CD der Woche

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Online ReiseJournal

Meldungen

Umfrage zu den wichtigsten Komponisten des 21. Jahrhunderts - Georg Friedrich Haas am häufigsten genannt

Das italienische Magazin Classic Voice hat mehr als 100 Experten aus ganz Europa zu den wichtigsten Kompositionen des 21. Jahrhunderts befragt. Bei der Umfrage unter Dirigenten, Journalisten, Programmmachern und Musikwissenschaftlern wurden die Werke von Georg Friedrich Haas am häufigsten genannt,...

Eröffnung der Elbphillharmonie live auf Arte

Die Elbphilharmonie wird am 11. Januar als hochmodernes Konzerthaus in der Hamburger HafenCity eröffnet. Das NDR Elbphilharmonie Orchester und sein Chefdirigent Thomas Hengelbrock gestalten am Mittwoch, den 11. Januar 2017 ab 18.30 Uhr das erste Konzert im großen Saal des architektonischen...

Eröffnung der Elbphilharmonie - Übertragungen im Fernsehen, Radio und Internet

Am 11. und 12. Januar 2017 wird die Elbphilharmonie Hamburg eröffnet. Zu den Eröffnungskonzerten werden neben zahlreichen Gästen aus Kultur und Politik 1000 Gewinner einer internationalen Kartenverlosung erwartet. Wer nicht im Saal sitzt, kann die Veranstaltung im Fernsehen, Radio oder online live...

Villazón singt nicht mehr in South Pole

Rolando Villazón hat die Partie des Robert Falcon Scott in der Oper "South Pole" von Miroslav Srnka aus seinem Repertoire genommen. Das ließ der Tenor über die Bayerische Staatsoper mitteilen. Das Auftragswerk der Bayerischen Staatsoper hatte in Starbesetzung u.a. mit Thomas Hampson am...

Vertrag von Dominique Meyer an der Wiener Staatsoper wird nicht verlängert - Labelchef wird Nachfolger

Der Vertrag des Direktors der Wiener Staatsoper Dominique Meyer wird über 2020 nicht verlängert. Das gab das österreichische Kulturministerium bekannt. Meyer soll durch den Label-Manager und Journalisten Bogdan Roščić ersetzt werden. Eine Entscheidung, die in Österreich durchaus kontrovers...

Andrej Hermlin and his Swing Dance Orchestra zu Gast in München

Die Musik der amerikanischen Swinglegende Glenn Miller begeistert noch immer ein weltweites Publikum. Und wie bei den Comedian Harmonists gab und gibt es auch bei Millers Musik etliche Nachahmerformationen, die mal mehr mal weniger überzeugend den Klang des Originals kopieren. Eine klanglich und...

Hvorostovsky sagt Opernauftritte ab

Der russische Bariton Dmitri Hvorostovsky muss krankheitsbedingt seine Opernengagements in nächster Zukunft absagen. Das hat der Sänger über die Wiener Staatsoper bekannt gegeben, an der er häufig aufgetreten ist. Gleichgewichtsprobleme im Zusammenhang mit seiner Krankheit machten es ihm äußerst...

Anthony Bramall wird Chefdirigent des Münchner Gärtnerplatztheaters

Der englische Dirigent Anthony Bramall wird ab kommender Spielzeit neuer Chefdirigent des Münchner Gärtnerplatztheaters. Der aus London stammende Musiker, der gegenwärtig als stellvertretender GMD an der Oper Leipzig tätig ist, hat an der Guildhall School of Music and Drama zunächst Gesang...

Currentzis dirigiert räsonanz-Konzert in München

Im Rahmen der Konzertreihe der Ernst von Siemens Musikstiftung räsonanz – Stifterkonzerte kommen am 1. April 2017 Teodor Currentzis mit dem MusicAeterna Choir und dem Mahler Chamber Orchestra nach München. Der Chor aus Perm stellt sich damit zum ersten Mal in seiner Geschichte dem Münchner Publikum...

Erstmals Tage jüdischer Musik in Mecklenburg-Vorpommern

Ein fast vergessenes Kapitel der Geschichte und Gegenwart Mecklenburg-Vorpommerns wollen die Internationalen Tage jüdischer Musik aufschlagen: Vom 12. bis 14. Dezember 2016 lädt die erstmals stattfindende Veranstaltungsreihe ein, jüdisches Leben, Musik und Geschichte in MV an Originalschauplätzen –...

Wochenendseminar am Starnberger See: Komponisten in München

München war und ist eine der bedeutendsten Musikstädte der Welt. Hier lebten und wirkten musikalische Genies wie Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Wagner oder Richard Strauss und prägten das musikalische Leben und den Ruf der Stadt. Nicht weniger als vier Wagner-Opern wurden in München uraufgeführt,...

Vom Zoll beschlagnahmte Gitarren erklingen bald an der Kölner Musikhochschule

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) überlässt der Hochschule für Musik und Tanz Köln drei hochwertige, handgefertigte Breedlove Akustik-Gitarren. Die drei Gitarren wurden am 2. Dezember 2015 vom Zollfahndungsamt Frankfurt am Main bei der Einfuhr nach Deutschland sichergestellt, da an ihnen Teile...

Kristian Bezuidenhout wird Mitglied der künstlerischen Leitung des Freiburger Barockorchesters

Der aus Südafrika stammende Pianist Kristian Bezuidenhout wird in der kommenden Saison 2017/18 neben Gottfried von der Goltz die Künstlerische Leitung des Freiburger Barockorchesters (FBO) übernehmen. Petra Müllejans, die seit über zwei Jahrzehnten das FBO künstlerisch geleitet hat, legt diese...

Plácido Domingo dirigiert zum 50jährigen Bühnen-Jubiläum Aida in Spektakelinszenierung in 10 Städten

Zu seinem 50. Bühnen-Jubiläum 2017 hat Plácido Domingo - mittlerweile schon zur Legende gewordener Opernstar - Großes vor: die monumentale Open-Air-Aufführung von "Aida" als ein riesiges Spektakel, um neue Freunde für das Genre Oper zu gewinnen, "mit allen Möglichkeiten, die moderne...

Sechs deutsche Orchester erhalten Bundesförderung

Wie der Haushaltsausschuss des Bundestags gestern beschloss, soll die einzigartige deutsche Orchesterlandschaft angesichts stets wachsender internationaler Herausforderungen darin unterstützt werden, ihre künstlerische Qualität weiter zu steigern und ihre Organisationsstrukturen nach modernsten...

Marcus Bosch verlässt Nürnberg

Marcus Bosch wird mit Ende der Spielzeit 2017/2018 seine Tätigkeit als Generalmusikdirektor des Staatstheaters Nürnberg und der Staatsphilharmonie Nürnberg beenden. Das teilte seine Agentur heute mit. Bosch werde zum Wintersemester 2018 eine Professur für Dirigieren und die Leitung des...

Wagner-Museum zeigt erstmals Original-Partitur des Parsifal

Das Richard Wagner Museum Bayreuth präsentiert die originale Partiturhandschrift des „Parsifal" erstmals öffentlich in seiner „Schatzkammer". Zwischen September 1877 und Januar 1882 komponierte Wagner sein letztes und von ihm selbst so genanntes „Weltabschiedswerk", das...

Sonderpreis des Bayerischen Kunstministeriums für Alexander Liebreich

Der Dirigent Alexander Liebreich wird mit dem diesjährigen Sonderpreis des Kulturpreises Bayern geehrt. Der aus Regensburg stammende Liebreich war bis vor kurzem Chef des Münchner Kammerorchesters und reüssierte damit nicht nur in München, sondern auch auf nationalen und internationalen Podien. Er...

