Peter Eötvös' "Drei Schwestern" als Produktion der Theaterakademie im Prinzregententheater
(München, 9. Februar 2010) Der Komponist saß in der ersten Reihe und war, als er sich am Ende zusammen mit den Sängern auf der Bühne verbeugte, sichtlich zufrieden mit dieser Produktion seiner "Tri Sestri" an der Bayerischen Theaterakademie. Großer Jubel im ausverkauften Prinzregententheater belohnte eine überaus gelungene, im russischen Original gesungene Aufführung von Peter Eötvös' Version der "Der Schwestern" von Anton Tschechow - die zwölf Jahre nach ihrer Uraufführung in Lyon zu den meistgespielten Opern des 20. Jahrhunderts zählt. Nicht ohne Grund: Dieses "Madrigal für 13 Stimmen", so der Komponist, ist ebenso eine Sänger-Oper wie eine, deren instrumentaler Kommentar in gleich zwei Orchestern, einem kleinen im Graben und einem großen auf der Bühne eine verführerisch schillernde Vielfalt zum Hören bietet. Carl Friedrich Oberle hat dafür eine Art Kurorchester-Kuppel gebaut, dazu wenige karge Möbel: Stühle ohne Sitz, ein Tisch ohne Tafel oder ein magischer Schrank, der schon mal als Sauna dienen kann.
Nicht linear hat Eötvös seine Oper komponiert, sondern in drei Sequenzen, die das Geschehen um die drei sich nach einem sinnerfüllten Leben (in Moskau) sehnenden Schwestern jeweils anders beleuchten. Daher kehren Szenen wieder, ebenso die den Figuren an die Seite gestellten Instrumente, etwa ein Streichtrio für Irina, Mascha und Olga. Ulf Schirmer - und Joachim Tschiedel als Co-Dirigent auf der Bühne - entlocken den beiden Ensembles des Münchner Runfunkorchesters ein Kaleidoskop an sinnlichen Farben und fein geschliffenen Harmonien, bringen Kammermusikalisches zu leuchtendem Ausdruck und verleihen emotionalen Ausbrüchen große Intensität. Die Inszenierung von Rosamund Gilmore ist perfekt choreographisch durchgeformt und alles andere als realistisch. Dennoch erhält das Geschehen gerade dadurch enorme Spannung.
Jeder der 13 Sänger bietet sowohl solistisch als auch in den zahlreichen Ensembles eine reife Leistung. Hervorgehoben seien dennoch Andreas Burkhart, der den Andrej mit überaus schön timbriertem und hervorragend geführtem Bariton singt, oder Franz Schlecht als Verschinin, der schon bald alle Nervosität in der Stimme verliert und sich in seiner zentralen Szene mit Mascha immer mehr steigert. Die Mezzosopranistin Anna Lapkovskaja gestaltet deren unterdrückte Leidenschaft berührend, wie umgekehrt die Sopranistin Elvira Hasanagić als Irina eine in sich ruhende Selbstsicherheit verkörpert. Fast vergaß man dabei, dass Eötvös seine Oper nur für Männer komponiert hat, und die Partien von Olga, Irina, Mascha und Natasha für vier Countertenöre geschieben sind, gleichsam die verletzlichen Seelen der "Drei Schwestern" verkörpernd.
Klaus Kalchschmid
Weitere Aufführungen am 10. und 11. Februar (11 Uhr) sowie am 17., 19. und 21. Februar (19.30 Uhr).
Am 3., 4. und 6. Juli 2011 (!) gibt es ein Gastspiel im Rahmen des "Festivals für Neues Musiktheater" im Berliner Schillertheater.
www.theaterakademie.de