerte und dazu noch den dritten Akt „Parsifal“ - das alles an zwei Tagen mit zwei Orchestern (neben den Münchnern ist auch das Petersburger Mariiinsky Orchester beteiligt) und mit einem Dirigenten: Valery Gergiev, der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker und vielfach erprobte und immer wieder staunenswerte Marathon-Mann. [Konzertkritik lesen]

Neue Handschrift: Musik bei den Salzburger Festspiele 2017

Der neue Intendant der Salzburger Festspiele Markus Hinterhäuser stellte sein erstes Programm in Salzburg vor

(Salzburg, 12. November 2016) Jetzt ist es also ganz offiziell und nicht nur Gerücht, das Programm der Salzburger Festspiele 2017. Die offenbar als besonders wichtig betrachtete neue Besetzung des "Jedermann" wurde schon vor einigen Tagen bekanntgegeben. Sie kann also, da sie auch nicht unmittelbar das Musikalische betrifft, als kommuniziert gelten, zumal das Programm auch noch von Wien über Moskau bis Peking und Seoul und in anderen asiatischen Metropolen präsentiert werden wird. Die Reiseroute ist durch die Wege der internationalen Kaufkraft vorgegeben – sie umfasst Städte von München, London, Zürich, Moskau bis Shanghai. [weiter]

Zauber des Erzählens

Foto: Lioba Schöneck

Die Bayerische Theaterakademie August Everding macht die europäische Erstaufführung eines Musicals nach dem Film „Big Fish“ zum Ereignis
Von Klaus Kalchschmid

(München, 10. November 2016) Wenn die Bayerische Theaterakademie die europäische Erstaufführung eines Musicals von Andrew Lippa und John August nach dem berühmten Film „Big Fish“ auf die Bühne bringt, dann richtig: Die Geschichte von einem Vater, der seinem Sohn ein Leben lang fantastisch fabulierte Schwänke erzählt, wird derart herrlich aufgedreht - und immer perfekt im Timing - getanzt, gesungen und gespielt, dass man bald vergisst, welche Grenzen eine Bühne dem Stoff gegenüber dem überbordenden Film von Tim Burton aus dem Jahr 2003 mit Ewan McGregor und Alber Finney setzt - und alle noch Studenten sind. [Besprechung lesen]

Schönheit ist relativ

Meryl Streep spielt in ihrem neuen Kinofilm die für ihre falschen Töne berühmt-berüchtigte amerikanische Opernsängerin Florence Foster Jenkins, die in den 20er und 30er Jahren Konzertsäle füllte. KlassikInfo.de verlost 5x2 Kinofreikarten, gültig für jedes Kino in Deutschland, das den Film zeigt. - Die Aktion ist beendet. Glückwunsch an alle Gewinner!

Keine Irritationen

Daniel Prohaska (Liliom) Foto: Thomas Dashuber

Uraufführung der Oper „Liliom“ von Johanna Doderer und Josef E. Köpplinger am Münchner Gärtnerplatztheater
Von Laszlo Molnar

(München, 4. November 2016) Vielleicht hätte Franz Molnár es Giacomo Puccini doch gestatten sollen, sein bekanntestes Theaterstück "Liliom" als Oper zu vertonen. Hatte Puccini doch bewiesen, dass er alle Formen des Musiktheaters beherrscht, von der Intimität der „Bohème“ über die Exotik der „Madama Butterfly“ zum Bombast der „Tourandot“. Dazu hatte er mit dem „Trittico“ drei Kammerstücke komponiert, die das Große im Kleinen zu transportieren wissen. Auch für Lilion hätte er gewiss die rechte kompositorische Form gefunden. [Premierenkritik lesen]

Kompromisslos freundlich

Auftritt im japanischen Miyazaki Foto: Bamberger Symphoniker

Mit zwei Beethoven-Symphonien, dem Beethoven-Violinkonzert, Bruckners Siebter und Schuberts Unvollendeter ist der 89-jährige Herbert Blomstedt mit den Bamberger Symphonikern noch bis zum 7. November auf großer Südkorea- und Japanreise. Stationen sind Seoul, Fukuoka, Miyazaki, Nagoya, Tokio und Kyoto.
Von Robert Jungwirth

