Das Garmischer Straussfestival präsentiert "Capriccio" konzertant mit den Wiener Philharmonikern unter Peter Schneider
(Garmisch-Partenkirchen, 24. Juni 2009) Wenn sich eine Oper zur konzertanten Aufführung eignet, dann ist es Richard Strauss' "Capriccio". Das "Konversationsstück mit Musik" dürstet nicht nach der Szene, sondern offeriert eine vornehmlich theoretische Auseinandersetzung: "Prima la musica dopo le parole"- zuerst die Musik, dann das Wort oder umgekehrt? Wie geistreich, poetisch, ironisch Richard Strauss als Komponist und Librettist und Co-Autor Clemens Krauss mit dieser Frage jonglieren, das bewies jetzt die konzertante Aufführung der Wiener Staatsoper beim Garmischer Rischard-Strauss-Festival.
Wohl selten wird so viel Text transportiert, wie am Mittwochabend im Werdenfelssaal des Kongresshauses, dessen trockene Akustik die Musik oft beeinträchtigte, das Wort bei "Capriccio" jedoch förderte. Also eine klare Entscheidung für die Dichtung? Natürlich nicht. Denn der versierte Peter Schneider spannte am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper den großen Bogen und sorgte für zügigen Fluss, wobei der kammermusikalische Feinschliff nicht immer gelang. Auch die Gesangssolisten halfen, dass der Wettstreit - Stück gemäß - paritätisch endete: Musik und Wort - sie gehören zusammen und vereinen sich zur Zaubermischung Oper.
Wenn Strauss seine Gräfin das Stück in einem wunderbaren, ariosen Monolog beenden und die Künste versöhnen lässt, dann steht die Zeit still. Sie tat es auch bei Ildikó Raimondi, die sich mit zartem, geschmeidigem Ton, zunehmend höhensicher auch in der Konversation (Terzett und Oktett) Gehör verschaffte.
Mit gepflegtem, virilem Bariton forderte Markus Eiche als temperamentvoller Dichter Olivier seinen Vorrang - auch im Herzen der Gräfin. Jörg Schneider hielt als Musiker Flamand mit hellem, zuweilen etwas forciertem Tenorklang tapfer dagegen. Dennoch: Unentschieden. Auf der Gewinnerseite rangierte vielmehr der Grafenbruder (Morten Frank Larsen mit eher ruppigem Bariton-Charme), der seine angebetete Clairon (Elisabeth Kulman) nach Paris begleitete. Als aufgeplusterter Theaterdirektor La Roche trumpfte Wolfgang Bankl bassgewaltig auf. Zum köstlichen Schmankerl geriet der Auftritt der Diener, die in Wort und Ton hinreißend typisiert waren.
So geriet "Capriccio" selbst für jene, die die Entstehungszeit dieses Kunstwerks - 1942 - irritiert, zum Genuss.
Gabriele Luster