Stattdessen musste am Gärtnerplatz die Drehbühne den im Film leicht zu realisierenden Wechsel der Schauplätze ermöglichen - von der Welt der "Schönen" und ihrer Familie - Vater, Schwestern, Bruder und dessen Freund - hinüber zur Welt des "Biests" - und wieder zurück. Bei Cocteau ist "das Biest" (Jean Marais) ein elegant kostümierter Adeliger mit realistischer Tiermaske, aber berückenden Augen; am Gärtnerplatz ein ganz in schlichtes Weiß gekleideter Mann mit einer Art Pferde-Maske und Zähnen wie ein Raubfisch, der geheimnisvoll nur durch einen bodenlangen Rock wirkt. Wie überhaupt acht Tänzer und Tänzerinnen als verzauberte Menschen am Hof des Biests androgyne Fabelwesen oder Blumen darstellten - teils in Hosen, teils in langen Röcken; mit Tütü oder im Ringel-Marine-Shirt.
Den Raum erfüllten stoffbespannte, hoch und niederfahrende Kuben als Andeutung von Orgelpfeifen oder Zinnen eines Schlosses (Bühne und Kostüme: Friedrich Oberle); zwei auf einem Bein tanzende schwarze und weiße Stühle, ein aus dem Unterboden schwebende Podest mit der Schönen und dem Biest bildeten surreale Versatzstücke. Mit leichter Hand choreographierte die Regisseurin auch die Bewegungen der Sänger - anfangs deutlicher als später - und erfand allerlei ironische Tanzformationen zu den stummen Szenen des Films mit "Feen und Kobolden", wie das schöne, inhaltsreiche Programmheft die Fabelwesen nennt. Damit verdoppelte sie allerdings fast durchweg die Wiederholungsstrukturen von Glass' Minimal Music - ohne eine tiefere Deutungsebene zu erreichen.
Nicht einfach war es für die Sänger, den schnellen, wenn auch simpel skandierenden Sprechgesangsduktus von Philip Glass, der dem Dialog des Films angepasst sein musste, in einer denkbar banalen Übersetzung zu realisieren: Ann-Katrin Naidu und Julian Kumpusch waren dabei ein schön anzusehendes Paar (er in der Dreifachrolle als Ungeheuer, Jugendfreund Avenant, und Prinz), wirkten beim Singen aber etwas angestrengt. Solide verkörperte Holger Ohlmann den Vater, sehr komisch prägnant Daniel Fiolka den Bruder. Stefanie Kunschke als Adelaide wurde noch übertroffen von der großartig vokal giftspritzenden und ebenso spielenden Thérèse Wincent als ihre Schwester Félicie.
David Stahl hatte sein Orchester mit den nicht einfach zu bewältigenden Strukturen Glass'scher Musik gut im Griff. Das letzte - und entscheidende - Quäntchen Präzision, damit diese Musik nicht zu langweilen beginnt, fehlte bei der Premiere freilich noch. Am Ende gab es großen Beifall, aber wer Cocteaus Film noch in guter Erinnerung hatte, mochte sich durchaus nach der "Urfassung" dieser "Filmoper" gesehnt haben.
Klaus Kalchschmid
Weitere Aufführungen: 14., 22. Januar, 9. Februar, 2., 14., 17. März, 2., 13., 24. April, 21., 22. Mai, 5. Juni 2008
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