(Ende Oktober/Anfang November 2016) Es fällt nicht leicht, in sich die "heiteren Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande“ aufkommen zu lassen, wie sie Beethoven zu Beginn seiner sechsten Symphonie musikalisiert hat, wenn man gerade einem der gigantischen Rushhour-Staus in Südkoreas Hauptstadt Seoul entkommen ist. Der Bus, der die Musiker der Bamberger Symphoniker vom Hotel zum Konzertsaal bringt, braucht für die wenige Kilometer lange Strecke mehr als eine Stunde. Statt murmelnder Bäche und Vogelgezwitscher wie in Beethovens Symphonie also dröhnende Verkehrsströme auf achtspurigen Straßen einer 10-Millionen-Metropole. [weiter]

Perfektion jenseits des Mainstreams

Emerson String Quartet Foto: Lisa Mazzucco

Das Emerson String Quartet gehört seit 40 Jahren zu den spannendsten Streichquartetten weltweit. Nun kommt es wieder nach Badenweiler, wo es schon zu Beginn seiner Karriere aufgetreten ist - ein Porträt
Von Georg Rudiger

(November 2016) „An die Freundschaft“  heißt das Motto der kommenden Badenweiler Musiktage. Und das ist durchaus wörtlich gemeint. 50 Mal hat das Emerson String Quartet aus New York City bereits in Badenweiler gespielt. Und mit Uraufführungen und Werkzyklen wie einer Gesamtaufführung der Beethoven-Quartette für überregionale Ausstrahlung gesorgt. In diesem Jahr feiert das internationale Spitzenensemble sein 40-jähriges Bestehen. [Porträt lesen]

Mephisto à Paris

Foto: Thomas Aurin

Frank Castorf entdeckt in Stuttgart die sinnlichen Abgründe in Gounods „Faust“, auch gesungen und musiziert wird großartig
Von Klaus Kalchschmid

(Stuttgart, 30. Oktober 2016) Als kleiner Junge besaß man diese wunderschönen Kaleidoskope, deren farbig schillernde Muster sich immer wieder verwandelten, wenn man sie beim Hineinschauen drehte. Nicht so symmetrisch und perfekt ebenmäßig, dafür aber herrlich vieldeutig, welthaltig und assoziationsreich funktioniert immer wieder die Drehbühne von Alexander Denić für eine Inszenierung von Frank Castorf. [Premierenkritik lesen]

Der unglückliche Felix

Cuarteto Casals Foto: Molina Visuals

Das erstaunliche Cuarteto Casals gastierte in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 27. Oktober 2016) Cuarteto Casals – dieser Name lässt unzweideutig auf die Nationalität des Ensembles schließen. Wie der berühmte Cellist Pablo Casals sind auch die Musiker des Quartetts Spanier (siehe Porträt des Quartetts auf KlassikInfo.de); der Bratscher Jonathan Brown stammt allerdings aus den USA. Das Kölner Konzert begann mit dem überaus körperwendigen Abel Tomàs Realp am ersten Pult und Ludwig van Beethovens Opus 18,1. Realp und die Geigerin Vera Martínez wechseln sich an dieser Position ab. [Konzertbesprechung lesen]

Glaube, Liebe, keine Hoffnung

Elīna Garanča und Matthew Polenzani Foto: Anne Kirchbach

Nach 100 Jahren erstmals wieder szenisch an der Bayerischen Staatsoper: „La Favorite“ von Gaetano Donizetti mit Elīna Garanča und Matthew Polenzani
Von Klaus Kalchschmid

