Grandiose Aufführung von Janáčeks "Glagolitischer Messe" in München
(München 16. Juli) Live ist Leos Janáceks wilde, kantige, emphatische "Glagolitische Messe" nach Texten aus dem altslawischem Ritus immer wieder ein aufwühlendes Ereignis, zumal wenn so glühend musiziert wird, wie erneut von den Münchner Philharmonikern und ihrem Chor. Denn beide Ensembles konnten ihre exzellente Aufführung im Gasteig vor vier Jahren noch übertreffen. Lothar Zagrosek nahm teilweise langsamere Tempi als seinerzeit Christian Arming, forderte aber dennoch ein Höchstmaß an Intensität und lebendiger Artikulation.
Das begann mit dem großartig geheimnisvoll gesungenen, flehentlichen "Gospodi pomiluj" (Herr, erbarme dich), setzte sich fort im denkbar vielfältig gestalteten Credo, dessen "Veruju" (ich glaube) als magische Formel immer wieder beinahe geflüstert wurde, und das in Ostinato-Rhythmen teilweise heftig vorangetrieben war, bis hin zum Höhepunkt des sich langsam immer mehr steigernden flammenden Bekenntnisses des Glaubens an die Auferstehung. Auch der schwebende Beginn des Sanctus - mit Celesta und Harfe - kontrastierte wunderbar zu den späteren intensiven Soli von Melanie Diener, Michal Lehotsky, Petr Mikulas und Katharina Kammerloher, deren exponierte Parts wie selbstverständlich, aber mit großer Dringlichkeit gesungen waren.
Derart expressiv, gepaart mit faszinierend sicherer Intonation sang auch der Philharmonische Chor, der an diesem Abend ebenso Außerordentliches leistete wie die Philharmoniker; allen voran die Blechbläser, die noch einmal in der abschließenden Intrada mit gleissendem Licht blenden durften.
Vor dieser Modell-Aufführung verblasste Mozarts B-Dur-Klavierkonzert KV 456, obwohl Till Fellner ein Höchstmaß an gestalterischer Klarheit demonstrierte und nie Mozarts diffizile Strukturen einem allzu dominierenden interpretatorischen Willen opferte. Die Philharmoniker hatten jedoch wohl die meiste Probenzeit in die Messe gesteckt und wirkten bei Mozart trotz aller Souveränität allzu unverbindlich.
Klaus Kalchschmid