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Zum Tod der großen Sopranistin Elisabeth Söderström
(21. November 2009) Auch wer die wunderbare schwedische Sängerin nie live auf der Bühne erlebt hat, kennt seit seiner Jugendzeit diese wunderbar warme, auf so feine, zarte, fast zerbrechliche Art einschmeichelnde Stimme: Mitte der 70er Jahre war Elisabeth Söderström auf Platte unter Charles Mackerras Janaceks Katja, Elina Makropulos oder Jenufa und Debussys Melisande unter Boulez. Wer diese Opern mit ihr kennengelernt hat, vergißt den ganz spezifischen Klang, die Farben, ja die Aura, die von Elisabeth Söderströms Sopran ausging, nie mehr.
Am 7. Mai 1927 wurde Elisabeth Söderström in Stockholm geboren. Sie studierte an der Musikakademie ihrer Heimatstadt und debütiert 1947 im Schlosstheater von Drottninghom in Mozarts "Bastien et Bastienne". 1955 startete ihre internationale Karriere als Ighino in Pfitzners "Palestrina" bei den Salzburger Festspielen. Zentrale Wirkungsstätte blieb trotz zahlreicher Gastspiele die Königliche Oper in Stockholm, an der sie bis 1980 Mitglied war und dort neben Janacek-Erstaufführungen auch in Uraufführungen sang, etwa 1978 in Ligetis "Le Grand Macabre".
Immer wieder war sie zu Gast in Edinburgh oder Glyndebourne. Dort sang sie in zahlreichen Strauss-Opern, etwa Komponist in "Ariadne auf Naxos", die weibliche Hauptrolle im "Intermezzo" oder die Gräfin in "Capriccio". Unvergesslich ist die Schlussszene einer Fernsehübertragung Ende der 70er Jahre, in der Elisabeth Söderström wunderbar maliziös singt und spielt: Am Ende verschließt sie das Billet an einen einen ihrer beiden Verehrer mit einem gläsernen Cocktailstäbchen, das sie vorher genüßlich zwischen die Lippen zog. Im "Rosenkavalier" war sie Sophie, Oktavian und Marschallin, letztere auch 1983 mit großem Erfolg an der New Yorker Met zu deren 100-jährigem Bestehen.
Elisabeth Söderströms Sängerleben war ein äußerst vielfältiges, umfasste Traviata und die vier Frauenrollen in "Les contes de Hoffmann" ebenso wie die Bergsche Wozzeck-Marie oder Nerone in Harnoncourts 1974er Aufnahme der Monteverdischen Poppea an der Seite von Helen Donath und Glucks Euridice mit Fischer-Dieskau, viel Britten, aber auch Lieder von Chopin, Rachmaninov und Tschaikowsky, denen sie je eine eigene Platte widmete.
Eine - immer noch als CD lieferbare - Schallplatte mit dem schönen Titel "Örhängen" nimmt als Souvenir von einem ersten Schweden-Urlaub einen Ehrenplatz im Regal ein. Die kleinen, charmanten, verspielten Lieder ihrer Heimat berühren schon deshalb, weil man sich - ohne ein Wort zu verstehen, von der bezaubernden Sprachmelodie und einer hier oft ganz bewußt kindlich naiven Stimme verzaubern lässt.
Am 20. November ist Elisabeth Söderström im Alter von 82 Jahren in Stockholm an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.
Klaus Kalchschmid