(München, 23. Oktober 2016) Zur zündenden, vielteiligen Ballettmusik von Gaetano Donizettis „La Favorite“ in der ungekürzten französischen Originalfassung am Nationaltheater schauen sich König Alphose XI (alias Mariusz Kwiecien) und seine Mätresse Léonor (Elīna Garanča) einen für das Publikum unsichtbaren Film an, und wir können die Reaktionen der beiden auf die flimmernden Bilder beobachten. Sie kichert in sich hinein, blickt neutral oder wendet die Augen angewidert ab; er spielt alles wie von der Tarantel gestochen mit: ob Schattenboxen oder grimassierendes Schenkelklopfen, irres Lachen oder Anfeuern wie im Kasperle-Theater. [Premierenkritik lesen]

Energieschübe

Hélène Grimaud Foto: Mat Hennek

Hélène Grimaud spielt Bartoks drittes Klavierkonzert mit dem Rotterdams Philharmonisch Orkest unter Yannick Nézet-Seguin in der Kölner Philharmonie
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 20. Oktober 2016) Unstrittig zählt das Concertgebouw Orkest Amsterdam zu den besten Klangkörpern nicht nur seines Landes, sondern auch der Welt. Aber dass auch das Rotterdams Philharmonisch Orkest in der ersten Liga mitspielt, lässt sich alleine anhand der bisherigen Chefdirigentennamen verifizieren. [Konzertkritik lesen]

Zwischen Easy Listening und musikalischer Gewaltorgie

Konzert bei den Donaueschinger Musiktagen Foto: Veranstalter

Die Donaueschinger Musiktage demonstrieren 2016 eine sehr große stilistische Bandbreite. Das fusionierte SWR-Symphonieorchesters gibt sein durchwachsenes Debüt
Von Georg Rudiger

(Donaueschingen, 14.-16. Oktober 2016) Es ist wie jedes Jahr beim Eröffnungs-Orchesterkonzert der Donaueschinger Musiktage. Man steht in der Pause in der Kälte vor der Baarsporthalle und wartet geduldig in der Schlange, bis die Getränkebestellung beim Jugendrotkreuz von Erfolg gekrönt ist. Dass es dieses Jahr nichts zu essen gibt, sorgt für Gesprächsstoff beim Konzertpublikum. Und doch gerät der diesjährige Auftakt des wichtigsten deutschen Neue-Musik-Festivals ganz anders als in den letzten Jahrzehnten. Zum ersten Mal sitzt nicht das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg auf der Bühne. [Festivalbericht lesen]

Männliche Sensibilität

Kit Armstrong Foto: June

Kit Armstrong spielt Konzerte von Haydn und Mozart mit dem Kammerorchester der Münchner Philharmoniker
Von Klaus Kalchschmid

(München, 15. Oktober 2016) Wie schön, dass es immer wieder auch klassische Konzerte gibt, die ganz ohne romantische Schlachtrösser auskommen. Und es dann so zauberhafte Momente gibt, wie im Konzert des Kammerorchesters der Münchner Philharmoniker mit Kit Armstrong als Solisten im ausverkauften Prinzregententheater. [Besprechung lesen]

Falstaff als Oliver Hardy

Amüsieren wie Bolle: Anett Fritsch (Mrs. Alice Ford), Christoph Pohl (Sir John Falstaff), Robert Gleadow (Bardolf)
Foto: Herwig Prammer

Antonio Salieris „Falstaff“ am Theater an der Wien
Von Derek Weber

(Wien, 12. Oktober 2016) Der Frage nachzugehen, welchen sidestep Regisseure machen müssen, um auf ausgefallene szenische Lösungen zu kommen, wäre durchaus interessant. Im neuen Wiener "Falstaff" im Theater an der Wien tritt der dickliche Schwerenöter im Kostüm von Oliver Hardy auf. [Premierenkritik lesen]

Energisch am Start

Clemens Schuldt Foto: Sammy Hart

Clemens Schuldt gab seinen sehr erfolgreichen Einstand als Chefdirigent des Münchner Kammerorchesters
Von Laszlo Molnar