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Ohrenöffendes Hören

Die Braut, die sich traut: Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja und der Dirigent Teodor Currentzis Foto: Nikolaevich/Sony

Teodor Currentzis und Patricia Kopatschinskaja lassen bei Tschaikowsky in Wien aufhorchen
Von Derek Weber

(Wien, 13. Januar) Manchmal muss man mit Umwegen beginnen: Teodor Currentzis ist für viele der große Guru unter den jüngeren Dirigenten. Inzwischen ist er 44 und er leitet nicht nur, wie früher, sein eigenes Ensemble namens MusicaAeterna, das er 2004 in Novosibirsk gegründet hat. Zur Zeit dirigiert er in mehreren Konzerten in einer Reihe des Wiener Konzerthauses die Wiener Symphoniker, die noch immer mit dem Ruf zu kämpfen haben, ein Musikbeamten-Ensemble zu sein, aber unter seiner Leitung gar nicht so vergreist klingen, wie das Vorurteil es nahelegt. [Konzertkritik lesen]

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Ein Saal wie ein Instrument

Foto: Michael Zapf

Die Hamburger und viele Gäste feiern mit zwei Konzerten begeistert die Einweihung der Elbphilharmonie - Eindrücke vom zweiten Konzert
Von Robert Jungwirth

(Hamburg, 12. Januar 2016) "Vollendet ist das große Werk, der Schöpfer sieht's und freuet sich." So singt der Chor in Joseph Haydns "Schöpfung", die bei der Eröffnung der Elbphilharmonie natürlich nicht zu hören war. So anmaßend wollte man trotz aller Begeisterung für das wahrlich große Werk dann doch nicht sein, sich mit dem Schöpfer zu vergleichen. Ganz im Gegenteil: Nicht Pauken und Trompeten erklangen als erstes beim Eröffnungskonzert, sondern eine einsame Oboe (Kalev Kuljus), die Benjamin Brittens sehnsüchtige "Pan"-Kantilenen von einem der Ränge aus durch den Saal schickte. [Artikel lesen]

Ein Kulturtempel von internationaler Ausstrahlung

Hamburgs neues Wahrzeichen: die Elbphilharmonie Foto: Iwan Baan

(Hamburg, 11. Januar 2016) Heute wird die Hamburger Elbphilharmonie eröffnet. An den Eröffnungskonzerten des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter seinem Chefdirigenten Thomas Hengelbrock am 11. und 12. Januar im Großen und im Kleinen Saal nehmen insgesamt über 4.500 Gäste aus dem In- und Ausland teil. Darunter auch Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und zahlreiche weitere hochrangige Gäste aus Politik und Kultur sowie 1.000 Besucher, die Karten für dieses Ereignis gewonnen haben.

Rund 220.000 Teilnehmer aus 73 Ländern hatten sich an dieser Verlosung beteiligt. An beiden Eröffnungsabenden wird die Musik auch außerhalb des Gebäudes durch eine Lichtinszenierung zu erleben sein. Der historische Kaispeicher, die gläserne Fassade und die Plaza werden zur Leinwand eines spektakulären Licht- und Farbenspiels. Die Musik, die im Großen Saal erklingt, wird in Echtzeit in Farben und Formen übersetzt, die auf das Gebäude projiziert werden und die Elbphilharmonie in ihrer einzigartigen Architektur erstrahlen lassen.
Für die Veranstaltungen im Eröffnungshalbjahr standen knapp 500.000 Karten zur Verfügung, die bereits seit Wochen vergriffen sind. KlassikInfo.de wird über das Eröffnungskonzert berichten.

Kultiviert und kontrolliert

Orpheus Chor Foto: Veranstalter

Monteverdis Marienvesper und Gloria mit dem Orpheus Chor München und „Les Cornets Noirs“ im Herkulessaal der Residenz in München
Von Laszlo Molnar

(München, 8. Januar 2017) Claudio Monteverdi im Jahr seines vierhundertfünfzigsten Geburtstags – er wurde 1567 in Cremona geboren – zu feiern, das ist gar nicht so einfach. Monteverdi gehört zwar zu den ganz Großen der westlichen Musikgeschichte. Aber sein Werk, das ausschließlich aus Vokalmusik für zum Teil sehr anspruchsvolle Besetzungen besteht, passt nicht richtig zum Musikleben unserer Zeit. Den Spezialisten der Alte-Musik-Szene ist es zu verdanken, dass Monteverdis Musik wieder bekannt und insgesamt recht präsent ist. [Konzertkritik lesen]

Sandalenballett

Stechschritttanz der Römer Foto: Wilfried Hösl

Der sozialistische Realismus feiert in München mit dem Ballett „Spartacus“ fragwürdige Urständ
Von Christian Gohlke

(München, Anfang Januar 2017) Das Beste an dieser Produktion ist das von Bettina Wagner-Bergelt verantwortete Programmbuch. Ihm ist zu entnehmen, dass Spartacus für Karl Marx „den Kampf des antiken Proletariats gegen seine römischen Unterdrücker“ symbolisierte. Das machte den antiken Sklaven, gegen den der römischen Praetor Crassus zu Felde zog, im sowjetischen Russland zu einer idealen Projektionsfläche: Rom stand gleichsam für den dekadenten Westen, Spartacus und seine Anhänger für den heldischen Kampf der unterdrückten und ausgebeuteten Unterschicht. [Ballettkritik lesen]

An der Gothic-Orgel

Cameron Carpenter Foto: Thomas Grube

Cameron Carpenters Konzert in der Kölner Philharmonie hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 22. Dezember 2016) Blick in die Runde in der Philharmonie: Nein, kein Publikum von dezidiertem Arena-Zuschnitt, es gab wie üblich auch viel Silberhaar zu sehen. Über Cameron Carpenter, den schrillen Typen der internationalen Orgelszene, wissen offenkundig auch die Älteren Bescheid. Mit seinem Programm (Bach, Carpenter) bot er nichts eigentlich aus dem Rahmen Fallendes, aber doch Individuelles. Die Serie „Orgel plus“ in der Kölner Philharmonie ist keine zopfige Veranstaltungsreihe. [Konzertkritik lesen]

Vielgestaltig

Hofkapelle München Foto: Jakob Erpf

Die Münchner Hofkapelle mit einem Barockprogramm im Kaisersaal der Münchner Residenz
Von Robert Jungwirth

(München, 29. Dezember 2016) Es hat eine Weile gedauert, bis sich in München eine Alte-Musik-Szene etabliert hat, die diesen Namen verdient. Erstaunlich lange für eine Musikstadt dieser Bedeutung. Warum das so war, darüber läßt sich nur spekulieren. Die Neue Münchner Hofkapelle brachte unter Christoph Hammers Leitung ab 1996 immerhin etliche beachtliche historisch informierte Aufführungen zustande, bis es den Dirigenten und Pianisten für eine Professur von der Isar weg in die USA zog. [Konzertkritik lesen]

Vom Leben zu viert

Quatuor Ebène Foto: Daniel Kutschinski

Daniel Kutschinskis beeindruckender Dokumentarfilm „4“ über das Quatuor Ebène ist jetzt wieder in einigen Kinos zu sehen
Von Georg Rudiger

Die erste Einstellung zeigt das Quatuor Ebène auf einem Monitor im Backstagebereich. Dann kommen die vier Musiker von der Bühne – und die Handkamera von Arnd Buss-von Kuk ist dicht dabei. Nicht mit einem Bühnenauftritt beginnt der Film, sondern mit den Momenten danach. In Daniel Kutschinskis prämiertem Dokumentarfilm „4“ (1. Preis in Los Angeles) über das 1999 gegründete französische Streichquartett geht es nicht um die glänzende Fassade eines formidablen Ensembles, sondern um die Brüche und Risse, die auf den ersten Blick nicht zu sehen sind. [weiter]

Puccinis zeitlos gültige Botschaften

Nino Machaidze (Mimì), Dmytro Popov (Rodolfo), Nino Machaidze (Mimì) und Andrè Schuen (Marcello) Foto: GTG / Carole Parodi

