Extraklasse

Elina Garanca Foto: Paul Schirnhofer / Karina Schwarz / DG

Elina Garanca begeistert bei ihrem Münchner Liederabend mit Schumann, Berg und Strauss

(München, 25. Juli 2012) "Habanera!" ruft vor der dritten Zugabe ein Mann laut vom Rang in die Stille hinein, Elina Garanca biegt sich vor Lachen und kann kaum mehr gerade aus schauen. "Ich dachte wir sind bei einem Liederabend!" ruft sie, fordert dennoch ihren Pianisten auf, die Noten zu holen - und singt anschließend das Gewünschte mit unnachahmlicher Raffinesse und unwiderstehlichem Charme, nicht ohne mit einem Auge zu zwinkern. Danach antwortet das Publikum bei diesem fünften und letzten Liederabend der diesjährigen Opernfestspiele mit einem kollektiven Jubelschrei aus 2000 Kehlen. Und sogleich folgt eine nicht minder zündende Zarzuela.

Zuvor hatte die schöne Lettin einen klassischen oder besser gesagt romantischen Liederabend der Extraklasse gegeben: mit Robert Schumanns "Frauenliebe und -leben", Alban Bergs "Sieben frühen Liedern" und Liedern von Richard Strauss. Gerade hat Elina Garanca eine Babypause hinter sich und da singt sich's wohl vom Mutterglück in Adelbert von Chamissos Zyklus noch um vieles intensiver. Jedenfalls war die Hingabe der jungen Frau in diesen Gedichten an den geliebten Mann, von dem sie ein Kind erwartet, wunderbar zart und einfühlsam entfaltet.

Die Mezzosopranistin mit der so unverwechselbar ausdrucksvollen, biegsamen Stimme sang in einem Deutsch, bei dem man jedes Wort verstand - nicht nur dank ihrer lupenreinen Diktion, sondern auch weil sie jeder Phrase Gewicht und natürlichen Ausdruck zu geben verstand. Wenn der geliebte Mann plötzlich gestorben ist, und die junge Mutter allein bleibt, dann öffnet sich beim erst einmal ganz ohne Vibrato, aber immer lauter gesungene letzten Wort von "Die Welt ist leer" ein Abgrund. Und wenn im Nachspiel musikalisch die Erinnerung an die erste Begegnung aufscheint, dann hellt sich auch das Gesicht von Elina Garanca wieder auf, um anschließend umso fahler zu werden.

Mit fünf Liedern aus Schumanns "Myrten" op. 25 hatte Elina Garanca begonnen, die "Sieben frühen Lieder" Alban Bergs waren nach der Pause die rechte Einstimmung auf Strauss, aber was für ein grandioses Entrée! Roger Vignoles bot am Flügel auch hier eine schillernde, fein abgemischte Folie, aber die Farben, mit denen Garanca die ausdrucksvollen Linien Bergs nachzeichnete, waren frappierend vielfältig. Jetzt leuchteten Rosen ("Die Nachtigall") mit einem Mal strahlend hell oder bekam die Nacht (am Ende von "Traumgekrönt") einen ebenso intensiven wie verschatteten Schimmer.
"Leises Lied", "All meine Gedanken", "Ach Lieb, ich muss nun scheiden" oder "Meinem Kinde" zählen zu den weniger bekannten Liedern von Richard Strauss, aber bei Elina Garanca wurden sie zu Preziosen mit einer zarten Gloriole. Danach ein ergreifendes "Allerseelen" neben beglückend Strahlendem: "Heimliche Aufforderung" und "Zueignung".
Und eben "Habanera"!

Klaus Kalchschmid

Am 28. Juli (11 Uhr) singt Elina Garanca an der Seite von Roger Vignoles dieses Programm bei den Salzburger Festspielen


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