CD der Woche

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Meldungen

Leipzig benennt Platz nach Kurt Masur

Der Leipziger Stadtrat hat beschlossen, einen Platz in unmittelbarer Nähe des Gewandhauses nach dem im vergangenen Dezember gestorbenen Dirigenten Kurt Masur zu benennen. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen, so die Pressestelle der Stadt.
Masur war 26 Jahre lang Leiter des...

Rundfunk- und Medienrat des BR lehnen Vertreter des Bayerischen Musikrats ab

Der Bayerische Musikrat (BMR) als Spitzenorganisation der Musik in Bayern erhebt Einspruch gegen die Ablehnung der von ihm benannten Vertreter als wahlberechtigte Mitglieder im Rundfunkrat und Medienrat des Bayerischen Rundfunks. Das meldet der BMR. In Schreiben vom 11. Mai 2017 an den Vorsitzende...

International Opera Awards: Opéra de Lyon zum "Besten Opernhaus des Jahres 2017" gewählt

Die Opéra National de Lyon wurde am Sonntag, dem 7. Mai, im Rahmen der Zeremonie der International Opera Awards im London Coliseum zur "Best Opera Company 2017" (Bestes Opernhaus des Jahres 2017) gekürt.
Die weiteren Nominierten waren das Teatro alla Scala in Mailand, das Royal Opera...

Ulrich Deppendorf moderiert bei Klassik Radio

Ulrich Deppendorf, einer der bekanntesten Fernsehjournalisten Deutschlands, ist ab Mai mit einer eigenen Sendung für Klassik Radio tätig. Erstmalig am 5. Mai kommentiert Deppendorf bei Klassik Radio in "Deppendorfs Woche" die "wichtigsten politischen und gesellschaftlichen...

Tenor Endrik Wottrich an Herzversagen gestorben

Endrik Wottrich ist tot. Der Tenor ist am Mittwoch, 26. April, im Alter von 52 Jahren einem Herzversagen erlegen ist. Wottrich war vor allem als Wagner-Tenor bekannt und geschätzt. In London, Paris, Dresden, Wien  und bei den Bayreuther Festspielen verkörperte er unter anderem den...

Arcis-Vocalisten präsentieren zwei Orfeo-Opern in München

Am Donnerstag, 25. Mai, präsentieren die Arcis-Vocalisten um 19 Uhr Glucks „Orfeo“. Monteverdis „L’Orfeo“ erklingt am selben Ort, ebenfalls um 19 Uhr, am Sonntag, dem 28. Mai. In beiden Konzerten spielt das Barockorchester „L’Arpa festante“ auf alten Instrumenten. Es dirigiert der Leiter der...

Staatsoper Unter den Linden eröffnet am 3. Oktober 2017

Die Wiedereröffnung der Berliner Staatsoper wird am 3. Oktober 2017 mit einer Musiktheaterpremiere gefeiert. Das haben am heutigen Montag Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher, Kultursenator Klaus Lederer, Staatsopernintendant Jürgen Flimm, designierter Staatsopernintendant Matthias Schulz,...

Spannende Quartette beim Ickinger Frühling 2017

Haydn bildet einen Schwerpunkt des diesjährigen Internationalen Streichquartett-Festivals Ickinger Frühling am 6.-7. Mai 2017, zu dem drei hochrangige Quartette eingeladen wurden. Eröffnet wird das Festival am 6. Mai um 16 Uhr mit einem Gesprächskonzert mit dem Cuarteto Quiroga aus Madrid, das sich...

Teodor Currentzis wird Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters

Mit Beginn der Spielzeit 2018/19 wird Teodor Currentzis (45) der erste Chefdirigent des neuen SWR Symphonieorchesters. Er zählt zu den vielseitigsten und interessantesten Dirigenten seiner Generation, dessen Repertoire mit Werken von der Barockzeit bis zur Avantgarde sämtliche Epochen umfasst....

Sopranistin Anna Voshege gewinnt Richard-Strauss-Wettbewerb 2017

Die Sopranistin Anna Voshege ist die Gewinnerin des diesjährigen Richard-Strauss-Gesangswettbewerb in München. Von 78 jungen Sängerinnen und Sängern wurden 16 zum Vorsingen eingeladen, sieben kamen ins Finale. Die 27jährige australisch-deutsche Sängerin überzeugte die Jury mit ihren...

Salam Syria - Festival in Elbphilharmonie widmet sich der Musikkultur Syriens

Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges gab es in Syrien – von jeher Schmelztiegel unterschiedlicher Religionen und Kulturen – eine lebendige und vielfältige Musikszene. Inzwischen haben über vier Millionen Menschen das Land auf der Flucht vor Terror und Zerstörung verlassen. Das...

Juilliard School mit Online-Kursen

Eine der berühmtesten Musikakademien der Welt, die New Yorker Juilliard School, bietet wieder Online-Kurse für ein weltweites Publikum an. Die Kurse, die in der Rubrik "Open Classroom" gebucht werden können und im Mai und Juni beginnen, stehen jedermann offen, sind aber kostenpflichtig....

Kurt Moll gestorben

Der große Sänger Kurt Moll ist im Alter von 78 Jahren am vergangenen Sonntag gestorben, wie seine Familie mitteilt. Geboren in Buir bei Köln studierte Moll an der Kölner Musikhochschule bevor er seine ersten Engagements in Aachen, Mainz und Wuppertal erhielt. Der internationale Durchbruch gelang...

Chick Corea zu Gast in München

Jazzlegende Chick Corea (75) - einer der bedeutendsten zeitgenössischen Jazz-Pianisten und Komponisten – kommt für einen seiner seltenen Soloabende nach München. Schon in seinen Zwanzigern spielte er in der Band der Jazz-Ikone Miles Davis und wirkte auf dessen Alben "Filles de...

Mehr Menschen in Konzerten als in Fußballstadien

Konzerte und klassische Live-Musik im Theater oder auf Musikfestivals haben vierzig Prozent mehr Besucher als die 1. Bundesliga im Fußballstadion. Das gab die Deutschen Orchestervereinigung (DOV) bekannt. „Ich bin überzeugt, dass wir gerade den Beginn einer Trendwende im Klassikbereich erleben“,...

Präsident des Dt. Bühnenvereins Khuon kritisiert Opernkritik in der "Zeit" als schwulenfeindlich

In einem offenen Brief kritisiert der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon, eine Kritik der Oper "Edward II" von Christine Lemke-Matwey in der "Zeit" als diskriminierend und schwulenfeindlich. Hier der Brief im Wortlaut: "Verblüfft und erschrocken lese ich...

Publikumsmagnet Elbphilharmonie: 1 Million Besucher auf der Plaza

Die Elbphilharmonie hat sich in weniger als vier Monaten zu einer der Sehenswürdigkeiten Deutschlands entwickelt. Alle Konzerte der laufenden Spielzeit sind ausverkauft, und auf der Plaza wurde heute die millionste Besucherin begrüßt. 111 Tage sind vergangen, seit am 5. November 2016 – gut zwei...

Das 360-Grad-Orchester - Münchner Philharmoniker präsentieren kommende Saison

Noch dezentraler wolle man agieren, noch mehr Publikum auch jenseits der Abonnenten ansprechen, die internationale Präsenz verstetigen. Das ist die Zielrichtung, die Intendant Paul Müller zusammen mit dem Chefidirigenten Valery Gergiev auch für die nächste und die weiteren Saisons ausgegeben haben....

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KlassikInfo.de soll schöner werden!

Crowdfunding-Aktion für den Relaunch von KlassikInfo.de

Gerade haben wir den 10. Geburtstag unseres Online-Magazins KlassikInfo.de gefeiert, schon rüsten wir uns für die nächsten 10 Jahre. KlassikInfo.de muss dringend renoviert werden, ein Relaunch ist nötig. Der kostet aber natürlich Geld. Geld, das wir nicht haben – denn KlassikInfo.de ist nach wie vor kostenlos für die Leser. Deshalb möchten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser bitten, den Relaunch von KlassikInfo.de finanziell ein klein wenig zu unterstützen.
Helfen Sie uns bitte, KlassikInfo.de schöner zu machen –  mit einer Überweisung in Höhe von 20, 40, 50 oder 100 Euro auf unser Spendenkonto können Sie das Projekt wirkungsvoll unterstützen. [weiter]

Der Regisseur des Gemetzels

Foto: Festival Glyndebourne

Das 83. Glyndebourne-Festival bringt zum Start Francesco Cavallis "Hipermestra" auf die Bühne. Mit einem brillianten Orchestra of the Age of Enlightenment. Regisseur Graham Vick schlägt in der selten gespielten Barock-Oper den Bogen zum Terror im Nahen Osten
Von Susanne Lettenbauer

