
Die Tournee von Concerto Köln mit Harald Schmidt als Stargast leidet unter zu hohen Preisen - Auftakt verschoben
(Köln, im Januar 2012) Letzten Samstag sollte die Concerto Köln Tournee beginnen. Doch der Auftakt in Kiel und Lübeck fiel ins Wasser. Wegen zu geringen Kartenverkaufs, ließ der Konzertveranstalter melden! Jetzt startet die Tournee am kommenden Samstag, den 21. in Düsseldorf. Schon im Vorfeld hatte sich die künstlerische Leitung von Concerto Köln über den Veranstalter gewundert, der die Tournee aufgekauft hat und horrende Eintrittspreise verlangen wollte, nur weil der Fensehentertainer Harald Schmidt in Wolfgang Amadeus Mozarts "Schauspieldirektor" für runde 15 Minuten neben den Gesangssolisten vor dem Orchester mit auf der Bühne steht. Im Programm zwischen die erste Beethovensinfonie in C-dur und der Sinfonie in c-moll von Henri-Joseph Rigel eingebettet, übernimmt Schmidt in Mozarts kleinem Singspiel von 1786 die Sprechrolle des Schauspieldirektors Frank.
Der Hanseatische Konzertdirektor Klaus Wollny, der die Tournee aufgekauft hatte, witterte in dieser Concerto-Schmidt-Show das große Geschäft. Aber "selbst wenn ein Harald Schmidt moderiert, wer bezahlt denn 8o Euro, eventuell sogar 160 Euro mit PartnerIn für ein klassisches Konzert? Das ist absolut überzogen und schadet uns!", ärgert sich Martin Sandhoff, seit sieben Jahren der künstlerische Leiter von Concerto Köln.
130 Karten seien in Lübeck immerhin verkauft worden. Und für die hätten sowohl Concerto Köln also auch Harald Schmidt gerne gespielt. Schmidt könne sich noch gut an Zeiten erinnern, in denen 130 Zuschauer für ihn ein ausverkauftes Haus bedeutet hätten. Aber es bleibt bei dem, was Mozart und sein Librettist Johann Gottlieb Stephanie in ihrem kleinen amüsanten Bühnenstück auch aufs Korn nehmen: "den Directeur!" Denn der muss "auf die Kassa sehen ?!"
Jetzt prasselt Häme in Deutschlands Zeitungen auf ?Quotentief-Schmidt?. Als Witzvirtuose von beißenden und gerne auch einmal verletzenden Kommentaren Dritten gegenüber ist das für ihn kein Problem. In der Generalprobe letzten Freitag, als die Pressemeldung durch war, hatte er auch gleich ein Bonmot parat: "Der Direktor verlangt ja Eintrittspreise wie die Berliner Philharmoniker und Madonna zusammen!? Und gab in seiner ersten Mozartmoderation gleich bekannt, dass der Schauspieldirektor abwesend sei. Der sei in Lübeck und Kiel, wo er Ionescos Stück "Die Stühle" inszenieren müsse. Davon hätte er ja jetzt so viele!
Ärgerlich ist allerdings, dass auch die Musiker und die Gesangssolisten betroffen sind. Dabei ist die Besetzung mit Julia Bauer und Yeree Suh als Madame Herz, beziehungsweise Mademoiselle Silberklang und Julian Prégardien als Monsieur Vogelsang deutlich besser als vor zwei Jahren, als dieses Stück mit Schauspieldirektor und Buffo-Bass Harald Schmidt zum Concerto Köln Jubiläum die Kölner Philharmonie gefüllt hat. Freilich lassen Schmidts brillante Assoziationsketten und Rundumschläge, mit denen er die Theater- und Musiktheaterwelt zwischen den beiden Arien, dem Terzett und dem Schlussgesang auseinander nimmt Mozarts Musik ein wenig auseinander fallen. Jedenfalls vor zwei Jahren. Bleibt abzuwarten, ob der Moderator in diesem Jahr etwas moderater ist und gezielter auf die Musik hinführt. Amüsant wird es auf jeden Fall - und musikalisch auch ergiebig. Denn Concerto Köln schließt an Mozart die Sinfonie eines Komponisten an, für den sich das auf Originalinstrumenten aufspielende Orchester in den vergangenen Jahren sehr eingesetzt hat: Henri-Joseph Rigel Sinfonie in c-moll ist Sturm und Drang Musik in bester Manier. Eröffnet wird das Konzert mit der ersten Beethovensinfonie in C-dur - ein Stück, das Concerto Köln unter seinem Konzertmeister Markus Hoffmann sehr klassisch und in der Nähe von Mozart und Haydn interpretiert. Ein großer musikalischer Bogen also von C-dur nach c-moll - mit einer kleinen Concerto-Schmidt Show im Mittelteil!
Sabine Weber
weitere Infos unter www.concerto-koeln.de 21.01.2012, Düsseldorf, Tonhalle, 20.00 Uhr
22.01.2012, Frankfurt, Alte Oper, 20.00 Uhr
27.01.2012, Nürnberg, Meistersingerhalle, 20.00 Uhr
29.01.2012, München, Philharmonie, 19.30 Uhr
18.02.2012, Stuttgart, Liederhalle, 20.00 Uhr
02.03.2012, Bremen, Glocke, 20.00 Uhr
03.03.2012, Bielefeld, Rudolf-Oetker-Halle, 20.00 Uhr
04.03.2012, Dortmund, Konzerthaus, 17.00 Uhr
04.05.2012, Aachen, Eurogress, 20.00 Uhr
06.05.2012, Berlin, Philharmonie, 11.00 Uhr