Vier junge Cellisten haben gerade mit einem jeweils charakteristischen Programm neue Kammermusik-CDs mit Klavier herausgebracht: Daniel Müller-Schott ist mit Mendelssohn zu hören (Orfeo), Nicolas Altstaedt kombiniert Bagatellen und Romanzen in einer Mischung aus gemäßigter, melodiöser Moderne eines Wilhelm Killmayer und Robert Schumann (Genuin), Valentin Radutiu kontrastiert die ursprünglich für Geige und Klavier komponierte Franck-Sonate mit Schumann, Camille Saint-Saëns sowie der Ersteinspielung von Peter Ruzickas "Recitativo" (Oehms) und Maximilian Hornung bietet ein breites Spektrum des 20. Jahrhunderts (Sony).
Dass sich Daniel Müller-Schott ganz auf Mendelssohn konzentriert, macht seine CD zu einem schönen Komponisten-Porträt, nicht weniger gelungen als die kontrastreichen Programme seiner etwas jüngeren Kollegen. Auch hier wurde nicht zuletzt aufnahmetechnisch viel Wert gelegt auf die Balance der beiden Instrumente. Mit dem manchmal aus dem Hintergrund um so plastisch agierenden Jonathan Gilad am Flügel ist Müller-Schotts Goffriller-Cello von 1727 der Protagonist für eine stets lebendig fließende, oft virtuos angehauchte Musik in den beiden Sonaten und den "Variations concertante", fein abgerundet mit vier lyrischen Stücken.
Das 1821 in Paris gebaute Cello von Nicolas Lupot scheint für seinen Namensvetter das ideale Instrument zu sein. Denn Nicolas Altstaedt entlockt ihm eine Vielfalt zärtlichster, fein schwingender Töne, die von einer Lockerheit und einem schwebenden Klang bestimmt sind, noch wenn der 29-Jährige mit Attacke und weit ausschwingend spielt. Diese Schlankheit, ein wunderbar fein-herber Ton, gepaart mit einer enormen Flexibilität nicht nur in den Tempi bekommt sowohl Schumann (op. 94 und op. 102) im Zentrum der CD gut, wie den eigenwilligen, manchmal durchaus skurrilen Stücken Killmayers zu Beginn und am Ende. José Gallardo ist ein großartiger, ebenso perfekt harmonierender wie anstachelnder Partner am Flügel.
Valentin Radutiu stellt Schumanns op. 102, die "Fünf Stücke im Volkston für Cello und Klavier" an den Anfang seiner CD, viel breiter im Ton und weitaus romantischer gespielt als von Altstaedt, vielleicht auch dank seines warmen, dunklen Ruggieri-Cellos von 1685. Aufregend wird sein Spiel jedoch erst bei der Franck-Sonate, in der der 25-jährige eine Geläufigkeit zeigt, die schlicht staunenswert ist, aber auch manchmal schweres Abend-Parfum über getragene, melancholisch verschattete Töne legt. Viel Sinn für ungewöhnliche Klänge offenbart Radutiu im gut 10-minütigen Ruzicka-Stück, bei dem auch Pianist Per Rundberg ganz neue Seiten seiner exzellenten Partnerschaft zeigen kann.
Der Titel "Jump!" von Maximilian Hornungs dritter CD (Sony) ist ein wenig irreführend. Denn die vielen kleinen Werke eines Skrjabin, Webern, Debussy, Fauré, Frank Bridge, Heitor Villa-Lobos oder Ernst Bloch sind in der Mehrzahl ruhige, melancholische Stücke voller Sehnsucht für Cello und Klavier (Milana Chernyavska) - bis hin zur Cello-Version von Bachs berühmtem "Air", Charlie Chaplins Thema aus seinem Film "Limelight" und Georges Boulanges "Georgette". Eine eigene Bearbeitung Hornungs für sein Instrument und Klavier sind die vier "Lieder eines fahrenden Gesellen" von Gustav Mahler. Perfekt ersetzt das tiefe Streichinstrument hier die menschliche Stimme, wie überhaupt Hornung mit vielen Schattierungen und hochsensibel auf seinem Instrument "singen" kann.
Klaus Kalchschmid