Matthias Hartmann inszeniert im Genfer Opernhaus-Provisorium „La Bohème“
Von Oliver Schneider

(Genf, 21. Dezember 2016) In der Theaterwelt ist Matthias Hartmann, heute Kreativdirektor beim österreichischen Privatfernsehen Servus TV, seit seinem Abgang am Wiener Burgtheater kaum mehr präsent. Neue Wege schlug er zuletzt mit einer Koproduktion von Schillers „Räubern“ durch das Salzburger Landestheater und seinem neuen Arbeitgeber ein. [Premierenkritik lesen]

Verzweifelte Göttin

Salome Kammer Foto: Christoph Hellhake

Salome Kammer spricht und spielt im Konzert der Münchner Symphoniker als Tragödin das „Proserpina“-Melodram von Carl Eberwein 
Von Klaus Kalchschmid

(München, 18. Dezember 2016) Auch wenn eine knackige „Egmont“-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven an Beginn dieses Sonntagnachmittags-Konzerts im Prinzregententheater mit den Münchner Symphonikern unter Kevin John Edusei stand und nach der Pause eine gelungene Aufführung der 1816 geschriebenen vierten Symphonie von Franz Schubert folgte, so zog doch vor allem ein halbszenisches, unvermittelt Bühnenluft atmendes Intermezzo besondere Aufmerksamkeit auf sich: das „Proserpina“-Melodram aus dem Jahr 1815 von Johann Wolfgang Goethe mit der Musik von Carl Eberwein (1786 – 1868). [Konzertkritik lesen]

Dem Anfang wohnt kein Zauber inne

Das fusionierte SWR-Symphonieorchester kämpft mit Problemen, während der Sender Begeisterung verbreitet
Von Georg Rudiger

(Freiburg, Stuttgart, Ende November/Anfang Dezember 2016) Das Parkett ist nicht voll bestuhlt, sondern hat einen Mittelgang. Auch die ersten vier Reihen im Freiburger Konzerthaus sind beim zweiten Abokonzert des neuen, fusionierten SWR-Symphonieorchesters weggeräumt. Hatte das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg in seiner letzten Saison in Freiburg stets vor vollen Rängen gespielt, so ist die Zuschauernachfrage für das fusionierte Orchester zurückgegangen. Abonnements wurden gekündigt. [weiter]

Utopie von Liebe und Frieden

Camille Schnoor (Cupido), Tobias Greenhalgh (Cold Genius), Ensemble Foto: Marie-Laure Briane

Am Münchner Gärtnerplatztheater erfährt „King Arthur“ von Henry Purcell eine überzeugend gegenwärtige Interpretation
Von Laszlo Molnar

(München, 8. Dezember 2016) Der Zauber wirkt also noch. Auch nach Jahrhunderten zieht die Musik von Henry Purcell ihre Zuhörer an. Bei der Premiere von „King Arthur“ des Münchner Theaters am Gärtnerplatz in der Reithalle waren alle Plätze besetzt, Hoffnungsvolle hielten noch vor Beginn die „Suche-Karte“-Schilder hoch. Am Ende enthusiastischer Beifall. [Premierenkritik lesen]

Spiel mir das Lied vom Tod des japanischen Mädchens, das aus verschmähter Liebe stirbt

Foto: Teatro alla Scala

Giacomo Puccinis "Madama Butterfly" in der Urfassung an der Mailänder Scala, bieder inszeniert von Alvis Hermanis, markant dirigiert von Riccardo Chailly
Von Derek Weber

(Mailand, 7. Dezember 2016) Die inhaltliche Vorgabe könnte düsterer nicht sein. Bei dieser Oper denkt man sofort an den "Clash of civilizations": Ein amerikanisches Kriegsschiff schießt – im 19. Jahrhundert - den USA den Weg zum Handel mit Japan frei. Und ebenso überheblich nimmt sich Herr Pinkerton eine Japanerin zur Frau. [Premierenkritik lesen]

Mahler light

Foto: Kiran West

John Neumeiers neues Ballett „Das Lied von der Erde“ bleibt in Hamburg hinter den Erwartungen zurück
Von Christian Gohlke

(Hamburg, 4. Dezember 2016) Vor über fünfzig Jahren wurde in Stuttgart Kenneth MacMillans Ballett „Das Lied von der Erde“ uraufgeführt. Damit begann John Neumeiers produktive Auseinandersetzung mit der Musik von Gustav Mahler, aus der im Laufe einer langen und fruchtbaren Karriere fünfzehn Ballette hervorgegangen sind. Mit der Premiere seiner jüngsten Choreographie rundet sich nun der Kreis: Neumeiers Beschäftigung mit Mahler führt ihn als Choreograph dorthin zurück, wo sie als Tänzer begann, zum „Lied von der Erde“. [Premierenkritik lesen]

Lost in Gasteig-Philharmonie

John Eliot Gardiner Foto: Agentur

John Eliot Gardiner, der Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists mit Werken von Bach in München
Von Robert Jungwirth

(6. Dezember 2016) Wer tatsächlich noch immer behauptet, die Münchner Gasteig-Philharmonie hätte kein Akustikproblem, der hätte nur zum Konzert von John Eliot Gardiner und seinem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists kommen brauchen, um einen Eindruck von der Ungeeignetheit dieses Saals für klein besetzte Musik zu gewinnen. Selbst in einer Entfernung von etwa 10 Metern verflüchtigten sich die feinen Stimmen- und Instrumentalgespinste dieser beiden phantastischen Klangkörper im akustischen Nirwana dieses Monstersaals. [Konzertkritik lesen]

Eine Symbiose

Daniele Gatti probt "Tristan" in Rom Foto: Yasuko Kageyama/Opera Roma

Daniele Gatti begeistert mit "Tristan und Isolde" an der Oper Rom - und gibt damit sein spätes Debüt an dem Haus
Von Thomas Migge

(Rom, Ende November 2016) Es gibt ausgezeichnete, schlechte und  mittelmäßige Orchester und es gibt Orchester, die Zuhörern und Resenzenten ein Geheimnis bleiben. Das Orchester des römischen Opernhauses ist so ein Geheimnis. Mal spielt es einfach nur gut und ein anderes Mal so hervorragend, dass man seinen Ohren nicht traut. [Opernkritik lesen]

Zur Diskussion gestellt

Krystian Zimermann Foto: Agentur

Der Pianist Krystian Zimerman beeindruckt mit Schubert und Szymanowski in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 1. Dezember 2016) Der polnische Pianist Krystian Zimerman kann ein schwieriger Mensch sein, wenn es um das (neben der Familie) Wichtigste in seinem Leben geht, die Musik nämlich. Er betrachtet sie als eine „heilige Kunst“, um eine Formulierung aus „Ariadne auf Naxos“ von Hofmannsthal/Strauss aufzugreifen. Bei ihm läuft Interpretation nicht einzig auf unanfechtbare Beherrschung seines Instruments hinaus, sondern stellt eine Art Seelensuche dar. [Konzertkritik lesen]

Komponierter Orgasmus

Foto: Anne Kirchbach

Erstmals in München: die Urfassung von Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ im russischen Original mit einer überragenden Anja Kampe in der Titelrolle - dirigiert von Kirill Petrenko, inszeniert von Altmeister Harry Kupfer
Von Klaus Kalchschmid

(München, 28. November 2016) 60 Jahre nach der Uraufführung gab es 1993 in München erstmals die Urfassung von Dmitri Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ aus dem Jahr 1932 am Nationaltheater zu sehen; in der Regie von Volker Schlöndorff mit Hildegard Behrens und auf Deutsch. Jetzt endlich kam die Oper (wieder an der Bayerischen Staatsoper) im russischen Original auf die Bühne, inszeniert von Harry Kupfer mit einer großartigen Anja Kampe in der Titelpartie. Kirill Petrenko stand am Pult des exzellenten Bayerischen Staatsorchester. [Premierenkritik lesen]

