Zu Beginn des Elmauer Festivals, das noch bis zum 4. November andauert, gab es für den wegen eines Streiks in Paris hängen gebliebenen französischen Trompeter Erik Truffaz und seines Ensembles einen viel versprechenden Auftritt des Quartetts um den jungen Münchner Saxophonisten Till Martin (mit Geoff Goodman, Gitarre, Andreas Kurz, Baß und Bastian Jütte, Schlagzeug): feinsinnig ausbalancierter, melodiöser und ideenreicher Kammerjazz auf hohem instrumentalen und musikalischen Niveau. Weniger überzeugend geriet der Versuch, Musik des Gitarristen John McLaughlin für Streichquartett zu arrangieren. Dem Wiener Radio.String.Quartet gelang es nicht wirklich, den Vorlagen etwas Substanzielles hinzuzufügen.Bei dem jungen aus Russland stammenden Pianisten Wanja Belaga vermochte man die "Referenzen" Chopin und Liszt zwar problemlos zu erlauschen, blieb aber beim Versuch aus dem rauschhaften Virtuosenflirren etwas wie eine Melodie oder ein Thema herauszuhören aber eher erfolglos.
Ein Höhepunkt der ersten Tage dagegen war das italienische Klavierduo Stefano Bollani und Antonello Salis, zwei Erzmusikanten, die sich ohne Absprache und ohne sich anzusehen an die Flügel setzen und einfach mal hören, was sich entwickelt. Am Ende war es Lady Madonna von den Beatles in einer hinreißenden Version, die vermutlich keiner von beiden jemals wieder so spielen könnte, weil es diesen Moment so nicht wieder geben wird. Bei solchen Konzerten wird jedem Zuhörer klar, worin die Kraft und der Zauber des Jazz oder der improvisierten Musik liegen kann: in der Unverwechselbarkeit des Augenblicks.
Robert Jungwirth
Weitere Programminformationen unter: www.schloss-elmau.de