(Glyndebourne, Mai 2017) Krieg auf der Bühne – die Gruseltherapie wirkt heute fast immer verlässlich. Gerade Barockopern werden seit einigen Jahren gern damit aufgepeppt. Händels Rinaldo in Innsbruck, von dem Iraner Amir Hosseinpour und Nigel Lowery  als Al-Quaida-Anspielung inszeniert – ein Erfolg, Martin Kusej Version der Entführung aus dem Serail wegen zu realitätsnaher Szenen 2015 in Aix-en-Provence gekürzt – ein Skandal.
Und jetzt also Cavallis seit 1658 erst dreimal aufgeführte Oper Hipermestra auf Glyndebournes Bühne im IS-Terrorlook - mit schrecklicher Aktualität...[Opernkritik lesen]

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Die Macht des Handys

Foto: Misha Jackl

Die private Münchner Operntruppe Opera Incognita verknüpft brillant Menottis „The Telephone“ mit Puccinis „Gianni Schicchi“
Von Klaus Kalchschmid 

(München, 19. 5. 2017) Giacomo Puccinis herrliche Erbschleicher-Komödie „Gianni Schicchi“ wird immer häufiger wie vom Komponisten vorgesehen innerhalb seines „Trittico“ zusammen mit den Einaktern „Il Tabarro“ und „Suor Angelica“ aufgeführt. Wer sie mit anderen Stücken kombiniert, muss genau darauf achten, dass pralle Komik nicht das Pendant erschlägt. Andreas Wiedermann hatte nicht nur die kluge Idee, Gian Carlo Menottis „The Telephone“ von 1947 vorausgehen zu lassen, sondern verschränkte beide Teile durch einen missing link. [Opernkritik lesen]

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Amazonen- und Gardinenballette

Nur echt mit der Goldkante: Anja Harteros und Klaus Florian Vogt Foto: Anne Kirchbach

Romeo Castelluccis Münchner „Tannhäuser“-Inszenierung als statische Installation wirkt vor allem bemüht – aber auch Kirill Petrenko am Pult überzeugt mit einer arg trockenen Klanglichkeit nicht wirklich.
Von Robert Jungwirth

(München, 21. Mai 2017) Eine gelungene „Tannhäuser“-Inszenierung ist in etwa so selten wie eine gelungene „Troubadour“-Inszenierung. Im Grunde ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Was natürlich vor allem an der kruden Handlung der beiden Opern liegt, die nichtsdestotrotz zu den beliebtesten der beiden Großmeister Wagner und Verdi zählen. Romeo Castellucci hat sich in seiner Münchner Inszenierung des „Tannhäuser“ für eine symbolische Überhöhung der Handlung entschieden, die mehr Fragen aufwirft als sie Antworten gibt. [Opernkritik lesen]

Rätseltheater

Foto: Anne Kirchbach

Ein erster Eindruck von der neuen Tannhäuser-Inszenierung an der Bayerischen Staatsoper - unsere Video-Nachtkritik:

https://www.facebook.com/robert.jungwirth.9887/videos/205340343319132/

Archetypisches Musiktheater

Wieland Wagner und Carl Orff bei den Proben zu Antigonae Foto: Winkler-Betzendahl/Deutsches Theatermuseum

Eine sehenswerte Ausstellung im Münchner Orff-Zentrum widmet sich der Künstler-Freundschaft zwischen Carl Orff und dem Regisseur Wieland Wagner
Von Robert Jungwirth

(München, Mai 2017) „Ich bin der Überzeugung, dass es Ihnen mit diesem Werk gelungen ist, unsere Vorstellung vom Wesen sowohl des ‚Griechischen‘ wie des Tragischen gültig zu gestalten, gültig und deshalb bleibend“, so schrieb Wieland Wagner begeistert in einem Brief an Carl Orff, nachdem er eine Aufführung der „Antigonae“ gesehen hatte.. [weiter]

Operngraben und Goldener Saal

Wiener Philharmoniker Foto: Terry Linke

Die Wiener Philharmoniker waren und sind ein besonderes Orchester - ein Porträt mit Konzertbesuch in Wien zum 175. Geburtstag
Von Georg Rudiger

(Wien, April-Mai 2017) Barbusige goldene Statuen tragen als Säulenheilige die Last der Kunst, von der reich bemalten Decke hängen Kronleuchter, jedes Detail des Raums ist verziert. Im opulenten Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, der Heimstätte der Wiener Philharmoniker, ist die Tradition bereits an jeder Ecke zu sehen. [Porträt lesen]

Von der (fehlenden) Wertschätzung gegenüber journalistischen Leistungen

Alfred Brendel in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste Foto: Ralf Dombrowski

Betrachtungen zu einer Begebenheit bei einem Auftritt Alfred Brendels in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München
Von Ralf Dombrowski

(München, 16. Mai 2017) Alfred Brendel hielt in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste einen - natürlich erhellend kenntnisreichen - Vortrag über Beethovens spätes Sonatenwerk. Im Anschluss daran Signierstunde. Ein Mann Mitte vierzig, adrett gekleidet, kommt zu Meister Brendel und legt ihm eine Mappe mit großformatigen Qualitäts-Porträtabzügen zum Veredeln vor. [weiter]

Zwischen Apollo und Dionysos

Matthias Klink und David Moore Foto: Oper Stuttgart

Die Stuttgarter Staatsoper bringt Brittens Thomas-Mann-Oper „Der Tod in Venedig“ neu heraus – mit einem überragenden Matthias Klink in der Hauptrolle
Von Georg Rudiger

(Stuttgart, 7. Mai 2017) Eigentlich hatte die Stuttgarter Staatsoper im Jahr 1974 die deutsche Erstaufführung von Benjamin Brittens letzter Oper „Death in Venice“ (Der Tod in Venedig) nach der gleichnamigen Novelle von Thomas Mann schon auf dem Spielplan. Der unerwartete Tod von Wolfgang Windgassen, der für die mörderische Hauptpartie vorgesehen war, machte die Aufführung zunichte. Mehr als vierzig Jahre später nahm sich nun das „Opernhaus des Jahres“ das musikalisch höchst anspruchsvolle Werk als Koproduktion der Stuttgarter Opern- und Ballettsparte erneut vor – und triumphiert! [Opernkritik lesen]

Klassische Musik ist kein Nischenprodukt

Robert Jungwirth Foto: Ralf Dombrowski

Rede zum 10. Geburtstag von KlassikInfo.de

Von Robert Jungwirth

Gehalten am 12. Mai 2017 im Orff-Zentrum München

Liebe Freunde, liebe Kollegen, liebe Leser von KlassikInfo, liebe Konzertbesucher. Ich freue mich sehr, dass wir heute das zehnjährige Bestehen von KlassikInfo.de hier im Münchner Orff-Zentrum mit diesem Konzert feiern können, gestaltet von Aleksandra Mikulska und Yaara Tal – zwei herausragenden Pianistinnen. Aleksandra Mikulska, aus Polen stammend, hat sich durch ihre ebenso kraftvollen wie sensibel durchgestalteten Interpretationen vor allem von Werken von Chopin und Liszt einen Namen gemacht, Yaara Tal aus Israel, ist vor allem mit ihrem Klavierduo mit ihrem Partner Andreas Groethuysen weltweit renommiert – und sie unterrichtet außerdem hier an der Münchner Musikhochschule. [weiter]

Unser Jubiläumskonzert 10 Jahre KlassikInfo.de

Robert Jungwirth, Aleksandra Mikulska und Yaara Tal Foto: Ralf Dombrowski

Vielen herzlichen Dank an Yaara Tal und Aleksandra Mikulska für ihre Mitwirkung bei unserem Jubiläums-Benefiz-Konzert 10 Jahre KlassikInfo.de! Es war ein fantastisches Konzert der beiden wunderbaren Musikerinnen mit Tiefgang, Witz und Leidenschaft.
Und vielen Dank auch ans Münchner Orff-Zentrum für die Gastfreundschaft - ein wunderbarer Ort! Wir haben es alle sehr genossen und sind dankbar für die vielfältige Unterstützung unseres Magazins von so vielen Seiten - so werden wir auch die nächsten 10 Jahre bestehen können...

Aleksandra Mikulska spielte Chopins Scherzo b-Moll op. 31 und das Andante spianato & Grande Polonaise Brillante Es-Dur op. 22 sowie die Ungarische Rhapsodie Nr. 11  von Franz Liszt. Yaara Tal überraschte uns mit einem originellen Programm mit Werken von Satie und Rossini und witzigen Moderationen dazwischen.