Idealbild des Künstlers

Eine Ausstellung in der Pariser Philharmonie widmet sich dem "Mythos Beethoven"
Von Elisabeth Richter

(Paris, im November 2016) „Freude, schöner Götterfunken“ tönt es gleich im ersten Saal der Ausstellung „Ludwig van“ in der neuen Pariser Philharmonie von mehreren Bildschirmen übereinander und nebeneinander in einem dunklen Raum. Unter dem Motto „Omnipräsenz einer Ikone - Weihe oder Auflösung“ prasselt eine Flut von Videos und akustischen Reizen auf den Besucher ein. [Artikel lesen]

Auf dem Weg

Jakub Hrusa Foto: Andreas Herzau

Das zweite Konzert des neuen Chefdirigenten der Bamberger Symphoniker, Jakub Hrusa, mit Mozart, Rachmaninow und Brahms - und dem Pianisten Rudolf Buchbinder
Von Robert Jungwirth

(Bamberg, 23. November 2016) Am Ende dieses Jahres 2016 werden wohl einige Musiker und Mitarbeiter der Administration der Bamberger Symphoniker erst einmal erleichtert durchatmen. Nicht nur brachte der 70. Geburtstag des Orchesters Sondereinsätze mit sich, außerdem verabschiedete man den langjährigen Orchesterchef Jonathan Nott und hieß dessen Nachfolger Jakub Hrusa willkommen, unternahm ausgedehnte Gastspielreisen nach Südamerika, Korea, Japan und in den Oman (siehe Artikel darüber auf KlassikInfo.de). [Konzertkritik lesen]

Händels Zauber

Julian Prégardien Foto: Agentur
Julian Prégardien Foto: Agentur

Der Tenor Julian Prégardien und die Akademie für Alte Musik Berlin beglücken im Münchner Prinzregententheater mit Händel
Von Klaus Kalchschmid

(München, 21. November 2016) Die tragische Geschichte von Jephta, der nach siegreicher Schlacht Gott gelobt, den ersten Menschen zu opfern, der ihm zuhause begegnet – wie sich herausstellt, ausgerechnet seine eigene Tochter -, schildert Georg Friedrich Händel höchst eindrucksvoll in seinem letzten Oratorium. [Besprechung lesen]

Cool am Pool

Dessert à la Don Giovanni: Frauen mit Schokosauce Foto: Lorraine Wauters – Opéra Royal de Wallonie

In Lüttich macht Filmregisseur Jaco Van Dormael aus Don Giovanni einen sexbesessenen Börsenmakler
Von Antje Rößler

(Lüttich, 20. November 2016) Er lebt im Penthouse mit Swimming Pool und arbeitet in einem Großraumbüro, aus dessen Glassfassade man auf Wolkenkratzer blickt. In der Ferne hört man den Sound von Manhattan; Gehupe und Martinshörner. Der Titelheld von Mozarts Oper „Don Giovanni“ ist hier kein Verführer auf dem absteigenden Ast, sondern ein erfolgreicher Börsenmakler. Mit all den dekadenten Annehmlichkeiten, die der Lifestyle an der Wall Street zu bieten hat: Champagner, Koks und Table Dance. [Premierenkritik lesen]

Der Zombie-Vampyr vom Genfer See

Antú Romero Nunes‘ Horror-Version von Marschners Oper „Der Vampyr“ an der Oper Genf – als Übernahme von der Komischen Oper Berlin, jedoch mit neuer Sängerbesetzung und dem exzellenten Orchestre de la Suisse Romande
Von Klaus Kalchschmid

(Genf, 19. November 2016) Der erste – und schlimmste - Mega-Schocker des Abends trifft den Zuschauer in der hölzernen Ausweichspielstätte des Grand Theâtre Genève gleich zu Beginn: Da springt ein bleicher Hüne mit behaarter Brust, halber Glatze und einem finsteren Gesicht unvermittelt aus dem Graben und greift sich eine junge Frau aus der ersten Reihe! [Opernkritik lesen]

Zwei Machtbesessene auf dem Weg zur Hölle

Davinia Rodriguez und Placido Domingo Foto: Herwig Prammer

Giuseppe Verdis "Macbeth" in gleich zwei Versionen im Theater an der Wien – eine mit Placido Domingo
Von Derek Weber

(Wien, 15. November und 17. November 2016) Was für eine monströse Oper, dieser Verdi-"Macbeth"! Das Gegenteil von harmlos - egal, ob wir die erste Fassung von 1847oder die zweite von 1865 zum Maßstab nehmen. Man möchte nicht ahnen, was da von Anfang an musikalisch eingemeindet war! Ein kräftiger Schuss Belcanto ist ebenso darin enthalten wie sozusagen das Gegenteil davon, eine Art von canto bruto, von häßlichem – oder sagen wir lieber: die Wahrheit abbildendem Gesang. [Opernkritik lesen]

Selfies von Schönberg

Arnold Schönberg, Erwin Stein und Anton Webern am Strand von Zandvoort im März 1914 - fotografiert von Alban Berg Foto: Schönberg Center

Das Arnold Schönberg Center Wien präsentiert erstmals in einer Ausstellung Fotos aus dem Nachlass Schönbergs – und bietet vielfältige Einblicke in das wechselvolle Leben des Komponisten
Von Robert Jungwirth

(Wien, im November 2016) Ist das etwa Arnold Schönbergs Herrentäschchen, das da an der Stuhllehne hängt? Oder doch eher die Handtasche seiner Frau Mathilde, die dieses Foto vermutlich geschossen hat? Auffallend an dem Bild ist auch der kleine Fußschemel, auf den der Komponist den linken Fuß abgestellt hat, während der rechte locker darübergelegt ist. [Artikel lesen]

Hohe Orchesterkunst aus dem hohen Norden

Bergen Philharmonic Foto: Oddleiv Apneseth

Das Bergen Philharmonic Orchestra auf Deutschland-Tour. Erste Station war Berlin.
Von Antje Rößler

(Berlin, 15. November 2016) Bunte Holzhäuser, der Hafen mit Fischmarkt, ringsherum Fjorde und die namensgebenden sieben Berge – die zweitgrößte Stadt Norwegens vereint kleinstädtischen Charme mit jeder Menge Kultur. Auch eines der beiden staatlich finanzierten Orchester hat hier seinen Sitz. Während die Kollegen in Oslo das 100-jährige Jubiläum ansteuern, reichen die Wurzeln des „Bergen Filharmoniske Orkester“ bis ins Zeitalter Haydns zurück. [Besprechung lesen]

Alles oder nichts

Igor Levit Foto: Felix Broede

Igor Levit glänzt mit Beethoven in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln,  14. November 2016) Bei den Programmen eines großen Konzerthauses wie der Kölner Philharmonie bilden sich automatisch Schwerpunkte heraus. Mitunter wird, etwa mit der Reihe „Piano“, gezielt auf solche hingearbeitet, entweder als Abo-Lockmittel oder zur Betonung eines besonderen künstlerischen Rahmens. Oft jedoch ergibt sich bei der Fülle des saisonalen Angebots ein eher zufälliges Nebeneinander, welches dann freilich u.U. eine reizvolle Gelegenheit zu interpretatorischen Vergleichen ermöglicht. [Konzertkritik lesen]

Marathon-Dirigent und Marathon-Publikum

Valery Gergiev Foto: Alberto Venzago

Valery Gergiev dirigierte in München an zwei Tagen alle sieben Prokofjew-Symphonien
Von Robert Jungwirth

