Countertenor David Daniels und The English Concert mit Bach und Händel im Münchner Prinzregententheater und auf CD
(München, 24. Oktober 2008) David Daniels und Georg Friedrich Händel, das sind zwei Namen, die in München in einem Atemzug genannt werden müssen. In "Rinaldo", "Saul", "Orlando" und "Tamerlano" (wieder am 22., 26. und 29. November im Nationaltheater) sang Daniels mit großem Erfolg die Hauptpartien. Schon vor zehn Jahren hat er zwei CDs mit Arien aus Händel-Opern und -Oratorien aufgenommen, gerade ist seine erste Bach-CD bei Virgin erschienen.
Im Münchner Prinzregententheater stellten der 41-jährige Countertenor und The english Concert unter Harry Bicket zwei Blöcke mit Musik der beiden im selben Jahr geborenen genialen Antipoden des frühen 18. Jahrhundert gegenüber: hier der kosmopolitische, hauptsächlich in London wirkende Komponist unzähliger Opern und Oratorien, dort der Leipziger Thomaskantor, der mit Passionen, mehreren Jahrgängen Kantaten und kühner, strenger Kammermusik fast ausnahmslos geistliche Musik schrieb.
Nach der einleitenden Orchester-Suite C-Dur folgten zunächst Arien aus Kantaten von Johann Sebastian Bach: "Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust" (aus BWV 170), "Schlummert ein, ihr matten Augen" (aus BWV 82) sowie "Qui sedes" aus der h-moll-Messe und "Erbarme dich mein" aus der Matthäus-Passion. Gerade diese Alt-Arie mit dem so großartigen Violinsolo vermochte Daniels mit Ernst, Schönheit und Expression zu singen, sicher balancierend auf dem schmalen Grat zwischen intensivem Ausdruck, stilistischer Reinheit und Glaubensgewissheit.
Dieses ergreifende Stück ist wie die große "Schlummert ein"-Arie auch auf der neuen CD zentral. Sie enthält aus der Matthäus-Passion noch Rezitativ und Arie "Du lieber Heiland du... Buß und Reu" und "Können Tränen meiner Wangen nichts erlangen"; dazu Arien aus der Johannespassion und "Schafe können sicher weiden" aus der Kantate BWV 208. Obwohl die Stimme aufnahmetechnisch in den Vordergrund gerückt ist, klingt sie live fast noch besser, genauso präsent, aber eine Spur weicher und obertonreicher - zumindest in den vorderen Reihen des Prinzregententheaters.
Im zweiten Teil stimmte The English Concert unter Harry Bicket - auch er dank seiner Händel-Aufführungen im National- und Prinzregententheater kein Unbekannter in München - mit dem Concerto Grosso Nr. 11 A-Dur aus Händels op. 6 einen pulsierenden, im Finale gar elektrisierenden Ton an und steuerten nicht nur die exzellente Begleitung bei, sondern in der Sinfonia aus Bachs "Am Abend desselbigen Sabbats" und der Passacaglia aus "Radamisto" auch exquisite Instrumentalstücke.
Bei Händel war David Daniels dann ganz in seinem Element und zog in Arien aus "Radamisto", "Partenope" und bei der grandiosen Wahnsinnsszene aus "Orlando" alle Register seines Könnens: absolut präzise und geschmeidig in den Koloraturen, mit schöner, weicher Höhe, klangvoller Mittellage und Tiefe und mit fein austarierter Expression, dabei stets prägnant und sinnvoll artikulierend und phrasierend. In "Furibondo spiralmento" aus "Partenope" konnte Daniels ebenso fulminant Rachegelüste ausspeien wie er in der Zugabe von "Qual nave amarrita" aus "Radamisto" berührend leise, wehmütige Töne fand.
Klaus Kalchschmid