Pokerface

Die Berliner Produktion von Sergej Prokofjews Oper "Der Spieler" ist jetzt auf DVD erschienen

25 Jahre jung war Sergej Prokofjew, als er 1916 seine verrückte, unter permanentem Hochdruck stehende Dostojewski-Oper "Der Spieler" komponierte über den jungen, arroganten Hauslehrer Alexei, der sich in die Generalstochter Polina verliebt. Höchst ungeschickt offenbart Alexej der Unnahbaren, deren Geld er in ihrem Auftrag verspielt hat, seine Liebe und macht sich für sie lächerlich. Sie jedoch gibt sich einem anderen Mann hin, der sie schließlich verlässt und eine Abfindung zahlt. Polina erreicht, dass Alexej für sie die Bank sprengt. Das Geld benutzt sie, um ihn gefügig zu machen und um es ihm schließlich ins Gesicht zu werfen.  
Prokofjew komponiert eine atemlose, hitzige Oper, die seismografisch auf jedes Wort reagiert, kein Verweilen, keine ariosen Strukturen kennt. Der junge Regisseur Dmitri Tcherniakov wiederum reagiert 2008 an der Berliner Lindenoper ebenso sensitiv auf die Musik und inszeniert minutiös wie im Schauspiel in seinen eigenen, eiskalt in verschiedensten Blautönen leuchtenden Bühnenräumen. Sie zeigen nebeneinander eine Hotel-Lobby, nüchterne Privatzimmer und den Spielsalon, in dem sich der Höhepunkt der Oper ereignet.  

Viele Statisten bevölkern die öffentlichen Räume, die Handlung konzentriert sich auf den aggressiv hyperaktiven Alexej (Misha Didyk), der permanent die Fäuste in die Taschen seines Parkers bohrt, und die frigide, blendend aussehende Polina mit dem stetig herausfordernd verächtlichen Blick (Kristine Opolais, Münchens grandiose neue Rusalka). Beide sind exzellente Sängerdarsteller, wie auch Vladimir Ognovenko einen bassgewaltigen General gibt und Stefania Toczyska seine alte Tante mit immer noch erstaunlich intakter leuchtender hoher Mezzo-Stimme und erdrückender Bühnenpräsenz singt und spielt.  

Neben der Verfilmung in schwarz/weiß aus dem Jahr 1966 mit fantastischen Schauspielern, die die Sänger doubeln (Capriccio) gibt es nun eine zweite DVD, die Prokofjews kühnes, packendes Meisterwerk faszinierend deutet, von Daniel Barenboim elektrisierend am Pult der Staatskapelle geleitet und von Karina Fibich kongenial verfilmt. 

Klaus Kalchschmid

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