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Die Festspielnacht der Bayerischen Staatsoper und andere Ärgernisse
Angelegentlich der Münchner Opernfestspiele gibt sich die Bayerische Staatsoper gerne leutselig. An manchen Tagen, nicht an allen. Denn Leutseligkeit kostet Geld. Dafür hat die Staatsoper zwar keinen Etat, aber Sponsoren. Die geben huldvoll Geld für ausgewählte Ereignisse wie die Festspiel-Nacht. Damit können dann Höfe, Gassen, Plätze und Kundenhallen mit Live-Musik beschallt und bespielt werden, auf dass sich das zahlreich herbeiströmende Publikum bei freiem Eintritt daran erfreuen möge - oder wie es der Programmverantwortliche Cornel Franz (Staatsoper) formuliert: "...damit diejenigen, die keinen Eintritt in ihre Lieblingsveranstaltung gefunden haben, sich nicht ausschließlich der Prosecco-Tröstung hingeben müssen." Nicht im Alkohol, sondern in der holden Kunst lasst uns also Trost und Hoffnung suchen!
Daß diese sechste Festspiel-Nacht nicht der "dritte Aufguss" dieser Veranstaltungsreihe ist, wie Franz im Programm vorhersagt, kann man leider nicht wirklich bestätigen. Dazu sind zu viele der üblichen Verdächtigen unterwegs. Ärgerlicher ist allerdings, dass es mit der versprochenen Leutseligkeit nicht weit her ist. Denn wer zu den Highlights wie den "Ausschnitten aus Rossinis "Die Liebesprobe" mit Studenten des Opernstudios" möchte, von wahrhaften Highlights wie den Auftritten von Angela Denoke oder Kent Nagano ganz zu schweigen, der muss sich mindestens eine halbe Stunde vorher in eine quälend lange Schlange einreihen, und kommt dann vielleicht doch nicht an den Zerberussen besagter Kundenhalle vorbei. Die Angestellten der Sponsor-Bank und vor allem aber deren zahlungskräftige Großkunden dürfen selbstverständlich jederzeit über separate Eingänge in die Kundenhalle. Dort tummelt sich das Fußvolk ebenerdig im Pulk, während die Banker es sich eine Etage höher bequem machen. Der Geldadel läßt sich von der Bayerischen Staatsoper eine musikalische Sause anrichten und "verkauft" das Spektakel als "Oper für alle" - Das ist die Rearistokratisierung von Kunst unter dem Deckmantel der Demokratie.
Türsteher an den Pforten zum Kulturgenuß, der vorgeblich für alle sein soll und es de facto nicht ist, sind ein Unding. Kann man die Türen nicht einfach geöffnet lassen? Voll ist voll, auch ohne Türsteher. Oder die Oper sucht sich eben offene Plätze für derartig gefragte Darbietungen (dann aber bitte mit Podium, damit auch die weiter hinten Stehenden noch was sehen können!)
Eine Steigerung der Sponsoren-Selbstfeier bestünde übrigens darin, die Sponsoren das nächste Mal selbst auf eine der vielen Bühnen zu setzen, sie essen und trinken zu lassen und dabei vom Fußvolk besichtigen zu lassen. So haben es die Fürsten im Barock auch gemacht.
Fußnote:
Ein anderer Sponsor der Bayerischen Staatsoper - Hersteller besonders großer und schneller Dreckschleudern - darf seine Gefährte als Gegenleistung für ein paar Peanuts (die ja doch nur der Steuerzahler zahlt) sogar vis-a-vis der Oper ausstellen. Da, wo es früher noch Kunst zu den Festspielen zu bestaunen gab, stehen jetzt Sportwagen herum, die Grundversion für schlappe 100.000 Euro. Das kann man auf einer eigens aufgestellten Infotafel lesen. Dort steht auch, dass das Gefährt innerstädtisch auf 100 km mehr als 20 Liter verbraucht! Vielleicht sollte man mal überlegen, gewisse Firmen der political correctness halber vom Kultursponsoring auszuschliessen.
Robert Jungwirth