Friedrich Cerha hat in München den Ernst von Siemens Musikpreis 2012 erhalten
Für sein Lebenswerk ehrte die Ernst von Siemens Musikstiftung Friedrich Cerha am 22. Juni im Münchner Cuvilliestheater mit dem oft als "Nobelpreis der Musik" bezeichneten Ernst von Siemens Musikpreis. In seiner Laudatio würdigte der Musikredakteur der Neuen Zürcher Zeitung, Peter Hagmann, Cerha als bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts sowie als spiritus rector von Ensembles und Konzertreihen für Neue Musik. Die Eigenständigkeit Cerhas zeige sich darin, dass er sich jedem Dogmatismus verwehrte und in seiner Musik immer auch die Tradition reflektierte. In diesem Zusammenhang ist auch seine Komplettierung von Alban Bergs als Fragment überlieferter Oper "Lulu" zu sehen, die bis heute Gültigkeit besitzt und weltweit gespielt wird. Der Ernst von Siemens Musikpreis ist mit 200.000 Euro dotiert. Das Ensemble Modern brachte unter Leitung des Preisträgers dessen Stück Bruchstück, geträumt zur Aufführung. Auf dem Programm standen außerdem Werke der Komponisten-Förderpreisträger Luke Bedford, Zeynep Gedizlioglu und Ulrich Alexander Kreppein, ebenfalls gespielt vom Ensemble Modern.
Der aus Wokingham, Berkshire in England stammende und in Berlin lebende Komponist Luke Bedford studierte Komposition am Royal College und der Royal Academy of Music bei Edwin Roxburgh und Simon Bainbridge. Bedfords Musik kennt das große Format und entspringt zugleich der Liebe zum Detail; sie versenkt sich auskostend in die einzelne Figur und bricht sie im Prisma einer hoch entwickelten Klangfantasie. Motiv, Instrumentalfarbe und Harmonik verschmelzen in ihr zu einer komplexen Einheit, aus der Texturen von zugleich distanzierter und dringlicher Intensität erwachsen.
Zeynep Gedizlioglu wuchs in Izmir und später in Istanbul in der Türkei auf. Sie studierte Komposition bei Cengiz Tanc in Istanbul, Theo Brandmüller in Saarbrücken, Ivan Fedele in Strasbourg und bei Wolfgang Rihm in Karlsruhe. Ihre Kompositionen verbinden den Aplomb der starken Geste mit der Genauigkeit für die individuelle Einzelheit. Zeynep Gedizlioglus Musik erscheint als nachhaltiger künstlerischer Einspruch gegen das Prinzip der
Homogenität und die Planierung von Differenz.
Beredsamkeit und Vielstimmigkeit sind die hervorstechenden Eigenschaften im Werk Ulrich Alexander Kreppeins. Die Präsenz unterschiedlicher kompositorischer Sprachformen und die Integration auch historisch divergierender Tonfälle verleihen seiner Musik eine besondere Dichte und Artikuliertheit. Kreppein wuchs in Baden-Württemberg auf und studierte Komposition u.a. bei Manfred Trojahn und Tristan Murail.
Insgesamt vergab die Ernst von Siemens Musikstiftung in diesem Jahr 2012 2,7 Millionen Euro. Davon entfallen rund 2,4 Millionen Euro auf die Förderung zeitgenössischer Musikprojekte in über zwanzig Ländern weltweit. Neben Kompositionsaufträgen werden Konzerte und Veranstaltungsreihen unterstützt, sowie Kinder- und Jugendprojekte, die den Zugang zur zeitgenössischen Musik ermöglichen und erleichtern. Wettbewerbe, Akademien und Workshops werden ebenso gefördert wie wissenschaftliche Einzelpublikationen und Gesamtausgaben. Zahlreiche Festivals erfahren zudem Mehrjahresförderungen durch die Ernst von Siemens Musikstiftung.
rj