(München, 13. Oktober 2016) Ein knallender Schlussakkord, dann prasselt der Beifall, Begeisterungpfiffe gellen durch das Prinzregentheater in München – Clemens Schuldt Antrittskonzert ist ein voller Erfolg, der neue Chefdirigenten des Münchner Kammerorchesters vom Publikum abgesegnet. Mit dem 1982 geborenen, aus Bremen stammenden Dirigenten setzt das Münchner Kammerorchester seine Strategie fort, junge ambitionierte Dirigenten an seine Spitze zu berufen. [Besprechung lesen]

Wie man kein Buch über die Oper schreibt

Das Buch „Oper- aber wie!?“ ist eine recht lieblose Aneinanderreihung von Interviews mit Sängern, Dirigenten, Regisseuren und Komponisten - dabei geht es nicht einmal immer um Oper
Von Robert Jungwirth

Natürlich ist die Oper eine eigentümliche Kunstform. Warum müssen sich Menschen stundenlang ansingen, wenn sie auch reden können? Und dann versteht man oft noch nicht einmal, was da gesungen wird. Aber dann entsteht durch die Verbindung von Handlung, Gesang und Musik - wenn alles passt - ein Kunstwerk von unvergleichlicher, ja manchmal magischer Faszinationskraft. Das Buch „Oper- aber wie!?“ von Richard Lorber widmet sich dieser eigentümlichen Kunstgattung in Form von Interviews mit  Sängern, Regisseuren, Komponisten und Dirigenten.[Besprechung lesen]

Das Unvorstellbare als Oper

Foto: A.T.Schaefer

Am Theater Augsburg hatte Udo Zimmermanns Kammeroper „Die Weiße Rose“ Premiere
Von Robert Jungwirth

(Augsburg, 8. Oktober 2016) Kaum vorstellbar, was in den beiden jungen Menschen Sophie und Hans Scholl vorgegangen ist, nachdem ein Prozess, der jeglicher Rechtstaatlichkeit entbehrte, sie zum Tod verurteilt hat. Und wenn man es sich vorzustellen versucht, bereitet es einem seelische Qualen, angesichts des Ausmaßes an Unrecht und Brutalität, das den Geschwistern Scholl und ihren Freunden von der „Weißen Rose“ durch das Nazi-Regime angetan wurde. [Premierenkritik lesen]

Im Gedenken an Sir Neville

Neville Marriner, der am 2. Oktober gestorben ist. Foto: ICA Artists

Die Academy of St. Martin-in-the-Fields gastiert mit dem Pianisten Kit Armstrong in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 8. Oktober 2016) Neunzig Jahre oder mehr, das ist ein Alter, bei welchem sich das Ende eines Erdenlebens zwangsläufig abzuzeichnen beginnt. Sir Neville Marriner, der am 2. Oktober im Alter von 92 Jahren starb, war einer der dienstältesten Dirigenten der Welt, war bei seinen letzten Kölner Auftritten also zwangsläufig kein Springinsfeld, wirkte aber doch noch erstaunlich vital. In der Philharmonie hätte er in diesem Monat gleich zwei Auftritte absolvieren sollen, am 25. Oktober mit dem Orchestra de Cadaqués sowie – um diesen Termin geht es an dieser Stelle – am 9. Oktober mit seiner Academy of St. Martin-in-the-Fields, die er 1958 gründete. [Konzertkritik lesen]

Bach, der Rebell

Der Dirigent John Eliot Gardiner hat eine umfangreiche Bach-Biographie veröffentlicht. Er sieht den Thomaskantor als unangepasstes Genie, nicht als Säulenheiligen oder fünften Evangelisten wie manche seiner Kollegen
Von Robert Jungwirth

(Oktober 2016) Auch wenn Johann Sebastian Bach keine Opern im eigentlichen Sinn komponiert hat, hält John Eliot Gardiner Bachs Passionen und viele seiner Kantaten dennoch für genuines Musiktheater. „Die unglaubliche Dramatik, die in dieser Musik konzentriert ist, und die gewaltige Vorstellungskraft, die sich in ihr Bahn bricht, macht Bachs Passionen großen Bühnendramen ebenbürtig.“ Dementsprechend klingt es auch, wenn Gardiner diese Musik mit seinem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists aufführt. [Buchbesprechung lesen]