Musikalisierte Vulkane der Tiefsee

Foto: Holger Talinski

Francois-Xavier Roth mit einem Meer-Konzert beim Gürzenich-Orchester in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 7. Mai 2017) Das Meer ist ein besonders faszinierendes Lebensareal der Erde, freilich eines mit zwei Gesichtern. Eine stille, sonnenüberglänzte Wasserfläche suggeriert Frieden, doch häufiger zeigt sich das Meer als ein Ungeheuer, wie es in Webers „Oberon“ heißt. Diese „Ozeanarie“ ist nur eines von vielen Musikstücken, welche das heterogene Erscheinungsbild des Meeres in Töne zu fassen suchen. Das jüngste Gürzenich-Konzert, geleitet von Francois-Xavier Roth, bot eine sinnfällige Kollektion. [Kritik lesen]

Erzählerischer Fluss eines Kampfes

Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker Foto: Monika Rittershaus

Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker kontrastieren Bruckners Achte mit einer kurzen Uraufführung von Simon Holt
Von Antje Rößler

(Berlin, 5. Mai 2017) Ein Abend der Extreme! Anton Bruckners monumentaler Achter geht als winziges „Appetithäppchen“ eine Uraufführung voran; vergleichbar einer einzelnen Himbeere neben einem üppigen Truthahnbraten. Nur ein paar Minuten dauert Simon Holts Orchesterstück „Surcos“ – in derselben Zeitspanne handelt Bruckner gerade mal die Exposition seines Kopfsatzes ab. [Konzertbesprechung lesen]

Betender Torero

Cuarteto Quiroga Foto: Josep Molina

Beim Internationalen Streichquartett-Festival „Ickinger Frühling“ stellte das spanische Cuarteto Quiroga interessantes Repertoire aus Spanien vor
Von Robert Jungwirth

(Icking, 6. Mai 2017) Hätte dieser Komponist nur ein paar Jahre länger gelebt, er wäre heute mit großer Wahrscheinlichkeit vielen Klassikfreunden ein Begriff. Weil Juan Crisostomo de Arriaga 1826 aber schon mit 20 Jahren gestorben ist (vermutlich an Tuberkulose), ist die Musik dieser großen Begabung nur wenigen Kennern ein Begriff. [Kritik lesen]

Jubiläumskonzert 10 Jahre KlassikInfo.de

Yaara Tal und Aleksandra Mikulska Foto: Agentur

KlassikInfo.de, das Onlinemagazin für klassische Musik, wird 2017 zehn Jahre alt!

KlassikInfo.de feiert das Jubiläum am 12. Mai 2017 um 20 Uhr in einem öffentlichen Konzert mit den beiden wunderbaren Pianistinnen Yaara Tal und Aleksandra Mikulska und Werken von Chopin, Liszt, Satie und Rossini  im Münchner Orff-Zentrum (Kaulbachstr. 16). Nach dem Konzert gibt es einen Empfang für alle Besucher. Mit den Einnahmen planen wir den Relaunch des Magazins zu finanzieren. Kartenbestellungen und weitere Informationen...[weiter]

Die unmögliche Kunstform

Foto: DOK.fest München

Beim Münchner Dokumentarfilmfestival hatte der Film "Ganz große Oper" über die Münchner Oper Premiere - ein flammendes Plädoyer für die Gattung
Von Robert Jungwirth

(München, 7. Mai 2017) Großer Bahnhof für "Ganz große Oper". Ein Dokumentarfilm in der Bayerischen Staatsoper als Kino, mit Zuschauern im schwarzen Anzug. Man könnte glauben, die Herrschaften haben vielleicht sich im Datum geirrt, denn der große Bühnenvorhang der Münchner Oper gibt tatsächlich nur eine Filmleinwand frei. Auf ihr sieht man dann 90 Minuten Oper nicht nur frontal, sondern gewissermaßen aus allen Ecken und Winkeln...[Filmkritik lesen]

Boulez zu Ehren

Pierre Boulez Foto: Harald Hoffmann/DG

Ein Rückblick auf einen Großen des 20. Jahrhunderts im Wiener Konzerthaus
Von Derek Weber

(Wien, 7. Mai 2017) Der im vergangenen Jahr gestorbene Komponist Pierre Boulez zählt ohne jede Frage zu den wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Das Wiener Konzerthaus wird Boulez, der mit Wien und diesem Haus eng verbunden war, in einer beispiellosen Konzertserie mit 14 Konzerten und nahezu allen seinen Werken würdigen. Am Sonntag, 7. Mai, wurde die Serie gestartet, die einer Persönlichkeit Respekt zollen, der die Musik der Zeit nach 1945 geprägt hat wie kaum ein anderer. [weiter]

Sachte Katastrophenmusik

Foto: Jean-Louis Fernandez

Von der Schwierigkeit, Christoph Willibald Gluck gerecht zu werden: Alex Ollé von "La Fura dels Baus“ inszeniert in Lyon „Alceste“
Von Derek Weber

 (Lyon, 2. Mai 2017) Erdbeben, Sturmfluten, im Chaos hochkommende verheerende Führer, Kriege. All das befördert im Menschen vor allem eines: Angst, eine aus den Fugen geratene Welt nicht mehr steuern zu können. Das Unberechenbare zieht uns halt immer hinan, jagt uns Schauer über den Rücken. [Premierenkritik lesen]

Zwischen Bürgerschreck und Lebensreform

Davide Damiani (Der Diktator) Foto: Barbara Aumüller

Die Frankfurter Oper stellt drei Einakter von Ernst Krenek zur Diskussion und zeigt, was ein Ensemble-Haus alles kann
Von Bernd Feuchtner

(Frankfurt, 2. Mai 2017) Im Jahr 1928 mag es die Bürger noch schockiert haben, wenn in den heiligen Hallen statt Wagner-Weihrauch oder Verdi-Staatsaktionen plötzlich ein Schwergewichtsboxer in einem Leichtgewichts-Stück präsentiert wurde. Heute provoziert das nur noch wenige Zuschauer zum Türenknallen (außerdem waren selbst diese in Frankfurt so nett, die Türe leise zuzuziehen). [Opernkritik lesen]

Sex and Crime in der Renaissance

Milijana Nikolic (Pantasilea, Kurtisane in Florenz), John Daszak (Pier Francesco Orsini, Herzog von Bomarzo), Tänzer. Im Hintergrund: Hilary Summers (Diana Orsini, Großmutter des Herzogs). Foto: Javier del Real

Das Teatro Real in Madrid bringt endlich wieder einmal Alberto Ginasteras existenzialistische Oper „Bomarzo” zur Aufführung. Musikalisch hat sich das auf jeden Fall gelohnt.
Von Bernd Feuchtner

(Madrid, April 2017) Einen argentinischen „Wozzeck“ wollte Alberto Ginastera nicht schreiben, als er „Bomarzo“ komponierte, sondern eine Oper von universalem, humanem Wert. Mit dem Roman von Manuel Mujica Lainez (1910 – 1984) als Grundlage wäre das auch gar nicht anders möglich gewesen, denn der argentinische Schriftsteller hat ihn in Italien angesiedelt. 1963 wurde er dafür mit dem Großen Literaturpreis Argentiniens ausgezeichnet. [Opernkritik lesen]

Temperamentvoller Bartok

András Schiff Foto: Nadia F. Romanini / ECM Records

András Schiff und das Chamber Orchestra of Europe mit Werken von Bach, Brahms und Bartok zu Gast in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 10. April 2017) Operntheater und Konzerthäuser sind aus gutem Grund verstärkt dazu übergegangen, ihre Besucher vor einer Vorstellung darauf hinzuweisen, dass Ton- und Bildaufnahmen nicht gestattet sind und man doch auch bitte darauf achten möge, dass Mobiltelefone ausgeschaltet sind. Die Kölner Philharmonie führt die häufigsten Störfaktoren regelmäßig im Programmheft auf und stellt vor einer Veranstaltung auch kostenlos Hustenbonbons und Stofftücher zur Verfügung. [weiter]

Freikarten für die Lange Nacht der Musik in München

Am 6. Mai feiert München mit 400 Konzerten die Lange Nacht der Musik - KlassikInfo.de verlost 3x2 Freikarten

Von 20 bis 3 Uhr feiert am 6. Mai München zum 18. Mal Die Lange Nacht der Musik. So vielfältig wie die etwa 100 teilnehmenden Spielorte sind auch die Spielarten der Musik. Mit dabei sind große Konzerthäuser, kleine Musikbühnen und Kneipen, Restaurants, Tanzschulen, Clubs, Kirchen und Hotels aber auch Einrichtungen wie die GEMA oder die Künstlervermittlung der Agentur für Arbeit München. Geboten werden Klassik, Rock, Pop, Jazz, Swing, Salsa, Tango, Funk & Soul, traditionelle und moderne Volksmusik sowie Tanzkurse, Führungen und Performances – alles live. Das Ticket kostet 15 € und gilt als Eintrittskarte für alle beteiligten Häuser sowie als Fahrkarte für die Sonderbusse.

