Das neu gegründete Trio Einstein aus München gab in der Allerheiligen-Hofkirche seinen Einstand mit Trios von Beethoven
(München, 13. Februar 2010) Mit hohen Erwartungen geht ins Konzert, der von der Gründung des Münchner "Trio Einstein" durch die Cembalistin Christine Schornsheim, den Geiger Rüdiger Lotter und den Cellisten Sebastian Hess erfahren hat. Die drei Musiker sind schon seit langem bekannte Größen in der Alte-Musik-Szene und gelten zu Recht als Virtuosen der Barockinstrumente. Wenn sie sich also zusammenfinden, um auf Hammerklavier, Barockgeige und Barockcello die Triomusiken der großen Klassiker Haydn, Mozart und Beethoven zu spielen, dann geht man davon aus, dass auch für die Interpretation dieser Preziosen neues passieren wird. Dem ersten Konzert in der Münchner Allerheiligen Hofkirche am Samstag abend mit Trio-Musik von Beethoven also mit Spannung entgegen gesehen.
Leider konnten die drei die Erwartungen nicht auf diesem Niveau erfüllen. Im Ohr waren die prickelnden, pulsierenden, strahlenden Beethoven-Interpretationen des Abegg-Trios. Schon mehr als 20 Jahre alt aber so vital. Im akustisch doch sehr günstigen Raum der Allerheiligen Hofkirche gelang dem Trio Einstein eine solche Darstellung nicht. Beethoven beschäftigte die Gattung Klaviertrio sein ganzes Leben hindurch, von 0pus 1 bis zum "Erzherzog-Trio" op. 97.
Beim Trio Einstein übernahm unangefochten Christine Schornsheim am Hammerflügel die Führung, sowohl klanglich als auch in der Gestaltung. Ihr musikalischer Fluss war in der richtigen Balance aus Energie, Virtuosität, Delikatesse des Klanges und einer stets schlüssigen Gliederung. Ein überragendes, souveränes Spiel voll Können und ohne Allüren.
Ihre Streicherkollegen taten sich ungleich schwerer, die richtige Linie zu finden.
Zuallererst hatten sie ständig mit der Intonation zu kämpfen; es muss an der ungleichmäßigen Temperatur in der leicht zugigen Kirche gelegen haben. Barockinstrumente sind dafür besonders anfällig. Man kennt das Spiel der beiden aus klimatisch stabileren Umgebungen ohne Fehl und Tadel. Aber der ständige Kampf gegen die falsche Stimmung irritierte die beiden Herren. Da erblühte kaum eine Linie, da erstrahlte kaum ein Ton. Besonders stark fiel das auf im Adagio des "Gassenhauer"-Trios in seiner Fassung für Violine (statt der ursrpünglichen Klarinette). Hess' Celloeinsatz kam kurzatmig, die Töne klangen rau. Wie Kammermusik auf "Originalinstrumenten" klingen kann, haben schon seit längerem Gruppen wie das Quatuor Mosaiques vorgeführt. Da gibt es für die Einsteins noch Potenzial.
Viel überzeugender, richtig spannend sogar, gelang nach der Pause die Trio-Fassung von Beethovens zweiter Symphonie, die der Komponist selbst ein Jahr nach der Entstehung der Symphonie eingerichtet hatte. Eine geniale Herausforderung für Kammermusiker, den Zauber gerade des Bläsersatzes dieses Haydn noch so nahen Werkes nachzuvollziehen. Das gelang den drei Musikern ausgezeichnet. Zwar war Christine Schornsheim wieder die Leitfigur - sie zeigte, was das Hammerklavier in Punkto Klangfarbe und Nuancen leisten kann -, aber die Streicher standen ihr an Präsenz in nichts nach. Vielleicht lag ihnen das sinfonisch-thematische Material in seinem "Verarbeitungs"-Gestus an diesem Abend besser als die mehr melodisch-gesanglichen (soweit man das bei Beethoven je sagen kann) Partien der "echten" Kammermusikstücke. Zugegeben: Da steckt doch mehr barocke Agogik drin als in der der Romantik sich zuwendenden Kammermusik.
Aus verschiedenen Gründen also war der Abend nicht geeignet, um das Niveau des Trio Einstein gerecht beurteilen zu können. Christine Schornsheim gab eine Vorlage, mit der sie ihre Kollegen in Zukunft gewiss nicht alleine lassen wollen.
Laszlo Molnar