Lust und Verstand

Riccardo Chailly und Daniil Trifonov Foto: manolo press

Der Scala-Chef Riccardo Chailly dirigiert zur Saisoneröffnung im Festspielhaus Baden-Baden die Filarmonica della Scala mit einem Schumann-Programm, Daniil Trifonov spielt das Klavierkonzert
Von Georg Rudiger

(Baden-Baden, 30. September 2016) Die Italiener entdecken Robert Schumann. Nachdem vor ein paar Jahren Antonio Pappano mit seiner römischen Accademia Nazionale di Santa Cecilia mit einem reinen Schumann-Programm auf Europatournee war, widmete sich nun auch Riccardo Chailly mit der Filarmonica della Scala dem Komponisten. Als Dirigent des Leipziger Gewandhausorchesters hat er bereits eine Gesamtaufnahme der vier Symphonien vorgelegt. Zur Saisoneröffnung im Festspielhaus Baden-Baden zeigt Chailly lichte, durchsichtige Interpretationen, die immer wieder mit italienischem Temperament befeuert werden. [Konzertkritik lesen]

Neues Leben für die Stadt und die Musik

Konzertsaal der Stiftung Bru Zane in Venedig Foto: Palazzetto Bru Zane

Ein Besuch bei der Stiftung „Palazetto Bru Zane“ in Venedig, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, weitgehend vergessene französische Musik der Romantik ins Bewusstsein und ins Konzertleben zurückzuholen
Von Laszlo Molnar

(Venedig, 24./25. September 2016) Welch ein Anblick! Kaum setzt der Reisende den ersten Schritt auf das Pflaster außerhalb des Bahnhofsgebäudes von Venedig, leuchten ihn das Blau des Canale Grande und das Hellgrün der Kuppel der Kirche San Simeone Piccolo an. Vaporetti und Motorboote gleiten durch das Wasser, die  eingetroffenen Touristen schwärmen aus in Richtung der schon hier zahllosen Brücken und Hotels, um ihre Unterkünfte zu finden. Venedig ist einzigartig. Wenn es die Stadt nicht schon gäbe, man könnte sie nicht erfinden. Hier ist die Heimat des Centre de Musique Romatique Française (CMRF) Palazetto Bru Zane. [weiter]

Friedenskonzert in Rüstungsfabrik

Gidon Kremer Foto: Geert Maciejewski

Das Usedomer Musikfestival ist eines der interessantesten Musikfestivals in Deutschland – etwas abgelegen, dafür in reizvoller Umgebung der traditionsreichen Seebäder Heringsdorf, Bansin, Ahlbeck und Zinnowitz
Von Robert Jungwirth

(Usedom, 24.-27. September 2016) Prominenter und spektakulärer kann man ein Festival kaum eröffnen: Die Kremerata Baltica, Gidon Kremers Orchester mit Musikern aus den baltischen Ländern, und das Baltic Sea Philharmonic, gegründet und geleitet von Kristjan Järvi, treten gemeinsam auf und spielen unter anderem Mieczyslav Weinbergs Violinkonzert – mit Kremer als Solist. Ein Werk, das 1959 noch ganz im Eindruck der Schrecknisse des Zweiten Weltkriegs entstanden ist, den der polnische Jude Weinberg mit Mühe überlebt hat. [weiter]

Bartók oder Oktoberfest

Vladimir Jurowski Foto: Drew Kelley

Das neu gegründete Festival Bartók for Europe will die europäische Idee fördern
Von Christian Gohlke

