András Schiff mit dem Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer zu Gast in München
(München, 3. Juni 2008) Es spricht entschieden für die künstlerische Reputation des Budapest Festival Orchestras, dass es bei seiner aktuellen Tournee nicht einfach auf sattsam bekannten Repertoire-Schlachtrössern einherreitet, sondern mit Stücken aufwartet, die nur selten auf den Spielplänen der Orchester zu finden sind. In wunderbarer Balance und Symmetrie wechselten die Ungarn Werke von Strawinsky und Dvorak miteinander ab. Charmant und mit der nötigen Beiläufigkeit bei gleichzeitiger hellwacher Konzentration und Pointiertheit witzelten sie in Strawinskys kammermusikalischem Concerto in Es aus dem Jahr 1938. Macht Strawinsky sich hier nicht auch ein wenig über die Mäzene lustig, für die er dieses Werk komponierte? Ein fantastisches Kleinod meisterlicher Kontrapunktik und Instrumentationskunst - von den Ungarn mit hintergründigem Humor interpretiert: so muß der klassizistische Strawinsky klingen!
Nicht minder überzeugend danach das Klavierkonzert g-moll von Antonin Dvorak, mit einem András Schiff in Höchstform. Schiff entlockte dem Werk durch sein wunderbares Portato-Spiel eine ungeheuere Brillanz und Vitalität, ließ es aber auch romantisch fließen, wo es nötig war. In einer solchermaßen begeisternden Interpretation stellt man das Werk gerne neben die Konzerte von Schumann und Brahms - woran auch das Orchester unter Fischer mit großer dynamischer Flexibilität und Klangschönheit seinen Anteil hatte.
Drei zum Teil kaum bekannte Orchesterminiaturen von Dvorak eröffneten den zweiten Teil: die Legende b-moll, das charmant in einen traumhaften Walzer hinübergleitende Notturno H-Dur und der glutvolle Slawische Tanz in A-Dur. Allen drei Stücken widmete sich das Budapest Festival Orchestra mit illustrativer Gestik und emotionalem Tiefgang.
Was auch für Strawinskys viersätzige Suite aus seinem Ballett "Der Feuervogel" gilt, mit der das Konzert endete: Wie schon beim Eröffnungsstück standen auch hier klangliche Einzelereignisse in perfektem Zusammenklang mit dem Gesamtgeschehen. Fischer ist ein wunderbarer Orchestererzieher, dem dieses von ihm gegründete Orchester nahezu blind folgt. Umso schöner, wenn ein solch homogener Klamgkörper auch noch den Mut und das Engagement besitzt, sich für weniger bekanntes Repertoire stark zu machen. Ein großer Abend in der Münchner Philharmonie!
Robert Jungwirth