KlassikInfo.de verlost 3x2 Tickets. Sie müssen nur die richtige Antwort auf folgende Frage an uns per Mail senden: Wieviele Opern von Richard Wagner wurden in München uraufgeführt? Antwort mit Name und Adresse bitte an info(at)klassikinfo.de - Stichwort "Lange Nacht". (Einsendeschluss: 3.5., 13 Uhr. Die Teilnehmer erklären sich bereit, von uns über Konzerte informiert zu werden.) [weiter]

Die Wutbürger von Sodom

Lot und seine Töchter Foto: Staatsoper Hannover

Giorgio Battistellis neue Oper „Lot" an der Staatsoper Hannover zeigt die biblische Geschichte im Kontext von Fremdenfeindlichkeit und religiösem Fanatismus - eine bemerkenswerte Uraufführung
Von Thomas Migge

(Hannover, Mai 2017) Eine provozierende Oper. In vielerlei Hinsicht. Die neue Oper Giorgio Battistelli, ein Auftragswerk des Staatstheaters Hannover, sollte nach der Intention des italienischen Komponisten eigentlich nur das Thema der Migration behandeln. Doch die Oper „Lot" in drei Akten, uraufgeführt mit großem Publikumserfolg in Hannover thematisiert auch die Figur des alttestamentarischen Gottes, des jüdische Jahwe, und die aktuelle Problematik religiöser Radikalität. [Besprechung lesen]

Hoch aufragendes Gebirge

Yuja Wang Foto: Norbert Kniat / DG

Die chinesische Pianistin Yuja Wang beeindruckt mit ihrem Soloauftritt in Köln nicht uneingeschränkt
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 29. März 2017) Die jetzt dreißigjährige chinesische Pianistin Yuja Wang ist eine Augenweide, keine Frage. Und wie sie in der Kölner Philharmonie mit ihren High Heels die Treppe hinab zum Podium stöckelte, präsentierte sie eine reizende, kleine Inszenierung. Das hautenge schwarze Kleid für den ersten Teil mit Frédéric Chopin war - man kann es nicht unerwähnt lassen - ein einziges Geglitzer, viel nackte Haut frei lassend. [Konzertkritik lesen]

Der Erlkönig und die Tuba

Annette Dasch und das Fauré Quartett Foto: Heidelberger Frühling

Der Heidelberger Frühling setzt sich unter dem Titel „Neuland.Lied“ für das Kunstlied ein
Antje Rößler

(Heidelberg, April 2017) Mit dem deutschen Kunstlied ist Heidelberg eng verbunden. Burgruinen, pittoreske Stadtansichten und die bewaldeten Hügel am Neckar haben Goethe und Brentano ebenso inspiriert wie Schumann oder Brahms. Um nur einige zu nennen. Das Festival Heidelberger Frühling will die Stadt wieder zu einem Zentrum der Liedkultur machen. [weiter]

So klingt Buenos Aires

Alberto Ginasteras 100. Geburtstag im Jahr 2016 fand nicht viel Nachhall in Europa. Volker Tarnow hat eine fulminante Monographie über den argentinischen Alban Berg geschrieben, von der man nun einen starken Anschub für dessen große Musik erhoffen möchte.
Von Bernd Feuchtner

(April 2017) Die Geschichte Amerikas ist die Geschichte der Grausamkeit und Gier christlicher Eroberer. Von den Einwohnern der „Neuen Welt“ ließen sie ebenso wenig übrig wie von deren Kultur. Amerikanische Kultur ist deshalb die Kultur von Eroberern. Volker Tarnows Buch über den argentinischen Komponisten Alberto Ginastera beginnt daher mit einem Panorama des Verlusts. [Buchbesprechung lesen]

Giftspritze für Cavaradossi

Kristine Opolais als Tosca Foto: Monika Rittershaus

Szenisch unbeholfen, musikalisch überzeugend – Simon Rattle dirigiert Tosca in Baden-Baden. Regisseur Philipp Himmelmann bleibt hinter den Festspielerwartungen weit zurück
Von Georg Rudiger

(Baden-Baden, 7. April 2017)  Fünf kantige Akkorde im dreifachen Forte. „Robustissimo“ und „Tutta forza“ steht in der Partitur. So beginnt „Tosca“, Puccinis grandioser Opernschocker. Die Berliner Philharmoniker lassen im Festspielhaus Baden-Baden bei der Eröffnung der Opernfestspiele unter Simon Rattle diese kalten Klänge wie Blendraketen aufleuchten...[Opernkritik lesen]

Klein und fein

Eine beglückende, weil stilgerechte Aufführung von Händels Oper „Riccardo Primo“ durch das Hassler-Consort am Theater Ulm
Von Laszlo Molnar

(Ulm, 5. April 2017) Es gibt viele Wege zu Händels Opern. Aber im Zentrum des Interesses, sei es bei einer konzertanten Aufführung oder bei einer voll aufgerüsteten Inszenierung im Opernhaus, steht doch immer die geniale Musik. Sie ist es, die Musiker wie Publikum immer wieder zu Händel hinzieht. Wären es die meist abstrusen Handlungen seiner Opern, dann würden Werke von Reinhard Keiser oder von Telemann genauso viel Aufmerksamkeit genießen. [Opernkritik lesen]

Der Liebhaber im Putenbraten

Foto: Monika Rittershaus

An der Komischen Oper Berlin setzt Barrie Kosky das Mussorgsky-Fragment „Der Jahrmarkt von Sorotschinzi“ kurzweilig in Szene
Von Antje Rößler

(Berlin, 2. April 2017) Mitten im Marktgetümmel spielt Modest Mussorgskys Oper „Der Jahrmarkt von Sorotschinzi“. Dieses groteske Bauernmärchen, gewürzt mit Aberglauben und einer ordentlichen Portion Trinklust, ließ der Komponist unvollendet. Erst drei Jahrzehnte nach seinem Tode wurde eine rekonstruierte Fassung uraufgeführt. [Premierenkritik lesen

Tod, wo ist Dein Stachel?

Sophia Burgos und Teodor Currentzis Foto: Stefanie Loos

Bei der musica viva in München dirigierte Mariss Jansons die Uraufführung der „Requiem-Strophen“ von Wolfgang Rihm und Teodor Currentzis beim Räsonanz-Stifterkonzert Berios „Coro“
Von Klaus Kalchschmid

(München, 30. März, 1. April 2017) – So unterschiedlich Luciano Berios fast einstündiger „Coro“ und Wolfgang Rihms 75-minütige „Requiem-Strophen“ auch sind, die bei einem musica-viva-Wochenende in München auf- bzw. uraufgeführt wurden, haben sie doch zweierlei gemeinsam: die Bedeutung des singenden Kollektivs, bei Berio auch immer wieder aufgefächert in raffiniert verschränkte Einzelstimmen, und eine scheinbare Heterogenität der Texte, die sich schließlich einerseits einend und andererseits als prägend für die musikalische Faktur erweisen. [Konzertbesprechungen lesen]

Wo das Laute Pause macht

Alan Gilbert Foto: Chris Lee

Gastkonzert der New Yorker Philharmoniker unter Alan Gilbert mit Werken von Mahler und Bartok im Wiener Konzerthaus
Von Derek Weber

(Wien, 29. März 2017) Es war Leonard Bernstein, der 1948 die ersten New Yorker Kontakte zum Wiener Konzerthaus knüpfte. Und seit seinem Gastspiel mit den New Yorker Philharmonikern in den 1960er-Jahren hat sich - eine veritable, wenn auch lose Freundschaft herausgebildet. Wenn das Orchester nach Wien kommt, gastiert es – unabhängig davon, wer dirigiert – eher im Konzerthaus, nicht im "nobleren" Musikverein. Nun waren die New Yorker wieder in Wien, mit ihrem (scheidenden) Music Director Alan Gilbert, der seine Position 2009 als Nachfolger von Lorin Maazel angetreten hatte und in diesem Jahr auf eigenen Wunsch von seinem Posten zurücktreten wird. [Konzertkritik lesen]

Maria Magdalenas Schwester

Foto: Oper Bonn

Die Oper Bonn bringt John Adams oratorische Oper „The Gospel According to the Other Mary“ unter der szenischen Leitung von Peter Sellars heraus
Von Christoph Zimmermann

(Bonn, 26. März 2017) Die Bonner Oper geht einen vorbildlichen Weg. Sie bietet primär zwar weiterhin Eigenproduktionen an (unverzichtbar für das Selbstwertgefühl eines Hauses), setzt aber doch verstärkt auf Kooperation, deren kostensparender, aber auch künstlerischer Nutzen sicher nicht eigens begründet werden muss. Zusammen mit Linz wird demnächst Othmar Schoecks „Penthesilea“ in Angriff genommen, mit Nizza Benjamin Brittens „Death in Venice“. [Opernkritik lesen]

Explosion aus tönendem Licht

Kent Nagano Foto: Felix Broede

Kent Nagano dirigiert am 22. Juli 2017 das Eröffnungskonzert der diesjährigen Salzburger Festspiele mit Werken von Messiaen und Ligeti. Im Gespräch erläutert der Hamburger GMD seine Ideen für dieses Programm.