(München, 28. September 2016) Béla Bartók wollte in seiner Musik der „Verbrüderung der Völker“ dienen und sie „trotz allem Krieg und Hader“ künstlerisch miteinander verbinden. Deshalb, so Bartók im Januar 1931, „entziehe ich mich keinem Einfluss, mag er auch slowakischer, rumänischer, arabischer oder sonst irgendeiner Quelle entstammen.“ Just dieses völkerverbindende Ideal will auch das neu gegründete Bartók-for-Europe-Festival vermitteln, das aus einer gemeinsamen Initiative des Concerto Budapest und des London Philharmonic Orchestras heraus entstanden ist. [Konzertkritik lesen]

Zierliche Bewegungen

Foto: W. Hösl

Das Bayerische Staatsballett eröffnet die erste Saison unter der Leitung von Igor Zelensky mit „Giselle“
Von Christian Gohlke

(München, 23. September 2016) Als Igor Zelensky, der designierte Chef des Bayerischen Staatsballetts, am Ende der letzten Spielzeit von Ivan Liska die Pläne für seine erste Saison in München bekanntgab, war der Tumult groß. Fast die Hälfte der alten Compaganie wurde entlassen (darunter auch vom Publikum gefeierte erste Solisten). Ungewöhnlich ist das beim Wechsel der Führungskräfte im Ballett zwar keineswegs. Doch in München scheint die Art und Weise des Übergangs besonders ruppig gewesen zu sein. [Kritik lesen]

Ernste Gesänge

Georg Nigl Foto: www.nafezrerhuf.com

Ein besonderer Liederabend des Baritons Georg Nigl, begleitet von Alexander Melnikow in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 20. September 2016) Angesichts von heutigem Weltgeschehen mag es nicht leicht fallen, in Franz Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ die Sentenz „Sei guten Mut’s. Ich bin nicht wild, bin Freund“ so euphorisch naiv hinzunehmen wie von Matthias Claudius gemeint. Aber das Lied liegt mittlerweile 200 Jahre zurück, und es schildert zudem eine ganz „private“ Situation (ein junges Mädchen hat nicht mehr lange zu leben). [Besprechung lesen]

Wagners Werk und seiner Nachkommen Beitrag

Oswald Georg Bauer hat mit seiner "Geschichte der Bayreuther Festspiele" eine beispiellose Quellensammlung zu den Wagner-Festspielen herausgebracht - unbedingt empfehlenswert
Von Robert Jungwirth

Spektakuläre Absagen und flüchtige Dirigenten begleiten die Bayreuther Festspiele seit ihren Anfängen. Schon der Uraufführungsdirigent des „Rings“ Hans Richter war während der Proben ohne Abschied von Bayreuth abgereist, weil Richard Wagner und Cosima ihn beleidigt hatten. So relativiert sich im historischen Kontext so manche aktuelle Aufregung um Absagen oder Umbesetzungen. [Buchbesprechung lesen]

Optisches Rätselraten

Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" werden in Wuppertal gleich von drei Regie-Köchen zu einem rätselhaften Opernbrei verrührt. Richtig überzeugend ist nur die musikalische Seite unter den Händen von David Parry.
Von Christoph Zimmermann

(Wuppertal, 18. September 2016) Manche Dinge laufen einfach nicht. Wuppertal, nicht erst in jüngster Zeit finanziell in der Bredouille, versuchte vor Jahren eine Fusion mit dem Musiktheater im Revier Gelsenkirchen („Schiller-Theater“). Einige damals vom Rezensenten erlebte Vorstellungen waren erschreckend schlecht besucht. Vor einiger Zeit versuchte man etwas Neues. [Premierenkritik lesen]

Überraschendes Aus für die Salle Modulable

Ein Luzerner Prestigeprojekt geht (vorerst) baden
Von Derek Weber

(Luzern, September 2016) Nicht nur in Österreich gehen Abstimmungen schief. In Luzern schien man auf gutem Weg zu sein, das Lucerne Festival nach Überwindung etlicher Hürden in Richtung Inkorporation szenischer Produktionen zu lenken. Nur die Hürde einer Volksabstimmung im November sei, so dachte man, noch zu überwinden. Doch nun ist plötzlich alles anders: Am 12. September lehnte der Kantonalrat nach intensiver Diskussion die Gewährung eines Planungskredits in Höhe von sieben Mio. Franken mit 62 zu 51 Stimmen ab. [weiter]