(München, 13. November 2016) Die tun was, könnte man einen Werbespruch zitieren, wenn man das Programm der Münchner Philharmoniker bei ihrem MPHIL 360°-Festival betrachtet. Alle sieben Prokofjew-Symphonien, die fünf Mozart-Violinkonzerte und dazu noch den dritten Akt „Parsifal“ - das alles an zwei Tagen mit zwei Orchestern (neben den Münchnern ist auch das Petersburger Mariiinsky Orchester beteiligt) und mit einem Dirigenten: Valery Gergiev, der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker und vielfach erprobte und immer wieder staunenswerte Marathon-Mann. [Konzertkritik lesen]

Neue Handschrift: Musik bei den Salzburger Festspiele 2017

Der neue Intendant der Salzburger Festspiele Markus Hinterhäuser stellte sein erstes Programm in Salzburg vor

(Salzburg, 12. November 2016) Jetzt ist es also ganz offiziell und nicht nur Gerücht, das Programm der Salzburger Festspiele 2017. Die offenbar als besonders wichtig betrachtete neue Besetzung des "Jedermann" wurde schon vor einigen Tagen bekanntgegeben. Sie kann also, da sie auch nicht unmittelbar das Musikalische betrifft, als kommuniziert gelten, zumal das Programm auch noch von Wien über Moskau bis Peking und Seoul und in anderen asiatischen Metropolen präsentiert werden wird. Die Reiseroute ist durch die Wege der internationalen Kaufkraft vorgegeben – sie umfasst Städte von München, London, Zürich, Moskau bis Shanghai. [weiter]

Zauber des Erzählens

Foto: Lioba Schöneck

Die Bayerische Theaterakademie August Everding macht die europäische Erstaufführung eines Musicals nach dem Film „Big Fish“ zum Ereignis
Von Klaus Kalchschmid

(München, 10. November 2016) Wenn die Bayerische Theaterakademie die europäische Erstaufführung eines Musicals von Andrew Lippa und John August nach dem berühmten Film „Big Fish“ auf die Bühne bringt, dann richtig: Die Geschichte von einem Vater, der seinem Sohn ein Leben lang fantastisch fabulierte Schwänke erzählt, wird derart herrlich aufgedreht - und immer perfekt im Timing - getanzt, gesungen und gespielt, dass man bald vergisst, welche Grenzen eine Bühne dem Stoff gegenüber dem überbordenden Film von Tim Burton aus dem Jahr 2003 mit Ewan McGregor und Alber Finney setzt - und alle noch Studenten sind. [Besprechung lesen]

Schönheit ist relativ

Meryl Streep spielt in ihrem neuen Kinofilm die für ihre falschen Töne berühmt-berüchtigte amerikanische Opernsängerin Florence Foster Jenkins, die in den 20er und 30er Jahren Konzertsäle füllte. KlassikInfo.de verlost 5x2 Kinofreikarten, gültig für jedes Kino in Deutschland, das den Film zeigt. - Die Aktion ist beendet. Glückwunsch an alle Gewinner!

Keine Irritationen

Daniel Prohaska (Liliom) Foto: Thomas Dashuber

Uraufführung der Oper „Liliom“ von Johanna Doderer und Josef E. Köpplinger am Münchner Gärtnerplatztheater
Von Laszlo Molnar

(München, 4. November 2016) Vielleicht hätte Franz Molnár es Giacomo Puccini doch gestatten sollen, sein bekanntestes Theaterstück "Liliom" als Oper zu vertonen. Hatte Puccini doch bewiesen, dass er alle Formen des Musiktheaters beherrscht, von der Intimität der „Bohème“ über die Exotik der „Madama Butterfly“ zum Bombast der „Tourandot“. Dazu hatte er mit dem „Trittico“ drei Kammerstücke komponiert, die das Große im Kleinen zu transportieren wissen. Auch für Lilion hätte er gewiss die rechte kompositorische Form gefunden. [Premierenkritik lesen]

Kompromisslos freundlich

Auftritt im japanischen Miyazaki Foto: Bamberger Symphoniker

Mit zwei Beethoven-Symphonien, dem Beethoven-Violinkonzert, Bruckners Siebter und Schuberts Unvollendeter ist der 89-jährige Herbert Blomstedt mit den Bamberger Symphonikern noch bis zum 7. November auf großer Südkorea- und Japanreise. Stationen sind Seoul, Fukuoka, Miyazaki, Nagoya, Tokio und Kyoto.
Von Robert Jungwirth

(Ende Oktober/Anfang November 2016) Es fällt nicht leicht, in sich die "heiteren Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande“ aufkommen zu lassen, wie sie Beethoven zu Beginn seiner sechsten Symphonie musikalisiert hat, wenn man gerade einem der gigantischen Rushhour-Staus in Südkoreas Hauptstadt Seoul entkommen ist. Der Bus, der die Musiker der Bamberger Symphoniker vom Hotel zum Konzertsaal bringt, braucht für die wenige Kilometer lange Strecke mehr als eine Stunde. Statt murmelnder Bäche und Vogelgezwitscher wie in Beethovens Symphonie also dröhnende Verkehrsströme auf achtspurigen Straßen einer 10-Millionen-Metropole. [weiter]

Perfektion jenseits des Mainstreams

Emerson String Quartet Foto: Lisa Mazzucco

Das Emerson String Quartet gehört seit 40 Jahren zu den spannendsten Streichquartetten weltweit. Nun kommt es wieder nach Badenweiler, wo es schon zu Beginn seiner Karriere aufgetreten ist - ein Porträt
Von Georg Rudiger

(November 2016) „An die Freundschaft“  heißt das Motto der kommenden Badenweiler Musiktage. Und das ist durchaus wörtlich gemeint. 50 Mal hat das Emerson String Quartet aus New York City bereits in Badenweiler gespielt. Und mit Uraufführungen und Werkzyklen wie einer Gesamtaufführung der Beethoven-Quartette für überregionale Ausstrahlung gesorgt. In diesem Jahr feiert das internationale Spitzenensemble sein 40-jähriges Bestehen. [Porträt lesen]

Mephisto à Paris

Foto: Thomas Aurin

Frank Castorf entdeckt in Stuttgart die sinnlichen Abgründe in Gounods „Faust“, auch gesungen und musiziert wird großartig
Von Klaus Kalchschmid

(Stuttgart, 30. Oktober 2016) Als kleiner Junge besaß man diese wunderschönen Kaleidoskope, deren farbig schillernde Muster sich immer wieder verwandelten, wenn man sie beim Hineinschauen drehte. Nicht so symmetrisch und perfekt ebenmäßig, dafür aber herrlich vieldeutig, welthaltig und assoziationsreich funktioniert immer wieder die Drehbühne von Alexander Denić für eine Inszenierung von Frank Castorf. [Premierenkritik lesen]

Der unglückliche Felix

Cuarteto Casals Foto: Molina Visuals

Das erstaunliche Cuarteto Casals gastierte in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 27. Oktober 2016) Cuarteto Casals – dieser Name lässt unzweideutig auf die Nationalität des Ensembles schließen. Wie der berühmte Cellist Pablo Casals sind auch die Musiker des Quartetts Spanier (siehe Porträt des Quartetts auf KlassikInfo.de); der Bratscher Jonathan Brown stammt allerdings aus den USA. Das Kölner Konzert begann mit dem überaus körperwendigen Abel Tomàs Realp am ersten Pult und Ludwig van Beethovens Opus 18,1. Realp und die Geigerin Vera Martínez wechseln sich an dieser Position ab. [Konzertbesprechung lesen]

Glaube, Liebe, keine Hoffnung

Elīna Garanča und Matthew Polenzani Foto: Anne Kirchbach

Nach 100 Jahren erstmals wieder szenisch an der Bayerischen Staatsoper: „La Favorite“ von Gaetano Donizetti mit Elīna Garanča und Matthew Polenzani
Von Klaus Kalchschmid

