Daniele Gatti mit einem Wagner-Strauss-Programm beim Strauss-Festival
(Garmisch-Partenkirchen, 31. Mai 2008) Bayreuth-Klänge kündigten das Gipfeltreffen zweier großer Komponisten an: Richard Strauss und Richard Wagner stehen sich beim Richard-Strauss-Festival 2008, das am Samstagabend in der Eissporthalle von Garmisch-Partenkirchen begann, gegenüber. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks war in großer Formation angerückt und ließ sich, gemeinsam mit Daniele Gatti von den akustischen Unbilden des Saales nicht schrecken.
Gatti, der Mailänder, der sich heuer die höheren Wagner-Weihen auf dem Grünen Hügel holt ("Parsifal"), empfahl sich - vor allem im zweiten Teil des Konzertes - als ebenso klug disponierender wie emphatisch musizierender Wagner- und Strauss-Interpret und die BR-Symphoniker spielten in Hochform. Gerade der groß dimensionierte Aufbau der symphonischen Teile aus der "Götterdämmerung" wurde filigran gesponnen, in weiten Bögen gespannt und mit verführerischem Schmelz offeriert. Gegen das glitzernde Funkeln der Rheinfahrt stemmte Gatti die Wucht des finsteren Trauermarsches. Unangefochten vom schwülwarmen Wetter brillierten die BR-Bläser mit geschmeidig-melodiösem Hörnerklang und strahlendem Trompetenton. Auch die Holzbläser (Solo-Oboe!) nutzten jede Chance farbige Vielfalt ins dichte instrumentale Gewebe zu flechten.
Ebenso bei Strauss, in dessen abschließender Tondichtung, "Tod und Verklärung", Gatti mit dem Orchester in wunderbarer Zartheit eine Vorstellung von Entmaterialisierung zauberte. Dichte und Intensität des großen Streicherapparats erlaubten ein wohl strukturiertes Klangamalgam. Leider störte, wie schon zuvor im zu massiven "Meistersinger"-Vorspiel, die Pauke das Gleichgewicht - ein gravierendes (altes) Raum-Problem.
Des jungen Strauss "Don Juan" stürmte bei Gatti draufgängerisch und mit ungebremstem Hauruck herein. Statt der eingeträufelten Baiser-Süße hätte ihm ein Schuss Esprit mehr Eleganz gegeben. Großer Beifall und Bravi.
Gabriele Luster