Barocke Eleganz ohne altvaterisches Vibrato

Emmanuelle Haïm Foto: Marianne Rosenstiehl

Die Wiener Philharmoniker überzeugen unter der Leitung von Emmanuelle Haïm auch auf heimischem Boden als Händel-Orchester
Von Derek Weber   

(Wien, 17. September 2016) Die Wiener Philharmoniker von einer Frau dirigiert? Was denn? Geht das denn überhaupt zusammen? Solches hätte man vor Jahren gemutmaßt. In seiner fast 175jährigen Geschichte wurde das Orchester doch schon zwei, anderen Quellen zufolge drei Mal von einer Frau dirigiert. Das herauszufinden, ist nicht einfach. [Konzertkritik lesen]

Nackte Tatsachen ohne Wahrheit

Patricia Petibon als Manon Lescaut Foto: GTG / Carole Parodi

Patricia Petibon singt eine im wahrsten Sinn umwerfende Manon von Massenet an der Oper Genf
Von Robert Jungwirth

(Genf, 12. September 2016) Ja, es gibt auch schäbige Ecken im schönen, reichen Genf. Gleich wenn man vom Bahnhof Richtung See geht – bevor man die Luxushotels für 500 Euro aufwärts pro Nacht erreicht – überquert man ein paar Straßen, in denen es etliche schmuddelige Läden und schummrige Bars gibt. Vor diesen Bars sitzen auch tagsüber Damen und warten auf den Abend oder auf was auch immer. Das alles wirkt wie aus der Zeit gefallen, sieht nach 70er und 80er Jahren aus. [Premierenkritik lesen]

Licht und Klang

Teodor Currentzis, Ray Chenez, Paula Murihy Foto: Patric Leo

(Bremen, 8.-10. September 2016) Zum Abschluss des Musikfests Bremen bringen Teodor Currentzis und seine MusicAeterna in zwei Konzerten mit Ausschnitten aus Rameau-Opern und Purcells "Indian Queen" die Bremer aus dem Häuschen
Von Robert Jungwirth

(Bremen, 8.-10. September 2016) Es waren regelrechte Teodor-Currentzis-Festspiele, mit denen das Bremer Musikfest unter stürmischem Jubel eines restlos begeisterten Publikums nach drei Wochen endete. Einmal mit Szenen und Instrumentalstücke aus Rameau-Opern, das andere Mal mit Purcells Oper „The Indian Queen“ in der von Peter Sellars und der Schriftstellerin Rosario Aguilar erstellten Neufassung, bewiesen Currentzis und das von ihm gegründete Ensemble MusicAeterna – bestehend aus Chor und Orchester – einmal mehr ihre Sonderstellung im internationalen Musikbetrieb. [weiter]

Appetitanreger

Foto: Georg Rudiger

Eindrücke vom Davos Festival zum Thema „Famlienzone"
Von Georg Rudiger

(Davos, 6.-8. August 2016) Die Noten werden mit Wäscheklammern befestigt. Auf dem Büffet-Tisch warten Bircher Müsli, Kipfeli und Schweizer Käsevariationen auf die Konzertbesucher. „Landpartie –Familienbrunch am See", heißt das zweite Konzert des Davos Festivals. Das Open-Air-Konzert am Schwarzsee ist eine Premiere. Wieder einmal hat Intendant Reto Bieri einen neuen Konzertort entdeckt, der vertraute Musik in eine spezielle Umgebung setzt. Ein Sonntagsausflug in Freizeitkleidung mit Musik, netter Gesellschaft und leckerem Essen – eine Kombination, die an diesem Morgen bei strahlendem Sonnenschein perfekt funktioniert. [Festivalbericht lesen]

Parsifal im Harem (I)

