Die Berliner Philharmoniker wechseln ab 2013 von den Salzburger Osterfestspielen nach Baden-Baden - ein Kommentar
(Berlin, 16. Mai 2011) Die Entscheidung kam überraschend, aber dennoch nicht ganz unerwartet. Schon vor Jahren hatten die Berliner Philharmoniker ihre Residenz in Salzburg während der Osterzeit überdacht und über Alternativen, bzw. die Alternative Baden-Baden nachgedacht. Jetzt also erfolgt tatsächlich der Wechsel. Überraschend ist die Entscheidung, weil sie jetzt fällt. Als vor einem Jahr unsaubere Finanzgepflogenheiten im Management der Osterfestspiele an die Öffentlichkeit gekommen waren, wäre die Entscheidung für ein Ende des Salzburger Engagements mehr als verständlich gewesen. Damals jedoch kein Wort davon. Erst jetzt, kurz nach dem (durchaus umstrittenen) Erfolg der diesjährigen Festspielproduktion "Salome" (siehe Kritik auf KlassikInfo), der Entschluss zum Wechsel. Vielleicht hat es ja auch mit der "Salome" zu tun und nicht nur mit den nicht realisierbaren "Education projects".
Vielleicht war es tatsächlich die mangelnde Begeisterung für diese Aufführung im Salzburger (und Wiener) Publikum, die den Berlinern den Rest gab. Während sie in den bedeutendsten Musikzentren der Welt gefeiert und bejubelt werden, müssen sie sich in der Provinzstadt Salzburg naserümpfende Kommentare gefallen lassen - auch und gerade weil hier normalerweise die Wiener Philharmoniker ihr Hausrecht zelebrieren und vom Publikum geradezu kultisch blind, resp. taub verehrt werden. Es ist verständlich, wenn die Berliner sich hier nicht so wohl fühlen wie z.B. in Baden-Baden, wo derartige Despektierlichkeiten nicht zu erwarten sind.
Baden-Baden kann sich freuen! Mit der Residenz der Berliner zu Ostern und den eigens dafür produzierten Opernpremieren von Deutschlands Orchester Nr.1 wird es nun endlich, was es schon jahrelang vorgibt zu sein: ein Festspielort von Weltgeltung. Und Salzburg? Die Stadt wird ihre Mühe haben, den bisherigen Rang als Osterfestspielort beizubehalten.
Robert Jungwirth