(März, 2017) Eine Explosion aus tönendem Licht und leuchtenden Klängen verspricht dem Titel nach das Auftaktkonzert der Ouverture spirituelle der Salzburger Festspiele am 22. Juli zu werden. Die dem Festival vorgelagerte Konzertreihe steht in diesem Jahr unter der Überschrift Transfiguration. Kent Nagano dirigiert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Solist ist der Pianist Pierre-Laurent Aimard. Zu hören sind György Ligetis Lux aeterna und Olivier Messiaens La Transfiguration de Notre Seigneur Jésus-Christ. [Interview lesen]

Make Ithaka great again

René Jacobs Foto: harmonia mundi

René Jacobs dirigiert Monteverdis „Ulisse“ mit dem Ensemble B’Rock in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 19. März 2017) Mit schöner Regelmäßigkeit führt René Jacobs (auch) in der Kölner Philharmonie komplette Opern auf. Die aktuelle Wahl galt Claudio Monteverdis „Il ritorno d’Ulisse in patria“. Wie immer ist die Präsentationsform eine halbszenische, ohne Kulissen, aber mit Kostümen, welche einen Charakter andeuten; dazu sparsame Gesten und Gänge. [Kritik lesen]

Diktatorenbetrachtungen mit Orgelbegleitung

John Malkovich Foto: Lalo Jodlbauer

John Malkovich spielt in Michael Sturmingers "Just Call Me God" einen irren Diktator 
Von Derek Weber

(Wien, Mitte März 2017) John Malkovich und der österreichische Regisseur Michael Sturminger mögen sich offensichtlich. Zum dritten Mal arbeiten sie nun auf der Bühne zusammen. Begonnen hat alles mit einem Stück über den österreichischen Sexualisten Jack Unterweger, der auf das Abmurksen von Prostituierten spezialisiert war ("The Infernal Comedy"). Es folgte ein Casanova-Projekt mit Sängern und Mozart-Musik ("The Giacomo Variations"). [Besprechung lesen]

Der Reifrock als Gefängnis

Alexandra Deshorties als Elisabetta Foto: Herwig Prammer

Amélie Niermeyer inszeniert, Jean-Christophe Spinosi inszeniert Rossinis „Elisabetta, regina d‘Inghilterra“ am Theater an der Wien
Von Georg Rudiger

(Wien, 19. März 2017) Zur Ouvertüre sitzt die Königin am Boden und betrachtet das herrschaftliche Renaissance-Kleid, das in der Mitte der Bühne ausgestellt ist. Die Distanz zur Macht hat Regisseurin Amélie Niermeyer am Theater an der Wien bewusst inszeniert. Elisabetta ist hier noch eine verletzliche Frau, bevor sie durch ihre Robe erst zur Königin wird. Der Reifrock als Gefängnis, die hochgestellten Kragen als Rüstung. [Opernkritik lesen]

Begehbare Mark-Rothko-Bilder und der Blick in die Zukunft

Foto: Opera de Lyon/Stofleth

Das Festival "Memoires" in Lyon bietet die Wiederbegegnung mit Operninszenierungen legendärer Regisseure: Heiner Müllers "Tristan", Ruth Berghaus' "Elektra" und Grübers "Poppea"
Von Robert Jungwirth

(Lyon, 16.-18. März 2017) Oper ist die Retro-Kunst schlechthin. Denn was heute in den Opernhäusern gespielt wird, stammt zu annähernd 100% aus vergangenen Jahrhunderten. Ein Opernfestival unter den Titel Retro zu stellen, ist also eigentlich hölzernes Holz. Doch verbindet der Intendant der Oper Lyon, Serge Dorny, mit diesem dreitägigen Festival, das aus den Spielplänen längst verschwundene Produktionen der Regisseure Klaus Michael Grüber, Heiner Müller und Ruth Berghaus aus den 80er und 90er Jahren zeigt, mehr als nur den Blick zurück. [Festivalbericht lesen]

Entwicklungsschritte

Mathilde Cardon und Michèle Scharapan Foto: Orff-Zentrum/Adamiak

Das Münchner Orff-Zentrum präsentierte frühe Lieder von Carl Orff
Von Robert Jungwirth

(München, 15. März 2017) Text und Musik bildeten für Carl Orff schon sehr früh eine unverbrüchliche Einheit. Bereits von dem sechzehnjährigen Schüler Orff gibt es Liedvertonungen, die neben den großen Vorbildern Schumann, Schubert und Brahms auch eine eigenständige Begabung in Richtung Musikalisierung von Texten erkennen lassen. [weiter]

Lebensfreude und tiefe Melancholie

Kent Nagano Foto: Felix Broede

Kent Nagano dirigiert Ives, Bernstein und George Benjamin bei den Münchner Philharmonikern
Von Klaus Kalchschmid

(München, 15.März 2017) – Schon deshalb fehlt Kent Nagano in München: Wer sonst vermag solche Programm nur mit Musik des 20. und 21. Jahrhunderts zu entwerfen und durchzusetzen. Fast fühlte sich das an wie ein Sonderkonzert zur Münchner Biennale für neues Musiktheater. In seinem beziehungsreichen, amerikanisch-britischen Programm, das er vor einem Jahr zu Beginn des Wahlkampfs um die amerikanische Präsidentschaft entworfen hatte, wie er selbst zu Beginn sagte, erwies Nagano sich fast als Visionär. [Kritik lesen]

Ein abendländischer Terrorist

Ein Musikkritiker auf Rachefeldzug Foto: Verleih

Interview mit Josef Hader über seinen neuen Film „Wilde Maus“, über Musikkritik und die Bedeutung der klassischen Musik in dem Film

Von Robert Jungwirth

KlassikInfo: Ein Film über einen Musikkritiker ist ja wohl ein Unikum. Warum haben Sie für die Hauptfigur Ihres Films ausgerechnet einen Musikjournalisten genommen? Es hätte ja auch ein Sportreporter sein können oder ein Wirtschaftsjournalist, der entlassen wird…

Hader: Eigentlich nur, weil ich die klassische Musik drin haben wollte als Antrieb für die Hauptfigur. Mich hat die Idee fasziniert, dass die Musik ihn dort hin treibt, dass die Wut in seinem Bauch von der klassischen Musik verstärkt wird. Ich hatte so ein bisschen die Vorstellung von einem abendländischen Terroristen. [Interview lesen]

Revolution in der Puppenstube

Anja Harteros und Jonas Kaufmann Foto: Anne Kirchbach

121 Jahre nach der Uraufführung erstmals an der Bayerischen Staatsoper: Philipp Stölzl inszeniert "Andrea Chénier" mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros
Von Klaus Kalchschmid  

(München, 12. März 2017) Das Libretto sieht vor, wie das zum Tod verurteilte Liebespaar am Ende einen Leiterwagen besteigt und im emphatischen Bekenntnis („Gemeinsam umarmen wir den Tod!“) zum Schafott fährt. Doch in Philipp Stölzls Inszenierung am Münchner Nationaltheater steht selbiges schon mitten auf der Bühne. Da sind wir dann endgültig auf dem Jahrmarkt angelangt und beim Grand Guignol, dem derben französischen Horror-Kasperle-Theater des ausgehenden 19. Jahrhundert. [Premierenkritik lesen]

Ein ungleiches Paar

Gidon Kremer und Martha Argerich Foto: Markovskis/Heitman

Martha Argerich, Gidon Kremer und die Kremerata Baltica gastierten in München
Von Robert Jungwirth

(München, 8. März 2017) Sie sind ein ungleiches Paar, Martha Argerich und Gidon Kremer, die Südamerikanerin mit der Löwenpranke und der feingeistig-skrupulöse, ja auch etwas verkopfte Lette. Und doch sind die Beiden mit ihren 75 und 70 Jahren ein unwiderstehliches Paar. Bei Beethoven sicher noch mehr als bei Schumann, dessen erste Sonate (a-moll) beim Münchner Konzert in der Philharmonie im Rahmen der aktuellen Tournee zu Kremers 70. Geburtstag auf dem Programm stand. [Konzertbesprechung lesen]

Abgründige Farbspektren

Emerson String Quartet Foto: Lisa Mazzucco

Das Emerson String Quartet mit Werken von Dvorak, Beethoven und Berg zu Gast in der Kölner Philharmonie
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 3. März 2017) „Versteht er nicht, wenn eine Sach’ ein End‘ hat?“ Diese Worte der “Rosenkavalier“-Marschallin lassen sich auch auf musikalische Karrieren anwenden. Die menschliche (Gesangs-)Stimme altert naturgemäß, und nur selten gelingt es, diesem Prozess mit besonderen Aktivitäten auszuweichen – so etwa Martha Mödl, Franz Grundheber oder Franz Mazura. Instrumentalisten sind prinzipiell besser gestellt (wie der gerade siebzig gewordene Gidon Kremer), Dirigenten nimmt sogar oft erst der Tod den Taktstock aus der Hand (wie jüngst im Falle Neville Marriners oder Stanislaw Skrowaczewskis). [Konzertkritik lesen]

