Revolutionäres Tanztheater

"Walkaround Time" Foto: James Kostly

Das Museum der Moderne Rupertinum in Salzburg zeigt die erste Foto-Ausstellung über den Tanz-Revolutionär Merce Cunningham (1919-2009) und die von ihm gegründete Dance Company

(Salzburg, Ende August 2012) Nach sieben Jahren als Solo Künstler an der New York Company beendete Merce Cunningham 1945 die Zusammenarbeit mit seiner langjährigen Mentorin Martha Graham, um einen eigenen, neuen Stil zu entwickeln. Acht Jahre später, gründete er die Merce Cunningham Dance Company, die das Tanztheater durch ihre neuartigen Produktionen revolutionierten sollte. In Rund 200 Fotografien gibt die Ausstellung im Salzburger Rupertinum einen Überblick über das Schaffen und Wirken des großen Tänzers und Choreografen Merce Cunningham.

Das Herzstück der Ausstellung befindet sich im Längsraum des zweiten Stocks. Einige der bedeutenden Produktionen der Dance Company, wie etwa "Rain Forest" oder "Walkaround Time" werden hier porträtiert. Dabei wird sehr eindrücklich klar, wie wichtig andere Kunstformen für Cunninghams Arbeit waren. So inspirierte beispielsweise das Gemälde "Großes Glas" von Marcel Duchamp die Produktion "Walkaround Time"(1968 uraufgeführt), was anhand der Kombination von Fotografien, Erläuterungen und Videoinstallationen für den Besucher gut nachzuvollziehen ist. Auf einer anderen Fotografie ist Cunningham mit Andy Warhol zu sehen. Von dessen Ausstellung "Silver Cloud" war der Tänzer so beeindruckt, dass er ihn darum bat, das Bühnenbild zu "Rain Forest" zu gestalten. Allerdings übernahm Cunningham nicht Warhols Vorschlag, die Tänzer nackt auftreten zu lassen. Wer genug Zeit mitnimmt, hat die Möglichkeit sich die Produktionen in voller Länge an den bereitgestellten Bildschirmen anzusehen.

Parallel dazu erfährt man viel über die wesentlichen Kriterien der neuartigen Tanzkonzeption Merce Cunninghams. So war es ihm ein Anliegen, den Tanz von der Musik zu trennen und so eine größere Verselbständigung der Bewegung zu ermöglichen. Trennung muss in diesem Kontext als Emanzipation und nicht als Verzicht verstanden werden. Musik, besonders die seines Lebenspartners John Cage, spielte für sein Schaffen stets eine immense Rolle. Das Neuartige in Cunninghams Arbeit, im Vergleich zum konventionellen Tanztheater, war nun aber, dass die Bewegungen unabhängig zum Klang verliefen. Sie orientierten sich nur punktuell an ihm, anstatt sich ihm unterzuordnen. Um diesem Grundsatz gerecht zu werden, verzichtete Cunningham weitestgehend darauf, Tänzer mit klassischer Ballettausbildung zu engagieren, um noch spontanere, freiere Ausdrucksformen zu erreichen.

Die persönlichsten und künstlerisch wertvollsten Fotografien der Ausstellung, befinden sich im dritten Stock der Räumlichkeiten. Stand in dem anderen Teil die Arbeit des Künstlers im Vordergrund, so geht es nun mehr um den Menschen Cunningham. Die sensiblen schwarz/weiß Aufnahmen von James Kostly - einem Mitglied des Tanzensembles - zeigen den Choreografen beim Proben, als nachdenklichen Lehrer, oder ganz privat. Durch das geschickte Spiel mit Licht und Konturen entstehen wunderbar stimmungsvolle Porträts.

Neuartige Ideen, insbesondere für Tanztheaters, benötigen einen geeigneten Raum zur Entfaltung. Cunningham hat diesen Raum 1971 in Westbeth ("home oft he arts"), der berühmten Heimstätte für New Yorker Künstler, gefunden. Anna Finke - selbst in der Kostümabteilung der Dance Company tätig- lichtete in mehreren eindrucksvollen Farbfotografien den Saal ab, der den Tänzern als Proberaum diente.

Die Ausstellung endet mit einigen bewegten Farbaufnahmen des russischen Balletttänzers Mikhail Barishnikov, der 1999 mit Cunningham zusammenarbeitete, und einem kleinen Bereich mit dem Titel "Merce Cunningham in Salzburg", der das einzige Gastspiel der Merce Cunningham Dance Company in der Festspielstadt dokumentiert (1987).

Philip Brückner

Die Fotosaustellung ist noch bis zum 11. November im Salzburger Museum der Moderne Rupertinum zu sehen.