Foto: Bayreuther Festspiele/Jörg Schulze

Mit der Neuinszenierung des „Parsifal“ von Uwe Eric Laufenberg eröffnen die diesjährigen Bayreuther Festspiele vieldeutig unbestimmt – eine Nachtkritik

(Bayreuth, 25. Juli 2016) "Parsifal" als Geschichte einer gefährdeten christlichen Enklave irgendwo im Zweistromland. Das Kirchenambiente des ersten Akts wandelt sich im zweiten zu einem Hamam mit Harem und beim Karfreitagszauber vergnügen sich nackte Mädchen im üppigen Plastik-Sukkulenten-Wald unter Regenschauern, bevor am Ende zu "öffnet den Schrein" das ganze Bühnenbild verschwindet und das Saallicht im Festspielhaus angeht: Dieses Finale ist die beste Szene des Abends, der Rest mag interessant gedacht sein, aber reicht in der Ausführung als Deutung für Wagners Bühnenweihfestspiel nicht. Dafür leuchtet es plastisch aus dem Graben unter Hartmut Haenchen, dessen flüssige Tempi wunderbar funktionieren. Unter den Sängern ragt vor allem Georg Zeppenfeld als sensationell wortverständlicher Gurnemanz mit hervorragender Diktion heraus, Elena Pankratova ist eine gute, stimmgewaltig höhensichere Kundry, Klaus Florian Vogt immer dann gut, wenn er den tumben Toren singen oder das glückliche Ende herbeiführen darf.
Klaus Kalchschmid

Immer auf der Suche

Richard Tognetti und das Australian Chamber Orchestra Foto: Mick Bruzzese

(Juli 2016) Richard Tognetti ist seit 1989 Leiter des 1975 gegründeten, hoch gelobten Australian Chamber Orchestra, das in diesem Jahr beim Menuhin-Festival in Gstaad zu Gast sein wird. Im Interview mit KlassikInfo erzählt der Geiger, Komponist und Dirigent über sein Orchester, den Klang der Musik in Australien und seine Verbindung zur Schweizerischen Musikszene.

KlassikInfo: Sie haben unter anderem am Konservatorium in Bern studiert - was verbinden Sie persönlich mit der Schweiz und dem Menuhin-Festival in Gstaad?

Tognetti: Das war eine prägende Zeit in meinem Leben. Ich habe dort tiefe, lebenslange Freundschaften gefunden und viele außergewöhnliche musikalische Erfahrungen sammeln können. Eines meiner ersten Erlebnisse als Zuhörer war eine Probe, in der Heinz Holliger gespielt und Lutoslawski seine eigene Musik dirigiert hat. [Interview lesen]

New York, New York

Gordon Gross/pixelio.de

Laut, schmutzig und mit Gebäuden, vor denen man sich winzig fühlt. Jedes mal fasziniert und erschreckt einen New York. Mit immer neuen Skyscrapern, mit immer weniger Gebäuden aus der Zeit des Art Deco, den 1930er bis 50er Jahren.
Jenen Jahrzehnten, in denen, wie im Fall des Empire State Buildings, die schönsten Wolkenkratzer der Stadt am Hudson in die höhe gezogen wurden. Ruhig, relativ sauber, mit fast schon intimen Quartieren, schicken Boutiquen und kleinen Restaurants sind Williamsburg und Park Slope in Brooklyn.
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Man muss von einem Werk sprechen


(Salzburg, 22. Juli 2014) In Salzburg, wo Nikolaus Harnoncourt gerade die letzten drei Mozart-Symphonien mit dem Concentus Musicus aufgeführt hat (siehe Besprechung unten), stellte er auch die soeben erschienene CD mit den drei Werken vor
. Dabei sprach der Dirigent über die Verbindungen zwischen den drei Symphonien, die für ihn letztlich ein zusammenhängendes Werk bilden. Außerdem über die Vorzüge des von ihm vor 60 Jahren gegründeten Originalklangensembles. [Weiteres Video ansehen]

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