Opernkampf

Sebastian Kohlhepp und Philipp Nicklaus Foto: Christoph Kalscheuer

Mit intellektuellem Spiel kommen Jossi Wieler und Sergio Morabito Händels Oper „Ariodante“ an der Oper Stuttgart nicht wirklich bei - musikalisch aber überzeugt die Aufführung durchweg
Von Laszlo Molnar

(Stuttgart, 5. März 2017) Ist das wirklich die Stuttgarter Oper? Dasselbe Haus, in dem vor nicht so langer Zeit Calixto Bieito das  Publikum ganz tief in den Zauberwald von Henry Purcells „Fairy Queen“ hineinzog, Frank Castorf es der dunklen Glut von Gounods „Faust“ ausgesetzte? Nun sitzt man reichlich ratlos und unberührt in einer schier endlosen  Aufführung von Händels Oper „Ariodante“, vier Stunden inklusive Pause, welche die Herren des Hauses, Jossi Wieler und Sergio Morabito, selbst angerichtet haben. [Premierenkritik lesen]

Aufwühlend heterogen

Foto: Andrea Huber

Fabios Luisi dirigiert Mahlers Neunte bei den Münchner Philharmonikern und kombiniert sie sinnreich mit Webern
Von Robert Jungwirth

(München, 4. März 2017) Es gibt das schöne Bonmot von Wien als der Versuchsanstalt für den Weltuntergang. Es entstand vielleicht auch deshalb, weil in dieser Künstlerstadt, die Wien zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war, von vielen Künstlern seismographische Ausschläge des nahenden Unglücks des Ersten Weltkriegs verzeichnet wurden. Gustav Mahlers Werke stehen geradezu paradigmatisch für dieses seismographische Gespür. [Konzertkritik lesen]

Poesie der Verzweiflung

Mark Stone und Jennifer Larmore Foto: GTG/Carole Parodi

Alban Bergs "Wozzeck" in Genf
Von Derek Weber

(Genf, 2. März 2017) Alban Bergs "Wozzeck" widmet man sich entweder ganz oder gar nicht. Ein Drittes gibt es nicht. Das liegt an Georg Büchners literarischer Vorlage wie an der kongenialen musikalischen Umsetzung durch den Komponisten, aber auch an den schlimmen Zeitumständen, die das Werk erschreckend klar in Noten bannte, sowohl den Kasernenhof, wie auch die Trostlosigkeit des Lebens der "armen Leut´", deren Widerhall sich als Leitmotiv durch die ganze Oper zieht. [Premierenkritik lesen]

Narkotische Liebesarie

Elina Garanca begeistert mit einem Arienabend in Köln
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 21. Februar 2017) Als „Engel mit Himmelsstimme“ bezeichnete einst der greise Arturo Toscanini die junge, aufstrebende Renata Tebaldi, überwältigt von dem üppig fraulichen Timbre ihres Soprans. „Elina Garanca, Himmelskönigin“ überschrieb wiederum der Wiener „Standard“ vor kurzem einen Wiener Auftritt der lettischen Mezzosopranistin, dem Tourneeauftritte in Deutschland folgten. Köln war jetzt die vorletzte Station. [Besprechung lesen]

Küsse im Altersheim

Ambrogio Maestri als Falstaff Foto: Teatro alla Scala

Zubin Mehta dirigiert den Salzburger „Falstaff“ an der Mailänder Scala
Von Georg Rudiger

(Mailand, 21.Februar 2017) Es ist die dritte Saison von Alexander Pereira als Intendant der Mailänder Scala. Neben guten wirtschaftlichen Zahlen – ein Drittel des 125-Millionen-Euro-Budgets wird von Sponsoren finanziert – kann der Österreicher mit Riccardo Chailly als Generalmusikdirektor einen der derzeit wichtigsten Dirigenten präsentieren. Im Jahr 2015 konnte Pereira zur Mailänder Expo mit vielen Extra-Veranstaltungen wie einem Orchesterfestival auch künstlerische Akzente setzen. Die aktuelle Saison, die am 7. Dezember 2016 mit einer von Chailly dirigierten „Madame Butterfly“ eröffnet wurde (siehe Kritik auf KlassikInfo.de), ist eine Mischung aus beliebten Opern und wenigen Raritäten. Häufig greift der Intendant dabei auf alte Produktionen zurück, insbesondere aus Zürich oder Salzburg, seinen vorhergehenden Wirkungsstätten. [Opernkritik lesen]

Der König und sein Liebhaber

Michael Nagy Foto: Monika Rittershaus

„Edward II.“ nach Marlowe erstmals als Oper von Lorenzo Scartazzini - Uraufführung an der Deutschen Oper Berlin mit Michael Nagy in der Titelpartie
Von Klaus Kalchschmid

(Berlin, 19. Februar 2017) Derek Jarman hat 1992 mit „Edward II.“ eine brillante, ausnehmend moderne und doch sehr poetische und berührende Verfilmung des Stücks von Christopher Marlowe gedreht und den Stoff ins 20. Jahrhundert ausstrahlen lassen. [Opernkritik lesen]

Schonungslos intensiv

Grande salle Pierre Boulez Philharmonie de Paris Foto: W. Beaucardet

Daniil Trifonov und die Münchner Philharmoniker unter Valery Gergiev zu Gast in der Pariser Philharmonie und zuvor in Köln
Von Robert Jungwirth und Christoph Zimmermann

(Paris, 21. Februar 2017) Wenn es schon bei der Anspielprobe vor leeren Sitzreihen so atemberaubend gut klingt, dann muss das auch am Saal liegen. Und man am liebsten gleich hier bleiben würde, um all die wunderbaren Orchester und Solisten zu hören, die in den nächsten Tagen und Wochen auftreten. [Konzertkritik lesen]

Gegen die Bürgerlichkeit

Foto: Theater an der Wien/Kmetitsch

Werner Egks Oper „Peer Gynt“ am Theater an der Wien
von Derek Weber

(Wien,  19. Februar 2017) Dass Stalin Dmitri Schostakowitsch' "Lady Macbeth von Mzensk" nicht mochte, ist bekannt. Was aber brachte wohl Hitler dazu, Werner Egks Vertonung von Ibsens tragikomischer, böser Schelmengeschichte von Peer Gynt von 1938 so umwerfend gut zu finden? [Opernkritik lesen]

Requiem für Lulu

Luftgymnastik: Barbara Hannigan, Ivan Ludlow Foto: Monika Rittershaus

Mit einer sensationellen Fassung des 3. Akts krönen Marthaler/Nagano und die fantastische Barbara Hannigan in der Titelrolle ihre Hamburger „Lulu"
Von Klaus Kalchschmid

(Hamburg, 18. Februar 2017) „Graziöseste Luftgymnastikerin der Jetztzeit“ wird Lulu in Alban Bergs Oper vom Athleten genannt. Und Regisseur Christoph Marthaler kann das mit der gelernten Tänzerin und famosen Sängerin Barbara Hannigan auch zeigen: Schon während des Duetts mit dem Maler rollt sie sich in Endlosschleife aus der Pose einer mit dem Rücken zum Betrachter liegenden Frau, von der man nur das hellblaue Kleid und die nackten Füße sieht... [Opernkritik lesen]

Finnische Genesis

Karita Mattila Foto: Marica Rosengard

Karita Mattila singt „Luonnotar“ von Sibelius, Jukka-Pekka Saraste leitet das WSO
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 17. Februar 2017) 2017 gedenkt man wohl primär des großen Kirchenreformers Martin Luther. Personenungebundene Jubiläen gehen da etwas unter, etwa die Unabhängigkeit Finnlands vor hundert Jahren nach langer Unterdrückung durch Russland und Schweden. In der Biografie des für dieses Land so repräsentativen Komponisten Jean Sibelius (er starb vor sechzig Jahren) hat sich diese Entwicklung niedergeschlagen. [Konzertkritik lesen]

Kunst ist der Spiegel unserer Seele

Joyce DiDonato als Semiramide Foto: W. Hösl

Die amerikanische Mezzosopranistin Joyce diDonato ist der Star in Münchens Neuinszenierung von Rossinis „Semiramide“ an der Bayerischen Staatsoper. Im Interview erzählt sie von ihrer Sicht auf diese männermordende Figur und warum Santa Fe eine ganz besondere Stadt für Oper ist.