(München, 23. Oktober 2016) Zur zündenden, vielteiligen Ballettmusik von Gaetano Donizettis „La Favorite“ in der ungekürzten französischen Originalfassung am Nationaltheater schauen sich König Alphose XI (alias Mariusz Kwiecien) und seine Mätresse Léonor (Elīna Garanča) einen für das Publikum unsichtbaren Film an, und wir können die Reaktionen der beiden auf die flimmernden Bilder beobachten. Sie kichert in sich hinein, blickt neutral oder wendet die Augen angewidert ab; er spielt alles wie von der Tarantel gestochen mit: ob Schattenboxen oder grimassierendes Schenkelklopfen, irres Lachen oder Anfeuern wie im Kasperle-Theater. [Premierenkritik lesen]

Energieschübe

Hélène Grimaud Foto: Mat Hennek

Hélène Grimaud spielt Bartoks drittes Klavierkonzert mit dem Rotterdams Philharmonisch Orkest unter Yannick Nézet-Seguin in der Kölner Philharmonie
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 20. Oktober 2016) Unstrittig zählt das Concertgebouw Orkest Amsterdam zu den besten Klangkörpern nicht nur seines Landes, sondern auch der Welt. Aber dass auch das Rotterdams Philharmonisch Orkest in der ersten Liga mitspielt, lässt sich alleine anhand der bisherigen Chefdirigentennamen verifizieren. [Konzertkritik lesen]

Zwischen Easy Listening und musikalischer Gewaltorgie

Konzert bei den Donaueschinger Musiktagen Foto: Veranstalter

Die Donaueschinger Musiktage demonstrieren 2016 eine sehr große stilistische Bandbreite. Das fusionierte SWR-Symphonieorchesters gibt sein durchwachsenes Debüt
Von Georg Rudiger

(Donaueschingen, 14.-16. Oktober 2016) Es ist wie jedes Jahr beim Eröffnungs-Orchesterkonzert der Donaueschinger Musiktage. Man steht in der Pause in der Kälte vor der Baarsporthalle und wartet geduldig in der Schlange, bis die Getränkebestellung beim Jugendrotkreuz von Erfolg gekrönt ist. Dass es dieses Jahr nichts zu essen gibt, sorgt für Gesprächsstoff beim Konzertpublikum. Und doch gerät der diesjährige Auftakt des wichtigsten deutschen Neue-Musik-Festivals ganz anders als in den letzten Jahrzehnten. Zum ersten Mal sitzt nicht das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg auf der Bühne. [Festivalbericht lesen]

Männliche Sensibilität

Kit Armstrong Foto: June

Kit Armstrong spielt Konzerte von Haydn und Mozart mit dem Kammerorchester der Münchner Philharmoniker
Von Klaus Kalchschmid

(München, 15. Oktober 2016) Wie schön, dass es immer wieder auch klassische Konzerte gibt, die ganz ohne romantische Schlachtrösser auskommen. Und es dann so zauberhafte Momente gibt, wie im Konzert des Kammerorchesters der Münchner Philharmoniker mit Kit Armstrong als Solisten im ausverkauften Prinzregententheater. [Besprechung lesen]

Falstaff als Oliver Hardy

Amüsieren wie Bolle: Anett Fritsch (Mrs. Alice Ford), Christoph Pohl (Sir John Falstaff), Robert Gleadow (Bardolf)
Foto: Herwig Prammer

Antonio Salieris „Falstaff“ am Theater an der Wien
Von Derek Weber

(Wien, 12. Oktober 2016) Der Frage nachzugehen, welchen sidestep Regisseure machen müssen, um auf ausgefallene szenische Lösungen zu kommen, wäre durchaus interessant. Im neuen Wiener "Falstaff" im Theater an der Wien tritt der dickliche Schwerenöter im Kostüm von Oliver Hardy auf. [Premierenkritik lesen]

Energisch am Start

Clemens Schuldt Foto: Sammy Hart

Clemens Schuldt gab seinen sehr erfolgreichen Einstand als Chefdirigent des Münchner Kammerorchesters
Von Laszlo Molnar

(München, 13. Oktober 2016) Ein knallender Schlussakkord, dann prasselt der Beifall, Begeisterungpfiffe gellen durch das Prinzregentheater in München – Clemens Schuldt Antrittskonzert ist ein voller Erfolg, der neue Chefdirigenten des Münchner Kammerorchesters vom Publikum abgesegnet. Mit dem 1982 geborenen, aus Bremen stammenden Dirigenten setzt das Münchner Kammerorchester seine Strategie fort, junge ambitionierte Dirigenten an seine Spitze zu berufen. [Besprechung lesen]

Wie man kein Buch über die Oper schreibt

Das Buch „Oper- aber wie!?“ ist eine recht lieblose Aneinanderreihung von Interviews mit Sängern, Dirigenten, Regisseuren und Komponisten - dabei geht es nicht einmal immer um Oper
Von Robert Jungwirth

Natürlich ist die Oper eine eigentümliche Kunstform. Warum müssen sich Menschen stundenlang ansingen, wenn sie auch reden können? Und dann versteht man oft noch nicht einmal, was da gesungen wird. Aber dann entsteht durch die Verbindung von Handlung, Gesang und Musik - wenn alles passt - ein Kunstwerk von unvergleichlicher, ja manchmal magischer Faszinationskraft. Das Buch „Oper- aber wie!?“ von Richard Lorber widmet sich dieser eigentümlichen Kunstgattung in Form von Interviews mit  Sängern, Regisseuren, Komponisten und Dirigenten.[Besprechung lesen]

Das Unvorstellbare als Oper

Foto: A.T.Schaefer

Am Theater Augsburg hatte Udo Zimmermanns Kammeroper „Die Weiße Rose“ Premiere
Von Robert Jungwirth

(Augsburg, 8. Oktober 2016) Kaum vorstellbar, was in den beiden jungen Menschen Sophie und Hans Scholl vorgegangen ist, nachdem ein Prozess, der jeglicher Rechtstaatlichkeit entbehrte, sie zum Tod verurteilt hat. Und wenn man es sich vorzustellen versucht, bereitet es einem seelische Qualen, angesichts des Ausmaßes an Unrecht und Brutalität, das den Geschwistern Scholl und ihren Freunden von der „Weißen Rose“ durch das Nazi-Regime angetan wurde. [Premierenkritik lesen]

Im Gedenken an Sir Neville

Neville Marriner, der am 2. Oktober gestorben ist. Foto: ICA Artists

Die Academy of St. Martin-in-the-Fields gastiert mit dem Pianisten Kit Armstrong in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 8. Oktober 2016) Neunzig Jahre oder mehr, das ist ein Alter, bei welchem sich das Ende eines Erdenlebens zwangsläufig abzuzeichnen beginnt. Sir Neville Marriner, der am 2. Oktober im Alter von 92 Jahren starb, war einer der dienstältesten Dirigenten der Welt, war bei seinen letzten Kölner Auftritten also zwangsläufig kein Springinsfeld, wirkte aber doch noch erstaunlich vital. In der Philharmonie hätte er in diesem Monat gleich zwei Auftritte absolvieren sollen, am 25. Oktober mit dem Orchestra de Cadaqués sowie – um diesen Termin geht es an dieser Stelle – am 9. Oktober mit seiner Academy of St. Martin-in-the-Fields, die er 1958 gründete. [Konzertkritik lesen]

Bach, der Rebell

Der Dirigent John Eliot Gardiner hat eine umfangreiche Bach-Biographie veröffentlicht. Er sieht den Thomaskantor als unangepasstes Genie, nicht als Säulenheiligen oder fünften Evangelisten wie manche seiner Kollegen
Von Robert Jungwirth

(Oktober 2016) Auch wenn Johann Sebastian Bach keine Opern im eigentlichen Sinn komponiert hat, hält John Eliot Gardiner Bachs Passionen und viele seiner Kantaten dennoch für genuines Musiktheater. „Die unglaubliche Dramatik, die in dieser Musik konzentriert ist, und die gewaltige Vorstellungskraft, die sich in ihr Bahn bricht, macht Bachs Passionen großen Bühnendramen ebenbürtig.“ Dementsprechend klingt es auch, wenn Gardiner diese Musik mit seinem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists aufführt. [Buchbesprechung lesen]

