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Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier sind zu den neuen Leiterinnen der Richard Wagner-Festspiele bestellt worden.
(Bayreuth, 1. September 2008) In Bayreuth werden weiter die Wagners herrschen. Am Montag (1. September) Nachmittag entschied der Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele, die Nachfolge des Festspielleiters Wolfgang Wagner an dessen Töchter Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier zu übertragen. Damit votierte der Stiftungsrat gegen Nike Wagner und Gérard Mortier. Zum Team Katharina-Eva soll der Dirigent Christian Thielemann als "künstlerischer Berater" dazustoßen.
Im Stiftungsrat der Bayreuther Festspiele sind der Bund, der Freistaat Bayern, die Familie Wagner, die Stadt Bayreuth, die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, der Bezirk Oberfranken, die Bayerische Landesstiftung sowie die Oberfrankenstiftung jeweils als Erhalter der Richard Wagner-Festspiele vertreten. Von den insgesamt 24 Stimmen haben Bund und Freistaat Bayern jeweils fünf, die Familie Wagner vier sowie die Stadt Bayreuth drei Stimmen. Die Entscheidung sei mit großer Mehrheit zu Stande gekommen, hieß es aus verschiedenen Quellen.
Eva Wagner-Pasquiers Cousine Nike, eine Tochter des 1966 verstorbenen Wagner-Enkels Wieland, hatte sich ebenfalls um die Nachfolge Wolfgang Wagners beworben und erst in der vergangenen Woche den derzeitigen Direktor der Pariser Opern, Gérard Mortier, als Partner mit ins Boot geholt. Ihr Konzept enthielt eine vor allem geistige Ausweitung der Wagner-Festspiele durch Foren, Vortragsreihen und Diskussionsrunden. Auch war an eine zweite Wagner-Saison zu Pfingsten gedacht.
Katharina und Eva wollen ihrem Papier "Zukunft Bayreuth" zufolge die Festspiele "behutsam" erneuern, vor allem durch Steigerung der künstlerischen Qualität und eine bessere mediale Präsenz und Vermarktung. Am Kanon der zehn in Bayreuth gespielten Wagner-Opern (Holländer, Tannhäuser, Lohengrin, Meistersinger, Tristan, Parsifal und dem "Ring") soll nicht gerührt werden. Die 30-jährige Katharina wolle sich um die künstlerische Auffrischung, auch um die Gewinnung eines jüngeren Publikums kümmern, während die 63-jährige Eva für die finanziell und organisatorisch korrekte Abwicklung der Festspiele zuständig sein wird.
Eva Wagner-Pasquier hat in ihrer Laufbahn Erfahrung in wichtigen Institutionen des Opernbetriebes sammeln können. Nach dem Tod von Wolfgang Wagners Bruder Wieland übernahm Eva Wagner Aufgaben in allen Bereichen der Wagner-Festspiele. Sie brachte den Tenor Peter Hofmann nach Bayreuth und wirkte an der Gestaltung des "Jahrhundert-Rings" in der Inszenierung von Patrice Chereau im Jahr 1976 mit. Im gleichen Jahr kam es zum Bruch zwischen Eva und ihrem Vater Wolfgang, der sie offiziell vom Grünen Hügel "verstieß". Danach war sie bei der Münchner Film-Produktionsfirma Unitel für Opern- und Konzertfilme zuständig, bis sie 1984 Direktorin des Royal Opera House Covent Garden in London wurde. 1987 wurde sie Programmdirektorin der neuen Bastille-Oper in Paris. In den 90er Jahren arbeitete sie unter anderem für das Teatro Real in Madrid und die New Yorker "Met". Seit 1997 ist sie als künstlerische Beraterin des Festivals von Aix-en-Provence tätig.
Katharina Wagner machte durch Inszenierungen von Wagner-Opern auf sich aufmerksam. Sie studierte Theaterwissenschaft in Berlin und war Assistentin von Harry Kupfer an der Lindenoper. Ihr Regiedebüt gab sie 2002 mit Wagners "Der fliegende Holländer" in Würzburg. 2004 inszenierte sie "Lohengrin" an der Oper in Budapest. Ebenfalls 2004 assistierte sie Christoph Schlingensief bei seiner Inszenierung des "Parsifal" in Bayreuth. 2007 zeigte sie mit "Die Meistersinger von Nürnberg" ihre erste Arbeit bei den Bayreuther Festspielen. Anfang dieses Jahres übernahm sie gemeinsam mit ihrem Vater die nicht unumstrittene Position der Geschäftsführung der neu gegründeten "Bayreuther Festspiele Medien GmbH". Unter anderem mit diesem Unternehmen will Katharina Wagner die Festspiele durch Vermarktung einem größeren Publikumskreis öffnen und dem Festival ein jüngeres Publikum erschließen. Der Regisseur Christoph Schlingensief sagte der Nachrichtenagentur dpa, Katharina habe "denselben Drang wie ihr Vater, Irritationen zu erzeugen." Sie habe auch die "Sturheit ihres Vaters" und könne "auch wehtun", aber "manche in der Branche" brauchten das.
Eine wesentliche Neuerung im Vertrag mit der neuen Festspielleitung wird sein, dass der Vertrag nicht mehr auf Lebenszeit geschlossen wird.