KlassikInfo: Frau DiDonato, die Opern Rossinis bilden einen gewissen Schwerpunkt in ihrem Repertoire. Semiramide ist seine späte Oper Rossinis. Wie würden Sie die Musik dieser Oper charakterisieren?Di Donato: Mich erinnert sie ein wenig an Mozarts Idomeneo – beide Komponisten haben zunächst das Genre vorangebracht und wollten dann aber wieder zu einer klassischeren Form zurückkehren...[Interview lesen]

Verkannter Wegbereiter

Foto: Belinda Lawley

In London wurde das Gedenkjahr zum 200. Todestag des französischen Frühromantikers Étienne-Nicolas Méhul mit einem hochkarätigen Konzert der Stiftung Bru Zane eingeläutet
Von
Antje Rößler

(London, 10. Februar 2017) Abends leuchtet die würfelförmige Kirche St. John’s im Londoner Stadtteil Westminster wie eine Pralinenschachtel. Rosa und orange strahlt die Innenbeleuchtung aus dem barocken Kirchenschiff, das im Krieg bei einem Bombenangriff zerstört und dann zum Konzertsaal umgebaut wurde. Abendkasse, Garderobe und Restaurant befinden sich unterirdisch in der Krypta. [weiter]

Babylon in Nordkorea

Joyce DiDonate und Alex Esposito Foto: Anne Kirchbach

Nach 180 Jahren gibt es in München wieder eine szenische „Semiramide“, exzellent besetzt u.a. mit Joyce DiDonato und mit einem sensationellen Staatsorchester unter Michele Mariotti
Von Klaus Kalchschmid

(München, 12. Februar 2017) Man hätte es nach den doch arg zähen 110 Minuten des ersten Akts - was erzählt Wagner nicht alles im ebenso langen 1. Aufzug seiner „Götterdämmerung“! - kaum erwartet, dass nach der Pause plötzlich ein spannendes Drama beginnt, das immerhin auf einem Schauspiel Voltaires basiert: Semiramide, einst Mörderin ihres Gatten und mutmaßlich auch des verschollenen gemeinsamen Sohns, wird in ihrem Schlafzimmer bedrängt vom Mittäter Assur, der seinen Teil an Thron und Bett der Usurpatorin einfordert. [Premierenkritik lesen]

Im Trump-Tower

Joyce DiDonato Foto: Anne Kirchbach

Video-Nachtkritik zu Rossinis "Semiramide" an der Bayerischen Staatsoper:
https://www.youtube.com/watch?v=uAjkQ401-_4&t=26s

Sexuelle Raserei

Foto: Martina Mikelić, Szabolcs Brickner Foto: Volksoper Wien

Erich Wolfgang Korngolds Oper "Wunder der Heliane" konzertant an der Wiener Volksoper
Von Derek Weber

(Wien, 2. Februar 2017) Dmitri Schostakowitsch hat einmal über seine 4. Symphonie gesagt, sie leide an "Grandiosomanie". Er hat Erich Wolfgang Korngolds "Wunder der Heliane" vermutlich nicht gekannt. Sonst hätte er im Urteil über sich selbst vielleicht größere Zurückhaltung walten lassen. [Konzertkritik lesen]

Perkussiv in den Raum geschleudert

Vilde Frang Foto: Marco Borggreve

Vilde Frang zu Gast beim Gürzenich-Orchester unter Francois-Xavier Roth
Von Christoph Zimmermann

(Köln, 5. Februar 2017) Wenn die Geigerin Vilde Frang das Podium betritt  erwartet man bei aller Energieausstrahlung der jungen Künstlerin nicht unbedingt eine dramatisch explosive Interpretation. Superschlank und zart in der Erscheinung, dazu wirkungsvoll umweht von den Stoffen ihrer luftigen Robe schwebt sie eher wie eine Elfe herein. [Konzertkritik lesen]

Schule der Liebenden

Foto: Opera di Roma

Mozarts "Cosi fan tutte" an der Staatsoper Rom, inszeniert von Graham Vick, dirigiert von der römischen Dirigentin Speranza Scapucci

Von Thomas Migge

(Rom, Ende Januar 2017) Eine Schultafel mit der Aufschrift „Cosi fan tutte" und der Untertitel „La scuola degli amanti". Die Tafel wird kurz nach der Ouvertüre hochgezogen und die Handlung kann beginnen. Eine Handlung, die der britische Regisseur Graham Vick in eine moderne Schule, in einen Klassenraum verlegt hat. Eine Entscheidung, die einen guten Teil des traditionellen römischen Publikums so sehr verstört hat, dass der am Ende der Premiere zahllose „Buhs" auf Vick nieder rasseln ließ. Unverdienterweise. Denn Vicks fünfte(!) Cosi-fan-tutte-Inszenierung ist sicherlich eine seiner besten. Selten passen ein Mozart-Libretto und eine zeitgenössische Inszenierung so perfekt zusammen. [Opernkritik lesen]

Oper wider das Vergessen

Foto: Forster

Das Musiktheater im Revier brachte Mieczyslaw Weinbergs "Die Passagierin" in einer bewegenden Inszenierung neu heraus
Von Christoph Zimmermann

(Gelsenkirchen, 28. Januar 20917) Am Tag vor der Premiere, also am 27. Januar, gedachte man in Deutschland der Befreiung der Konzentrationslager vor 72 Jahren. Es gibt Filmaufnahmen von den überlebenden Insassen, ausgemergelt, gespenstisch, die Angst über Erlebtes noch in die Gesichter geschrieben. Diese Bilder sind nur schwer auszuhalten. Das Anschauen sollte aber jedem zwangsverordnet werden, der die „braunen“ Jahre verharmlost oder gar neu herbei zu rufen sich nicht schämt. [Premierenkritik lesen]

Meryl Streep und Richard Gere bejubeln Philip Glass

Philip Glass, Dennis Russel Davies und das Bruckner Orchester Linz in der Carnegie Hall Foto: Tom Mesic

Perfekter Auftakt der dritten USA-Tournee des Bruckner Orchesters Linz. Das Debüt des Bruckner Orchesters in der New Yorker Carnegie Hall zum 80. Geburtstag von Philip Glass war ein voller Erfolg - am Ende gab es Standing Ovations.

(New York, 31. Januar 2017) Mit einem heftig bejubelten Konzert feierte Philip Glass am 31. Januar in der ausverkauften Carnegie Hall seinen 80. Geburtstag. Das Bruckner Orchester Linz spielte unter der Leitung von Dennis Russell Davies die Uraufführung von Glass‘ 11. Sinfonie. [weiter]

Hang zu Bruckner

Dennis Russel Davies und Philip Glass bei den Proben zur 11. Symphonie in Linz Foto: Reinhard Winkler

Zum 80. Geburtstag von Philip Glass wird heute seine 11. Symphonie in der New Yorker Carnegie Hall uraufgeführt – vom Bruckner Orchester Linz unter seinem Chefdirigenten Dennis Russel Davies. Bei den Proben in Linz konnte man bereits einen Eindruck von dem Werk bekommen.
Von Robert Jungwirth

(Linz, im Januar 2017) Mit der Uraufführung seiner 11. Symphonie feiert der Komponist Philip Glass heute Abend in der New Yorker Carnegie Hall seinen 80. Geburtstag. Auf dem Podium wird dabei kein amerikanisches Orchester sitzen, sondern das Bruckner Orchester aus Linz, geleitet von Dennis Russel Davies. Der amerikanische Dirigent, der seit 15 Jahren als Generalmusikdirektor in Linz amtiert, ist ein intimer Kenner von Glass' Musik und hat schon zahlreiche Symphonien von Glass aufgeführt. [weiter]

Diven-Krieg

Kristina Mkhitaryan Foto: GTG / Magali Dougados

In Genf wird aus Cavallis „Il Giasone“ ein großer Theater-Spaß auf musikalisch exzellentem Niveau
Von Klaus Kalchschmid

(Genf, 28. Januar 2017) Irgendwann musste es passieren, und in der vierten Szene des 3. Akts ist das Stück schon weit fortgeschritten: Jasons heimliche Geliebte, von der er im Zelt nie das Gesicht zu sehen bekam und die sich nun als Medea entpuppt, trifft auf Hypsipyle, seine Verflossene. Beide (!) haben ihm Zwillinge geboren. Zurecht macht Regisseurin Serena Sinigaglia in ihrer Inszenierung von Francesco Cavallis Oper „Il Giasone“, die den Medea-Mythos frech neu erzählt, daraus eine Slapstick-Szene wie in einer Soap-Opera von heute. [Opernkritik lesen]

Ebenholz und französische Eiche

Quatuor Ébène Foto: Juliien Mignot

Mit dem Quatuor Ébène trat erstmals ein Streichquartett im kleinen Saal der Elbphilharmonie auf – auch in diesem Saal überzeugt die Akustik nicht uneingeschränkt
Von Klaus Kalchschmid