Lust und Verstand

Riccardo Chailly und Daniil Trifonov Foto: manolo press

Der Scala-Chef Riccardo Chailly dirigiert zur Saisoneröffnung im Festspielhaus Baden-Baden die Filarmonica della Scala mit einem Schumann-Programm, Daniil Trifonov spielt das Klavierkonzert
Von Georg Rudiger

(Baden-Baden, 30. September 2016) Die Italiener entdecken Robert Schumann. Nachdem vor ein paar Jahren Antonio Pappano mit seiner römischen Accademia Nazionale di Santa Cecilia mit einem reinen Schumann-Programm auf Europatournee war, widmete sich nun auch Riccardo Chailly mit der Filarmonica della Scala dem Komponisten. Als Dirigent des Leipziger Gewandhausorchesters hat er bereits eine Gesamtaufnahme der vier Symphonien vorgelegt. Zur Saisoneröffnung im Festspielhaus Baden-Baden zeigt Chailly lichte, durchsichtige Interpretationen, die immer wieder mit italienischem Temperament befeuert werden. [Konzertkritik lesen]

Neues Leben für die Stadt und die Musik

Konzertsaal der Stiftung Bru Zane in Venedig Foto: Palazzetto Bru Zane

Ein Besuch bei der Stiftung „Palazetto Bru Zane“ in Venedig, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, weitgehend vergessene französische Musik der Romantik ins Bewusstsein und ins Konzertleben zurückzuholen
Von Laszlo Molnar

(Venedig, 24./25. September 2016) Welch ein Anblick! Kaum setzt der Reisende den ersten Schritt auf das Pflaster außerhalb des Bahnhofsgebäudes von Venedig, leuchten ihn das Blau des Canale Grande und das Hellgrün der Kuppel der Kirche San Simeone Piccolo an. Vaporetti und Motorboote gleiten durch das Wasser, die  eingetroffenen Touristen schwärmen aus in Richtung der schon hier zahllosen Brücken und Hotels, um ihre Unterkünfte zu finden. Venedig ist einzigartig. Wenn es die Stadt nicht schon gäbe, man könnte sie nicht erfinden. Hier ist die Heimat des Centre de Musique Romatique Française (CMRF) Palazetto Bru Zane. [weiter]

Friedenskonzert in Rüstungsfabrik

Gidon Kremer Foto: Geert Maciejewski

Das Usedomer Musikfestival ist eines der interessantesten Musikfestivals in Deutschland – etwas abgelegen, dafür in reizvoller Umgebung der traditionsreichen Seebäder Heringsdorf, Bansin, Ahlbeck und Zinnowitz
Von Robert Jungwirth

(Usedom, 24.-27. September 2016) Prominenter und spektakulärer kann man ein Festival kaum eröffnen: Die Kremerata Baltica, Gidon Kremers Orchester mit Musikern aus den baltischen Ländern, und das Baltic Sea Philharmonic, gegründet und geleitet von Kristjan Järvi, treten gemeinsam auf und spielen unter anderem Mieczyslav Weinbergs Violinkonzert – mit Kremer als Solist. Ein Werk, das 1959 noch ganz im Eindruck der Schrecknisse des Zweiten Weltkriegs entstanden ist, den der polnische Jude Weinberg mit Mühe überlebt hat. [weiter]

Bartók oder Oktoberfest

Vladimir Jurowski Foto: Drew Kelley

Das neu gegründete Festival Bartók for Europe will die europäische Idee fördern
Von Christian Gohlke

(München, 28. September 2016) Béla Bartók wollte in seiner Musik der „Verbrüderung der Völker“ dienen und sie „trotz allem Krieg und Hader“ künstlerisch miteinander verbinden. Deshalb, so Bartók im Januar 1931, „entziehe ich mich keinem Einfluss, mag er auch slowakischer, rumänischer, arabischer oder sonst irgendeiner Quelle entstammen.“ Just dieses völkerverbindende Ideal will auch das neu gegründete Bartók-for-Europe-Festival vermitteln, das aus einer gemeinsamen Initiative des Concerto Budapest und des London Philharmonic Orchestras heraus entstanden ist. [Konzertkritik lesen]

Zierliche Bewegungen

Foto: W. Hösl

Das Bayerische Staatsballett eröffnet die erste Saison unter der Leitung von Igor Zelensky mit „Giselle“
Von Christian Gohlke

(München, 23. September 2016) Als Igor Zelensky, der designierte Chef des Bayerischen Staatsballetts, am Ende der letzten Spielzeit von Ivan Liska die Pläne für seine erste Saison in München bekanntgab, war der Tumult groß. Fast die Hälfte der alten Compaganie wurde entlassen (darunter auch vom Publikum gefeierte erste Solisten). Ungewöhnlich ist das beim Wechsel der Führungskräfte im Ballett zwar keineswegs. Doch in München scheint die Art und Weise des Übergangs besonders ruppig gewesen zu sein. [Kritik lesen]

Ernste Gesänge

Georg Nigl Foto: www.nafezrerhuf.com

Ein besonderer Liederabend des Baritons Georg Nigl, begleitet von Alexander Melnikow in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 20. September 2016) Angesichts von heutigem Weltgeschehen mag es nicht leicht fallen, in Franz Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ die Sentenz „Sei guten Mut’s. Ich bin nicht wild, bin Freund“ so euphorisch naiv hinzunehmen wie von Matthias Claudius gemeint. Aber das Lied liegt mittlerweile 200 Jahre zurück, und es schildert zudem eine ganz „private“ Situation (ein junges Mädchen hat nicht mehr lange zu leben). [Besprechung lesen]

Wagners Werk und seiner Nachkommen Beitrag

Oswald Georg Bauer hat mit seiner "Geschichte der Bayreuther Festspiele" eine beispiellose Quellensammlung zu den Wagner-Festspielen herausgebracht - unbedingt empfehlenswert
Von Robert Jungwirth

Spektakuläre Absagen und flüchtige Dirigenten begleiten die Bayreuther Festspiele seit ihren Anfängen. Schon der Uraufführungsdirigent des „Rings“ Hans Richter war während der Proben ohne Abschied von Bayreuth abgereist, weil Richard Wagner und Cosima ihn beleidigt hatten. So relativiert sich im historischen Kontext so manche aktuelle Aufregung um Absagen oder Umbesetzungen. [Buchbesprechung lesen]

Optisches Rätselraten

Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen" werden in Wuppertal gleich von drei Regie-Köchen zu einem rätselhaften Opernbrei verrührt. Richtig überzeugend ist nur die musikalische Seite unter den Händen von David Parry.
Von Christoph Zimmermann

(Wuppertal, 18. September 2016) Manche Dinge laufen einfach nicht. Wuppertal, nicht erst in jüngster Zeit finanziell in der Bredouille, versuchte vor Jahren eine Fusion mit dem Musiktheater im Revier Gelsenkirchen („Schiller-Theater“). Einige damals vom Rezensenten erlebte Vorstellungen waren erschreckend schlecht besucht. Vor einiger Zeit versuchte man etwas Neues. [Premierenkritik lesen]

Überraschendes Aus für die Salle Modulable

Ein Luzerner Prestigeprojekt geht (vorerst) baden
Von Derek Weber

(Luzern, September 2016) Nicht nur in Österreich gehen Abstimmungen schief. In Luzern schien man auf gutem Weg zu sein, das Lucerne Festival nach Überwindung etlicher Hürden in Richtung Inkorporation szenischer Produktionen zu lenken. Nur die Hürde einer Volksabstimmung im November sei, so dachte man, noch zu überwinden. Doch nun ist plötzlich alles anders: Am 12. September lehnte der Kantonalrat nach intensiver Diskussion die Gewährung eines Planungskredits in Höhe von sieben Mio. Franken mit 62 zu 51 Stimmen ab. [weiter]

