Beethoven und Mahlers Erste mit Luisi und der Dresdner Staatskapelle
(München, 9. April 2008) Eigentlich keine schlechte Idee, Ludwig van Beethovens C-Dur-Klavierkonzert, das er 1806 26-jährig komponierte, mit jener Symphonie zu koppeln, die Gustav Mahler in den Jahren um 1886 im selben Alter schrieb - seine Erste. Doch beim Konzert der Dresdner Staatskapelle unter Fabio Luisi in der Philharmonie kollidierte die absolute, trotz aller Energie klassizistische Musik Beethovens mit der geradezu überbordend exzessiven Welthaltigkeit der Mahler-Symphonie. Denn selbst im herrlich pointierten und auch von Margarita Höhenrieder und den Dresdnern aufregend dargebotenen Finale des Klavierkonzerts drang keine außermusikalische Luft zwischen die Noten. Der erste Satz erweckte gar den Eindruck allzu großer Gediegenheit und sanfter Zurückhaltung, so fein auch der langsame Satz musiziert war.
Wie ausgewechselt waren Dirigent und Orchester dagegen bei Mahler. Schon der "wie ein Naturlaut" im Flageolett der Streicher flirrend zu spielende Beginn signalisierte sinnlich Konkreteres: den intensiven, ebenso tragischen wie lustvollen Kampf eines jungen Mannes mit sich und der Welt. Famos, wie das in den vier Sätzen zum klingenden Ereignis wurde, mit fantastischer Modulationsbreite der Tempi, Lautstärkegrade und klanglichen Farbmischungen. Ob wildes Scherzo oder satirischer Trauermarsch, sich in die Gehörgänge bohrende expressive Melodien, ein immer wieder leises Verdämmern und erneutes Aufflackern des Feuers oder das "Allegro furioso" des Finales: es stimmte einfach alles. Jedes Solo, jedes große Crescendo, Entfesseltes wie leise Versickerndes, Volksliedhaftes wie grelle Militärmusik wuchsen organisch auseinander. Kurzum: alle, die nicht dabei waren, dürfen sich auf den DVD-Mitschnitt für das Label euroarts freuen.
Klaus Kalchschmid