Klingende Referenz an den Freund und Lehrer

CD-Box Celebrating Slava! In remembrance of Mstislav Rostropovich
Profil - Edition Günter Hänssler PH 08029

"Ich bin ein bisschen böse auf meine Kollegen im 18. Jahrhundert, die Beethoven und Mozart kannten", sagte der Cellist Mstislaw Rostropowitsch vor ein paar Jahren in einem Interview. "Das waren ganz gute Cellisten, aber als Musiker waren sie nicht besonders klug. Man muss die Freundschaft zu Komponisten suchen, sie zu Konzerten einladen, ihnen etwas vorspielen, mit ihnen ausgehen, mit ihnen essen und trinken. Man muss sie auf den Knien bitten, etwas zu schreiben." Das Interview hat Rostropowitschs ehemaliger Schüler Sebastian Hess geführt, es ist abgedruckt in dem sehr lesenswerten Booklet der CD-Box "Celebrating Slava! In remembrance of Mstislav Rostropovich". Sebastian Hess war einer der vielen hervorragenden Cellisten, die sich im Oktober 2007 zum Gedenkkonzert für den wenige Monate zuvor verstorbenen Rostropowitsch im Taunusstädtchen Kronberg versammelt haben; Mitschnitte der Konzerte, die ehemalige Weggefährten und Schüler dort gespielt haben, sind auf den insgesamt vier CDs der Box zusammengestellt.

Die Stücke eint, dass sie allesamt von Rostropowitsch inspiriert, ihm gewidmet, von ihm bearbeitet oder uraufgeführt worden sind. Denn "Slava", wie Rostropowitsch von Freunden genannt wurde, hat seine eigene Forderung beherzigt - wobei er nicht allzu oft Komponisten auf Knien bitten musste, sehr viele haben von ganz alleine für ihn und seine stupenden instrumentalen Fähigkeiten geschrieben. Rund 150 Werke sind auf seine Anregung hin entstanden, 27 davon findet sich in der CD-Box aus dem Hause "Profil - Edition Günter Hänssler". Klassiker der modernen Cello-Literatur sind dabei, wie die C-Dur-Sonate von Benjamin Britten oder diverse Kompositionen von Alfred Schnittke, aber auch Werke hierzulande weitgehend unbekannter Komponisten - und sogar zwei Stücke aus der Feder von Rostropowitsch selbst, eines davon hat er seinerzeit seinem eigenen Lehrer zum Geburtstag geschenkt.

Das Erstaunlichste an der Zusammenstellung ist, dass die Aufnahmen, obwohl größtenteils live entstanden, auf durchweg sehr hohem Niveau sind. Das ist selbst bei Altmeistern wie Natalia Gutman und Lynn Harrell keine Selbstverständlichkeit, wie viel weniger bei Nachwuchs-Musikern wie dem gerade einmal 21-jährigen Dänen Andreas Brantelid, der derzeit an der Kronberg Academy studiert - die kleine Stadt im Taunus ist ein Mekka der Zunft und eine der wichtigsten Förderstätten für junge Cellisten. Hier als Schüler angenommen zu werden, ist eine ganz besondere Auszeichnung.

Alles in allem bietet die CD-Box nicht nur einen Querschnitt durch die Cello-Literatur des 20. Jahrhunderts - von Solowerken bis hin zu Kammermusik mit Cello -, sondern auch ein kleines "Who-is-Who" der Cellistenszene - für alle Liebhaber des Instrumentes wärmstens zu empfehlen.

Eva Blaskewitz

[zur nächsten CD-Rezension]