(Hamburg, 26. Januar 2017) Ein kleiner Schock trifft den Neuling, wenn er die „kleine Elbphilharmonie“ in Hamburg erstmals betritt, denn die Wände aus französischer Eiche unter einer hohen schwarzen Decke sind gefräst, als wären sie ein einziger Streuselkuchen oder gelbe Schwämme, wie man sie von alten Weinkellern kennt. [Besprechung lesen]

Kulturnation Deutschland – aber bitte nicht im Fernsehen

Komponisten protestierten zurecht gegen die Streichung der Rihm-Uraufführung aus dem Programm der Übertragung des Eröffnungskonzerts der Elbphilharmonie auf Arte – man kann das Fernsehen aber auch noch aus einem anderen Grund kritisieren
Von Robert Jungwirth

(Januar, 2017) Der Protest dutzender Komponisten gegen die Streichung des Uraufführungswerks „Reminiszenz“ von Wolfgang Rihm von der Liste der Aufzeichnung des Eröffnungskonzerts der Hamburger Elbphilharmonie durch den Sender Arte (siehe Meldung auf KlassikInfo.de) ist berechtigt. [Kommentar lesen]

Graben nach Jeanne d'Arc

Audrey Bonnet als Jeanne d'Arc Foto: Stofleth

Romeo Castellucci inszeniert eigensinnig-beeindruckend in Lyon „Jeanne d’Arc au bucher“ von Arthur Honegger, am Pult ist Kazushi Ono
Von Robert Jungwirth

(Lyon, 21. November 2016) Der Anfang könnte auch von Christoph Marthaler inszeniert sein. In einem altertümlichen Klassenzimmer mit abblätternder, hässlich grüner Wandfarbe und flackernder Neonbeleuchtung ist gerade Schulschluss. Die Schüler stürmen nach draußen, während ein Hausmeister in Zeitlupentempo Ordnung macht. Das heißt, zunächst macht er Ordnung, bis er innehält und plötzlich allergrößte Unordnung verursacht, Stühle und Tische auf einen Haufen wirft, die Tafel von der Wand reißt und den Bodenbelag wegzerrt. Und dann auch noch die darunterliegenden Bodenbretter und immer weiter nach unten, bis er mit den bloßen Händen in der Erde wühlt. [Premierenkritik lesen]

Ohrenöffendes Hören

Die Braut, die sich traut: Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja und der Dirigent Teodor Currentzis Foto: Nikolaevich/Sony

Teodor Currentzis und Patricia Kopatschinskaja lassen bei Tschaikowsky in Wien aufhorchen
Von Derek Weber

(Wien, 13. Januar) Manchmal muss man mit Umwegen beginnen: Teodor Currentzis ist für viele der große Guru unter den jüngeren Dirigenten. Inzwischen ist er 44 und er leitet nicht nur, wie früher, sein eigenes Ensemble namens MusicaAeterna, das er 2004 in Novosibirsk gegründet hat. Zur Zeit dirigiert er in mehreren Konzerten in einer Reihe des Wiener Konzerthauses die Wiener Symphoniker, die noch immer mit dem Ruf zu kämpfen haben, ein Musikbeamten-Ensemble zu sein, aber unter seiner Leitung gar nicht so vergreist klingen, wie das Vorurteil es nahelegt. [Konzertkritik lesen]

Ein Saal wie ein Instrument

Foto: Michael Zapf

Die Hamburger und viele Gäste feiern mit zwei Konzerten begeistert die Einweihung der Elbphilharmonie - Eindrücke vom zweiten Konzert
Von Robert Jungwirth

(Hamburg, 12. Januar 2016) "Vollendet ist das große Werk, der Schöpfer sieht's und freuet sich." So singt der Chor in Joseph Haydns "Schöpfung", die bei der Eröffnung der Elbphilharmonie natürlich nicht zu hören war. So anmaßend wollte man trotz aller Begeisterung für das wahrlich große Werk dann doch nicht sein, sich mit dem Schöpfer zu vergleichen. Ganz im Gegenteil: Nicht Pauken und Trompeten erklangen als erstes beim Eröffnungskonzert, sondern eine einsame Oboe (Kalev Kuljus), die Benjamin Brittens sehnsüchtige "Pan"-Kantilenen von einem der Ränge aus durch den Saal schickte. [Artikel lesen]

Ein Kulturtempel von internationaler Ausstrahlung

Hamburgs neues Wahrzeichen: die Elbphilharmonie Foto: Iwan Baan

(Hamburg, 11. Januar 2016) Heute wird die Hamburger Elbphilharmonie eröffnet. An den Eröffnungskonzerten des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter seinem Chefdirigenten Thomas Hengelbrock am 11. und 12. Januar im Großen und im Kleinen Saal nehmen insgesamt über 4.500 Gäste aus dem In- und Ausland teil. Darunter auch Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und zahlreiche weitere hochrangige Gäste aus Politik und Kultur sowie 1.000 Besucher, die Karten für dieses Ereignis gewonnen haben.

Rund 220.000 Teilnehmer aus 73 Ländern hatten sich an dieser Verlosung beteiligt. An beiden Eröffnungsabenden wird die Musik auch außerhalb des Gebäudes durch eine Lichtinszenierung zu erleben sein. Der historische Kaispeicher, die gläserne Fassade und die Plaza werden zur Leinwand eines spektakulären Licht- und Farbenspiels. Die Musik, die im Großen Saal erklingt, wird in Echtzeit in Farben und Formen übersetzt, die auf das Gebäude projiziert werden und die Elbphilharmonie in ihrer einzigartigen Architektur erstrahlen lassen.
Für die Veranstaltungen im Eröffnungshalbjahr standen knapp 500.000 Karten zur Verfügung, die bereits seit Wochen vergriffen sind. KlassikInfo.de wird über das Eröffnungskonzert berichten.

Kultiviert und kontrolliert

Orpheus Chor Foto: Veranstalter

Monteverdis Marienvesper und Gloria mit dem Orpheus Chor München und „Les Cornets Noirs“ im Herkulessaal der Residenz in München
Von Laszlo Molnar

(München, 8. Januar 2017) Claudio Monteverdi im Jahr seines vierhundertfünfzigsten Geburtstags – er wurde 1567 in Cremona geboren – zu feiern, das ist gar nicht so einfach. Monteverdi gehört zwar zu den ganz Großen der westlichen Musikgeschichte. Aber sein Werk, das ausschließlich aus Vokalmusik für zum Teil sehr anspruchsvolle Besetzungen besteht, passt nicht richtig zum Musikleben unserer Zeit. Den Spezialisten der Alte-Musik-Szene ist es zu verdanken, dass Monteverdis Musik wieder bekannt und insgesamt recht präsent ist. [Konzertkritik lesen]

Sandalenballett

Stechschritttanz der Römer Foto: Wilfried Hösl

Der sozialistische Realismus feiert in München mit dem Ballett „Spartacus“ fragwürdige Urständ
Von Christian Gohlke

(München, Anfang Januar 2017) Das Beste an dieser Produktion ist das von Bettina Wagner-Bergelt verantwortete Programmbuch. Ihm ist zu entnehmen, dass Spartacus für Karl Marx „den Kampf des antiken Proletariats gegen seine römischen Unterdrücker“ symbolisierte. Das machte den antiken Sklaven, gegen den der römischen Praetor Crassus zu Felde zog, im sowjetischen Russland zu einer idealen Projektionsfläche: Rom stand gleichsam für den dekadenten Westen, Spartacus und seine Anhänger für den heldischen Kampf der unterdrückten und ausgebeuteten Unterschicht. [Ballettkritik lesen]

New York, New York

Gordon Gross/pixelio.de

Laut, schmutzig und mit Gebäuden, vor denen man sich winzig fühlt. Jedes mal fasziniert und erschreckt einen New York. Mit immer neuen Skyscrapern, mit immer weniger Gebäuden aus der Zeit des Art Deco, den 1930er bis 50er Jahren.
Jenen Jahrzehnten, in denen, wie im Fall des Empire State Buildings, die schönsten Wolkenkratzer der Stadt am Hudson in die höhe gezogen wurden. Ruhig, relativ sauber, mit fast schon intimen Quartieren, schicken Boutiquen und kleinen Restaurants sind Williamsburg und Park Slope in Brooklyn.
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Man muss von einem Werk sprechen


(Salzburg, 22. Juli 2014) In Salzburg, wo Nikolaus Harnoncourt gerade die letzten drei Mozart-Symphonien mit dem Concentus Musicus aufgeführt hat (siehe Besprechung unten), stellte er auch die soeben erschienene CD mit den drei Werken vor
. Dabei sprach der Dirigent über die Verbindungen zwischen den drei Symphonien, die für ihn letztlich ein zusammenhängendes Werk bilden. Außerdem über die Vorzüge des von ihm vor 60 Jahren gegründeten Originalklangensembles. [Weiteres Video ansehen]

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