Barocke Eleganz ohne altvaterisches Vibrato

Emmanuelle Haïm Foto: Marianne Rosenstiehl

Die Wiener Philharmoniker überzeugen unter der Leitung von Emmanuelle Haïm auch auf heimischem Boden als Händel-Orchester
Von Derek Weber   

(Wien, 17. September 2016) Die Wiener Philharmoniker von einer Frau dirigiert? Was denn? Geht das denn überhaupt zusammen? Solches hätte man vor Jahren gemutmaßt. In seiner fast 175jährigen Geschichte wurde das Orchester doch schon zwei, anderen Quellen zufolge drei Mal von einer Frau dirigiert. Das herauszufinden, ist nicht einfach. [Konzertkritik lesen]

Nackte Tatsachen ohne Wahrheit

Patricia Petibon als Manon Lescaut Foto: GTG / Carole Parodi

Patricia Petibon singt eine im wahrsten Sinn umwerfende Manon von Massenet an der Oper Genf
Von Robert Jungwirth

(Genf, 12. September 2016) Ja, es gibt auch schäbige Ecken im schönen, reichen Genf. Gleich wenn man vom Bahnhof Richtung See geht – bevor man die Luxushotels für 500 Euro aufwärts pro Nacht erreicht – überquert man ein paar Straßen, in denen es etliche schmuddelige Läden und schummrige Bars gibt. Vor diesen Bars sitzen auch tagsüber Damen und warten auf den Abend oder auf was auch immer. Das alles wirkt wie aus der Zeit gefallen, sieht nach 70er und 80er Jahren aus. [Premierenkritik lesen]

Licht und Klang

Teodor Currentzis, Ray Chenez, Paula Murihy Foto: Patric Leo

(Bremen, 8.-10. September 2016) Zum Abschluss des Musikfests Bremen bringen Teodor Currentzis und seine MusicAeterna in zwei Konzerten mit Ausschnitten aus Rameau-Opern und Purcells "Indian Queen" die Bremer aus dem Häuschen
Von Robert Jungwirth

(Bremen, 8.-10. September 2016) Es waren regelrechte Teodor-Currentzis-Festspiele, mit denen das Bremer Musikfest unter stürmischem Jubel eines restlos begeisterten Publikums nach drei Wochen endete. Einmal mit Szenen und Instrumentalstücke aus Rameau-Opern, das andere Mal mit Purcells Oper „The Indian Queen“ in der von Peter Sellars und der Schriftstellerin Rosario Aguilar erstellten Neufassung, bewiesen Currentzis und das von ihm gegründete Ensemble MusicAeterna – bestehend aus Chor und Orchester – einmal mehr ihre Sonderstellung im internationalen Musikbetrieb. [weiter]

Appetitanreger

Foto: Georg Rudiger

Eindrücke vom Davos Festival zum Thema „Famlienzone"
Von Georg Rudiger

(Davos, 6.-8. August 2016) Die Noten werden mit Wäscheklammern befestigt. Auf dem Büffet-Tisch warten Bircher Müsli, Kipfeli und Schweizer Käsevariationen auf die Konzertbesucher. „Landpartie –Familienbrunch am See", heißt das zweite Konzert des Davos Festivals. Das Open-Air-Konzert am Schwarzsee ist eine Premiere. Wieder einmal hat Intendant Reto Bieri einen neuen Konzertort entdeckt, der vertraute Musik in eine spezielle Umgebung setzt. Ein Sonntagsausflug in Freizeitkleidung mit Musik, netter Gesellschaft und leckerem Essen – eine Kombination, die an diesem Morgen bei strahlendem Sonnenschein perfekt funktioniert. [Festivalbericht lesen]

Parsifal im Harem (I)

Foto: Bayreuther Festspiele/Jörg Schulze

Mit der Neuinszenierung des „Parsifal“ von Uwe Eric Laufenberg eröffnen die diesjährigen Bayreuther Festspiele vieldeutig unbestimmt – eine Nachtkritik

(Bayreuth, 25. Juli 2016) "Parsifal" als Geschichte einer gefährdeten christlichen Enklave irgendwo im Zweistromland. Das Kirchenambiente des ersten Akts wandelt sich im zweiten zu einem Hamam mit Harem und beim Karfreitagszauber vergnügen sich nackte Mädchen im üppigen Plastik-Sukkulenten-Wald unter Regenschauern, bevor am Ende zu "öffnet den Schrein" das ganze Bühnenbild verschwindet und das Saallicht im Festspielhaus angeht: Dieses Finale ist die beste Szene des Abends, der Rest mag interessant gedacht sein, aber reicht in der Ausführung als Deutung für Wagners Bühnenweihfestspiel nicht. Dafür leuchtet es plastisch aus dem Graben unter Hartmut Haenchen, dessen flüssige Tempi wunderbar funktionieren. Unter den Sängern ragt vor allem Georg Zeppenfeld als sensationell wortverständlicher Gurnemanz mit hervorragender Diktion heraus, Elena Pankratova ist eine gute, stimmgewaltig höhensichere Kundry, Klaus Florian Vogt immer dann gut, wenn er den tumben Toren singen oder das glückliche Ende herbeiführen darf.
Klaus Kalchschmid

Immer auf der Suche

Richard Tognetti und das Australian Chamber Orchestra Foto: Mick Bruzzese

(Juli 2016) Richard Tognetti ist seit 1989 Leiter des 1975 gegründeten, hoch gelobten Australian Chamber Orchestra, das in diesem Jahr beim Menuhin-Festival in Gstaad zu Gast sein wird. Im Interview mit KlassikInfo erzählt der Geiger, Komponist und Dirigent über sein Orchester, den Klang der Musik in Australien und seine Verbindung zur Schweizerischen Musikszene.

KlassikInfo: Sie haben unter anderem am Konservatorium in Bern studiert - was verbinden Sie persönlich mit der Schweiz und dem Menuhin-Festival in Gstaad?

Tognetti: Das war eine prägende Zeit in meinem Leben. Ich habe dort tiefe, lebenslange Freundschaften gefunden und viele außergewöhnliche musikalische Erfahrungen sammeln können. Eines meiner ersten Erlebnisse als Zuhörer war eine Probe, in der Heinz Holliger gespielt und Lutoslawski seine eigene Musik dirigiert hat. [Interview lesen]

New York, New York

Gordon Gross/pixelio.de

Laut, schmutzig und mit Gebäuden, vor denen man sich winzig fühlt. Jedes mal fasziniert und erschreckt einen New York. Mit immer neuen Skyscrapern, mit immer weniger Gebäuden aus der Zeit des Art Deco, den 1930er bis 50er Jahren.
Jenen Jahrzehnten, in denen, wie im Fall des Empire State Buildings, die schönsten Wolkenkratzer der Stadt am Hudson in die höhe gezogen wurden. Ruhig, relativ sauber, mit fast schon intimen Quartieren, schicken Boutiquen und kleinen Restaurants sind Williamsburg und Park Slope in Brooklyn.
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Man muss von einem Werk sprechen


(Salzburg, 22. Juli 2014) In Salzburg, wo Nikolaus Harnoncourt gerade die letzten drei Mozart-Symphonien mit dem Concentus Musicus aufgeführt hat (siehe Besprechung unten), stellte er auch die soeben erschienene CD mit den drei Werken vor
. Dabei sprach der Dirigent über die Verbindungen zwischen den drei Symphonien, die für ihn letztlich ein zusammenhängendes Werk bilden. Außerdem über die Vorzüge des von ihm vor 60 Jahren gegründeten Originalklangensembles. [Weiteres Video ansehen]

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